Kreis Paderborn (1816–1974)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Kreises Paderborn Deutschlandkarte, Position des Kreises Paderborn hervorgehobenKoordinaten: 52° 17′ N, 8° 55′ O
Basisdaten (Stand 1974)
Bestandszeitraum: 1816–1974
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Detmold
Landschaftsverband: Westfalen-Lippe
Verwaltungssitz: Paderborn
Fläche: 553,67 km2
Einwohner: 153.400 (31. Dez. 1973)
Bevölkerungsdichte: 277 Einwohner je km2
Kfz-Kennzeichen: PB
Kreisschlüssel: 05 7 40
Kreisgliederung: 18 Gemeinden
Adresse der
Kreisverwaltung:
Aldegreverstraße 10–14
4790 Paderborn
Lage des Kreises Paderborn in Nordrhein-Westfalen
Karte
Über dieses Bild
Lage des Kreises im Regierungsbezirk Detmold 1947–1968

Der Kreis Paderborn (1939–1969: Landkreis Paderborn) war ein von 1816 bis 1974 bestehender Kreis. Der Kreis war zunächst Teil des Regierungsbezirks Minden in der preußischen Provinz Westfalen, ab 1946/47 Teil des nordrhein-westfälischen Regierungsbezirks Detmold. Verwaltungssitz war Paderborn. Der Kreis ging 1975 im Rahmen der nordrhein-westfälischen Gebietsreform zusammen mit dem Kreis Büren im neu gegründeten Kreis Paderborn auf.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Altkreis Paderborn lag zwischen 51° 56' und 51° 37' n. B. und zwischen 8° 24' und 9° 00' ö. L. in der Südostecke der Westfälischen Bucht. Er hatte Anteil am östlichen Hellwegraum, reichte im Norden bis weit in die Senne, wurde im Osten vom Eggegebirge begrenzt, und seinen Süden bedeckte die Paderborner Hochfläche.

Die Ems hat ihre Quelle hier in der Senne zwischen Stukenbrock und Hövelhof. In Bad Lippspringe entspringt die Lippe, der in Schloß Neuhaus die Pader und die Alme zufließen. Unterhalb von Kirchborchen fließt die Altenau in die Alme.

Ausdehnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kreis umfasste 1950 eine Fläche von 596,57 km² mit einer Wohnbevölkerung von 109.045 Einwohnern. Damit hatte er eine Bevölkerungsdichte von 183 Einwohnern je km².

An dem Punkt, an dem der Kreis an die Kreise Wiedenbrück und Lemgo grenzte, grenzte ebenfalls der Kreis Bielefeld an. Dieser Punkt inmitten der ehemals menschenleeren Senne war früher ein Vierländereck, woran heute noch historische Grenzsteine erinnern: Hier trafen die Territorien der Grafschaft Ravensberg, der Grafschaft (später Fürstentum) Lippe, des Hochstifts Paderborn und der Grafschaft Rietberg aufeinander.

Nachbarkreise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kreis Paderborn grenzte 1969 im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Kreise Bielefeld, Lemgo, Detmold, Höxter, Warburg, Büren, Lippstadt und Wiedenbrück.

Die Kreisgrenze hatte eine Länge von 167 km. Davon entfielen beginnend in Norden im Uhrzeigersinn auf die Grenzen zu den Kreisen Lemgo 6 km, Detmold 25 km, Höxter 19 km, Warburg 5 km, Büren 79 km, und Wiedenbrück 33 km (Stand Ende 1971).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet des Kreises umfasste den nördlichen Teil des unterwaldischen Bezirks des Fürstbistums Paderborn, das bereits 1802 von Preußen besetzt und 1803 durch den Reichsdeputationshauptschluss Preußen zugeschlagen worden war. Von 1807 bis 1813 gehörte das Gebiet zum Königreich Westphalen und erhielt eine Verwaltungsstruktur nach französischem Muster. Das spätere Kreisgebiet gehörte nun zum Distrikt Paderborn im Departement der Fulda und war in die fünf Kantone Paderborn, Delbrück, Lippspringe, Neuhaus und Paderborn untergliedert.[1]

Nach dem Zusammenbruch der Franzosenherrschaft fiel es 1813 wieder an Preußen, das seinen Gebietserwerb nach der Bestätigung durch den Wiener Kongress 1815 seiner neu geschaffenen Provinz Westfalen eingliederte. Im ebenfalls neu eingerichteten Regierungsbezirk Minden wurde am 18. Oktober 1816 durch Verordnung der Königlichen Regierung in Minden der Kreis Paderborn gebildet. Die 1807 gegründeten Kantone bestanden zunächst als Verwaltungsbezirk, teilweise auch als Bürgermeisterei bezeichnet, fort.[2] 1832 wurden Oberntudorf und Niederntudorf aus dem Kreis Paderborn in den Kreis Büren umgegliedert.[3]

Im Rahmen der Einführung der Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Westfalen wurde der Kreis 1844 in die vier Ämter Delbrück, Lippspringe, Kirchborchen und Neuhaus eingeteilt.[4][5] Die Stadt Paderborn blieb amtsfrei.

