Klinikum im Friedrichshain

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Vivantes Klinikum im Friedrichshain
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Trägerschaft Vivantes
Ort Berlin-Friedrichshain und Berlin-Prenzlauer Berg
Koordinaten 52° 31′ 29,9″ N, 13° 26′ 20,5″ O52.52496113.439037Koordinaten: 52° 31′ 29,9″ N, 13° 26′ 20,5″ O
Geschäftsführende Direktorin Andrea Bronner
Versorgungsstufe Krankenhaus der Maximalversorgung / Notfallzentrum[1]
Betten 900 (2011)
Mitarbeiter 1110 (2011)
davon Ärzte 460
Fachgebiete siehe Medizinische Bedeutung
Gründung 1874
Website www.vivantes.de/kfh
Historisches Eingangstor zum Krankenhaus mit den Jahreszahlen 1870 und 1874 an den gusseisernen Torflügeln. Rechts der weiße Untergrund eines im Zweiten Weltkrieg aufgebrachten Schutzzeichens (Rotes Kreuz).

Das Städtische Krankenhaus Am Friedrichshain war das erste städtische Krankenhaus Berlins, das 1874 eingeweiht wurde. Es befindet sich in Berlin-Friedrichshain, an der Landsberger Allee am Rande des Volksparks Friedrichshain. Seit 2001 gehört es als Klinikum im Friedrichshain (offizielle Bezeichnung Vivantes Klinikum im Friedrichshain, kurz KFH) zu den Vivantes-Kliniken. Die Anlage ist ein denkmalgeschütztes Bau-Ensemble.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gründung des Krankenhauses erfolgte auf Initiative von Heinrich Kochhann und Rudolf Virchow und mit Hilfe eines auf fünf Jahre befristeten Legats des Kaufmanns Jean Jacques Fasquel über 50.000 Thaler.

Ehemaliges Direktorenhaus neben dem alten Eingang

Der Magistrat von Berlin hatte die Architekten Martin Gropius und Heino Schmieden im Herbst 1866 mit der Planung für ein Städtisches Krankenhaus für insgesamt 600 Kranke beauftragt, das auf einer vom Volkspark Friedrichshain abzutrennenden Fläche von 95.500 m²[2] errichtet werden sollte. Unter wesentlicher fachlicher Mitarbeit von Rudolf Virchow und der Leitung der Arbeiten vor Ort durch den Baurat Viktor von Weltzien (1836–1927)[3] sowie der direkten Bauleitung durch die Architekten Gropius und Schmieden entstanden ein- und zweistöckige Pavillons, ein Isoliergebäude für Operationen, ein Dampfmaschinenhaus sowie der Haupteingang mit den angebauten Empfangsgebäuden und Beamtenwohnhäusern. In die Aufteilung in kleine Pavillons flossen Erfahrungen aus England, Nordamerika und Frankreich mit dem Pavillonstil ein, der Ende des 19. Jahrhunderts aus hygienischen Gründen beispielhaft für Krankenanstalten war.[4] In gleicher Zeit wurde auch die neue Zufahrtsstraße unter Verantwortung der Architekten angelegt.

Zu einem späteren Zeitpunkt sollten Verwaltungsgebäude, Wirtschaftsgebäude, eine Wäscherei und weitere Bauten für Fachbereiche hinzukommen (1876, 1882, 1887), deren Pläne Gropius und Schmieden bereits mit ausgearbeitet hatten. Nach der Grundsteinlegung noch knapp vor Ablauf der Legatsfrist Ende 1868 dauerte die Errichtung der ersten Häuser im Stil der Backsteingotik, nun aus Mauerwerk und Verblendklinkern gestaltet, von 1870 bis 1874. Der repräsentative Eingang in der Landsberger Chaussee wurde propyläenartig gestaltet. Im schmiedeeisernen Torbogen sind die vergoldeten Jahreszahlen 1870 und 1874 festgehalten worden. Für öffentliche Bauten in Berlin hatte die Berlinische Hochbaudeputation im 19. Jahrhundert zur Fassadengestaltung rote Backsteine mit gelben Ziegelstreifen festgelegt, glasierte Schmuckbänder und einige historisierende Details als Terrakotta-Fassade lockerten die Bauten auf. Dem Stifter wurde im Torbogen eine marmorne Gedenktafel gewidmet.

Gedenkplatte für die Schenkung

Der erste Patient wurde am 8. Oktober 1874 zur Behandlung aufgenommen, bis dahin stand in Berlin nur die Charité als Krankenhaus zur Verfügung. Der Volkspark Friedrichshain wurde als spätere Ausgleichsmaßnahme für den Flächenverlust durch den Krankenhausbau nach Nordosten hin erweitert.

