Krajenka

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Krajenka
Wappen von Krajenka
Krajenka (Polen)
Krajenka
Krajenka
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Großpolen
Powiat: Złotów
Gmina: Krajenka
Fläche: 3,77 km²
Geographische Lage: 53° 17′ N, 16° 59′ OKoordinaten: 53° 17′ 0″ N, 16° 59′ 0″ O
Einwohner: 3779
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 77-430
Telefonvorwahl: (+48) 67
Kfz-Kennzeichen: PZL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 188: PiłaZłotówCzłuchów
DW 190: Krajenka–WysokaSzamocinWągrowiecGniezno
Schienenweg: PKP-Linie 426: Piła ↔ Tczew
Nächster int. Flughafen: Posen-Ławica
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Fläche: 192,00 km²
Einwohner: 7605
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 40 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3031033
Verwaltung (Stand: 2012)
Bürgermeister: Stefan Kitela
Adresse: ul. Jagiełły 9
77-430 Krajenka
Webpräsenz: www.krajenka.pl



Krajenka (deutsch Krojanke) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Großpolen im Powiat Złotowski mit etwa 3.500 Einwohnern. In Krajenka befindet sich der Sitz der Stadt- und Landgemeinde (gmina miejsko-wiejska).

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krajenka liegt in Hinterpommern am Nordufer des Flusses Glumia, 23 Kilometer nordöstlich von Piła (Schneidemühl). Zur Nachbarstadt führen die Woiwodschaftsstraße 188 und die Bahnstrecke Tczew–Küstrin-Kietz Grenze. Nach Osten hin verläuft die Krainaer Seenplatte. Das Gebiet der Stadt- und Landgemeinde erstreckt sich über 191,79 km².

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krojanke nordöstlich der Stadt Schneidemühl – siehe obere Bildhälfte – auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).
Krojanke südlich der Stadt Flatow auf einer Landkarte von 1806
Stadtkirche
Marktplatz
Gebäude in der Altstadt
Häuser in der Altstadt
Kulturzentrum
Fachwerkhaus

Der Ursprung des Ortes liegt auf dem westlich gelegenen Schlossberg, auf dem sich im Frühmittelalter eine wendische Befestigungsanlage befand. Das Umland war Grenzgebiet zwischen Pommern und Polen, von diesen „Kraina“ (deutsch „Grenzland“, heute Krajna) genannt. Seit 1343 gehörte die Krajna zum Königreich Polen. Die Stadtgründung geht auf den polnischen Adligen Andrzej Danaborski zurück, der von König Władysław II. Jagiełło 1420 für den Ort das Magdeburger Stadtrecht erwarb. Als Wappen benutzte die Stadt das Familienwappen seines Gründers. In der Folgezeit trat ein ständiger Wechsel der Stadtherren ein.

Wichtigster Erwerbszweig der Einwohner war die Landwirtschaft, ab 1654 wurde gewerbsmäßig Bier in der Stadt gebraut. Im 18. Jahrhundert versuchte man, mit einer Seidenraupenzucht einen neuen Erwerbszweig zu eröffnen. 1703 wurde im Westflügel des von der Familie Danaborski errichteten Schlosses für die katholische Gemeinde die St.-Nikolaus-Kirche eingebaut.

Im Zuge der Ersten Teilung Polen-Litauens von 1772 fiel die Ortschaft Krojanke, die zu dieser Zeit etwa 900 Einwohner hatte, an Preußen und wurde dem Netzedistrikt zugeteilt. Nach der preußischen Verwaltungsreform von 1815 wurde die Stadt in den Kreis Flatow im westpreußischen Regierungsbezirk Marienwerder eingegliedert. Die Zahl der Einwohner wuchs ständig, 1857 lebten bereits 2.061 Menschen in Krojanke. Da unter den Zuwanderern viele Evangelische waren, wurde 1846 nach Plänen von Carl Friedrich Schinkel auf dem Marktplatz mit dem Bau einer evangelischen Kirche begonnen. An der Straße nach Flatow (Złotów) entstanden zahlreiche neue Wohnhäuser. 1871 wurde am Südufer des Glumiaflusses der Bahnhof für die Preußische Ostbahn (heute Bahnstrecke Tczew–Küstrin-Kietz Grenze) eröffnet. In seiner Nähe siedelten sich ein Kalksandstein- und ein Sägewerk an.

