Kreis Rosenberg in Westpreußen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Kreis Rosenberg in Westpreußen
Die Provinz Westpreußen 1919
  • Regierungsbezirk Danzig
  • Regierungsbezirk Marienwerder
  • Lage im Regierungsbezirk Westpreußen von 1920 bis 1939

    Der Kreis Rosenberg in Westpreußen (abgekürzt Rosenberg i. Westpr.) war ein preußischer Landkreis, der von 1818 bis 1945 bestand. Das ehemalige Kreisgebiet liegt heute in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

    Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Das Kreisgebiet gehörte ursprünglich zu Ostpreußen. Nachdem Westpreußen im Zuge der ersten Teilung Polens 1772 zu Preußen gekommen war, wurde das Kreisgebiet als Teil des damaligen Kreises Marienwerder der neu geschaffenen Provinz Westpreußen zugeordnet. Im Rahmen einer umfassenden Kreisreform im Regierungsbezirk Marienwerder wurde zum 1. April 1818 aus dem Ostteil des Kreises Marienwerder der neue Kreis Rosenberg mit der Kreisstadt Rosenberg (Westpreußen) gebildet. Der Kreis umfasste die Städte Bischofswerder, Deutsch Eylau, Freystadt in Westpreußen, Riesenburg und Rosenberg, die Intendantur Riesenburg sowie 97 adlige Güter.[1]

    Vom 3. Dezember 1829 bis zum 1. April 1878 waren Westpreußen und Ostpreußen zur Provinz Preußen vereinigt, die seit dem 1. Juli 1867 zum Norddeutschen Bund und seit dem 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich gehörte.

    Mit Inkrafttreten des Versailler Vertrags am 10. Januar 1920, der Einrichtung des Polnischen Korridors auf westpreußischem Territorium und der damit verbundenen Auflösung der Provinz Westpreußen wurde der Kreis einstweilig dem Oberpräsidenten in Königsberg unterstellt. Zur Vorbereitung der Volksabstimmung am 1. Juli 1920 über die zukünftige Zugehörigkeit des Kreises wurde das Kreisgebiet bis zum 16. August 1920 der Interalliierten Kommission für Regierung und Volksabstimmung in Marienwerder unterstellt. Nach dem eindeutigen Ergebnis der Volksabstimmung verblieb der Kreis bei Deutschland. Zum 1. Juli 1922 wurde der Kreis Marienwerder in die Provinz Ostpreußen eingegliedert. Der Regierungsbezirk Marienwerder wurde aus Traditionsgründen in Regierungsbezirk Westpreußen umbenannt.

    Zum 30. September 1929 fand im Kreis Marienwerder entsprechend der Entwicklung im übrigen Preußen eine Gebietsreform statt, bei bis auf zwei unbewohnte Forstgutsbezirke alle Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden.

    Zum 1. Januar 1939 erhielt der Kreis Rosenberg entsprechend der jetzt reichseinheitlichen Regelung die Bezeichnung Landkreis. Mit dem 26. Oktober 1939 wurde der Landkreis Rosenberg Teil des neu gebildeten Reichsgaus Westpreußen, der zum 2. November 1939 in „Reichsgau Danzig-Westpreußen“ umbenannt wurde. Der Regierungsbezirk führte jetzt zwar wieder die frühere Bezeichnung „Marienwerder“, war aber nicht mehr Bestandteil des Freistaats Preußen.

    Im Januar 1945 wurde das Kreisgebiet durch die Rote Armee besetzt. Im Sommer 1945 wurde das Kreisgebiet von der sowjetischen Besatzungsmacht gemäß dem Potsdamer Abkommen unter polnische Verwaltung gestellt. Soweit die deutsche Bevölkerung nicht geflohen war, wurde sie in der Folgezeit aus dem Kreisgebiet vertrieben.

    Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Im Folgenden eine Übersicht nach Einwohnerzahl, Konfessionen und Sprachgruppen:[2][3]

    Jahr 1821 1831 1852 1861 1871 1890 1900 1910 1925 1933 1939
    Einwohner 28.058 31.335 43.222 46.535 51.637 49.001 52.001 54.550 58.629 60.079 61.439
    Evangelische
    Katholiken
    Juden
    23.820
    3.902
    282
    27.939
    2.933
    412
    38.846
    3.606
    731
    42.450
    3.070
    971
    46.961
    3.678
    931
    42.753
    5.400
    695
    44.494
    6.767
    588
    46.060
    7.862
    414
    52.469
    5.501
    360
    53.806
    5.839
    241
    53.999
    5.989
    39
    deutschsprachig
    zweisprachig
    polnischsprachig
      26.190
    -
    5.145
    35.513
    -
    7.709
    40.182
    -
    6.353
      44.005
    1.253
    3.724
    47.599
    793
    3.591
    50.194
    870
    3.451

    Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Landräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1818–183000Karl von Besser
    1830–184400Alfred von Auerswald (1797–1870)
    1845–185100Rodrigo zu Dohna-Finckenstein (1815–1900)
    1851–186100Werner von Gustedt (1813–1864)
    1861–186500Siegfried von Brünneck-Bellschwitz (1814–1871)
    1865–186900Karl von Portatius (1835–1877) (kommissarisch)
    1869–188200Magnus Roland von Brünneck
    1882–190400Hans Albert von Auerswald
    1904–192000Siegfried von Brünneck (1871–1927)
    19200000000Hans Lorenz von Versen (1881–1931) (kommissarisch)
    1920–192500Ferdinand Friedensburg (1886–1972)
    1925–193500Herbert Kleine (1887–1978)
    1935–193900Wolfgang Born (* 1903)
    1939–194500Wilhelm Pukall (1907–1986)

    Wahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Im Deutschen Reich bildete der Kreis Rosenberg zusammen mit dem Kreis Löbau den Reichstagswahlkreis Marienwerder 2. Der Wahlkreis wurde bis auf die Wahlen von 1890 und 1893, bei denen der polnische Kandidat siegte, von konservativen Kandidaten gewonnen.[4]

    Kommunalverfassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Der Landkreis Rosenberg in Westpreußen gliederte sich in Städte, in Landgemeinden und Gutsbezirke. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 sowie der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt. Eine neue Kreisverfassung wurde nicht mehr geschaffen; es galt weiterhin die Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 19. März 1881.

    Städte und Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Gut Langenau um 1860, Sammlung Alexander Duncker
    Gut Bellschwitz um 1860, Sammlung Alexander Duncker

    Städte und Gemeinden 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Zum Ende seines Bestehens im Jahr 1945 umfasste der Landkreis fünf Städte sowie 77 weitere Gemeinden:[3]

    • Groß Nipkau
    • Groß Peterwitz
    • Groß Plauth
    • Groß Rohdau
    • Groß Schönforst
    • Groß Sehren
    • Groß Stärkenau
    • Guhringen
    • Gulbien
    • Gunthen
    • Hansdorf
    • Harnau
    • Heinfriede
    • Heinrichau
    • Hochfelde (Westpr.)
    • Jacobsdorf
    • Jakobau
    • Kalitten
    • Karrasch
    • Klein Albrechtau
    • Klein Radem
    • Klein Schönforst
    • Klein Sehren
    • Klein Tromnau
    • Konradswalde
    • Langenau
    • Languth
    • Laskowitz
    • Limbsee
    • Ludwigsdorf i. Westpr.
    • Luisenseegen
    • Melchertswalde
    • Montig
    • Mosgau
    • Neudorf
    • Neuguth
    • Peterkau
    • Rahnenberg
    • Raudnitz
    • Riesenburg, Stadt
    • Riesenkirch
    • Riesenwalde
    • Rosenau
    • Rosenberg i. Westpr., Stadt
    • Rothwasser
    • Schakenbruch
    • Schalkendorf
    • Scheipnitz
    • Schönberg
    • Schönerswalde
    • Schornsteinmühle
    • Sommerau
    • Sonnenberg i. Westpr.
    • Stangenwalde
    • Stein
    • Stenkendorf
    • Stradem
    • Susannenthal
    • Tillwalde
    • Wachsmuth
    • Winkelsdorf

    Vor 1945 aufgelöste Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    • Bischdorf und Groß Ludwigsdorf, 1928 zur Gemeinde Ludwigsdorf zusammengeschlossen
    • Klein Steinersdorf, 1936 zu Straden
    • Polken, 1936 zu Klein Tromnau
    • Waldkathen, 1928 zu Schornsteinmühle
    • Wolfsdorf, 1934 zu Tillwalde

    Namensänderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    • Borreck, 1928 umbenannt in Hochfelde
    • Grasnitz, 1938 umbenannt in Drulitten
    • Pillichowo, 1927 umbenannt in Heinfriede
    • Sobiewolla (Gutsbezirk), 1913 umbenannt in Eigenwill
    • Stein-Caspendorf, 1928 umbenannt in Stein
    • Sumpf, 1928 umbenannt in Kalittken, 1938 umbenannt in Kalitten

    Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    • Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 49–50, Ziffer 3.
    • E. Jacobson: Topographisch-statistisches Handbuch für den Regierungsbezirk Marienwerder, Danzig 1868, S. 114–125.

    Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

     Commons: Kreis Rosenberg in Westpreußen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

    Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1. Max Töppen: Historisch-comparative Geographie von Preussen. Justus Perthes, Gotha 1858, S. 354 (Digitalisat).
    2. Leszek Belzyt: Sprachliche Minderheiten im preußischen Staat 1815–1914. Marburg 1998. S. 110
    3. a b Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte: Kreis Rosenberg. Abgerufen am 2. August 2017.
    4. Datenbank der Reichstagsabgeordneten