Krebspest

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Bei der Krebspest handelt es sich um eine tödlich verlaufende Pilz-Krankheit bei Flusskrebsen, die durch das Einbringen amerikanischer Flusskrebsarten in Europa eingeschleppt wurde. Sie ist dabei, die einheimischen Krebse, insbesondere den Edelkrebs, in ihrem angestammten Lebensraum weitgehend auszurotten.

Hinter dem Begriff Krebspest verbirgt sich eine Pilzerkrankung bei Flusskrebsarten nicht-amerikanischen Ursprungs, die vom Menschen durch die Einbürgerung der viel resistenteren Vertreter insbesondere der Cambaridae-Gruppe als gebietsfremde Arten (Neozoon) verschleppt wurde. Die Krebspest stellt als Tierseuche ein generelles Gefährdungspotenzial für alle Krebse nicht-amerikanischen Ursprungs dar, sowohl für die Aquarienhaltung als auch öffentliche Gewässer.

Zeitliche Abfolge des Auftretens der Krebspest in Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krankheitsbeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Infektion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Infektion erfolgt über Zoosporen des Fadenpilzes Aphanomyces astaci aus der Gruppe der Eipilze, die sich mit Hilfe zweier Geißeln vom Überträger zum Wirt bewegen können. Bei Infizierung eines neuen Wirtes wirft die Zoospore die beiden Geißeln ab, bildet eine Zyste auf dem Wirt und versucht in die äußere Hautschicht einzudringen. Die Lebenserwartung einer Zoospore beträgt ohne Wirt etwa fünf Tage und der Vorgang des Geißelabwurfes ist durch Neubildung bis zu dreimal möglich.

Amerikanische Krebse sind resistent gegen die Krebspest und sind nachweislich die Hauptüberträger. Körpereigene Enzyme verhindern eine Ausbreitung der Erkrankung bei amerikanischen Krebsen, es dürfte sich um eine längerfirstige gegenseitige Anpassung (Koevolution) von Parasit und Wirt handeln.[1] Mit Häutung des Krebses gelangt der Pilz in das Wasser und beginnt mit der Produktion der Sporen. Es gibt Vermutungen, dass Plankton- bzw. Bachflohkrebse ebenfalls Überträger sein können. Dies wurde bislang jedoch noch nicht wissenschaftlich bestätigt.

Befallen werden neben dem Edelkrebs (Astacus astacus) in Mitteleuropa auch der Steinkrebs (Austropotamobius torrentium), der Dohlenkrebs (Austropotamobius pallipes), aber auch schon früher eingesetzte Arten wie der Galizierkrebs (Astacus leptodactylus).[1] Neben den europäischen Arten konnte die Infektiösität auch für australische und ostasiatische Flußkrebse nachgewiesen werden.[2]

Infektionswege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verbreitung der Krebspest findet durch Wasseranhaftungen aus infizierten Gewässern statt:

  • durch Übertrag von Krebsen aus infizierten Aquarien in saubere Aquarien
  • durch Aussetzen infizierter Krebse in öffentliche Gewässer
  • durch Wasservögel
  • Übertragung von Fischen und Insekten
  • durch Angler und deren Gerätschaften
  • durch Sportler und deren Gerätschaften
  • und sonstige feuchte Anhaftungen

Symptome, Krankheitsverlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Infizierung eines nicht-amerikanischen Flusskrebses setzt der Fluchtreflex aus. Verstärkt kratzt er sich mit den Schreitbeinen an Augen, Abdomenunterseite und den Gliedmaßen. Er zeigt verstärkte Tagaktivität und zunehmende Lähmungserscheinung. Die Gliedmaße fallen ab, der Krebs kippt seitlich um und verendet im weiteren Verlauf. Das Verenden der infizierten Krebse ist mit Ausbrechen der Eipilze als weißer Belag an Augen und Scherengelenken absehbar.

Abhängigkeiten des Erscheinungsbildes der Krankheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Erscheinungsbild der Krankheit [3] ist abhängig von folgenden Kriterien:

  • Wassertemperatur
  • Bestandesdichte
  • Pflanzenbewuchs
  • Wasserbewegung
  • Wasserchemismus

Heilung der Krankheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Krebspest ist unheilbar und endet mit dem Tod der infizierten Krebse.

Nachweis der Krankheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tote Krebse in einem sonst intakten Gewässer sind ein erster Hinweis auf eine mögliche Infizierung mit Krebspest. Für den Nachweis werden heutzutage verschiedenste PCR-Techniken verwendet. Ein zusätzlicher Kulturversuch wird in der Regel auch versucht, gelingt aber nicht immer. Die Isolierung von A. astaci aus den amerikanischen Krebsarten ist dabei besonders schwierig. Ein kulturell positives Ergebnis sollte zusätzlich noch durch genetische Identifizierung des Isolates bestätigt werden. Für Krankheiten der Crustacea gibt es ein EU Referenzlabor (European Community Reference Laboratory for Crustacean Diseases). In einigen europäischen Ländern gibt es Nationale Referenzlaboratorien, die im Falle von Flusskrebssterben die Untersuchungen der Proben durchführen sollten.[4]

Empfehlungshinweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung: HowTo (Tips & Tricks: unenzyklopädisch, dazu werden allenfalls Ratgeberseiten verlinkt)
Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.

Haltung von amerikanischen Krebsen in Teichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor einer Haltung von amerikanischen Krebsen in Außenteichen ist dringend abzuraten. Durch die Mobilität der Krebse besteht die Möglichkeit der Wanderung zu nahegelegenen Oberflächengewässern und der Gefahr der möglichen Infizierung dieser.

Haltung von amerikanischen Krebsen in Aquarien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund des hohen Gefährdungspotenzials ist es empfehlenswert, folgende Ratschläge umzusetzen:

  • strikte räumliche Trennung (Aquarium) von amerikanischen und nicht-amerikanischen Krebsen
  • Bereitstellung eigener Gerätschaften je Aquarium für
    • Wasserwechsel oder
    • Fütterung mit einer Futterzange

Sollte es nicht möglich sein, je Aquarium eigene Gerätschaften bereitzustellen, ist eine gründliche Desinfektion der Gerätschaften vorzunehmen. Dies gilt auch für Hände und Arme, die Kontakt mit dem Wasser aus Becken mit Besatz amerikanischer Krebse haben.

Bei einem Wasserwechsel in einem Aquarium mit amerikanischen Krebsen ist darauf zu achten, dass keine Jungtiere in das Wechselwasser gelangen und versehentlich ausgesetzt werden.

Die Entsorgung des Wechselwassers ist bislang ein strittiges Thema. Es ist aktuell davon abzuraten, Wechselwasser aus Aquarien mit amerikanischen Krebsen in den Garten oder Regenwasserkanal zu gießen, da so eine mögliche Infektion durch sehr theoretische Fallbeispiele möglich sein kann. Eine Entsorgung von Wechselwasser in den regulären Abwasserkanal scheint hingegen die sichere Alternative, wenn auch hier ein gewisses Gefährdungspotenzial vorliegt.

Verhalten bei Konfliktsituationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberflächengewässer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn die Krebspest in einem Gewässer ausgebrochen ist, müssen alle toten und kranken Krebse eingesammelt und verbrannt werden. Aufgrund der langen Lebensdauer des Pilzes nach dem Tod eines Krebses, ist ein Neubesatz des Gewässers nicht innerhalb der ersten 12 Monate nach der Konfliktsituation vorzunehmen.[5]

Aquarien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei bestätigtem Fall von Krebspest in Aquarienhaltung sind die toten und kranken Krebse einzusammeln und zu verbrennen. Ein Neubesatz mit nicht-amerikanischen Krebsen ohne vorherige explizite Intensiv-Reinigung des Aquariums ist bei laufenden Gerätschaften frühestens nach einer Sperrfrist von 3 Wochen zu verantworten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • B. Oidtmann, R.W. Hoffmann: Die Krebspest. In: Stapfia 58 (= Kataloge des OÖ. Landesmuseums, Neue Folge Nr. 137), 1998, S. 187–196 (pdf, auf Zobodat).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Lit. Oidtmann, Hoffmann: Die Krebspest. 1998, S. 188 (pdf S. 2).
  2. T. Unestam: Defence reactions in and susceptibility of Australian and New Guinean freshwater crayfish to European-crayfish-plague fungus. In: AJEBAK 53 (1975), S. 349-359; und andere Arbeiten des Autors (1970, 1972); Angabe nach Lit. Oidtmann, Hoffmann: Die Krebspest. 1998, S. 188, Sp. 2 (pdf S. 2).
  3. Informationsseite zum Thema Krebspest auf www.wirbellose.de: [1]
  4. Liste der nationalen Referenzlaboratorien
  5. Merkblatt für Krebspest Universität Bern, Nationale Fischuntersuchungsstelle, Institut für Tierpathologie
Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!