Kraftwerk Jänschwalde

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Kraftwerk Jänschwalde
Kraftwerk Jänschwalde, 2010
Kraftwerk Jänschwalde, 2010
Lage
Kraftwerk Jänschwalde (Brandenburg)
Kraftwerk Jänschwalde
Koordinaten 51° 50′ 3″ N, 14° 27′ 26″ OKoordinaten: 51° 50′ 3″ N, 14° 27′ 26″ O
Land Deutschland
Gewässer Umgebungsgewässer und Grundwasser aus den naheliegenden Tagebauen
Daten
Typ Wärmekraftwerk
Primärenergie Fossile Energie
Brennstoff Braunkohle (Lausitzer Revier)
Leistung 3000 MW, davon
2000 MW in Betrieb und
1000 MW in Sicherheitsbereitschaft (2018/ 2019)
Betreiber Lausitz Energie Kraftwerke AG (LEAG)
Projektbeginn 1970er
Betriebsaufnahme 1976–1988
Turbine viergehäusige Kondensationsturbine
Kessel 2 × 815 t/h (pro Block)
Feuerung Braunkohlenstaub
Eingespeiste Energie 2018 19.500 GWh
Website Kraftwerk Jänschwalde
Stand 1. Oktober 2019
f2

Das Kraftwerk Jänschwalde ist ein Wärmekraftwerk im Südosten Brandenburgs, das überwiegend mit Braunkohle aus den Niederlausitzer Tagebauen Jänschwalde und Welzow-Süd befeuert wird. Kraftwerksbetreiber ist die Lausitz Energie Kraftwerke AG (LEAG).

Das Kraftwerksgelände befindet sich in der Gemarkung des zur Gemeinde Teichland gehörenden Ortsteils Neuendorf, etwa fünf Kilometer südöstlich des Stadtzentrums der Stadt Peitz und östlich der Peitzer Teiche. Der namensgebende Ort Jänschwalde liegt rund vier Kilometer nordöstlich des Kraftwerks.

Gemessen an der installierten Leistung ist das Kraftwerk Jänschwalde mit 3.000 Megawatt nach den Kraftwerken Neurath und Niederaußem das drittgrößte Kraftwerk Deutschlands. In der Lausitz war einzig das Kraftwerk Boxberg mit 3.520 MW größer, bis dessen veraltete Kraftwerksblöcke (2.520 MW) stillgelegt wurden.

Nach Angaben der LEAG erzeugt das Kraftwerk jährlich etwa 19.500 GWh Elektroenergie (Stand 2018). Mit einem CO2-Ausstoß von 22,8 Mio. Tonnen verursachte das Kraftwerk im Jahr 2018 die vierthöchsten Treibhausgasemissionen aller europäischen Kraftwerke (vor Weisweiler mit 16,8 Mio. t auf Platz 5 und Boxberg Werk IV mit 10,2 Mio. t auf Platz 8).[1]

Aufbau und Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Braunkohlekraftwerk wurde, federführend durch den VEB BMK Kohle und Energie, zwischen 1976 und 1988 errichtet. Das Kraftwerk besteht aus sechs 500-MW-Blöcken mit je zwei Dampfkesseln, wobei jeweils zwei Blöcke eine Einheit bilden. Jede der drei Einheiten verfügte ursprünglich über einen 300 Meter hohen Schornstein zur Rauchgasemission. Im Zeitraum von 1991 bis 1996 wurden alle Kraftwerksblöcke am Standort mit moderner Umwelttechnik nachgerüstet. Seither wird aus dem Schwefeldioxid der Abgase mittels Kalkzugabe zusätzlich Gips produziert, der im benachbarten Lafarge-Werk verarbeitet oder auf der Abraumhalde des Tagebaus Jänschwalde zwischengelagert wird. Die gereinigten Rauchgase werden seitdem über sechs der insgesamt neun Kühltürme (drei pro Einheit) in die Umwelt abgegeben. Bis zum Jahr 2014 wurde ein Modernisierungsprogramm abgeschlossen, das alle Dampfturbinen ertüchigte.