Bis in die 1920er und 1930er Jahre folgten weitere Umbauten und Erweiterungen, so das Röntgenhaus und die Frauenklinik nach Entwürfen von Franz Meurer, Magistrats-Oberbaurat.[5] Eine von Gropius und Schmieden im ersten Bebauungsplan mitprojektierte Kapelle wurde nicht verwirklicht.[4]

Da der im Februar 1930 in diesem Krankenhaus verstorbene Horst Wessel von der NSDAP zum Märtyrer überhöht worden war, erhielt das Krankenhaus nach der „Machtergreifung“ Anfang Oktober 1933 den Namen Horst-Wessel-Krankenhaus und lag nun, da der Bezirk Friedrichshain ebenfalls umbenannt worden war, im Bezirk Horst-Wessel-Stadt.

Eingangsbereich mit Poliklinik im Jahr 1953

Nach starken Zerstörungen durch Luftangriffe und andere Kampfhandlungen im Zweiten Weltkrieg wurden in der DDR von 1950 bis 1955 nach Plänen des Bauateliers Kamps eine sechsgeschossige Mehrflügel-Anlage als Bettenhaus und Operationstrakt, die einige der früheren Einzelhäuser U-förmig zusammenfasste, ein neuer Eingangsbereich mit Poliklinik und weitere Funktionsgebäude errichtet. Die zerstörten Seitenflügel am ursprünglichen Torgebäude wurden durch einfache schmucklos grau verputzte Häuser in gleichen Außenabmessungen ersetzt. Zu Beginn der 1960er Jahre eröffnete die Zentrale Rettungs- und Intensivtherapieabteilung (ZRI), in der Fachärzte Tag und Nacht über alle Möglichkeiten der Sofortdiagnostik und -therapie verfügten.

Nach der Wende, bis September 2002 wurde der in den 1950er Jahren nicht ausgeführte vierte Flügel in Backsteinoptik mit einem neuen Empfangsbereich nach Entwürfen von Stephan Höhne fertiggestellt, dem die ehemalige Poliklinik weichen musste. Frühere Gebäudeteile wurden saniert oder teilrekonstruiert. Auch in den 2010er Jahren erhält das Vivantes Klinikum im Friedrichshain weitere Ergänzungsbauten.

Medizinische Bedeutung[Bearbeiten]

Das Krankenhaus im Friedrichshain gehört seit seiner Gründung zu den führenden Krankenhäusern Berlins. Hier waren bedeutende Mediziner tätig, unter anderem Franz Büchner, Alexander von Domarus, Carl Friedländer, Paul Fürbringer, Hans Christian Gram, Heinrich Otto Kalk, Moritz Katzenstein, Moritz Mebel, Ludwig Pick, Willibald Pschyrembel, Max Schede, Fritz Schiff, Friedrich Trendelenburg, Hans Wildegans und Alfred Wolff-Eisner. Bereits 1897 wurde ein Röntgen-Kabinett eingerichtet, 1969 das erste Nierentransplantationszentrum der DDR.

Heute ist das Klinikum im Friedrichshain eine der wichtigsten und größten Kliniken der Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH. 18 Fachbereiche, zwei Zentren und ein Institut sind im Klinikum im Friedrichshain integriert. Dazu gehören unter anderem die operativen Kliniken für Neurochirurgie, HNO, Visceralchirurgie, Unfallchirurgie, Gefäß- und Thoraxchirurgie, Orthopädie, Dermatologie, Urologie, Gynäkologie und Geburtsmedizin, die Kliniken für Innere Medizin (Angiologie, Gastroenterologie, Kardiologie, Nephrologie) sowie die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, die Klinik für Anästhesie und die Klinik für Neurologie. Im Klinikum befindet sich ein Zentrum für Gefäßmedizin sowie eine Ambulanz für Gerinnungsstörungen. Des Weiteren gibt es hier die einzige Sauerstoffüberdruckkammer Berlins, die der Behandlung von Patienten mit bestimmten schwer therapierbaren Krankheitsbildern wie Tauchunfällen, Rauch- und Gasvergiftungen dient.

Im Jahr 2007 eröffnete auf dem Klinikgelände eine psychiatrische Tagesklinik, 2008 wurde die bauliche und technische Erneuerung der Frauenklinik abgeschlossen.[6]

Die Einrichtung ist Unfall-Schwerpunkt-Klinikum für den Versorgungsbereich Berlin-Mitte, weswegen es auf dem Klinikgelände einen eigenen Landeplatz für Rettungshubschrauber gibt und ein Notarzteinsatzfahrzeug der Berliner Feuerwehr stationiert ist. Die in den vierten Flügel Ende der 1990er integrierte Rettungsstelle wurde 2010/2011 total umgebaut und mit neuester Diagnosetechnik ausgestattet. Seit der Inbetriebnahme dieses Notfallzentrums mit Maximalversorgung wurden im Jahresdurchschnitt 50.000 Patienten hier behandelt, von denen etwa ein Drittel stationär aufgenommen werden mussten.[7]

Standort Prenzlauer Berg[Bearbeiten]

Seit 1. April 2010 ist das an der Prenzlauer Allee Ecke Danziger Straße im Bezirk Pankow gelegene ehemalige Vivantes Klinikum Prenzlauer Berg, vormals Krankenhaus Prenzlauer Berg, dem Vivantes Klinikum im Friedrichshain als Standort Prenzlauer Berg angeschlossen. Diese Filiale verfügt über vier Fachabteilungen und 146 Betten, es sind 44 Ärzte und 96 Pflegekräfte dort beschäftigt.

