Kreuzkuppelkirche

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Kirche des Myreläon (Salböles), heute Bodrum-Moschee in Istanbul

Die Kreuzkuppelkirche ist eine typische Form des byzantinischen Kirchenbaues etwa seit dem 9. Jahrhundert und wird im gesamten Bereich der orthodoxen Kirchen bis heute gepflegt. Als eine der ersten bekannten großen Kreuzkuppelkirchen gilt die 881 eingeweihte sogenannte Neue Kirche (Nea Moni) im Kaiserpalast von Konstantinopel.

Orthodoxe Kreuzkuppelkirchen[Bearbeiten]

Der Naos einer Kreuzkuppelkirche ist ein quadratischer Raum mit vier eingestellten Säulen oder Pfeilern, die vier in der Gestalt eines griechischen Kreuzes angeordnete Tonnengewölbe und darüber in der Mitte eine Kuppel tragen. Technische Voraussetzung der Kreuzkuppelkirche ist die Pendentifkuppel. Die Pendentive, sphärische Dreiecke, ermöglichen, die runde Kuppel von einem Quadrat aus vier Bögen tragen zu lassen. Ein frühes und gleichzeitig das monumentalste Beispiel der Pendentivkppel ist die Hagia Sophia in Konstantinopel (Istanbul), selbst keine Kreuzkuppelkirche.

Während die meisten Kirchen im engeren byzantinisch-griechischen Bereich und ebenso die Gotteshäuser der Apostolischen armenischen und georgischen Kirchen nur eine Kuppel aufweisen, haben Kirchen in den slawischen Ländern Südost- und Osteuropas nicht selten fünf Kuppeln. Dabei erheben sich die Nebenkuppeln in der Regel über den Eckräumen des Gebäudes.

Die Basiliuskathedrale in Moskau hat sogar neun Kuppeln, wobei sich die größeren Nebenkuppel auf den Kreuzarmen befinden und die kleineren auf den Ecken. Im Inneren sind der Saal unter der Hauptkuppel und der anschließende Altarraum ringsum von Nebenräumen umgeben.

An den Naos, also den Raum unter der (Haupt-) Kuppel schließt nach Osten, durch ein Templon oder eine Ikonostase abgeteilt, ein dreiteiliger Altarraum mit einer oder drei Apsiden an. Die Abgrenzung kann zwischen den beiden östlichen Säulen der Quadrathalle stehen, wodurch der Gemeinderaum kürzer als breit wird, oder am Beginn des östlichen Kreuzarms.

In jedem Fall ist der Bereich hinter der Ikonostase den Priestern vorbehalten. Vom Naos her betrachtet liegen diese Teile nebeneinander. Der mittlere ist der breiteste und heißt Bema. Hier steht der Altar und manchmal dabei für die Priester eine Sitzbank. Der Bereich nördlich davon heißt Prothesis und dient der Vorbereitung des Abendmahls. Der südöstliche Eckbereich heißt Diakonion und dient der Aufbewahrung liturgischer Bücher und Gewänder. Auf der Westseite liegt zumeist ein Narthex, gelegentlich mit einer Empore.

Bei vielen Kirchen schließt sich an den quadratischen Raum unter der Kuppel nach Westen der Narthex genannte Vorraum an. Er umfasst ein Joch (also drei Gewölbefelder) oder zwei Joche (also sechs Gewölbefelder). Je nachdem, wie stark der Zentralbereich davon abgeschirmt ist, sind fließende Übergänge zur Basilika möglich, im Sinne eines freilich sehr kurzen Kirchenschiffs. Der Narthex hat auch liturgische Funktionen, beispielsweise wird hier getauft. Über dem Narthex, aber auch in den Seitenarmen des Kreuzes, können sich Emporen befinden.

Größere Kreuzkuppelkirchen besitzen, besonders in der Architektur von Konstantinopel, häufig Seitenkapellen und äußere Säulenhallen. Bei Klosterkirchen, zuerst bei der um 1000 errichteten Kirche der Megisti Lavra auf dem Berg Athos, wird oft der Naos durch zwei seitliche Apsiden erweitert.

Katholische Kreuzkuppelkirchen[Bearbeiten]

Nebenkuppeln auf den Kreuzarmen: Markusdom in Venedig

Außerhalb der Orthodoxie hat man hier und da die architektonische Form der Kreuzkuppelkirche übernommen, jedoch ohne die strenge Funktionseinteilung. Bekanntestes Beispiel ist der Markusdom in Venedig mit seinen fünf Kuppeln. Abweichend von den meisten orthodoxen Bauwerken erheben sich die Nebenkuppeln hier über den Kreuzarmen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dorothea Lange: Theorien zur Entstehung der byzantinischen Kreuzkuppelkirche. In: Architectura 16 (1986) 93-113.

Weblinks[Bearbeiten]