Als nach dem Ersten Weltkrieg aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags große Teile Westpreußens zur Einrichtung des Polnischen Korridors an die Zweite Polnische Republik abgetreten werden mussten, wurde Krojanke mit einem Teil des Kreises Flatow in die neu geschaffene Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen eingegliedert. Am 21. Juni 1924 ging Krojanke in die Rechtsgeschichte ein. Durch ein Urteil des Reichsgerichtes wurde der ehemalige Herrschaftsbesitz des preußischen Prinzen Friedrich Leopold, unter anderem Krojanke, als Privateigentum anerkannt und damit eine wichtige Grundsatzentscheidung zu den Entschädigungsansprüchen des deutschen Adels in der Weimarer Republik gefällt. Als 1938 die Provinz Grenzmark aufgelöst wurde, kam Krojanke zu Pommern. 1939 war die Einwohnerzahl auf 3.233 angewachsen.

Am Anfang der 1930er Jahre hatte die Gemarkung der Stadt Krojanke eine Flächengröße von 42,6 km², und in dem Stadtgebiet standen insgesamt 456 Wohnhäuser an 17 verschiedenen Wohnorten:[2]

  1. Bahnhof Krojanke
  2. Barankower Feld
  3. Erdmannshof
  4. Forsthaus Kleinheide
  5. Gut Barankowo
  6. Heidenfelde
  7. Kaltenort
  8. Krojanke
  9. Langerberg
  10. Leßniker Feld
  11. Lonsker Feld
  12. Sakollnower Feld
  13. Scheunenbezirk
  14. Schützenhaus
  15. Tarnowker Busch
  16. Vorwerk Dombrowo
  17. Wonzower Weg

Im Jahr 1925 wurden 3.463 Einwohner gezählt, die auf 807 Haushaltungen verteilt waren.[2]

Als sich der Zweite Weltkrieg seinem Ende näherte, versuchten viele Stadtbewohner Anfang 1945, vor der näherrückenden Kriegsfront zu fliehen. Während der Eroberung durch die Rote Armee wurde Krojanke stark zerstört, im Stadtzentrum blieben nur wenige Häuser erhalten. Bald nach der Besetzung durch die sowjetischen Truppen wurde Krojanke unter polnische Verwaltung gestellt. Zuwandernde Polen begannen nun, sich der noch erhaltenen Behausungen und Einrichtungen der eingesessenen Stadtbewohner zu bemächtigen. Soweit die Einwohner nicht geflohen waren, wurden sie in der darauf folgenden Zeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben. Die deutsche Stadt Krojanke wurde in Krajenka umbenannt. Bei den zuwandernden Polen handelte es sich zunächst vorwiegend um ehemalige Angehörige polnischer Minderheiten in Gebieten östlich der Curzon-Linie, den Kresy. Diese Gebiete waren nach dem Ersten Weltkrieg im Polnisch-Sowjetischen Krieg (1919–1921) erobert worden und mussten nach dem Zweiten Weltkrieg an die Sowjetunion abgetreten werden. Angehörige nationaler Minderheiten in diesen Gebieten waren von den sowjetischen Behörden vor die Wahl gestellt worden, entweder eine neue Staatsangehörigkeit zu akzeptieren oder aussiedeln zu müssen.

