Krankenpfleger

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Krankenpfleger ist eine in Deutschland heute verwendete Berufsbezeichnung für Personen, die einen bestimmten der Pflegeberufe im Gesundheitswesen ausüben, nämlich die Krankenpflege. Die ältere und häufig noch im allgemeinen Sprachgebrauch verwendete Bezeichnung ist Krankenschwester.

Zum Begriff der Krankenschwester[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pflegerinnen mit und ohne eine staatliche Anerkennung ihrer Berufsausbildung werden zwar oft als „Schwester“ angesprochen, jedoch ist diese Anrede keine offizielle Berufsbezeichnung, sondern traditionell aus der Anrede von Angehörigen religiöser Gemeinschaften, von Nonnen/Ordensschwestern bzw. Diakonissen, als Schwester (englisch sister, lateinisch soror) entstanden.[1] Demgegenüber stellte die Anrede und die Selbstbezeichnung als Krankenschwester eine seit 1953 gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung dar. „Ungeprüfte“ Pflegekräfte durften sie nicht verwenden. Kirchliche Mutterhäuser, deren „Schwestern“ ja längst nicht alle in der Krankenpflege tätig waren oder sind, wurden im Laufe der Jahre zu Krankenhausbetreibern, die sich in einigen Fällen selbst Chefärzte als Angestellte unterordneten. Diese Mutterhäuser haben Pflege auch als Form der Nächstenliebe und als Gelegenheit zur Bekehrung religionsloser Menschen ausgeübt. Von diesen kirchlich verorteten Frauengemeinschaften trennten sich, so zeigt es die Berufsgeschichte der Krankenpflege, später Einzelpersonen und Gemeinschaften ohne kirchliche Bindungen. Die bekanntesten Gruppen sind darunter die Rot-Kreuz-Schwesternschaften (in Deutschland seit 1882[2]) und der Agnes-Karll-Verband (1903–1973 mit der Berufsbezeichnung der Krankenschwester[3]).

Einige Daten zur Herausbildung einer „weltlichen“ Krankenpflege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgenden Daten stehen für eine historische Entwicklung der Tätigkeiten von Krankenschwestern, die fast ausschließlich in kirchlichen Diensten tätig waren hin zu einem Erwerbsmodell von zunächst ehelosen und dann einfach zu überwiegend weiblichen Berufstätigen in einer Dienstleistungsgesellschaft. Markant ist der Einschnitt in der englischen Gesellschaft, der hier mit 1860 angegeben wird. Das Nightingalsche Ausbildungsmodell existiert in Europa erstmals in dem Beruf ohne eine feste Verbindung zu kirchlichen Strukturen.

  • 1859: Die Ecole La Source wurde in der Schweiz als erste Laien-Krankenpflegeschule der Welt gegründet und ist inzwischen ein Zentrum für die Geschichte der Krankenpflege. Darüber hinaus ist sie in der Forschung und Entwicklung des Berufes tätig. Träger ist das SRK, Gründerin: Valérie de Gasparin, die sich explizit gegen das Diakonissen-System wandte.
  • 24. Juni 1860: in London wird die Nightingale School of Nursing mit 15 weiblichen Auszubildenden in einem Alter zwischen 25 und 35 Jahren am St. Thomas’ Hospital (London) eröffnet
  • 1885: In Berlin wird die Krankenpflegeschule Viktoriahaus gestiftet (Kronprinzessin Viktoria). Es stand beim Krankenhaus Friedrichshain. Die Pflegerinnen von hier wurden Viktoriaschwestern genannt und wurden nach dem englischen Vorbild für den Hospitaldienst, besonders an armen und kinderreichen Familien, ausgebildet.
  • ab 1906: Die "Vorschriften über die staatliche Prüfung von Krankenpflegepersonen" wurde eingeführt, die Schwestern und Wärter legten künftig staatliche Prüfungen ab. In Anlehnung an die Vorschriften von Preußen folgten die einzelnen Länder zu verschiedenen Zeitpunkten: Württemberg, Hessen und Lippe 1908, Sachsen und Bremen 1909, Mecklenburg-Schwerin 1915, Baden 1919, Hamburg 1921, Thüringen 1922, Bayern 1924. Die Regelungen für die allgemeine Krankenpflege galten nicht für die Irrenpflege (Wärter). Hier blieb der Status erhalten, dass die einzelnen Direktoren je nach Gutdünken mehr oder weniger Unterricht hielten.
  • 1925: Erlass der ersten Ausbildungsrichtlinien für Krankenschwestern in der Schweiz (Bern)
  • 1927: Werner-Schule vom Roten Kreuz. Erste Leiterin Erna Wittich.
  • 1953: Erstes Krankenpflegegesetz in der BRD; besondere Bezeichnung der Männer in diesem Ausbildungsberuf wird gesetzlich geschützt.[4]
  • 2004: Erst mit dem 4. Krankenpflegegesetz der BRD wurde für die danach ausgebildeten Pflegefachkräfte die neue staatlich geschützte Berufsbezeichnung Gesundheits- und Krankenpflegerin bzw. -er, resp. für die Kinder-, eingeführt. Der gesetzliche Schutz der ehemaligen Berufsbezeichnungen wurde dabei nicht aufgehoben, die nach dem dritten KrpflG von 1985 ausgebildeten Krankenschwestern, Krankenpfleger, Kinderkrankenschwestern und Kinderkrankenpfleger konnten wahlweise die bisherige Berufsbezeichnung weiter führen oder die neue Bezeichnung verwenden.

