Kranichborn

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Kranichborn
Koordinaten: 51° 7′ 13″ N, 11° 4′ 52″ O
Höhe: 177 m ü. NN
Eingemeindung: 14. März 1974
Postleitzahl: 99195
Vorwahlen: 03634, 036371

Kranichborn ist ein kleines Dorf in Mittelthüringen, das nach Großrudestedt eingemeindet worden ist.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kranichborn liegt in 178 m Höhe 5 km südlich von Sömmerda und 15 km nordöstlich von Erfurt. Nordöstlich vom Ort befindet sich der Kranichborner Hügel (204 m), östlich der Weinberg (196 m). Südwestlich von Kranichborn mündet die Vippach in die Gramme.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1233 wurde ein Heinrich von Kranichborn urkundlich erwähnt.[1] Der Ort gehörte als Exklave zum kursächsischen Amt Weißensee. Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses kam er 1815 zum Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach und wurde 1816 dem Amt Großrudestedt[2] zugeteilt. Mit der Auflösung des Amts kam der Ort 1850 zum Verwaltungsbezirk Weimar[3], zu dem er bis 1920 gehörte.

Kranichborn war ein Gutsdorf. Sowohl das Herrenhaus, das 2010 restauriert zum Dorfgemeinschaftshaus ausgebaut wurde, als auch Wirtschaftsgebäude sind vorhanden. Bis 1945 gehörte das Gut der Familie Tümmler, die entschädigungslos enteignet wurde. Auf dem Kirchhof finden sich historische Grabsteine, auch von früheren Gutsbesitzern. 1913 wurde in Form eines Waidmühlsteins unter einer gewaltigen Eiche (Naturdenkmal) im Dorfzentrum ein Gedenkstein an die erfolgreichen Kämpfe gegen Napoleon mit der Völkerschlacht von Leipzig 1813 gesetzt. Im April 1945 rückten US-Truppen in das Dorf ein, die Anfang Juli von Roter Armee abgelöst wurden. Auf dem Kranichborner Hügel (204 m) war ab 1961 eine Funktechnische Kompanie der NVA stationiert. Diese FuTK-511 wurde 1975 nach Sprötau verlegt. 1964 spielte die Anlage bei Kranichborn eine Rolle bei der Verfolgung eines eingeflogenen US-Aufklärungsflugzeugs, das dann bei Vogelsberg von sowjetischen Jagdflugzeugen abgeschossen wurde.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das frühere Herrenhaus des Gutes aus dem 18. Jahrhundert beherbergte zur DDR-Zeit eine Bürgermeisterstube, Konsum und Schwesternstation. Im Rahmen eines Projekts „Sanierung und Umnutzung des ehemaligen Gutshauses zum Dorfgemeinschaftshaus“ erhielt das Gebäude eine neue Fassade. 2011 wurde das Innere dem vorgesehenen Zweck entsprechend gestaltet.[4]

Die ehemalige Luftüberwachungsanlage der NVA auf dem Kranichborner Hügel ist (2011) eingezäunt, wird zum Teil friedlich genutzt, ist aber größtenteils verwahrlost mit Resten ruinöser Militärbauten. Auf dem Gelände steht ein Funkmast.

Siehe auch Liste der Kulturdenkmale in Großrudestedt

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kranichborn hat eine Straßenverbindung nach Großrudestedt. Wirtschaftswege, die auch gut als Radwege nutzbar sind, führen nach Alperstedt, Werningshausen und Schallenburg. Der Laura-Radweg von Schallenburg nach Weimar führt durch den Ort. Eine Eisenbahnverbindung besteht über das benachbarte Großrudestedt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • F. Spieß: Geschichte des Dorfes Großrudestedt im Grossherzogtum Sachsen. Mit Berücksichtigung der Umgegend und im Rahmen der Landesgeschichte. Buchdruckerei Wackes in Kommission u. a., Großrudestedt u. a. 1912, (Reprint: Möbius, Artern 1997).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kranichborn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. 2., erweiterte und überarbeitete Auflage. Jenzig-Verlag Köhler, Jena 2003, ISBN 3-910141-56-0, S. 344.
  2. Geographische Übersicht der Sachsen-Ernestinischen, Schwarzburgischen, Reussischen und der anliegenden Lande. Perthes, Gotha 1826, S. 54.
  3. Der Verwaltungsbezirk Weimar im Gemeindeverzeichnis 1900.
  4. Katrin Müller: Wieder Leben im Gutshaus. Kranichborn: Sanierung hat begonnen. In: Thüringische Landeszeitung, vom 23. August 2011.