Kresty-Gefängnis

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Luftbild (2016)
Gefängniskirche (2007)

Das Kresty-Gefängnis (russisch Кресты für „Kreuze“) ist eine Untersuchungshaftanstalt in Sankt Petersburg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1730er Jahren, während der Herrschaft von Anna Iwanowna, befand sich hier das Weinlager Winny Gorodok, in dem die gesamten Weinvorräte von St. Petersburg gelagert wurden. Nach den Reformen von 1861 bestand ein vermehrtes Bedürfnis nach Gefängnissen: zuvor wurden Leibeigene von den Landbesitzern auf deren eigenen Gütern eingekerkert, ab jetzt kamen sie in staatliche Gefängnisse. So wurde das Weinlager 1867 zu einem Gefängnis mit 700 Unterkünften umgebaut, mit Männer- und Frauenabteilungen.

Innerhalb von 20 Jahren wurde das Gefängnis zu klein für die Stadt. Das Projekt für das neue Stadtgefängnis stammte von Antoni Ossipowitsch Tomischko (1851–1900), der ein Modellgefängnis in Staraja Russa erbaut hatte, dessen Muster in Wessjegonsk, Wjasma, Zarizyn und anderen Städten wiederaufgenommen wurde. Tomischko hatte den Aufbau von Gefängnissen in Deutschland studiert und war beeindruckt vom Moabiter Gefängnis, bei dem mehrere Blöcke sternförmig auf einen Turm ausgerichtet sind. Diese Bauweise kam auch in Gefängnissen in Pennsylvanien zur Anwendung und wurde unter der Bezeichnung Panopticon bekannt. Unter der Leitung von Tomischko entstanden zwei fünfstöckige, kreuzförmige Gebäude mit je einem Mittelturm, von dem aus sämtliche Zellengänge überwacht werden konnten. Insgesamt enthielt der Komplex 960 Zellen, die für 1150 Insassen vorgesehen waren. Die Bauten begannen 1884, wurden 1890 abgeschlossen und durch die Häftlinge selbst ausgeführt, wobei laufend alte Bauteile abgebrochen und die Häftlinge in die neuen Teile verlegt wurden. Zu dieser Zeit galt das Gefängnis, mit elektrischer Beleuchtung, funktionierender Belüftung und Zentralheizung, als das modernste seiner Art in Europa. Einer der Mitteltürme enthielt ein Denkmal für den englischen Strafvollzugsreformer John Howard.

Im Russischen Kaiserreich wurde das Gefängnis offiziell als „Sankt Petersburger Gefängnis für Einzelhaft“ bezeichnet und war zur Inhaftierung sowohl gewöhnlicher Verbrecher als auch politischer Gefangener vorgesehen. Am Abend des 12. März 1917, während der Februarrevolution, erstürmten rebellierende Soldaten und Arbeiter, die sich beim Finnischen Bahnhof versammelt hatten, unter der Führung von Michail Kalinin das Gefängnis, befreiten die Insassen und zerstörten sämtliche Dokumente. Sie verfolgten damit zwei Ziele: einerseits die Vernichtung der polizeilichen Aufzeichnungen ihrer eigenen Verbrechen, andererseits die Nachahmung des Sturms auf die Bastille zu Beginn der Französischen Revolution.

Auf dem Gefängnisgelände befinden sich auch eine Kirche (Alexander-Newski-Kirche) und ein Museum.[1]

Es ist geplant, die Anstalt vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland in einen Neubau bei Kolpino zu verlegen.[2]

Bekannte Insassen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kresty-Gefängnis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kresty: Kirche (russisch)
  2. Marina Starodubzewa: Russland bekommt weltgrößte Haftanstalt. In: Russia beyond the headlines, 5. November 2014, abgerufen am 10. November 2016.

Koordinaten: 59° 57′ 14″ N, 30° 21′ 52″ O