Kraftwerk Mitte (Dresden)

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Heizkraftwerk Mitte
seit 2016: Kraftwerk Mitte
Kraftwerk Mitte, Dresden
Kraftwerk Mitte, Dresden
Lage
Heizkraftwerk Mitteseit 2016: Kraftwerk Mitte (Sachsen)
Heizkraftwerk Mitteseit 2016: Kraftwerk Mitte
Koordinaten 51° 3′ 10″ N, 13° 43′ 22″ OKoordinaten: 51° 3′ 10″ N, 13° 43′ 22″ O
Land Deutschland
Daten
Brennstoff Braunkohle
Betreiber Stadtwerke Dresden
Betriebsaufnahme 1895, Umbau und
Erweiterung 1926–1928
Stilllegung 1994

Das Kraftwerk Mitte (eigentlich und während seines Betriebes zuletzt: Heizkraftwerk Mitte) in Dresden war ein fossil befeuertes Heizkraftwerk, das seit 1895 bestand und 1994 nach 99 Jahren stillgelegt wurde. Im Jahr 2016 war ein Komplettumbau des Hauptgebäudes abgeschlossen und das Ensemble eröffnete am 16. Dezember 2016 als Kraftwerk Mitte (im Logo mit Zeilenumbruch zwischen Kraftwerk und Mitte) als Kulturhaus vor allem für Operetten-, Musical- und Theateraufführungen.[1]

Auf dem Gelände wurde in einem ehemaligen Werkstattgebäude das KraftWerk – Dresdner Energiemuseum eingerichtet, darüber hinaus befindet sich der Musikclub Kraftwerk Mitte hier.[2]

Das in der Wilsdruffer Vorstadt der Dresdner Altstadt gelegene Areal zwischen Wettiner Platz und Könneritzstraße diente beherbergte seit 1838 verschiedene Energiegewinnungsanlagen. Deshalb sind auf dem Gelände Gebäude aus verschiedenen Epochen zu finden, die aus architektonischer Sicht „einen Querschnitt durch die Architekturentwicklung vom Historismus bis zur Sachlichkeit“ darstellen. Die Gebäude des Kraftwerkareals sind eingetragene Kulturdenkmale. Ungeachtet dessen wurde das markante Kesselhaus im Jahr 2006 abgerissen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick über das vom Zweiten Weltkrieg gezeichnete Dresden von der Kreuzkirche zum Kraftwerk Mitte (1950)
Blick zum Kraftwerk Mitte (1966) vom Dach des Hochhauses Ammonstraße 68, im Vordergrund die Dresdner Süßwarenfabriken Elbflorenz, dazwischen das Maternihospital

Städtische Energieversorgung ab dem 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1838 entstand auf der 39.000 Quadratmeter umfassenden Fläche das Gaswerk Altstadt, das bis 1873 die Hauptlast der Gasversorgung Dresdens trug. Aus dieser Zeit stammt die Villa am Wettiner Platz, damals Verwaltungsgebäude und Wohnung für den Direktor der Gasanstalt, heute das älteste Gebäude auf dem Areal. Nach 55 Jahren wurde der Betrieb des Gaswerks Altstadt 1895 eingestellt. Stattdessen wurde auf dem Gelände das Licht-Werk eingeweiht, das mit Hilfe von zwei Dampf-Dynamomaschinen aus Braunkohle elektrische Energie erzeugte und damit die Beleuchtung und ab 1899 die Versorgung der Dresdner Straßenbahnen mit Strom ermöglichte. 1900 wurde das Elektrizitäts-West-Kraftwerk angebaut, für das sich später die Bezeichnung West-Kraftwerk durchsetzte. Baulich war das West-Kraftwerk ein „spiegelbildliches Pendant“ des Licht-Werks. Beide Gebäude sind im Stil des Historismus gehalten.[1]

