Landkreis Pyritz

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Der Landkreis Pyritz, bis 1938 Kreis Pyritz, war bis 1945 ein preußischer Landkreis in Pommern. Seine Kreisstadt war die Stadt Pyritz. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Kreisgebiet im Sommer 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht gemäß dem Potsdamer Abkommen unter polnische Verwaltung gestellt.

Verwaltungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kreis Pyritz im 18. Jahrhundert
Der Kreis Pyritz 1933

Das Gebiet des späteren Kreises Pyritz gehörte seit dem 12. Jahrhundert zum Herrschaftsbereich der pommerschen Herzöge. Als Grenzgebiet zur Mark Brandenburg waren die südlichen Bereiche lange Zeit zwischen den beiden Herrschaftsgebieten Gegenstand von Grenzkriegen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg kam das Gebiet zum preußischen Herzogtum Hinterpommern. In Hinterpommern wurde 1723/24 eine Kreisreform durchgeführt.[1] Die Zahl der Kreise und zugehörigen Landräte wurde fühlbar reduziert, um die starke territoriale Zersplitterung zu verringern, die durch die komplizierten adligen Besitzstände in Hinterpommern entstanden war. Der Kreis Pyritz umfasste nunmehr die Stadt Pyritz, den Marktflecken Werben, die königlichen Ämter Bernstein, Kolbatz und Pyritz sowie eine größere Anzahl von adligen Dörfern und Gütern.[2][3]

Durch die Provinzialbehörden-Verordnung vom 30. April 1815 wurde der Kreis Pyritz Teil des Regierungsbezirks Stettin in der Provinz Pommern. Bei der Kreisreform von 1818 im Regierungsbezirk Stettin wurde die Abgrenzung des Kreises Pyritz geändert:

  • Mit dem Kreis Greifenhagen fand ein Gebietsaustausch statt, bei dem unter anderem das Amt Kolbatz aus dem Kreis Pyritz in den Kreis Greifenhagen wechselte.
  • Mit dem Kreis Saatzig fand ein Gebietsaustausch statt, der mehrere Dörfer betraf.
  • Mit dem Kreis Soldin in der Provinz Brandenburg fand ein Gebietsaustausch statt, der mehrere Dörfer betraf.[4][5]

Der Kreis Pyritz umfasste 1871 die Stadt Pyritz, 88 Landgemeinden und 75 Gutsbezirke.[6] Zum 30. September 1929 fand im Kreis wie im übrigen Preußen eine Gebietsreform statt, bei der alle selbstständigen Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden. Zum 1. Januar 1939 erhielt der Kreis Pyritz entsprechend der jetzt reichseinheitlichen Regelung die Bezeichnung Landkreis.

Im Frühjahr 1945 wurde das Kreisgebiet durch die Rote Armee besetzt und nach Kriegsende im Sommer 1945 gemäß dem Potsdamer Abkommen wie ganz Hinterpommern unter polnische Verwaltung gestellt. In der Folgezeit wurden die allermeisten Bewohner des Kreisgebiets von den örtlichen polnischen Verwaltungsbehörden vertrieben.

In Polen besteht heute in anderen Grenzen der Powiat Pyrzycki (Landkreis Pyritz) als Teil der Woiwodschaft Westpommern.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Quelle
1797 32.640 [7]
1816 28.612 [8]
1846 37.748 [9]
1871 42.509 [6]
1890 43.559 [10]
1900 42.686 [10]
1910 43.917 [10]
1925 49.0681 [10]
1933 47.717 [10]
1939 47.752 [10]
1 davon 44.694 Evangelische, 4036 Katholiken, 95 sonstige Christen und 98 Juden

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunalverfassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Landkreis Pyritz gliederte sich in die Stadt Pyritz, in Landgemeinden und – bis zu deren vollständiger Auflösung im Jahre 1929 – in selbstständige Gutsbezirke. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 gab es ab 1. Januar 1934 eine einheitliche Kommunalverfassung für alle preußischen Gemeinden. Mit Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 trat zum 1. April 1935 im Deutschen Reich eine einheitliche Kommunalverfassung in Kraft, wonach die bisherigen Landgemeinden nun als Gemeinden bezeichnet wurden. Eine neue Kreisverfassung wurde nicht mehr geschaffen; es galt weiterhin die Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 19. März 1881.

Amtsbezirke, Städte und Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amtsbezirke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landgemeinden des Kreises waren in den 1930er Jahren in 26 Amtsbezirke gegliedert.[11] Die Stadt Pyritz war amtsfrei.