Im Kraftwerk Jänschwalde wird überwiegend Rohbraunkohle aus dem nahe gelegenen Tagebau Jänschwalde (ca. 14 Mio. t/a, künftig ca. 11 Mio. t/a) verstromt. Ein steigender Anteil (8–11 Mio. t/a) wird zudem über die Kohleverbindungsbahn aus dem Tagebau Welzow-Süd zugeführt. Pro Tag benötigt das Kraftwerk bei Volllast ca. 80.000 Tonnen Braunkohle. Dabei wird aus einem Kilogramm Braunkohle etwa eine Kilowattstunde Strom erzeugt. Im Jahr 2004 wurde die Müllmitverbrennung bis zu einer Menge von 400.000 Tonnen pro Jahr durch Planfeststellung genehmigt.[2][3]

Nach Angaben des Betreibers erreichte das Kraftwerk Jänschwalde 2012 einen Netto-Wirkungsgrad von 35–36 Prozent.[4] Mit einem jährlichen Ausstoß von 24 Millionen Tonnen CO2 (2017) liegt es auf Platz 7 der Weltrangliste der Kraftwerke mit den meisten Emissionen, innerhalb der Europäischen Union auf Platz 3. Beim Ausstoß pro kWh liegt es hier mit 1,2 kg CO2 (nach dem Kraftwerk Niederaußem) auf Platz 4. Obgleich das Kraftwerk Jänschwalde der jüngste der drei verbliebenen Kraftwerksstandorte der Lausitz ist, hat es trotz Ertüchtigung die durchschnittlich älteste Technik.

Der Netzanschluss erfolgt über die Schaltanlage Preilack auf der 380-kV-Höchstspannungsebene in das Stromnetz des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz Transmission.[5][6]

Zum 1. Oktober 2018 wurde der Kraftwerksblock F außer Betrieb genommen, am 1. Oktober 2019 folgte Block E. Beide Blöcke werden für jeweils vier Jahre nur noch für Versorgungsengpässe vorgehalten. Danach sollen sie endgültig stillgelegt werden.[7]

Kraftwerkskennziffern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Installierte Leistung: 3 Kraftwerksblöcke A/B, C/D, E/F mit je 2 × 500 MW, (Block F/E seit Oktober 2018 bzw. 2019 in Sicherheitsbereitschaft)
  • Dampfleistung je Dampferzeuger: 2 × 815 t/h (pro Kraftwerksblock)
  • Mühlen je Dampferzeuger: 6
  • Frischdampfdruck: 169 bar
  • Frischdampftemperatur: 535 °C
  • Zwischendampfdruck: 43 bar
  • Zwischendampftemperatur: 540 °C
  • Fernwärmeauskopplung: 6 × 58,2 MW/th (Seit 1. Oktober 2019, 4 × 58,2 MW/th)

Quelle: LEAG Flyer Kraftwerk Jänschwalde (PDF)[8]

Fernwärmelieferung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kraftwerk Jänschwalde beliefert die Stadt Cottbus kontinuierlich mit Fernwärme, wobei etwa die Hälfte der benötigten Menge aus dem Kraftwerk Jänschwalde kommt. Am 9. Oktober 2019 gab die LEAG bekannt, das sie mit der „Heizkraftwerksgesellschaft mbH“ und der Stadt Cottbus den bestehenden Wärmeliefervertrag bis zum Ende des Jahres 2032 verlängert hat. Durch die Verlängerung dieses Vertrages soll auch weiterhin eine stabile Versorgung mit Fernwärme auch während eines Stillstandes des „Heizkraftwerkes Cottbus“ und des Neubaus des neuen Gas-Heizkraftwerkes der Stadt Cottbus sichergestellt werden.[9][10]

Rückbau der Schornsteine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da eine Sprengung aus Platzgründen nicht möglich war, wurden ab Ende 2002 in einem aufwändigen Verfahren die drei 300 m hohen, durch die Umbaumaßnahmen der 1990er Jahre nicht mehr notwendigen Schornsteine abgerissen. Der letzte Schornstein wurde im November 2007 abgerissen. Dabei kam ein weltweit einmaliges Verfahren zum Einsatz, die Schornsteine wurden bis auf 50 m Höhe von einer speziellen mit Baggern ausgestatteten Abrisseinrichtung abgetragen. Die restlichen 50 m wurden konventionell abgebrochen.