Kraftwerkserweiterungen und Umbauarbeiten im 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul Wolf, Leiter des städtischen Hochbauamts, ließ 1926–1928 zusammen mit Rühle, Fischer und Mittmann das Licht-Werk und das West-Kraftwerk zum Heizkraftwerk Mitte zusammenlegen und erweitern. Die ursprünglichen Gebäude wurde umgebaut und erhielt einen Abspannturm mit offener Galerie und ein neues Kesselhaus. Dieses Gebäude war ein verklinkerter Stahlskelettbau, wobei seine vier Schornsteine „Assoziationen an Dampfschiffe“ wachrufen sollten. Im Gegensatz zu Lichtwerk und Westkraftwerk zählt der Stil des Kesselhauses zur Neuen Sachlichkeit. Nach Stilllegung eines der Dampferzeuger wurde Mitte der 1980er Jahre einer der beiden mittleren Schornsteine abgebaut.

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Mit dem Ende der DDR änderte sich die Zuständigkeit von der Stadt Dresden, die nun die Drewag Stadtwerke Dresden GmbH gründete. Für die große Maschinenhalle des Kraftwerks fand sich kein Investor oder Betreiber, woraufhin das Kraftwerk im Jahr 1994 stillgelegt wurde. Zeitgleich mit der Schließung entstanden Pläne, das Kraftwerksgelände einer kulturellen Nutzung zuzuführen.

Neue Nutzungen im 21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zeitraum von 1998 bis 2011 fanden immer wieder kulturelle Veranstaltungen auf dem Areal des ehemaligen Kraftwerks statt, wie etwa der Filmball Titanic des Künstlers Holger John 1998,[3] oder die Wanderausstellung der chinesischen Terrakottaarmee, die 2010 hier zu Gast war.[4]

Die Drewag Stadtwerke Dresden GmbH eröffnete 2002 im ehemaligen Kohleschuppen des Licht-Werks eine Ausstellung zur Stromerzeugung, doch nur einen Monat später verwüstete ein Hochwasser die Räume und Exponate. 2006 folgte die Wiedereröffnung des städtische Energiemuseum KraftWerk in den gleichen Räumlichkeiten. Die Ausstellung wurde um die Geschichte von Wasser-, Gas- und Fernwärmeerzeugung erweitert.

Im Jahr 2005 brachte der damalige Oberbürgermeister Ingolf Roßberg dieses Heizkraftwerk als gemeinsamen Kulturstandort der Staatsoperette Dresden in Dresden-Leuben und dem Theater Junge Generation (TJG) ins Gespräch, was jedoch auf Grund der damaligen Haushaltssituation verworfen wurde. Der Architekt Walter Kaplan wiederholte diese Idee im Jahr 2008 und gab ihr den Projektnamen Kultour-Park Dresden. Dafür war ein Gesamtinvestitionsvolumen von 140 Millionen Euro geplant, wobei die Errichtung eines Einkaufsparks einkalkuliert wurde. Im Mai 2008 sprach sich der Dresdner Stadtrat für einen Umzug der Staatsoperette in das ehemalige Kraftwerk Mitte aus.

Im Dezember 2009 wurde eine im Auftrag des Neuen Sächsischen Kunstvereins e.V. sowie des Künstlerbundes Dresden erstellte Konzeption für ein Zentrum Kunst Dresden (ZKD) vorgestellt, die den Ausbau zum interdisziplinären Kulturzentrum unter Ansiedelung der Staatsoperette und dem Theater Junge Generation vorsah. Sollte das nicht verwirklicht werden können, wurde für die Operette alternativ ein Neubau am Wiener Platz vorgeschlagen.

