Kreis Sensburg

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Der Kreis Sensburg war ein preußischer Landkreis in Ostpreußen, der von 1818 bis 1945 bestand.

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kreis Sensburg umfasste am 1. Januar 1945 die Städte

und 121 Gemeinden mit weniger als 2000 Einwohnern sowie zwei Gutsbezirke (Forsten).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lange Zeit war die „Große Wildnis“ am Rande des Ordensstaates nur dünn besiedelt. Die Verwaltung des Ordensstaat gründete sich auf Komtureien, die in Kammerämter unterteilt waren. Eines davon entstand Mitte des 14. Jahrhunderts in Seehesten (Szestno), wo der Amtshauptmann residierte. 1723 wurden die „Kriegs- und Domänenkammern“ in Ostpreußen im Zuge einer Verwaltungsreform eingerichtet, darunter auch die Kammer in Gumbinnen, zu der der Kreis Seehesten gehörte. An die Stelle der Amtshauptleute traten ernannte Landräte.

Die Neuordnung der Eigentumsverhältnisse auf dem Lande (Separation), die in den 1830er Jahren beendet war, führte zur Entstehung großer Güter und selbständiger Dörfer. Im 19. Jahrhundert erlebte das Kreisgebiet dank Bautätigkeit, Melioration und Wegebau eine Zunahme der Bevölkerung. In der Stadt und im Kreis gab es damals 13 Windmühlen, 14 Wassermühlen, 19 Schnapsbrennereien, sechs Brauereien, zahlreiche Ziegeleien, Teeröfen und ähnliches.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Sensburg durch Straßen mit Rhein (heute Ryn), Rastenburg (heute Ketrzyn) und Bischofsburg (heute Biskupiec) verbunden. Im Mai 1897 wurde die (heute nicht mehr bestehende) Schmalspurbahn Rastenburg - Sensburg eingeweiht. Weitere Bahnlinien nach Rothfließ (Czerwonka), Bischofsburg (Biskupiec), Sensburg (Mragowo) und Arys (Orzysz) wurden später eröffnet.

Das Kreisgebiet wurde im Ersten Weltkrieg von russischen Truppen besetzt, die am 22. August 1914 bei Lucknainen in den Kreis Sensburg eindrangen. 1915 wurde das Kreisgebiet von deutschen Truppen in der Winterschlacht bei Gurkeln, Schmidtsdorf (Töpferberg), Erlenau, Julienhöfen und Lucknainen zurückgewonnen und am 20. Mai 1915 übernahm der Regierungsbezirk Arnsberg (Westf.) die Kriegshilfe für den Wiederaufbau im Kreis Sensburg.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Kreisgebiet vom 25. Januar bis 30. Januar 1945 von sowjetischen Truppen besetzt. Die Evakuierung des Kreises gelang nicht, denn 1946 lebten (nach polnischen Quellen) noch 18.607 deutsche Einwohner im Kreis Sensburg.

Verwaltungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Königreich Preußen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit den preußischen Verwaltungsreformen nach dem Wiener Kongress entstand mit dem 1. September 1818 der Kreis Sensburg im Regierungsbezirk Gumbinnen in der Provinz Preußen (nicht: Ostpreußen).

Gutshaus des Ritterguts Bosem (1902),
Eigentümer: Ferdinand Rogalla von Bieberstein (1857–1945)

Dieser umfasste die Kirchspiele:

  • Aweyden,
  • Bosem,
  • Eichmedien,
  • Nikolayken,
  • Ribben,
  • Schimonken,
  • Sehesten, (Der Name deutet auf Gewässer: idg. „ser-, sor-“ (fließen, strömen), vgl. dazu lettisch „sera“ (Schlamm))
  • Sensburg, (Der Name weist auf eine ältere prußische Siedlung: „sena“, „senas“: alt, altertümlich).
  • Sorquitten.

Das Landratsamt war in Sensburg. Erster Landrat war der pensionierte Hauptmann August Lysniewski.

Seit dem 3. Dezember 1829 gehörte der Kreis – nach dem Zusammenschluss der bisherigen Provinzen Preußen (nicht: Ostpreußen) und Westpreußen – zur neuen Provinz Preußen mit dem Sitz in Königsberg i. Pr.

