Kraftwerk Letten

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Kraftwerk Letten
Kraftwerk Letten.jpg
Lage
Kraftwerk Letten (Kanton Zürich)
Kraftwerk Letten
Koordinaten 682632 / 249041Koordinaten: 47° 23′ 13″ N, 8° 31′ 59″ O; CH1903: 682632 / 249041
Land Schweiz
Gewässer Limmat
Daten
Typ Kanalkraftwerk
Primärenergie Wasserkraft
Leistung 4,2 MW
Eigentümer Elektrizitätswerk der Stadt Zürich
Projektbeginn 1874
Betriebsaufnahme 1878
Turbine Zwei Kaplanturbinen
Eingespeiste Energie pro Jahr 21 GWh
Website Lettenstrom
f2

Das Kraftwerk Letten ist ein Laufwasserkraftwerk im Gebiet Letten der Stadt Zürich im Kanton Zürich. Es ist eines der ersten Wasserkraftwerke mit einem Pumpspeicherweiher in der Schweiz und das älteste in der Stadt Zürich. Dieses Denkmal der Industriegeschichte gehört dem Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ).

Wasserwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1868 gegründete städtische Wasserversorgung entschied sich, Trink- und Brauchwasser über zwei unabhängige Leitungsnetze zu verteilen. Für die Trinkwasserversorgung gab es über 100 Quellen am Zürichberg, Uetliberg und Albis. Mit dem Wasser der Limmat wurden ab 1874 Pumpen angetrieben, die neben dem Trinkwasser filtriertes Zürichseewasser als Brauchwasser in verschiedene Reservoire am Zürichberg beförderten.

Als Herzstück der neuen Wasserversorgung wurden von 1876 bis 1878 die längs stehenden Gebäude am rechten Limmatufer für das Wasserwerk Letten erstellt, um die Pumpen mit den kanalisierten Wasserräder zu betreiben.

Das Brauchwasser oder «Triebwasser» wurde vom Zürichsee durch eine im Schanzengraben verlegte 90 cm breite Gusseisenleitung zur Filteranlage (Sandfilter) an der Hafnerstrasse und weiter ins Pumpwerk Letten geleitet. Von dort förderten fünf Pumpensysteme das Wasser in Steigleitungen in die verschieden hoch gelegenen Reservoirs (drei Druckzonengebiete) und den 1882 angelegten «Resiweiher» (Resi von Reservoir) am Zürichberg. Das «Triebwasser» aus den Reservoirs wurde zur Energieversorgung in verschiedene Gewerbebetriebe geleitet, wo es Wassermotoren (ähnlich der Wäscheschleuder) antrieb. Der «Resiweiher» wurde deshalb auch «Triebwasserweiher» genannt.

Die vom Limmatwasser angetriebenen acht Reaktionsturbinen des Wasserwerks Letten übertrugen ihre Energie auf eine gemeinsame Transmissionswelle, die dem Antrieb der fünf Pumpen sowie ab 1878 der Transmission von mechanischer Energie ins Industriequartier diente.[1]

Zum Lettenwerk gehörte das 50 m lange Nadelwehr beim Platzspitz mit einer Stauhöhe von 2,5 m, der 700 m lange Oberwasserkanal, die Turbinenanlage mit Pumpwerk und einem 350 m langen Unterwasserkanal. Wenn die Energie der Wasserkraft nicht ausreichte, wurden mit Kohle angetriebene Dampfmaschinen zusätzlich in Betrieb genommen. Auf alten Fotos sieht man die zwei Kaminschlote.

Ab 1878 wurde neben der Wasserversorgung mittels Drahtseiltransmission mechanische Energie ins Industriequartier für eine Seidenzwirnerei, mechanische Werkstätten, eine Seidenfärberei und die Stadtmühle sowie zur Hofmeisterschen Kattunfabrik geliefert. Ein Drahtseilzug führte die Leistung von ca. 220 kW (300 PS) aus den Turbinen im Wasserwerk über eine 1,2 km lange Transmission, um über Ketten und Riemen Walzen und Zahnräder im Industriequartier auf der linken Flussseite anzutreiben. Von zwei der sechs Transmissionstürmen, die die mechanische Energie umleiteten, sind gegenüber dem Kraftwerk auf der linken Flussseite noch die Sockel erhalten.

Elektrizitätswerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 1892 zum Elektrizitätswerk ausgebaute Wasserwerk Letten konnte ab 1893 elektrische Energie liefern, die in wasserarmen Wintern durch Dampfenergie aus Kohle ergänzt wurde. Das Reservoir «Resiweiher» wurde nun zum Pumpspeichersee. Produzierte das Pumpspeicherkraftwerk überschüssigen Strom, wurde damit Wasser in den Weiher gepumpt. Während der Verbrauchsspitzen liess man das Wasser vom «Resiweiher» wieder auf die Turbinen hinunter fliessen.

Mit der gleichzeitig stattfindenden Eingemeindung der Vororte nahm der Bedarf von Haushalten, Fabriken und Strassenbahn (anstelle des Rösslitrams) an elektrischer Energie für Motoren, Maschinen, Heizungen und Haushaltgeräte stark zu. Ab 1898 wurden neben der Wasserkraft Dampfmaschinen zur Überbrückung wasserschwacher Zeiten eingesetzt.

Die Stadt Zürich versuchte den Mehrbedarf mit Wasserkraft ausserhalb des Stadt- und Kantonsgebietes zu decken: Ab 1904 mit Strom aus dem Aarekraftwerk Beznau. 1906 liess die Stadt das Albula-Kraftwerk in Sils Domleschg bauen.

1910 lieferte Kraftwerk Letten (Wasser und Dampfkraftanlage) 4,8 %, das Wasserkraftwerk Beznau 13 % und das Albulakraftwerk bei Sils 82 % des in Zürich benötigten Stroms. Zwischen 1909 und 1917 stieg der Stromverbrauch der Zürcher von 77 kWh pro Kopf und Jahr auf 143 kWh. Das Nadelwehr wurde nach 1935 durch eine neue Wehranlage ersetzt, die auf eine mittlere Wasserstandshöhe von 406 m eingerichtet war. 1938 wurde das quer stehende höhere Gebäude gebaut.

Mit einem Totalumbau des Kraftwerk Lettens in den Jahren 1951/52 konnte die Stromproduktion gesteigert und mit einem hydraulischen Wehr beim Platzspitz die Regulierung des Seewasserstandes verbessert werden.[2]

Seit 2010 besteht ein neuer Fischaufstieg, der die Zertifizierung „nature star“ ermöglichte. Das Einzugsgebiet des KW Letten beträgt 1'829 km², die Betriebswassermenge 25–100 m³/s und das Bruttogefälle 4,5–5,3 Meter.[3]

Heutige Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der am Letten erzeugte Strom wurde bisher als Teil eines Strommixproduktes angeboten. Seit 2006 können die Zürcher den teureren, ökologischen Strom vom Kraftwerk Letten beziehen, der für knapp 7'000 Haushalte reicht. Für Lettenstromkunden bietet das EWZ Führungen am ehemaligen Standort an.[4][5]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Daniel Kurz: Kraftwerk Letten. In: Kattundruckereien, Zahngold für die ganze Welt, Ladensterben. Wipkingen Lebensräume-Verkehrsräume. Geschichte eines Zürcher Stadtquartiers 1893–1993. Quartierverein Wipkingen/GGW – Chronos Verlag, 1993.[6]
  • W. Wyssling: Die Entwicklung der Schweizerischen Elektrizitätswerke und ihrer Bestandteile. Schweizerischer Elektrotechnischer Verein, 1946.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kraftwerk Letten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tagesanzeiger: Als das Letten-Kraftwerk noch Wasser auf den Zürichberg pumpte
  2. Daniel Kurz: Kraftwerk Letten. In: Kattundruckereien, Zahngold für die ganze Welt, Ladensterben. Wipkingen Lebensräume-Verkehrsräume. Geschichte eines Zürcher Stadtquartiers 1893-1993.
  3. Schweizerische Bauzeitung vom 31. Oktober 1968: 75 Jahre Elektrizitätswerk der Stadt Zürich
  4. Lettenstrom (Memento des Originals vom 12. August 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.lettenstrom.ch
  5. EWZ: Kraftwerk Letten
  6. Quartierverein Wipkingen: Daniel Kurz: Kattundruckereien, Zahngold für die ganze Welt, Ladensterben.