Kriminalfall Maria L.

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Blumen an einem Baum beim Ottiliensteg an der Dreisam in Freiburg-Waldsee, wo die getötete Maria L. gefunden wurde

Der Kriminalfall Maria L. bezeichnet ein Sexualverbrechen mit Todesfolge in Freiburg im Breisgau, das am 16. Oktober 2016 verübt wurde und sowohl bundesweit als auch international Aufmerksamkeit erregte. Der Tatverdächtige kam Ende 2015 als Flüchtling nach Deutschland. Auch die Art der Medienberichterstattung wurde thematisiert.

Tathergang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Abend des 15. Oktober 2016 besuchte die 19-jährige Medizinstudentin Maria L. bis circa 2:40 Uhr[1] die Studentenfeier „Big Medi Night“ in der Mensa II im Institutsviertel[2] und trat danach mit dem Fahrrad den Heimweg zum Studentenwohnheim Thomas-Morus-Burse im Stadtteil Littenweiler an.[3] Auf dem Weg wurde sie gegen 3 Uhr am frühen Morgen des 16. Oktober in unmittelbarer Nähe des Schwarzwald-Stadions vergewaltigt. Um 8:41 Uhr fand eine Joggerin ihre Leiche in der Dreisam.[4] Da der Tod durch Ertrinken eingetreten war, geht die Kriminalpolizei davon aus, dass der Täter Maria L. absichtlich so im Wasser der Dreisam abgelegt hat, dass sie keine Chance zum Überleben hatte. Deshalb besteht seitens der Staatsanwaltschaft Freiburg gegen den Tatverdächtigen Hussein K. der dringende Tatverdacht des Mordes.[5]

Ermittlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Freiburger Polizei berief umgehend eine 40-köpfige Sonderkommission (Soko Dreisam) ein. Die Abläufe vor der Tat konnten nach Angaben der Ermittlungsbehörden unter anderem durch Vernehmung von Zeugen und Auswertung eines Überwachungsvideos „in weiten Teilen lückenlos rekonstruiert“ werden. Etwa 1400 Menschen wurden vernommen und rund 1600 Hinweise überprüft. Die am Opfer sichergestellten männlichen DNA-Spuren ergaben keine Übereinstimmung mit bundesweiten Datenbanken.[6] Freiwillig abgegebene DNA-Proben aus dem Umfeld des Opfers und der Umgebung des Tatorts ergaben ebenfalls keine Übereinstimmung.[7][8] Die Polizei setzte eine Belohnung für sachdienliche Hinweise aus.[9]

In einem Gebüsch in der Nähe des Tatorts wurde ein 18,5 Zentimeter langes schwarzes Haar gefunden, das teilweise blond eingefärbt war. Nach einem Abgleich mit Aufnahmen von Überwachungskameras der VAG Freiburg konnte das Haar einem jungen Mann zugeordnet werden, der um 1:57 Uhr in der Freiburger Innenstadt in eine Straßenbahn der Linie 1 Richtung Littenweiler eingestiegen und bis zur Endhaltestelle Laßbergstraße[10] – etwa einen Kilometer vom Tatort entfernt – gefahren war.[11] Am 2. Dezember wurde die gesuchte Person von einer Polizeistreife entdeckt und aufgegriffen.[12] Ein Abgleich der DNA-Probe des Tatverdächtigen mit den am Tatort sichergestellten Spuren war positiv.[13] Ende Januar 2017 wurde die Soko Dreisam aufgelöst.[14] Bei Abschluss der polizeilichen Ermittlungen waren sich die Ermittler sicher, dass sich Täter und Opfer nicht gekannt haben.[14]

Tatverdächtiger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeit in Griechenland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hussein K. wurde am 8. Januar 2013[15] in Tyros (Arkadien, Griechenland) als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling registriert.[16] Laut seinem bei der Registrierung vorgelegten afghanischen Pass wurde er am 1. Januar 1996 geboren und war damit 17 Jahre alt.[17][18] Er gehört zur Volksgruppe der persischsprachigen Hazara.[19]