Im Juni 2010 beschloss der Dresdner Stadtrat offiziell die Ansiedlung der Staatsoperette auf dem ehemaligen Kraftswerksgelände. Zusätzlich zum Operettentheater sollte – unter Beachtung der Brandschutzauflagen – auch das Theater Junge Generation hier seinen neuen Spielort finden. (Das hatte seinen Sitz seit seiner Eröffnung im Jahr 1949 in einem provisorisch wiederaufgebauten kriegszerstörten Gebäude am Stadtrand.) Aus Kostengründen zunächst abgelehnt, fand die Idee dann doch die Zustimmung der Stadtverordneten. Der Beschluss galt jedoch vorbehaltlich eines gleichzeitig beauftragten Kostenvergleichs der Standortvarianten, der dazu führte, dass ein Operettenneubau am Wiener Platz günstiger wäre. Ungeachtet dessen gründete sich im Juli 2010 die Interessengemeinschaft (IG) Kraftwerk Mitte zur Durchsetzung einer Ansiedlung von Staatsoperette (die ebenfalls ein Nachkriegsprovisorium im Stadtteil Leuben – ein umfunktioniertes Gasthaus – bespielte) und dem Theater Junge Generation bei gleichzeitiger Ansiedlung von Firmen der Kreativ- und Kulturwirtschaft. Die IG forderte den Ausbau des ehemaligen Kraftwerks zu einem Cluster für Kreativwirtschaft, Kultur und Kunst. Entgegen der bisherigen Meinung fasste der Stadtrat am 28. Oktober 2010 mit 36 zu 34 Stimmen den Beschluss zur Ansiedlung beider Spielstätten im ehemaligen Kraftwerk Mitte mit einer Investitionssumme von rund 100 Millionen Euro.[1] Am 25. Dezember 2010 eröffnete im Gebäudekomplex des ehemaligen Bahnstromwerks der Club Kraftwerk Mitte, in dem unter anderem Künstler wie Paul van Dyk, DJ Antoine und Markus Gardeweg auftraten.

Denkmalgerechter Umbau 2011–2016 als Kulturstandort und neue Nutzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kulturstätte – Kraftwerk Mitte Dresden – Dezember 2016
Lageplan der einzelnen Spielstätten im Theaterbau

Im Jahr 2013 wurde das Stuttgarter Bauunternehmen Ed. Züblin beauftragt, die alte Fabrik im Inneren den neuen Anforderungen anzupassen, dabei aber die Fassade denkmalgerecht zu erhalten,. Des Weiteren sollte die Baufirma etliche Spielstätten auf dem Gelände neu errichten. Dazu gehörten der Neubau der Operette mit 700 Zuschauerplätzen, das Theater Junge Generation mit 350 Plätzen und die Sanierung der früheren Maschinenhalle durch den Einbau der Puppenbühne und des Studiotheaters mit jeweils 125 Plätzen. Die Grundsteinlegung erfolgte am 8. Juli 2014.

Die Renovierung begann mit dem ehemaligen Licht-Werk, in das im März 2014 die Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden mit seinen Proberäumen einzog. Darauf folgte im Mai 2016 das Bistro und Café T1, das in dem Pförtnerhaus des ehemaligen Kraftwerks untergebracht wurde. Im September 2016 bezog die Musikschule des Heinrich-Schütz-Konservatoriums Dresden ebenfalls Quartier im Komplex des Licht-Werks. In der ehemaligen Trafohalle findet man seitdem den sächsischen Standort der Heinrich-Böll-Stiftung für politische Bildung für Erwachsene.

Die Übergabe der ersten neuen Spielstätten fand im Oktober 2016 statt.[5] Die Einweihung des Kulturstandortes als Kraftwerk Mitte (der Begriff Kulturkraftwerk ist bereits anderweitig urheberrechtlich belegt) in der Hauptfabrik erfolgte durch den Dresdner Oberbürgermeister Dirk Hilbert und den Sächsischen Staatsminister des Innern Markus Ulbig am 16. Dezember 2016.[6][7][8][1]

Architektur und neue Nutzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die STESAD GmbH hatte für die Entwürfe und Planungen den Architekten Jörg Friedrich gewonnen und zur Koordinierung aller notwendigen Arbeiten den Projektleiter Florian H. Brandenburg berufen. Die historische Maschinenhalle wurde entkernt, die 65-Tonnen-Kräne der Schmalkaldenener Firma Zöbel & Neubert verblieben jedoch an der Decke. Die Raumaufteilung wurde „neu sortiert“,[1] ein Zuschauersaal für die Staatsoperette mit 700 Plätzen wurde an die Maschinenhalle angebaut. In der Gesamtschau bezeichnen Architekten und Stadtplaner das Kulturkraftwerk als „gelungenen Zusammenbau von alter Fabrik, von Ziegelmauerresten, schweren Fundamentsockeln mit neuer Bühnentechnik und grauem Sichtbeton.“