Am 10. März 1880 bezog das Amt Kirchborchen sein Amtsbüro in einem neuerrichteten Gebäude in Nordborchen an der heutigen Paderborner Straße. Das Grundstück dazu hatte das Amt kurz zuvor dem Freiherrn von Brenken abgekauft. Dieses – 1905 erweiterte – Gebäude dient dem Amt bis zu seiner Auflösung Ende 1974 als Amtsverwaltung, danach der Gemeinde Borchen als Gemeindeverwaltung, und zwar bis zum Neubau des Rathauses in Kirchborchen 1984.

1895 wechselten Hövelhof und Stukenbrock aus dem Amt Delbrück in das Amt Neuhaus.[6] 1921 wurde Lippspringe amtsfrei. Das Amt Lippspringe erhielt zunächst den Namen Amt Lippspringe mit Sitz in Altenbeken und später den Namen Amt Altenbeken. Die Gemeinde Neuhaus erhielt nach der Feier des 700-jährigen Bestehens im November 1957 den Namenszusatz „Schloß“. Die Gemeinde Dorfbauerschaft wurde 1964 nach Delbrück eingemeindet.

1969 wurde Stukenbrock mit den Gemeinden Schloß Holte und Sende aus dem Amt Verl, Kreis Wiedenbrück, zur neuen Gemeinde (seit 2003 Stadt) Schloß Holte-Stukenbrock zusammengeschlossen und kam vorübergehend zum Kreis Bielefeld, ab 1973 zum Kreis Gütersloh. Ebenfalls 1969 wurden Marienloh aus dem Amt Altenbeken und Wewer aus dem Amt Kirchborchen nach Paderborn eingemeindet, während sich Alfen, Kirchborchen und Nordborchen zur Gemeinde Borchen mit Sitz in Nordborchen zusammenschlossen. Die Gemeinde Sande schloss sich der Gemeinde Schloß Neuhaus an.

Am 1. Oktober 1969 wurde aus dem Landkreis der Kreis Paderborn.[7]

Am 1. Januar 1975 trat das Sauerland/Paderborn-Gesetz in Kraft, wodurch der Kreis Paderborn mit fast dem gesamten Gebiet des Kreises Büren zum neuen Kreis Paderborn zusammengelegt wurde. Nach Paderborn eingemeindet wurden Benhausen, Marienloh und Neuenbeken aus dem Amt Altenbeken, Dahl aus dem Amt Kirchborchen sowie Elsen und Schloß Neuhaus aus dem Amt Neuhaus. Altenbeken, Buke und Schwaney schlossen sich zur neuen Großgemeinde Altenbeken zusammen. Die Gemeinde Hövelhof aus dem Amt Neuhaus wurde um den Ortsteil Espeln der Gemeinde Ostenland aus dem Amt Delbrück erweitert. Die Gemeinden des Amtes Delbrück und die drei Lippegemeinden Anreppen, Bentfeld und Boke aus dem Amt Salzkotten-Boke des Kreises Büren schlossen sich zur Stadt Delbrück zusammen. Die 1969 neugebildete Gemeinde Borchen wurde um Dörenhagen aus dem Amt Kirchborchen und Etteln aus dem Amt Atteln des Kreises Büren erweitert. Gleichzeitig wurden alle Ämter aufgelöst.[8]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Quelle
1832 29.065 [2]
1843 33.816 [9]
1864 38.692 [10]
1871 40.362 [11]
1880 42.899 [11]
1890 46.400 [12]
1900 53.511 [12]
1910 64.629 [12]
1925 73.587 [12]
1939 86.914 [12]
1950 109.045 [12]
1960 121.800 [12]
1970 140.500 [13]
1973 153.400 [14]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ergebnisse der Kreistagswahlen von 1946 bis 1970[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Liste werden nur Parteien und Wählergemeinschaften aufgeführt, die mindestens zwei Prozent der Stimmen bei der jeweiligen Wahl erhalten haben.[15]

Stimmenanteile der Parteien in Prozent

Jahr CDU SPD FDP DZP
119461 56,7 15,7 25,2
1948 46,0 19,7 4,3 28,6
1952 42,6 19,0 10,4 25,0
1956 50,1 22,2 9,0 18,4
1961 66,1 20,8 6,8 6,3
219642 62,0 25,1 7,4
1970

Fußnoten

1 1946: zusätzlich: KPD: 2,3 %
2 1964: zusätzlich: UWG: 5,5 %

Landräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen des Kreises Paderborn 1947
Wappenbeschreibung
Unter silbernem Schildhaupt mit durchgehendem roten Kreuz in Rot zwei silberne Wellenbalken.