Planungen am Standort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kraftwerk Jänschwalde mit zugehörigem Tagebau

Vattenfall plante ursprünglich am Standort einen weiteren, vierten Kraftwerksblock, mit dessen Energie das bei der Verbrennung der Braunkohle entstehende Kohlendioxid abgeschieden und unterirdisch verpresst werden sollte (CCS). Diese Planungen wurden im Dezember 2011 eingestellt.[11] Das Land Brandenburg hielt noch in seiner im Februar 2012 veröffentlichten „Energiestrategie 2030“ ein Nachfolgebraunkohlekraftwerk in Jänschwalde für notwendig, um den Standort über die Laufzeit der alten Blöcke hinaus zu sichern. Der Neubau sollte eine maximale Leistung von 2000 Megawatt haben, mit CCS-Technologie ausgestattet werden und bis spätestens 2030 ans Stromnetz gehen. Die Landesregierung sah im strategische Papier von 2012 den Abschluss der Planverfahren zum Aufschluss neuer Tagebaue zur Sicherung der Rohstoffversorgung des Kraftwerks als wesentliche Grundlage für eine Investitionsentscheidung an.[12] Wie lange das Kraftwerk noch weiter Energie liefern wird, ist offen. Um die politischen Klimaschutzziele zu erfüllen ist mittelfristig ein Kohleausstieg erforderlich. Jänschwalde verfügt als vergleichsweise altes Braunkohlekraftwerk in Ostdeutschland über höhere Emissionen als andere neuere Braunkohlekraftwerke, weswegen Klimaschutzpläne vorsehen, dass es zuerst abgeschaltet werden sollte. Auch die Kohleversorgung ist mittelfristig unsicher. Mit Stand 2018 stammen ca. sieben Millionen Tonnen Braunkohle aus dem Tagebau Jänschwalde, der nur noch bis 2023 Kohle liefern kann und derzeit auf Grund einer gerichtlichen Anordnung keine Kohle abbauen darf.[13] Der Rest der insgesamt ca. 24 bis 26 Mio. Tonnen Braunkohle wird aus dem weiter entfernten Tagebau Welzow geliefert.

Die als Jänschwalde-Nord bezeichnete geplante Erweiterung des Tagebaus Jänschwalde wurde 2017 vom Betreiber aufgegeben. Sollte das Kraftwerk noch über längere Zeit weiterbetrieben werden, müsste wahrscheinlich der Tagebau Welzow-Süd wie technisch geplant erweitert werden und dafür unter anderem der Welzower Ortsteil Proschim abgebaggert werden. Hierfür müssten ca. 800 Personen in Proschim und Welzow umgesiedelt werden.[14] Die Entscheidung, ob die bereits 2014 genehmigte Erweiterung des Tagebaus Welzow-Süd umgesetzt wird, will der Betreiber LEAG im Jahre 2020 treffen.[15]

Emission[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kraftwerkskritiker bemängeln am Kraftwerk Jänschwalde die hohen Emissionen an Stickstoffoxiden, Schwefeloxiden, Quecksilber und Feinstaub, an dem Krebs erzeugende Substanzen (Blei, Cadmium, Nickel, PAK, Dioxine und Furane) haften könnten.[16] Eine von Greenpeace bei der Universität Stuttgart in Auftrag gegebene, umstrittene[17] Studie kommt 2013 zu dem Ergebnis, dass die vom Kraftwerk Jänschwalde ausgestoßenen Feinstäube und die aus Schwefeldioxid-, Stickoxid- und NMVOC-Emissionen gebildeten sekundären Feinstäube des Kraftwerks statistisch zu 3.986 verlorenen Lebensjahren pro Jahr führen.[18] Greenpeace hat daraus, ohne dass es in der Studie erwähnt wird[17], 373 vorzeitige Todesfälle abgeleitet.[19] Auf der Liste der „gesundheitsschädlichsten Kohlekraftwerke Deutschlands“ rangiert das Kraftwerk Jänschwalde auf Platz 1.[20][21]