Norddeutscher Bund/Deutsches Reich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis zum Norddeutschen Bund und ab 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich. Nach der Reichsgründung von 1871 wurde eine Verwaltungsreform durchgeführt. Nach einer Verordnung von 1872 sollte der Kreistag von allen wahlberechtigten Bewohnern des Kreises gewählt werden.

Am 21. Juli 1875 wurde die Landgemeinde Dietrichswalde aus dem Kreis Johannisburg in den Kreis Sensburg eingegliedert.

Nach der Teilung der Provinz Preußen in die neuen Provinzen Ostpreußen und Westpreußen wurde der Kreis Sensburg am 1. April 1878 Bestandteil Ostpreußens. Mit dem 1. November 1905 trat der Kreis Sensburg zum neugebildeten Regierungsbezirk Allenstein.

Zum 30. September 1929 fand im Kreis Sensburg wie im übrigen Freistaat Preußen eine Gebietsreform statt, bei der alle bisher selbstständigen Gutsbezirke bis auf zwei aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden. Gleichzeitig wurden die Gutsbezirke Borken, Groß Salzig-See und Klein Hensel-See aus dem Kreis Sensburg in den Kreis Lötzen eingegliedert.

Im Frühjahr 1945 wurde das Kreisgebiet durch die Rote Armee besetzt. Nach Kriegsende wurde das Kreisgebiet im Sommer 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht gemäß dem Potsdamer Abkommen unter polnische Verwaltung gestellt. Soweit die deutsche Bevölkerung nicht geflohen war, wurde sie in der Folgezeit größtenteils aus dem Kreisgebiet vertrieben.

Das Territorium des heutigen Powiat Mrągowski (Sensburger Kreis) entspricht ungefähr dem früheren Kreisgebiet.

Kommunalverfassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kreis Sensburg gliederte sich zunächst in Stadtgemeinden, in Landgemeinden und – bis zu deren nahezu vollständigem Wegfall – in selbstständige Gutsbezirke.

Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 gab es ab 1. Januar 1934 eine einheitliche Kommunalverfassung für alle Gemeinden. Die bisherige Stadtgemeinden Nikolaiken und Sensburg führten jetzt die Bezeichnung Stadt.

Mit Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt.

Eine neue Kreisverfassung wurde nicht mehr geschaffen; es galt weiterhin die Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 19. März 1881.

Landräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1938 fanden im Kreis Sensburg umfangreiche Änderungen von Ortsnamen statt. Das waren, da meist „nicht deutsch genug“, lautliche Angleichungen, Übersetzungen oder freie Erfindungen, zum Beispiel:

  • Alt Bagnowen: Althöfen,
  • Alt Rudowken: (ab 1939:) Hammerbruch (Ostpr.)
  • Barranowen: Hoverbeck,
  • Borowen: Prausken,
  • Bosemb: Bussen,
  • Bubrowko: Biebern (Ostpr.),
  • Burschewen: Prußhöfen,
  • Carwen: Karwen,
  • Diebowen: Dommelhof,
  • Faszen: Fasten,
  • Grabowen: Grabenhof,
  • Guschianka: 1936: Guszianka, 1938: Guschienen,
  • Lubjewen: Grünbruch,
  • Mniodunsken (ab 1929:) Immenhagen
  • Neu Bagnowen: Borkenau,
  • Muntowen: Muntau
  • Olschewen: Erlenau,
  • Rudczanny: Niedersee,
  • Schimonken: Schmidtsdorf,
  • Schniodowen: Schniedau,
  • Sysdroyofen: Sixdroi,
  • Sysdroywolla: Kranzhausen,
  • Wosnitzen: Julienhöfen,
  • Zatzkowen: Eisenack,
  • Zudnochen: Siebenhöfen (Ostpr.).

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Patenstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 33, Ziffer 13.
  • Karl Templin: Unsere masurische Heimat. Zum einhundertjährigen Bestehen des Kreises Sensburg 1818–1918. Selbstverlag des Kreises Sensburg, 2. Auflage 1926.
  • E. Titius: Die Philipponen im Kreise Sensburg. In: Neue Preußische Provinzial-Blätter. Dritte Folge. Band 9, Königsberg 1864, S. 192–215; Band 10, Königsberg 1865, S. 1–50, S. 281–320 und S. 385–421; Band 11, Königsberg 1866, S. 449–484

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]