Bis zum Jahr 2014 soll der Standort Prenzlauer Berg jedoch geschlossen werden, wofür eine Erweiterung des Klinikums im Friedrichshain am Standort Landsberger Allee notwendig wird.[8][9] Der Erweiterungsbau an der Landsberger konnt 2014 jedoch noch nicht in Betrieb genommen werden.

Statistik[Bearbeiten]

  • Bettenkapazität: 600 (1874), 1010 (1914), 680 (2004), 668 (2006), 900 (Ende 2011)
  • Anzahl der Behandlungen: 24.111 (2004), 29.954 (2006), 103.000 (2011)
  • Anzahl der Ärzte: 247 (2004), 233 (2006), 266 (2008), 460 (2012)
  • Anzahl der Pflegekräfte: 548 (2004), 408 (2006), 650 (2012)
  • Anzahl der Mitarbeiter gesamt: 1.022 (2008)
  • stationäre Behandlungen pro Jahr: 29.505, 40.000 (2012)
  • ambulante Behandlungen pro Jahr: 48.678 (2006), 60.000 (2012)[10]

Kunst im Klinikum und im Park des Klinikums[Bearbeiten]

Beim Spaziergang in den Grünanlagen des Krankenhausgeländes fallen im Park und auch im Inneren der Gebäude einige Kunstwerke ganz unterschiedlicher Art auf. Unter „Kunst im Haupthaus“ befand sich die Skulptur Orbit I von Bernhard Heiliger als Leihgabe aus der Berlinischen Galerie, Jahr 2008 (im Jahr 2014 eingelagert). Weitere Metallskulpturen stammen von den Künstlern Achim Pahle und Hartmut Sy.[11] Die folgende Bildreihe vermittelt einen kleinen Eindruck; eine Fotosammlung der ausgestellten Werke steht unter Commons.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gropius und Schmieden: Das Städtische Allgemeine Krankenhaus in Berlin im Friedrichshain. In: Zeitschrift für Bauwesen. Jahrgang 25 (1875), Sp. 131-144, 453-482, Tafeln 24-32, 42-47, 66-68. Jahrgang 26 (1876), Sp. 5-36, 153-180, Tafeln 10-13, 27-30. Digitalisat im Bestand der Zentral- und Landesbibliothek Berlin.
  • Meyers Konversations-Lexikon. Vierte Auflage. Zehnter Band. Verlag des Bibliografischen Instituts, Leipzig 1888, S. 150 ff.
  • Institut für Denkmalpflege (Hrsg.): Die Bau- und Kunstdenkmale in der DDR, Hauptstadt Berlin I. Henschelverlag, Berlin 1984
  • Jan Feustel: Spaziergänge in Friedrichshain. Haude und Spener, Berlin 1994, ISBN 3-7759-0357-7, S. 22 ff.
  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler / Berlin. 2. Auflage, Deutscher Kunstverlag, München 2000, ISBN 3-422-03071-9, S. 199.
  • Manfred Stürzbecher: 100 Jahre Städtisches Krankenhaus Friedrichshain, in: Jahrbuch „Der Bär von Berlin“, hrsg. v. Verein für die Geschichte Berlins, 24. Jahrgang, Berlin 1975.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Klinikum im Friedrichshain – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Krankenhausplan des Landes Berlin 2010. (PDF; 4,1 MB) S. 48
  2. Endgültige Fläche lt. Angabe aus der ZS für Bauwesen 1876, Heft I (Fortsetzung der Veröffentlichung von Gropius und Schmieden über das Städt. Allgemeine Krankenhaus in Berlin).
  3. Heinrich Schmieden: Zum 90. Geburtstag von Viktor von Weltzien In: Zentralblatt der Bauverwaltung (43), Heft, S. 483.; abgerufen am 18. April 2015.
  4. a b Gropius, Schmieden: Das Städtische Allgemeine Krankenhaus in Berlin Im Friedrichshain. In: Zeitschrift für Bauwesen, 25(1875)I–III; Verlag Ernst & Sohn, S. 131ff. Abgerufen am 23. April 2015.
  5. Meurer, Franz. In: Berliner Adreßbuch, 1925, Teil 1, S. 2901.
  6. Geschäftsbericht Vivantes für das Jahr 2007 (PDF) abgerufen am 6. März 2009.
  7. Gesundheit für Berlins neue Mitte. Hochmoderne Rettungsstelle im Vivantes Klinikum im Friedrichshain. In: Berliner Woche für Lichtenberg-Nordost, 21. März 2012.
  8. Klinik Prenzlauer Berg zieht nach Friedrichshain. In: B.Z., 7. Oktober 2011.
  9. Vivantes will Millionen investieren. In: Der Tagesspiegel, 7. Oktober 2011.
  10. Qualitätsbericht des Vivantes Klinikums Friedrichshain per 31. Dezember 2006 (PDF)
  11. Homepage von Hartmut Sy mit Darstellung seiner Werke