Außerdem stehen angesichts des Klimawandels die CO2-Emissionen in der Kritik. Braunkohlekraftwerke weisen die höchsten Kohlendioxidemissionen pro erzeugter Kilowattstunde auf, weswegen Umwelt- und Klimaschützer sie als besonders ineffizient und klimaschädlich kritisieren.[22]

Das Kraftwerk Jänschwalde meldete folgende Emissionen im europäischen Schadstoffregister „PRTR“:

Emissionen des Kraftwerks Jänschwalde[23]
Luftschadstoff 2007 2010 2011 2012 2013 2017
Kohlendioxid (CO2) 24.200.000.000 kg 23.800.000.000 kg 24.300.000.000 kg 24.800.000.000 kg 25.700.000.000 kg 24.000.000.000 kg
Schwefeldioxide (als SOx/SO2) 21.700.000 kg 21.400.000 kg 22.300.000 kg 23.400.000 kg 23.100.000 kg 15.100.000 kg
Stickstoffoxide (NOx/NO2) 19.200.000 kg 18.700.000 kg 19.600.000 kg 19.900.000 kg 20.500.000 kg 19.000.000 kg
Kohlenmonoxid (CO) 11.300.000 kg 14.000.000 kg 14.400.000 kg 15.300.000 kg 14.800.000 kg 10.800.000 kg
Feinstaub (PM10) 656.000 kg 573.000 kg 635.000 kg 643.000 kg 675.000 kg 535.000 kg
Distickstoffmonoxid (N2O) 302.000 kg 297.000 kg 297.000 kg 485.000 kg 307.000 kg 295.000 kg
Anorganische Chlorverbindungen (als HCl) 84.000 kg 85.300 kg 79.600 kg 152.000 kg 90.500 kg 64.800 kg
Quecksilber und Verbindungen (als Hg) 500 kg 592 kg 350 kg 505 kg 330 kg 672 kg
Kupfer und Verbindungen (als Cu) 256 kg 154 kg 368 kg 639 kg 493 kg 658 kg
Blei und Verbindungen (als Pb) 212 kg 316 kg 278 kg 1.860 kg 1.160 kg 1.780 kg
Nickel und Verbindungen (als Ni) 192 kg 308 kg 225 kg 984 kg 593 kg 260 kg
Arsen und Verbindungen (als As) 150 kg 129 kg 124 kg 199 kg 121 kg 208 kg
Chrom und Verbindungen (als Cr) keine Angaben keine Angaben keine Angaben 351 kg 253 kg 2195 kg
Dioxine und Furane, toxische Äquivalente (PCDD/PCDF) keine Angaben 0,000147 kg 0,000171 kg keine Angaben keine Angaben 0,000150 kg

Weitere typische Schadstoffemissionen wurden nicht berichtet, da sie im PRTR erst ab einer jährlichen Mindestmenge meldepflichtig sind, z. B. Dioxine und Furane ab 0,0001 kg, Cadmium ab 10 kg, Chrom ab 100 kg, Zink ab 200 kg, Fluor und anorganische Fluorverbindungen ab 5.000 kg, Ammoniak ab 10.000 kg, NMVOC ab 100.000 kg.[24]

Die Europäische Umweltagentur hat die Kosten der Umwelt- und Gesundheitsschäden der 28.000 größten Industrieanlagen in Europa anhand der im PRTR gemeldeten Emissionsdaten mit den wissenschaftlichen Methoden der Europäischen Kommission abgeschätzt.[25] Danach verursacht das Kraftwerk Jänschwalde die dritthöchsten Schadenskosten aller europäischen Industrieanlagen.[26]