Neben der Staatsoperette sind hier die folgenden Einrichtungen untergebracht:

  • Große Bühne des tjg – Theater Junge Generation (350 Plätze)
  • Kleine Bühne des tjg – Theater Junge Generation (125 Plätze)
  • Studiobühne des tjg – Theater Junge Generation (125 Plätze)
  • Eh. Lichtwerk: von der Drewag, vom Heinrich-Schütz-Konservatorium und von der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ genutzt[9]

Die auf dem Gelände des Kraftwerks ebenfalls erhaltenen Bauten dienen nun den folgenden Einrichtungen:

  • Eh. Kohleschuppen: Energiemuseum der Drewag[10]
  • Eh. Stromwerk: Diskothek Kraftwerk Mitte[11]
  • Eh. Trafohalle: Heinrich-Böll-Stiftung Dresden[12]
  • Eh. Pforte: Bistro & Café T1[13]
  • Eh. Heizzentrale: ab September 2017 als Coworking Space für die Kreativwirtschaft geplant[14]
  • Eh. Wärmeübertragungsstation: Kunsthalle, ab September 2017 als Coworking Space für die Kreativwirtschaft geplant[15]
  • Eh. Wohnhaus für Angestellte (Eckgebäude zur Ehrlichstraße): Sitz von Intendanz und Verwaltung des Theaters[16]

Für die folgenden Gebäude stehen Sanierung und Planung noch offen: (Stand Februar 2017)

Zur Komplettierung des neuen Kulturstandorts soll noch ein Haus der Kulturen und der Begegnung entstehen sowie ein Restaurant. Weitere Start-up-Unternehmen und Kunstateliers sollen mit günstigen Mieten zur Ansiedlung gelockt werden.[1]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Heizkraftwerk Mitte, Dresden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Bernhard Honnigfort: Alte Stadt mit neuer Mitte. In: Berliner Zeitung, 16. Dezember 2016, S. 21.
  2. Kraftwerk-Club.de
  3. Holger John: Events. Holger-John.de, abgerufen am 16. Februar 2017.
  4. Die Terrakottaarmee: Bisherige Stationen. Website der Wanderausstellung, abgerufen am 16. Februar 2017.
  5. Ein Kulturkraftwerk für Dresden in FAZ vom 20. September 2013, S. 43.
  6. Michael Bartsch: Ein Erfolg, der jetzt viele Väter und Mütter hat – Das Kraftwerk Mitte mit Staatsoperette und tjg. ist eröffnet, DNN Nr. 295 vom 19. Dezember 2016, S. 7.
  7. Kulturkraftwerk Mitte (abgerufen am 19. Dezember 2016)
  8. Endlich hat Dresden wieder richtig coole Kultur-Locations (abgerufen am 19. Dezember 2016)
  9. Lichtwerk, Kraftwerk Mitte. Abgerufen am 16. Februar 2017.
  10. Kohleschuppen, Kraftwerk Mitte. Abgerufen am 16. Februar 2017.
  11. Stromwerk, Kraftwerk Mitte. Abgerufen am 16. Februar 2017.
  12. Trafohalle, Kraftwerk Mitte. Abgerufen am 16. Februar 2017.
  13. Pforte, Kraftwerk Mitte. Abgerufen am 16. Februar 2017.
  14. Heizzentrale, Kraftwerk Mitte. Abgerufen am 16. Februar 2017.
  15. Wärmeübertragungsstation der Heizzentrale, Kraftwerk Mitte. Abgerufen am 16. Februar 2017.
  16. Wohnhaus, Kraftwerk Mitte. Abgerufen am 16. Februar 2017.
  17. Villa, Kraftwerk Mitte. Abgerufen am 16. Februar 2017.
  18. Sozialgebäude, Kraftwerk Mitte. Abgerufen am 16. Februar 2017.
  19. Schaltanlage, Kraftwerk Mitte. Abgerufen am 16. Februar 2017.
  20. Reaktanz, Kraftwerk Mitte. Abgerufen am 16. Februar 2017.