Krajina

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Der Begriff Krajina [ˈkraːina] (mit unterschiedlichen sprachlichen Varianten) ist ein slawisches Toponym mit mehreren Bedeutungen.

Namenkunde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kraj und Krajište (davon alban. Kraja) ist ein südslawisches Toponym, das eine Grenzlandschaft (Grenzmark) bezeichnet.[1][2][3][4][5][6]

Die Toponyme Krajina, Kraj und Krajište sind Namensbestandteile vieler von Slawen besiedelter Gebiete, vgl. die Ukraine (Grenzland), die Uckermark, die Militärgrenze (skr. Vojna krajina), Krain u.v.m.[7]

Der Begriff bezog sich ursprünglich auf römisch-byzantinische Wehranlagen nördlich von Dyrrhachium.[8] Um den Ansturm von Barbaren aufzuhalten (Verwüstung Docleas durch Ostgoten 489), wurde in der Provinz Dardanien noch vor Justinian I. ein dichtes Netz von Kastellen und Wehrbauten (Gräben, Verhauen, Türmen aus Holz und Stein) errichtet, welches bei Marcellinus und Prokopios erwähnt wird. Im 8. und 9. Jahrhundert trotzte dieser römisch-byzantinische Limes dem Ansturm der Serben und Bulgaren.[9]

Die ausgedehnten Wehranlagen bestanden noch in der Komnenenzeit und waren später für die Verteidigung gegen Einfälle der Normannen und Anjouviner bedeutend. Aus dieser Zeit stammt die serbische Bezeichnung „Krajina“ für das Gebiet zwischen den Flüssen Bojana und Crmnica. Die Dukljanin-Chronik erwähnt den Sitz des serbischen Fürsten-Heiligen Johannes Vladimir als locus qui Craini dicitur.[5] Eine andere Kraja nahe Debra wird 1273 erwähnt.[10] Albanische Heldengesänge (këngë kreshnikë = cantica heroica) besingen die Kriegsführung in der Krajina.[7] Als krajišnici (sing. krajišnik) galten im Codex Stephan Dušans Adelige, die dem Kaiser alle Schäden durch plündernde Armeen, die durch Gebiete der betroffenen Krajišnici gezogen waren, ersetzen mussten.[3]

Das im 15. Jahrhundert tätige Erzbistum Krajina, mit Zentrum in der Klosterkirche Prečista Krajinska nahe Bar, soll als ein gescheiterter Reunionsversuch zwischen Katholizismus und Orthodoxie gelten.[11]

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Krajina (f), tschechisch für: Landschaft
  • Kraj (m), heute insbesondere Verwaltungseinheit in Russland, Tschechien und der Slowakei
  • Krain, slowenisch Kranj, ein Bezirk und Kranjska, ein Landesteil Sloweniens, als Herzogtum Krain frühere Provinzbezeichnung Österreich-Ungarns

Komposita:

  • In den südslawischen Sprachen heißt pokrajina [ˈpɔkraːina] übersetzt „Provinz“.
  • Der Name der Ukraine (ukrain. Ukrajina) geht in der ukrainischen oder russischen Sprache auf die Bedeutung „Land“ oder auch „Rand“ des Wortes kraj zurück (von Moskau aus gesehen liegt die Ukraine am Rand des ostslawischen Siedlungsgebietes und ist somit Grenzland)

Geographische Regionen namens Krajina[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Polen:

Bosnien-Herzegowina:

Serbien:

Kroatien:

Montenegro:

Slowenien:

  • Suha krajina - Die „Dürre Mark“, eine Gegend (kein politisches Gebilde) in Slowenien um Trebnje (Treffen) und Žužemberk (Seisenberg) an der Krka (Gurk)
  • Bela krajina - Die „Weiße Mark“, ist nicht nur ein Teil des Herzogtums Krain gewesen. Auch gegenwärtig wird in Slowenien die Gegend zwischen der Krka (Gurk), als nördliche Begrenzung und der Kolpa, als südliche Begrenzung, als Bela Krajina bezeichnet.

Historische und politische Regionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Teil der serbischen Bevölkerung in Kroatien rief während des Kroatien-Krieges (1991–1995) die folgenden Gebiete aus:

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • krajina im englischsprachigen Wiktionary – Aussprache, Bedeutungen, Deklination von krajina u. ä. in verschiedenen Sprachen
  • *krajina im englischsprachigen Wiktionary – Anhang: Übersicht von urslawisch *krajina abstammender Wörter in verschiedenen Sprachen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kraina. In: Encyklopedja Powszechna, VIII. Warszawa 1900, S. 567.
  2. Krajina. In: Ottův slovník naučný, XV. Prag 1900, S. 22.
  3. a b Krajiště. In: Ottův slovník naučný, XV, Prag 1900, S. 25.
  4. Krajna. In: Bolʹšaja sovetskaja ėnciklopedija, XXIII. 2. Auflage. Moskau 1949-1958, S. 198.
  5. a b Krajište – Kraj – Krajina. In: Słownik Starożytności Słowiańskich, II. Wrocław/Warszawa/Kraków 1964, S. 503 f.
  6. Krajina. In: Vojna enciklopedija, IV. Beograd 1970, S. 681 f.
  7. a b krâj. In: P. Skok (Hrsg.): Etimologijski rječnik Hrvatskoga ili Srpskoga jezika, II. Zagreb 1972, S. 176 f.
  8. Konstantin Jireček: Geschichte der Serben, I. Gotha 1911, S. 187.
  9. Milan Šufflay: Städte und Burgen Albaniens hauptsächlich während des Mittelalters. Denkschriften der Phil.-hist. Kl. d. Akad. d. Wiss. in Wien, 63.1, Wien/Leipzig 1924, S. 18.
  10. Milan Šufflay: Srbi i Arbanasi (njihova simbioza u srednjem vijeku). Beograd 1925, S. 5f.
  11. Milan Šufflay: Die Kirchenzustände im vortürkischen Albanien (Die orthodoxe Durchbruchszone im katholischen Damme.). In: Illyrisch-albanische Forschungen, I, München/Leipzig 1916, S. 188–231.