Anstelle der zerstörten Häuser wurden Wohnblocks errichtet, und erst 1960 wurde mit 3.100 Einwohnern der Vorkriegsstand wieder erreicht.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Anzahl
1772 900
1805 1.946, davon 1.203 Christen und 743 Juden[3]
1853 3.063, davon 2.415 Christen und 648 Juden[3]
1857 2.061
1875 3.303[4]
1880 3.531[2]
1890 3.344, davon 1.781 Evangelische, 1.055 Katholiken und 509 Juden (400 Polen)[2]
1925 3.464, davon 1.865 Protestanten, 1.262 Katholiken und 320 Juden[2]
1933 3.345[2]
1939 3.233[2]
1945 150
1960 3.100
2007 3.647[5]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erich Wolfsfeld (* 27. April 1884 in Krojanke; † 29. März 1956 in London), deutscher Graphiker, Maler und Radierer († 1956)

Mit der Stadt verbunden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gmina Krojanke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Krajenka umfasst eine Fläche von 192 km². Die Zahl der Einwohner liegt bei mehr als 7.000, von denen fast die Hälfte in der Stadt selbst wohnt.

Die Fläche der Gemeinde wird zu 47 % landwirtschaftlich genutzt. Waldgebiet beträgt 48 % der Fläche der Gemeinde. In ihr entwickelte sich vor allem die Holzindustrie, nämlich: Sägemühlen, holzverarbeitende Betriebe und Möbelfabriken. Im geringeren Maß entstanden Nahrungsmittelbetriebe: Bäckereien und Fleischereien. Außerdem wurden verschiedene Dienstleistungsbetriebe gegründet, die den Bedarf der Bevölkerung decken.

Die Gemeinde besteht aus den folgenden Ortschaften:

Name deutscher Name (bis 1945)
Augustowo Augustowo (1914–1945 Augustendorf)
Barankowo Barankower Feld
Czajcze Waldhof
Dolnik Dollnik (1926–1945 Wittenburg)
Głubczyn Glubczyn (1909–1926 Glubschin, 1926–1945 Steinau)
Krajenka Krojanke
Leśnik Leßnick (1926–1945 Lessendorf)
Łońsko Lonsker Feld
Maryniec Marienwalde
Paruszka Paruschke (1926–1945 Treuenheide)
Podróżna Podrusen (1927–1945 Preußenfeld)
Pogórze Sakollnower Feld
Skórka Schönfeld
Śmiardowo Krajeńskie Smirdowo bei Krojanke (1909–1945 Schmirtenau)
Tarnówczyn Tarnowker Busch
Wąsoszki Wonzower Weg
Żeleźnica Hammer

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen, Band 2, Marienwerder 1789, Teil I, S. 102, Nr. 8).
  • Friedrich Wilhelm Ferdinand Schmitt: Der Kreis Flatow. In seinen gesammten Beziehungen. Thorn 1867, S. 251–264.
  • Otto Goerke: Der Kreis Flatow. In geographischer, naturkundlicher und geschichtlicher Beziehung dargestellt. [1. Auflage 1918] 2. Auflage, Gifhorn 1981, mit einem Nachtrag über die Zeit von 1918 bis 1945 von Manfred Vollack (902 Seiten, 113 Abbildungen, 7 Karten).
  • Heimatbuch für den Kreis Flatow – Grenzmark Posen-Westpreußen – Provinz Pommern. Herausgegeben vom Heimatkreisausschuss für den Kreis Flatow mit Unterstützung des Patenschaftskreises Gifhorn. Druck: Karl Neef oHG (Wittingen), Gifhorn 1971.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Krajenka – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. a b c d e f g http://stadt.krojanke.kreis-flatow.de/
  3. a b F. W. F. Schmitt: Topographie des Flatower Kreises. In: Preußische Provinzialblätter, Andere Folge, Band VII, Königsberg 1855, S. 116.
  4. http://www.verwaltungsgeschichte.de/flatow.html
  5. Główny Urząd Statystyczny, „LUDNOŚĆ – STAN I STRUKTURA W PRZEKROJU TERYTORIALNYM“, Stand vom 30. Juni 2007 (Memento vom 16. Februar 2008 im Internet Archive)