Umwelt- und Gesundheitsschäden[26]
Verursacher Schadenskosten in Mrd. EUR Anteil
Kraftwerk Jänschwalde 1,232–2,002 1,2 %
Summe 28.000 Anlagen 102–169 100 %

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 9. Februar 2008 kam es zu einem Brand an einem Förderband, das für die Kohlebeschickung von den beiden Blöcken von Werk 1 verantwortlich ist. Ausgelöst wurde das Feuer durch Arbeiten mit einem Trennschleifer. Durch den Funkenflug geriet die zerkleinerte Rohbraunkohle in Brand, mehrere Werkfeuerwehren aus der Region waren im Einsatz. Menschen kamen durch das Feuer nicht zu Schaden. Die beiden betroffenen Kraftwerksblöcke mit je 500 MW mussten zeitweilig abgeschaltet werden, da kein Brennstoff mehr angeliefert werden konnte.[27]

Am 8. Juli 2015 brannte ein Transformator im Block B des Kraftwerks. Menschen kamen nicht zu Schaden, jedoch musste der Kraftwerksblock abgeschaltet werden.[28][29][30]

Ende Gelände 2019[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 30. November 2019 war das Kraftwerk Jänschwalde eines der Angriffspunkte der Aktionen von Ende Gelände 2019 im Lausitzer Braunkohlerevier. Aktivisten von Ende Gelände besetzten Bahngleise vor dem Kraftwerk und stoppten so die Kohlezufuhr. Da von einer längeren Besetzung der Gleise ausgegangen werden musste, drosselte das Kraftwerk seine Leistung auf das technische Minimum um möglichst lange mit dem bevorrateten Brennstoff die Fernwärmeversorgung der Städte Peitz und Cottbus gewährleisten zu können.[31]

Nach Meldungen der LEAG näherte sich eine Gruppe von etwa 200 Aktivisten dem Kraftwerksgelände bis auf etwa 30 Meter, angeblich um in dieses einzudringen, und wurde dann von der Polizei abgedrängt. Ende Gelände dementierte später diese Absicht.[32] Auch von den parlamentarischen Beobachterinnen und Beobachtern wurde dies dementiert. Die LEAG stellte dies später über Twitter richtig.[33] Am späten Nachmittag des 30. November 2019 beendete Ende Gelände alle Aktionen und verließ die besetzten Gleise und Tagebaue wieder. Für den 1. Dezember 2019 angekündigten Aktionen wurden abgesagt.[34]

Sicherheitsbereitschaft und Stilllegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sicherheitsbereitschaft ist die geschaffene Möglichkeit, Kraftwerksblöcke abzufahren und über einen Zeitraum von vier Jahren voll verfügbar zuhalten. Damit soll sichergestellt werden, das es bei Energieenpässen die im Zuge der Energiewende auftreten können, auf Reservekapazitäten zurückgegriffen werden kann. Die in Sicherheitsbereitschaft überführten Kraftwerksblöcke müssen dabei nach Aufruf durch den Netzbetreiber innerhalb von zehn Tagen hochgefahren werden und nach weiteren 24 Stunden ihre volle Leistung ins Netz einspeisen können.

Noch im Juni 2018 hatte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier beim Lausitzdialog mit den Ministerpräsidenten der Länder Brandenburg und Sachsen in Spremberg gesagt: „Wir wollen zuerst über die Arbeitsplätze reden, die neu entstehen und dann über die Arbeitsplätze, die wegfallen.“[35][36]

Am 30. September 2018 wurde um 16:54 Uhr der 500 MW Block F vom Netz genommen und in eine vierjährige Sicherheitsbereitschaft überführt. Block F war am 17. November 1988 erstmals ans Netz geschaltet und am 9. März 1989 in den Dauerbetrieb überführt worden. Mit dem Übergang in die Sicherheitsbereitschaft gingen am Standort Jänschwalde 600 Arbeitsplätze bei direkt Beschäftigten und Servicepartnern verloren.[37]

