Kreis Gostyn

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Verwaltungsgliederung der Provinz Posen (1815–1920)
Regierungsbezirk Bromberg, Provinz Posen, Preußen/Dt. Reich
Regierungsbezirk Posen, Provinz Posen, Preußen/Dt. Reich

Der Kreis Gostyn am Südrand der preußischen Provinz Posen bestand in der Zeit von 1887 bis 1919.

Landkreis Gostyn (bzw. ab 1941 Landkreis Gostingen) war außerdem während des Zweiten Weltkrieges der Name einer deutschen Verwaltungseinheit im besetzten Polen (1939–1945).

Verwaltungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kreis Gostyn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Oktober 1887 wurde aus dem Nordteil des bisherigen Kreises Kröben und Teilen des Kreises Schrimm ein neuer Kreis Gostyn gebildet. Sitz des Landratsamtes war die Kreisstadt Gostyn.

Am 27. Dezember 1918 begann in der Provinz Posen der Großpolnische Aufstand der polnischen Bevölkerungsmehrheit gegen die deutsche Herrschaft, und bis auf ein kleines an Schlesien grenzendes Stückchen westlich der Stadt Poniec (Punitz) war das Kreisgebiet bereits nach wenigen Tagen unter polnischer Kontrolle.

Am 28. Juni 1919 trat die deutsche Regierung mit der Unterzeichnung des Versailler Vertrags den Kreis Gostyn an das neu gegründete Polen ab. Deutschland und Polen schlossen am 25. November 1919 ein Abkommen über die Räumung und Übergabe der abzutretenden Gebiete, das am 10. Januar 1920 ratifiziert wurde. Die Räumung des unter deutscher Kontrolle verbliebenen Teilstückes und Übergabe an Polen erfolgte zwischen dem 17. Januar und dem 4. Februar 1920.

Landkreis Gostingen (1939–1945)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regierungsbezirke und Kreise im Reichsgau Wartheland (August 1943)

Im Zweiten Weltkrieg bildeten die deutschen Besatzungsbehörden eine Verwaltungseinheit namens Landkreis Gostyn (ab dem 21. Mai 1941 Landkreis Gostingen) im Regierungsbezirk Posen im Reichsgau Wartheland. Die am 26. Oktober 1939 vollzogene Annexion des Gebietes durch das Deutsche Reich war als einseitiger Akt der Gewalt völkerrechtlich unwirksam. Mit dem Einmarsch der Roten Armee im Januar 1945 endete die deutsche Besetzung.

Landräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landräte von 1887 bis 1920[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1887–1893: Jaroslaw von Jarotzky
1893–1919: Richard Lucke

Landkommissar von 1939[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1939–9999: ?

Landräte von 1939 bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1939–1940: ?
1940–1945: Johannes Reichelt

Kommunale Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kreis Gostyn gliederte sich in vier Stadtgemeinden, die Landgemeinden und selbstständigen Gutsbezirke waren in größeren Polizeidistrikten zusammengefasst.

Der Kreis Gostyn bestand am 1. Januar 1908 aus:

  • vier Stadtgemeinden (Gostyn, Krobia (Kröben), Piaski (Sandberg) und Poniec (Punitz)),
  • 84 Landgemeinden und
  • 73 Gutsbezirken.

Während der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg erhielt nur Gostyn 1942 die Stadtrechte laut Deutscher Gemeindeordnung von 1935, die übrigen Gemeinden wurden in Amtsbezirken zusammengefasst.

Größe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kreis Gostyn hatte eine Gesamtfläche von 601 km².

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kreis Gostyn hatte im Jahre 1890: 39.135 Einwohner. Davon waren etwa 70 % Polen und 30 % Deutsche. Ein großer Teil der deutschen Einwohner verließ nach 1919 das Gebiet.

Ortsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis auf wenige Ausnahmen galten noch die polnischen Ortsnamen weiter, zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden mehrere Ortsnamen eingedeutscht. Während der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg wurden durch unveröffentlichten Erlass vom 29. Dezember 1939 zunächst die 1918 gültigen Ortsnamen übernommen, es erfolgten aber bald „wilde“ Eindeutschungen durch die lokalen Besatzungsbehörden. Am 18. Mai 1943 erhielten alle Orte mit einer Post- oder Bahnstation deutsche Namen, dabei handelte es sich meist um lautliche Angleichungen, Übersetzungen oder freie Erfindungen.

Liste der Ortschaften im Kreis Gostyn mit mehr als 400 Einwohnern (1910):

polnischer Name deutscher Name (1815–1919) deutscher Name (1939–1945)
Brzezie Brzezie Birkenhain
Daleszyn Daleschin Lindendorf
Domachowo Domachowo Berghausen
Gostyń Gostyn 1939–1941 Gostyn
1941–1945 Gostingen
Krobia Kröben Kröben
Łęka Wielka Groß Lenka Groß Lanke
Ludwinowo Ludwinowo Langmeil
Michałowo Michalowo Michelsdorf
Pasierby Pasierby Waisenort
Piaski Sandberg Sandberg
Poniec Punitz Punitz
Siedlec Siedlec Schädlitz
Siemowo Siemowo Leinrode
Smolice Smolitz 1939–1943 Zieten
1943–1945 Zietenfelde
Stara Krobia Alt Kröben Alt Kröben
Sułkowice Sulkowitz Saulendorf
Żychlewo Zychlewo Ludwigshof
Żytowiecko Zytowiecko
1896–1919 Seide
Seide

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]