  • Alt Falkenberg
  • Alt Grape
  • Barnimskunow
  • Beyersdorf
  • Blankensee
  • Dölitz i. Pom.
  • Fürstensee
  • Gottberg
  • Groß Möllen
  • Horst
  • Isinger
  • Klützow
  • Kollin
  • Kremzow
  • Köselitz
  • Megow
  • Petznick
  • Plönzig
  • Prilipp
  • Prillwitz
  • Sallentin
  • Sandow
  • Schlötenitz
  • Schwochow
  • Warnitz
  • Werben

Städte und Gemeinden 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Ende seines Bestehens im Jahr 1945 umfasste der Landkreis Pyritz die Stadt Pyritz und 86 weitere Gemeinden:[10]

Vor 1945 aufgelöste Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den Kreis Pyritz durchzog ab 1847 im Nordosten die Stargard-Posener Eisenbahn >116.c<. Erst 35 Jahre später folgte 1882 die Stargard-Cüstriner Eisenbahn-Gesellschaft zunächst mit ihrer Stammstrecke, an der auch die Kreisstadt lag >116.a<. Nachdem im Südosten des Kreises 1898 die Strecke Arnswalde - Glasow in Betrieb genommen worden war >116.a²<, folgte 1899 die Zweigbahn Pyritz - Jädickendorf >116.e<.

Die Pyritzer Bahnen, die von Anfang an in der Hand des Landes und des Kreises waren, eröffneten 1898 von der Kreisstadt aus Linien nach Plönzig im Südosten des Kreises >113.h< und in den Nachbarkreis Greifenhagen >113.h²<.

In Alt Libbehne zweigte seit 1902 von der Bahnlinie Arnswalde - Glasow die Kleinbahn Friedeberg-Alt Libbehne GmbH ab >115.k<.

(Die Zahlen in >< beziehen sich auf das Deutsche Kursbuch 1939).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 119, Ziffer 8.
  • Otto Neumann und Georg Franke (Hrsg.): Heimatkunde des Kreises Pyritz. Bake, Pyritz 1932.
  • Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern. Teil II, Band 1: Beschreibung der zu dem Gerichtsbezirk der Königl. Landescollegien in Stettin gehörigen Hinterpommerschen Kreise. Stettin 1784, S. 86–169.
  • Heinrich Berghaus:Landbuch des Herzogthums Stettin, von Kamin und Hinterpommern; oder des Verwaltungs-Bezirks der Königl. Regierung zu Stettin. Zweiten Theils dritter Band: Kreise Greifenhagen und Piritz, Anklam 1868, S. 397–808..
  • Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: Der Kreis Pyritz in der ehemaligen Provinz Pommern (2011)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Landkreis Pyritz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Denkmäler der Preußischen Staatsverwaltung im 18. Jahrhundert. Behördenorganisation und allgemeine Staatsverwaltung. In: Königliche Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Acta Borussica. Band 4. Paul Parey, Berlin 1908, Neueintheilung und Verminderung der hinterpommerschen Kreise 1723/24, S. 171 (Digitalisat).
  2. Johann Ernst Fabri: Geographie für alle Stände. Schwickertscher Verlag, Leipzig 1793, Kap. Preußisch Vorpommern, S. 444 (Digitalisat).
  3. Fritz Curschmann, Ernst Rubow: Pommersche Kreiskarte Blatt 3. Die pommerschen Kreise vor und nach 1818. In: Landesgeschichtliche Forschungsstelle der Provinz Pommern (Hrsg.): Historischer Atlas von Pommern. 1935 (Digitalisat).
  4. Amtsblatt der Königlichen Preußischen Regierung zu Stettin: Verordnung zur neuen Kreiseintheilung vom 18. Januar 1816. Nr. 12, 1816, S. 42 (Digitalisat [abgerufen am 2. Februar 2017]).
  5. Ortschafts-Verzeichniß des Regierungs-Bezirks Stettin nach der neuen Kreis-Eintheilung. ca. 1818. Struck, Stettin (Digitalisat).
  6. a b Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung 1871
  7. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten. Die statistische Ansicht und Specialstatistik von Mitteleuropa. Vieweg, Braunschweig 1805, S. 44 (Digitalisat).
  8. Christian Gottfried Daniel Stein: Handbuch der Geographie und Statistik des preußischen Staats. Vossische Buchhandlung, Berlin 1819, Der Regierungsbezirk Stettin, S. 226 (Digitalisat [abgerufen am 5. Mai 2016]).
  9. Königliches Statistisches Bureau (Hrsg.): Mittheilungen des Statistischen Bureau's in Berlin, Band 2. Einwohnerzahlen der Kreise. S. 315 (Digitalisat).
  10. a b c d e f g Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte: Kreis Pyritz. Abgerufen am 2. März 2017.
  11. Informationssystem Pommern: Kreis Pyritz