Am 1. Oktober 2019 wurde der zweite im Kraftwerk Jänschwalde vorgesehene Block E mit weiteren 500 MW in die Sicherheitsbereitschaft überführt. Block E war am 14. Juni 1987 erstmals ans Netz geschaltet worden und ging am 6. Oktober 1987 in den Dauerbetrieb. Auch hier gingen weitere 600 direkte und indirekte Arbeitsplätze verloren.[38] Beide Abschaltungen gehen auf eine Übereinkunft zwischen der Bundesregierung und den großen Stromerzeugern in Deutschland von Oktober 2015 zurück.[39] Diese Maßnahme ist eine rein politische Entscheidung und kann deshalb nicht mit angestellten Berechnungen des Institute for Energy Economics and Financial Analysis begründet werden, wonach der Betrieb der Anlage aufgrund zukünftig verschärfter Grenzwerte für Kraftwerksabgase unrentabel und somit eine Entschädigung des Kraftwerksbetreibers dafür fragwürdig sei.[40]

Am 16. Januar 2020 wurde seitens der Bundesregierung beschlossen, das Kraftwerk Jänschwalde bis 2028 vollständig stillzulegen.[41] Dabei sollen Block A am 31. Dezember 2025 und Block B am 31. Dezember 2027 in eine vierjährige Sicherheitsbereitschaft überführt und dann endgültig stillgelegt werden. Die Blöcke C und D sollen am 31. Dezember 2028 endgültig stillgelegt werden.[42]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Verified Emissions for 2018. In: EU Emissions Trading System, 1. April 2019. Abgerufen am 5. April 2019
  2. Linksfraktion: Zur Zukunft der Lausitzer Braunkohle
  3. Kohlekraftwerke zur Mitverbrennung von EBS – Anlagen, EBS-Mengen und -Qualitäten, Betriebserfahrungen, Trends und Prognosen – (Memento vom 6. Oktober 2015 im Internet Archive)
  4. Aus Braunkohle wird Energie. Vattenfall Europe Mining & Generation/Vattenfall Europe Generation AG, November 2012 abgerufen am 2. Oktober 2019
  5. Kraftwerksliste Bundesnetzagentur (bundesweit; alle Netz- und Umspannebenen) Stand 02.07.2012. (Microsoft-Excel-Datei, 1,6 MiB) Archiviert vom Original am 22. Juli 2012; abgerufen am 21. Juli 2012.
  6. Netzbelastung in der Regelzone. 50Hertz Transmission GmbH, abgerufen am 28. August 2018.
  7. Info der LEAG zum Kraftwerke Jänschwalde abgerufen am 24. November 2019.
  8. Flyer Braunkohlekraftwerk Jänschwalde - LEAG abgerufen am 3. Oktober 2019.
  9. Kraftwerk Jänschwalde liefert bis 2032 Wärme an Cottbus In: Lausitzer Rundschau-online. 8. Oktober 2019.
  10. LEAG verlängert Lieferung Vertrag für Fernwärme nach Cottbus In: Lausitzer Rundschau-online. 8. Oktober 2019.
  11. Vattenfall stoppt Jänschwalde. In: n-tv.de, 5. Dezember 2011. Abgerufen am 6. Dezember 2011.
  12. Ministerium für Wirtschaft und Europaangelegenheiten des Landes Brandenburg: Energiestrategie 2030 des Landes Brandenburg, Februar 2012. S. 36, 43. Abgerufen am 16. Dezember 2014.
  13. WELT: Umwelthilfe-Klage: Braunkohle-Tagebau Jänschwalde muss Betrieb vorerst einstellen. 30. August 2019 (welt.de [abgerufen am 31. August 2019]).
  14. Jänschwalde – der Anfang vom Ende. In: Klimareporter, 1. Oktober 2018. Abgerufen am 2. Oktober 2018.
  15. Proschimer protestieren gegen Abbaggerung. Abgerufen am 27. Dezember 2018.