Derzeitige Ausbildungen im Berufsfeld Krankenpflege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausbildung ist, wie auch die exakten Berufsbezeichnungen, national gesetzlich verschieden geregelt:

  • Deutschland: seit 2004 Gesundheits- und Krankenpfleger/-in. Pflegefachpersonal, das seine Ausbildung vor 2004 beendet hat, darf die ursprüngliche und immer noch geschützte Berufsbezeichnung Krankenschwester bzw. Krankenpfleger wahlweise weiter führen. Die Anzahl der im Beruf tätigen Männer bewegt sich seit Jahrzehnten in der Größenordnung um 10 — 15 Prozent der Absolventen. In der Kinderkrankenpflege ist der Männer-Anteil sehr gering. Ab 1. Januar 2020 ist die Berufsbezeichnung Pflegefachmann bzw. Pflegefachfrau.[5]
  • Österreich: Diplomierte/r Gesundheits- und Krankenpfleger/-in (schulisch oder als Fachhochschul-Studiengang)[6] (allgemeine Bezeichnung: Diplomierte Pflegeperson)
  • Schweiz, Liechtenstein: Pflegefachfrau/Pflegefachmann (seit 2004) respektive Krankenpfleger FA SRK
  • USA: Die Ausbildung zum/zur Registered Nurse (R.N.) findet in der Regel in den USA als Studiengang in der Pflege (Nursing) an Hochschulen und Colleges statt. Um in einem bestimmten US-Bundesstaat arbeiten zu können, muss dort eine Zulassung beantragt und in der Regel eine weitere Prüfung (National Council Licensure EXamination-Registered Nurse; NCLEX-RN) abgelegt werden.[7]

Seit 2016 erfolgt in der EU die länderübergreifende Anerkennung im Verfahren des Europäischen Berufsausweises.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ruth Elster: Der Agnes-Karll-Verband und sein Einfluss auf die Entwicklung der Krankenpflege in Deutschland. Ein Beitrag zur Geschichte der Pflegeberufe und eines Berufsverbandes. Frankfurt/ Main 2000.
  • Ilse Schulz: Schwestern, Beginen, Meisterinnen. Hygieias christliche Töchter im Gesundheitswesen einer Stadt. Ein Beitrag zur Geschichte der Pflege und Heilkunde. Ulm 1992.
  • Elisabeth Seidl: Pflege im Wandel. Das soziale Umfeld der Pflege und seine historischen Wurzeln dargestellt anhand einer empirischen Untersuchung. Wien, München, Bern 1993.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Krankenpfleger – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jonathan Gawlitta, René A Bostelaar: Aus für "Schwester Anja". Klinikum der Universität Köln untersucht den Umgang mit Namensschildern. In: Die Schwester/Der Pfleger 44:11/2005 S. 890-893, Bibliomed.
  2. Sigrid Schmidt-Meinecke: Der Ruf der Stunde. Schwestern unter dem Roten Kreuz. Oberinnen-Vereinigung im Deutschen Roten Kreuz, Kohlhammer, Stuttgart 1963, S. 16–17.
  3. J.B. von Zehmen: Unsere Krankheitspflegerinnen - Ein Wort zur Verständigung und Werbung. Mit einem Aufruf einer Schwester zum Eintritt in den Schwesternberuf., Dietrich Gautzsch Verlag, Leipzig 1909, Kultur und Fortschritt; 258 = Bd. 13, 11 S.
  4. Gesetzentwurf u. Begründung. Übrigens war die Bezeichnung Kinderkrankenpfleger damals ausdrücklich nicht vorgesehen. Es gab somit erstmals geschützte Berufsbezeichnungen — aber für diesen Personenkreis keine geschützten Tätigkeiten.
  5. § 1 des Pflegeberufegesetzes vom 17. Juli 2017 (BGBl. I S. 2581, 2582), siehe auch die Pflegeberufe-Ausbildungs- und -Prüfungsverordnung vom 2. Oktober 2018 (BGBl. I S. 1572)
  6. Berufsinformationssystem - Dipl. Gesundheits- und KrankenpflegerIn. In: ams.at. Abgerufen am 26. Oktober 2017.
  7. www.educationusa.de, abgerufen am 30. Juli 2015