Das Schildhaupt symbolisiert die Zugehörigkeit zum ehemaligen Hochstift Paderborn, die beiden Wellenbalken die Flüsse Pader und Alme.

Das Wappen wurde am 30. Juni 1947 genehmigt.

Städte und Gemeinden des Kreises Paderborn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Ämtern (Fläche und Wohnbevölkerung Stand 1950, Verwaltungssitz*):

Amtsfrei:

  1. Bad Lippspringe, Stadt: 50,57 km², 8.253 E
  2. Paderborn, Stadt: 44,24 km², 40.270 E

Amt Altenbeken: 108,26 km², 9.335 E

  1. Altenbeken*: 25,93 km², 3.610 E
  2. Benhausen: 9,80 km², 1.049 E
  3. Buke: 16,73 km², 886 E
  4. Marienloh: 7,38 km², 854 E
  5. Neuenbeken: 17,48 km², 1.426 E
  6. Schwaney: 30,94 km², 1.510 E

Amt Delbrück: 138,75 km², 14.974 E

  1. Delbrück*, Stadt: 4,85 km², 2.365 E
  2. Dorfbauerschaft: 15,77 km², 2.302 E
  3. Hagen: 18,47 km², 1.493 E
  4. Ostenland: 37,48 km², 3.744 E
  5. Westenholz: 37,75 km², 2.451 E
  6. Westerloh: 30,43 km², 2.691 E

Amt Kirchborchen: 87,48 km², 8.980 E

  1. Alfen: 7,92 km², 1.062 E
  2. Dahl: 17,10 km², 979 E
  3. Dörenhagen: 15,95 km², 1.024 E
  4. Kirchborchen: 20,89 km², 2.203 E
  5. Nordborchen*: 9,28 km², 1.447 E
  6. Wewer: 16,34 km², 2.265 E

Amt Neuhaus: 167,01 km², 27.223 E

  1. Neuhaus*: 26,35 km², 10.107 E
  2. Elsen: 20,08 km², 4.825 E
  3. Hövelhof: 55,50 km², 5.584 E
  4. Sande: 22,41 km², 2.147 E
  5. Stukenbrock: 42,67 km², 4.560 E

Kfz-Kennzeichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1956 wurde dem damaligen Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen PB zugewiesen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.); Projekt Westfälische Geschichte : "Königliches Decret, wodurch die Eintheilung des Königreichs in acht Departements angeordnet wird", Seite 107
  2. a b Westfalenlexikon 1832-1835. In: Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.): Nachdrucke zur westfälischen Archivpflege. Band 3. Münster 1978, S. 178 (Nachdruck des Originals von 1834).
  3. Amtsblatt der Regierung Minden 1831: Veränderung der Kreiseinteilung Westfalens
  4. Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Westphalen vom 31. Oktober 1841 (PDF; 1,6 MB)
  5. Amtsblatt der Regierung Minden 1844. Abgerufen am 2. Februar 2014.
  6. Wolfgang Leesch: Verwaltung in Westfalen 1815–1945. In: Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen. Band 38. Aschendorff, Münster 1992, ISBN 3-402-06845-1.
  7. Bekanntmachung der Neufassung der Kreisordnung für das Land Nordrhein-Westfalen vom 11. August 1969 im Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Nordrhein-Westfalen, Jahrgang 1969, Nr. 2021, S. 670 ff.
  8. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 327 f.
  9. Seemann: Geographisch-statistisch-topographische Übersicht des Regierungsbezirks Minden. 1843, S. 13, abgerufen am 12. Januar 2015 (pdf).
  10. Topographisch-statistisches Handbuch des Regierungs-Bezirks Minden. 1866, S. 5, abgerufen am 12. Januar 2015 (Digitalisat).
  11. a b Gemeindelexikon Westfalen 1887 S. 127
  12. a b c d e f g Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte. Abgerufen am 2. Januar 2015.
  13. Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972
  14. Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1975
  15. Quelle: Jeweiliges Heft des Statistischen Landesamtes (LDS NRW), Mauerstr. 51, Düsseldorf, mit den Wahlergebnissen auf der Kreisebene. Die Zahlen von 1948 und 1970 liegen nicht vor.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]