  16. Feinstaub-Quellen und verursachte Schäden, Umweltbundesamt (Dessau)
  17. a b Greenpeace-Studie zu Feinstaub: Wie gefährlich ist die Kohlekraft tatsächlich?, Medscapemedizin, Abgerufen am 19. Mai 2014
  18. Assessment of Health Impacts of Coal Fired Power Stations in Germany – by Applying EcoSenseWeb (Englisch, PDF 1,2 MB) Philipp Preis/Joachim Roos/Prof. Rainer Friedrich, Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung, Universität Stuttgart, 28. März 2013
  19. Tod aus dem Schlot – Wie Kohlekraftwerke unsere Gesundheit ruinieren (PDF 3,3 MB). Abgerufen am 28. August 2018. Greenpeace, Hamburg, 2013
  20. Greenpeace: Die zehn gesundheitsschädlichsten Kohlekraftwerke Deutschlands. (PDF 129 kB)
  21. Torsten Hampel: Fördern und fordern. In: Der Tagesspiegel. 29. Januar 2014.
  22. Studie des WWF zum CO2-Ausstoß der 30 klimaschädlichsten Kohlekraftwerke Europas 2014 (englisch)
  23. Eintrag zum Kraftwerk Jänschwalde
  24. PRTR-Verordnung 166/2006 (PDF) über die Schaffung eines Europäischen Schadstofffreisetzungs- und -verbringungsregisters und zur Änderung der Richtlinien 91/689/EWG und 96/61/EG des Rates
  25. Kosten-Nutzen-Analyse zur Luftreinhaltepolitik, Clean Air for Europe (CAFE) Programm, Europäische Kommission
  26. a b Revealing the costs of air pollution from industrial facilities in Europe (Offenlegung der Kosten der Luftverschmutzung aus Industrieanlagen in Europa), Europäische Umweltagentur, Kopenhagen, 2011
  27. Zwei Heizblöcke vorerst abgeschaltet. Großbrand im Kraftwerk Jänschwalde. Berliner Zeitung vom 9. Februar 2008.
  28. Brand im Kraftwerk Jänschwalde: Block B außer Betrieb. focus.de, 9. Juli 2015.
  29. Brand im Kraftwerk Jänschwalde: Block B außer Betrieb. freiepresse.de, 9. Juli 2015.
  30. Brand im Kraftwerk Jänschwalde. Voraussichtlich drei Wochen außer Betrieb. Lausitzer Rundschau, 8. Juli 2015.
  31. PolizeiBrandenburg_E (@PolizeiBB_E) | Twitter. Abgerufen am 8. Dezember 2019.
  32. Ende Gelände (@Ende__Gelaende) | Twitter. Abgerufen am 8. Dezember 2019.
  33. LEAG.de (@LEAG_de) | Twitter. Abgerufen am 8. Dezember 2019.
  34. Ende Gelände in der Lausitz - Aktivisten dringen in Tagebau ein Berliner Morgenpost 30. November 2019.
  35. Altmaier zum Strukturwandel: Zuerst über neue Jobs reden Süddeutsche Zeitung, 25. Juni 2018.
  36. Altmaier verspricht der Lausitz neue Jobs bevor alte verschwinden Pro Lausitz, Juni 2018.
  37. Block F des Kraftwerk Jaenschwalde in Reserve gefahren Lausitzer Rundschau, 30. September 2018.
  38. Mitarbeiter in Jänschwalde: Mahnwache vor dem Kraftwerk. Abgerufen am 1. Oktober 2019.
  39. Stromkunden entschaedigen Kohlekonzerne Berliner Zeitung 25. Oktober 2015.
  40. Kraftwerk Jänschwalde durch strengere Grenzwerte unrentabel – MOZ.de. In: MOZ.de. (moz.de [abgerufen am 9. Mai 2017]).
  41. Morgenpost.de: Kraftwerk Jänschwalde soll bis Ende 2028 abgeschaltet werden, abgerufen am 17. Januar 2020
  42. Fahrplan für Kohleausstieg beschlossen rbb24, 16. Januar 2020.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kraftwerk Jänschwalde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien