Kriegsspiel (Planspiel)

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Das Kriegsspiel ist ein historisches Planspiel zu militärischen Zwecken, das im 19. Jahrhundert in Preußen entwickelt wurde. Es diente zur Durchführung von Gefechtsübungen auf Spielplänen, wobei es im Laufe der Zeit unterschiedliche Spielregeln und Spielpläne gab.

Spiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Spiel wurde auf speziellen Spielplänen, auf mehreren (drei) Schachbrettern oder auf Landkarten gespielt. Bis zum Ersten Weltkrieg wurde es vor allem von höheren Offizieren der deutschen Armee verwendet, um strategisches und taktisches Denken zu trainieren. Das originale „Kriegsspiel“ war besonders bei den Offizieren der preußischen Truppen im 19. Jahrhundert populär. Die Annahme, dass das Kriegsspiel hinter den Erfolgen der preußischen Truppen stecke, machte es auch im Ausland populär. In die USA kam es nach dem Sezessionskrieg. Der letzte Krieg, dessen Erfolg auch dem Kriegsspiel zugeschrieben wurde, war nach Angaben von Poundstone der Russisch-Japanische Krieg 1905.[1]

Zweck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kriegsspiel sollte dem Offizier Übung in der Truppenführung geben und kommt nach der vorgegebenen Gefechtsidee lediglich nach taktischen Grundsätzen zur Ausführung. Nachdem die früher gebräuchlichen vielen einengenden Spielregeln nach und nach beseitigt wurden, bringt das Kriegsspiel den Charakter des realen Gefechts ziemlich treu zur Darstellung, so dass es weniger Spiel als ein "Manöver auf der Karte" wurde.

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Man unterscheidet das strategische Kriegsspiel auf der Generalstabskarte, das große taktische und Detachementskriegsspiel auf Plänen im Maßstab von 1:9000 oder 1:6250. Das Festungskriegsspiel ist eine Übung im Angriff und der Verteidigung von Festungen (Festungskrieg) auf Plänen. Die erheblich verwickelteren Verhältnisse dieses Kampfes machen dieses Kriegsspiel auch entsprechend komplizierter als das der Feldschlacht, es findet aber bei dem Aufschwung der Taktik des Festungskriegs in Deutschland eine sorgsame Pflege.

1876 ist auf Anregung des damaligen Marineministers Albrecht von Stosch ein Seekriegsspiel eingeführt worden. Das Kriegsspiel wurde aus dem Kriegsschachspiel des 18. Jahrhunderts durch den preußischen Hofkriegsrat Georg Leopold von Reiswitz 1824 umgewandelt. Um seine Entwicklung hatten sich von Verdy und Meckel besonders verdient gemacht. Anleitungen zum Kriegsspiel gaben von Reiswitz (Berlin 1824), von Tschischwitz (4. Ausl., Neiße 1874), Meckel (Berlin 1875), von Trotha (3. Auflage, das. 1875), Verdy du Vernois (2. Aufl., das. 1881), von Braun („Das Kriegsspiel der Kavallerie“, Frankfurt an der Oder 1880).[2]

Weiterentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von dem Original „Das taktische Kriegsspiel“ des Baron von Reiswitz abgeleitet, entwickelten sich verschiedene Richtungen von Strategiespielen. Zum einen kam man durch die Verwendung von Zinnsoldaten zum Tabletopspiel, welches eine sehr anschauliche Umsetzung darstellt. Zum andern wurde das Planspiel auf Generalstabskarten zur Konfliktsimulation genutzt. Diese ist eine abstrakte Version, die aber den Vorteil hat, unterschiedliche Maßstäbe umsetzen zu können, während beim Tabletop durch die Größe der Figuren der Maßstab stark eingeschränkt ist.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anleitung zur Darstellung militairischer Manöver mit dem Apparat des Kriegs-Spiels, Berlin [u. a.] : Mittler, 1846, Digitalisat
  • Bernhard von Reißwitz, das Kriegsspiel, oder Anleitung zur Darstellung militairischer Manöver mit dem Apparat des KriegsSpieles, 1824, Berlin, Mittler
  • W. von Tschischwitz, Anleitung zum Kriegsspiel, 2.Auflage, 1867, Digitalisat
  • Jakob Meckel, Studien über das Kriegsspiel, Digitalisat
  • Thilo von Trotha, Anleitung zum Gebrauch des Kriegsspiel-Apparates zur Darstellung von Gefechtsbildern, Digitalisat
  • Frans Dominik Champblanc, Das Kriegsspiel; oder Das Schachspiel im Grossen, Digitalisat
  • Johann Christian Ludwig Hellwig, Das Kriegsspiel: ein Versuch die Wahrheit verschiedener Regeln der Kriegskunst in einem unterhaltenden Spiele anschaulich zu machen, Reichard, Braunschweig, 1803, Digitalisat
  • Georg Venturini, Beschreibung und Regeln eines neuen Krieges-Spiels zum Nutzen und Vergnügen, 1798, Digitalisat
  • C. F. Planner, Kriegs-Spiel zur angenehmen Unterhaltung für Offiziere
  • Johann Ferdinand Opiz, Das Opiz'sche Kriegsspiel Beitrag zur Bildung künftiger und zur Unterhaltung selbst der erfahrensten Taktiker, Hendels, 1806, Digitalisat
  • Julius von Verdy du Vernois, Beitrag zum Kriegsspiel, Berlin 1876, Digitalisat

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Philipp von Hilgers, Kriegsspiele. Eine Geschichte der Ausnahmezustände und Unberechenbarkeiten, Paderborn, 2008, Digitalisat

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. William Poundstone, Prisoner's Dilemma: John von Neumann, Game Theory, and the Puzzle of the Bomb, Anchor/Random House, 1992, S. 37 ff.
  2. Zeno: Kriegsspiel. zeno.org.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]