Am 26. Mai 2013[20] verübte er auf Korfu einen Raubüberfall auf eine Studentin und warf sie über ein Geländer eine Klippe hinunter; sie überlebte den zehn Meter tiefen Sturz schwer verletzt.[21][22] Laut einem forensischen Gutachten war Hussein K. damals zwischen 16 und 17 Jahren alt.[23] Wegen Diebstahls und versuchten Totschlags wurde er daraufhin am 12. Februar 2014[20] zu einer Jugendhaftstrafe von 10 Jahren verurteilt und in einem Gefängnis für Jugendliche in Volos inhaftiert.[24][20] Sein Asylgesuch lehnten die griechischen Behörden im Mai 2014 ab.[16] Durch ein Amnestiegesetz der Regierung Tsipras kam er am 31. Oktober 2015[25] gegen Meldeauflagen auf Bewährung frei.[26] Als er seiner Meldepflicht nicht nachkam, widerrief das Justizministerium die Bewährung und schrieb am 31. Dezember 2015 eine nationale – jedoch keine internationale – Fahndung aus.[18]

Asylantrag in Deutschland und Datenaustausch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu diesem Zeitpunkt hielt sich Hussein K. bereits in Deutschland auf. Er war Anfang November über Österreich[27] illegal eingereist[28] und hatte am 12. November 2015[29] ohne Vorlage von Personaldokumenten bei der Polizei in Freiburg einen Asylantrag gestellt. Dieser ging Mitte Februar 2016 beim zuständigen Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ein, wurde dort jedoch monatelang nicht bearbeitet. Nach Angabe der überlasteten Bundesoberbehörde hätte Hussein K. jedoch „demnächst“ einen Termin bekommen sollen – das bedeutet mit Stand Dezember 2016 nach 10 Monaten.[29]

Trotz mehrerer EU-weiter Systeme zum Datenaustausch wurde dessen kriminelle Vergangenheit von deutschen Behörden nicht erkannt:

Europäische Fingerabdruckdatenbank (EURODAC)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die europäische Fingerabdruck-Datenbank EURODAC soll verhindern, dass Personen in mehreren EU-Mitgliedstaaten Asyl beantragen können. Sie enthält jedoch keine Informationen über Verurteilungen oder Fahndungsmaßnahmen.[30] Laut der Verordnung (EG) Nr. 2725/2000 des Rates vom 11. Dezember 2000 über die Einrichtung von „Eurodac“ war Griechenland im Zuge des Asylantrags von Hussein K. verpflichtet, seine Fingerabdrücke in die Datenbank zu übermitteln. Deutschland war bei Bearbeitung seines Asylantrags vom November 2015 wiederum verpflichtet, die EURODAC-Datenbank abzufragen.[31] Ob und in welchem Umfang der Datenaustausch mit den griechischen Behörden stattfand, ist anhand der Medienberichte nicht eindeutig nachzuvollziehen:

Laut Darstellung auf faz.net vom 16. Dezember 2016 waren die Daten des Tatverdächtigen von den griechischen Behörden im arkadischen Tyros am 8. Januar 2013 in EURODAC registriert worden.[32] Die Zeit schrieb einen Tag früher, dass sich EURODAC zu dieser Zeit erst im Aufbau befunden hatte und es keine Treffer zu Hussein K. gab, als ihn die Bundespolizei 2015 erkennungsdienstlich begutachtete.[29] Als im Februar 2017 die Stuttgarter Nachrichten über eine Nacherfassung unbegleiteter Minderjähriger in Baden-Württemberg berichteten, erwähnten sie, dass die Bundespolizei keinen Zugriff auf die Daten des Tatverdächtigen in EURODAC gehabt hatte.[33] Tatsächlich ist der Zugriff für die Bundespolizei nur zur Verhütung, Aufdeckung und Untersuchung terroristischer oder sonstiger schwerer Straftaten gestattet.[31][34]

Die Süddeutsche Zeitung berief sich am 15. Dezember 2016 auf das Innenministerium, nach dem Deutschland die Fingerabdrücke von Hussein K. in EURODAC abgespeichert hatte. Ob bereits ein griechischer Eintrag bestand, ist laut der Zeitung unklar. Auch sie verwies darauf, dass sich das System 2013 noch im Aufbau befunden hatte.[16] Die Bild-Zeitung war sich am folgenden Tag indes sicher, dass keine Abfrage stattgefunden hatte, als der Neueintrag erfolgt war.[35] Laut Badischer Zeitung war die erneute Speicherung durch die Bundespolizei im Rahmen der erkennungsdienstlichen Behandlung vom 12. November 2015 veranlasst worden.[36]

Siehe auch: Flüchtlingskrise in Deutschland ab 2015Mängel bei Registrierung und Datenaustausch

Schengener Informationssystem (SIS)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schengener Informationssystem (SIS) dient der automatisierten Personen- und Sachfahndung in der Europäischen Union (EU). Nach Auskunft des Innenministeriums war es bei der Asylantragstellung von Hussein K. in Freiburg zwar abgefragt worden, hatte aber keinen Eintrag enthalten, da Griechenland Hussein K. lediglich zur nationalen Fahndung ausgeschrieben hatte.[32][37]

Europäisches Strafregisterinformationssystem (ECRIS)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Europäische Strafregisterinformationssystem (ECRIS) umfasst bisher nur Strafregister von EU-Bürgern, nicht aber Strafregister von Drittstaatsangehörigen.[38] Bisher lässt sich nur dadurch, dass an alle Mitgliedstaaten ein Auskunftsersuchen gerichtet wird, feststellen, ob ein Drittstaatsangehöriger bereits in einem anderen Mitgliedstaat verurteilt wurde.[39]

Eine entsprechende Erweiterung des Systems war im Nachgang der Terroranschläge vom 13. November 2015 in Paris zwar vereinbart worden und ein diesbezüglicher Richtlinienänderungsvorschlag am 19. Januar 2016 von der EU-Kommission angenommen worden, die geplante Erweiterung war aber noch nicht umgesetzt worden.[39][40]

Alter und Anklage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landgericht Freiburg

Im Rahmen des Asylantrags gab Hussein K. am 12. November 2015 an, am 12. November 1999[29] im afghanischen Ghazni geboren worden zu sein, wonach er 16 Jahre alt gewesen wäre. Er wurde vom Jugendamt Freiburg in Obhut genommen und lebte zum Zeitpunkt seiner Festnahme bei einer afghanischen Pflegefamilie.[16]

Ein von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebenes medizinisches Altersgutachten kam im Februar 2017 zu dem Schluss, dass Hussein K. zur Tatzeit mindestens 22 Jahre alt, also entgegen seinen Angaben bereits volljährig war und auch schon erwachsen und nicht mehr heranwachsend.[41]

Ende März 2017 erhob die Staatsanwaltschaft Freiburg gegen Hussein K. Anklage wegen Mordes.[42] Hussein K. wurde nach Jugendstrafrecht angeklagt, weil durch das Altersgutachten nicht alle Zweifel ausgeräumt worden waren. Während des Verfahrens kann das Landgericht Freiburg entscheiden, ob beim Urteil Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht angewendet wird.[43]

Am 19. Juni 2017 gab das Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe bekannt, dass die Untersuchungshaft gegen Hussein K. verlängert wird. Dies war nötig, da während der bis dahin sechsmonatigen Haftzeit noch kein Prozess stattgefunden hatte. Die Staatsanwaltschaft sucht noch immer im Ausland nach Informationen, die das Alter von Hussein K. genau belegen. Auch Personalien und Herkunft sind nicht sicher geklärt.[44]

Prozess[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mordprozess gegen Hussein K. begann am 5. September 2017 vor der Jugendkammer des Landgerichts Freiburg. Nebenklägerin ist die Familie des Opfers. Sie wird aber nicht an der öffentlichen Verhandlung in Saal IV, dem größten Saal des Gerichtes, teilnehmen. Für Journalisten sind 48 der 150 Plätze im Saal reserviert. Es gelten strenge Sicherheitsauflagen. 16 Verhandlungstage sind angesetzt. Das Urteil könnte am 8. Dezember gefällt werden. 45 Zeugen und zehn Sachverständige sollen gehört werden, darunter ein psychiatrischer Sachverständiger. Am sechsten Verhandlungstag sollen drei Sachverständige zur Altersbestimmung des Angeklagten gehört werden.[45][46]

Am ersten Prozesstag räumte Hussein K. ein, bei der Einreise nach Deutschland tatsächlich bereits volljährig gewesen zu sein.[47] Am zweiten Prozesstag legte er ein umfassendes Geständnis ab.[48]

Später sagte er aus, Maria L. sei ihm zufällig begegnet, als er nach einem durchzechten Nachmittag und Abend betrunken und unter Drogeneinfluss am Flussufer entlang gegangen sei. Er habe sie vom Fahrrad gestoßen, ihr den Mund zugehalten, als sie schrie, und sie mit seinem Schal gewürgt. Als sie sich nach einer Minute nicht mehr bewegt habe, sei ihm aufgefallen, dass sie ein hübsches Mädchen sei. Nach vergeblichen Versuchen, sie zu vergewaltigen, habe er sie mit der Hand missbraucht. Anschließend habe er sie in den Fluss gezerrt, um sein Blut von ihrem Körper zu waschen, da er sich davor bei einem Fahrradsturz verletzt habe. Dann sei er vom Tatort geflohen.[49][50][51]

Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berichterstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Massenmedien berichteten ab dem Bekanntwerden des Todesfalles. Nach der Festnahme stellten manche Medien ihn in einen Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise. N24 und n-tv sendeten die Pressekonferenz der Polizei am 3. Dezember 2016.[52] Auch im Ausland wurde darüber berichtet, dass der mutmaßliche Täter ein minderjähriger Flüchtling aus Afghanistan ist.[53][54] So wurde ein Bericht der Associated Press unter anderem auf New York Times online und Washington Post online veröffentlicht.[55][56]

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Das ZDF meldete am 3. Dezember in der 19-Uhr-Ausgabe der heute-Nachrichten die Festnahme, die Tagesschau-Sendungen der ARD erwähnten den Fall hingegen nicht. Die Tagesschau-Redaktion rechtfertigte später die Nichtmeldung mit einer lediglich „regionalen Bedeutung“ des Falles.[57] In einer zweiten Stellungnahme schrieb Chefredakteur Kai Gniffke, die Tagesschau berichte „sehr selten über einzelne Kriminalfälle“, sondern über „gesellschaftlich, national und international relevante Ereignisse“.[58]

Der Deutsche Journalisten-Verband und andere Medienschaffende kritisierten die Entscheidung der Tagesschau-Redaktion.[59][60][61] Laut der Zeitschrift Stern hat die ARD damit „eine hanebüchene Erklärung für ihre Ignoranz“ geliefert.[62] Die Frankfurter Allgemeine Zeitung kommentierte den Vorgang mit den Worten: „Über den Kampfslogan Lückenpresse braucht sich jedenfalls niemand mehr zu wundern.“[63] Einem Kommentar in der Welt zufolge hatte sich die Tagesschau mit ihren verspäteten Berichten zur Silvesternacht von Köln dem Verdacht einer „Es kann nicht sein, was nicht sein darf“-Berichterstattung ausgesetzt und diesen nun unnötig weiter genährt.[64] Die AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry sagte, beide Fälle seien Beispiele dafür, „dass nicht umfassend berichtet wird“.[59]

Zwei Tage später berichtete die ARD in den Tagesthemen doch und befragte zudem Bundeskanzlerin Angela Merkel zu dem Fall.[65]

Berichte über das ehrenamtliche Engagement des Opfers in einem Verein sowie Falschmeldungen in Medien, dass es sich hierbei um Engagement für Flüchtlinge handelte, lösten eine Welle von Hass und rassistischen Anfeindungen gegenüber dem Verein aus,[66] dem Täter[67] sowie der Familie des Opfers. Der AfD-Landtagsabgeordnete Holger Arppe warf dem Vater basierend auf den Fake News, er habe in einer Traueranzeige zu Spenden für Flüchtlinge aufgerufen, vor, dies sei „pathologische Realitätsverweigerung“.[68]

Stellungnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Freiburger Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne) warnte vor Pauschalurteilen gegen Flüchtlinge.[69]
  • Bundeskanzlerin Merkel erwiderte auf den Vorwurf aus Teilen der Gesellschaft, ihre Flüchtlingspolitik sei mitverantwortlich für die Tat: „Ich sage erst einmal, dass dieser Mord schrecklich ist und dass meine Gedanken bei den Eltern, bei den Angehörigen sind.“ Der Fall sei ein tragisches Ereignis, das aufgeklärt werden und über das man offen sprechen müsse. Wenn sich herausstelle, dass ein afghanischer Flüchtling der Täter sei, dann sei das „absolut zu verurteilen, genauso wie bei jedem anderen Mörder, aber auch ganz deutlich zu benennen“. Damit könne jedoch nicht die Ablehnung einer ganzen Gruppe verbunden sein; man könne auch sonst nicht von einem auf eine ganze Gruppe schließen.[65]
  • Vizekanzler Sigmar Gabriel, damals auch SPD-Vorsitzender, sagte: „Solche abscheulichen Morde gab es schon, bevor der erste Flüchtling aus Afghanistan oder Syrien zu uns gekommen ist. Wir werden nach solchen Gewaltverbrechen – egal, wer sie begeht – keine Volksverhetzung zulassen.“
  • Der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt (CDU), sagte: „Dieses und viele andere Opfer würde es nicht geben, wäre unser Land auf die Gefahren vorbereitet gewesen, die mit massenhafter Zuwanderung immer verbunden sind. Und während Angehörige trauern und Opfer unsägliches Leid erfahren, schweigen die Vertreter der ‚Willkommenskultur‘. Kein Wort des Mitgefühls, nirgends Selbstzweifel, nur arrogantes Beharren auf der eigenen edlen Gesinnung.“[70][71] Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei Oliver Malchow (SPD) und der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner kritisierten seine Stellungnahme.[72]

Debatte um umfassendere Möglichkeiten der DNA-Analyse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Fall entfachte eine Debatte über Bestimmungen der Strafprozessordnung. Es wäre möglich gewesen, den Täterkreis durch eine DNA-Untersuchung auf biogeographische Herkunft, Alter, Haar- und Augenfarbe einzugrenzen.[73] Dies ist aber gesetzlich nicht zulässig; bestimmt werden darf nur das Geschlecht (§ 81e StPO). Nach der Festnahme plädierte Freiburgs Polizeipräsident Bernhard Rotzinger für eine umfassendere Auswertung von DNA-Spuren. Er sagte, bei der Tätersuche hätte dies massiv helfen können. Bereits vor der Festnahme forderte Baden-Württembergs Justizminister Guido Wolf (CDU) mehr Möglichkeiten bei der Auswertung von DNA-Spuren und kündigte eine entsprechende Initiative an.[74] Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) zeigte sich offen für eine Diskussion über gesetzgeberischen Handlungsbedarf.[75]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. POL-FR: Freiburg: 14. Folgemeldung zu: Leblose Frau aufgefunden – Stichwort „Belohnung“. presseportal.de, 24. November 2016, abgerufen am 8. Dezember 2016 (Gemeinsame Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Freiburg und des Polizeipräsidiums Freiburg).
  2. Frank Zimmermann, Joachim Röderer, Julia Dreier, Oliver Huber: Freiburg: Dreisam-Mord: Polizei: 17-Jähriger soll Maria L. ermordet haben – ein Haar war wichtige Spur. In: Badische Zeitung. 3. Dezember 2016, abgerufen am 17. Januar 2017.
  3. Frank Zimmermann, Joachim Röderer: Was die Festnahme des Tatverdächtigen im Fall Maria L. ausgelöst hat. In: badische-zeitung.de. 4. Dezember 2016, abgerufen am 5. Dezember 2016.
  4. freiburg.tv: Tote Studentin: Polizei bittet Bevölkerung um Hilfe. 21. Oktober 2016, abgerufen am 6. Dezember 2016.
  5. Frank Zimmermann: Hussein K.: Stadt prüft Verfahren zur Altersbestimmung. In: Badische Zeitung. 22. Februar 2017, abgerufen am 5. September 2017.
  6. Frank Zimmermann: Freiburg: Männliche DNA im Mordfall Maria L. gefunden. In: Badische Zeitung. 27. Oktober 2016, abgerufen am 8. Dezember 2016.
  7. Frank Zimmermann: Freiburg: Fall Maria: Dreisam-Mord: Kein Treffer in der DNA-Datenbank. In: badische-zeitung.de. 4. November 2016, abgerufen am 8. Dezember 2016.
  8. Frank Zimmermann: Freiburg: Getötete Medizinstudentin: Mordfall Maria L.: Spürhunde führen Polizei zu Biochemie-Hörsaal. In: Badische Zeitung. 18. November 2016, abgerufen am 8. Dezember 2016.
  9. Delikte in Endingen und Freiburg: Belohnungen von 60.000 Euro. In: swr.de. 24. November 2016, abgerufen am 8. Dezember 2016.
  10. Simone Höhl: Freiburg: Korrektur: Lassbergstraße heißt jetzt Laßbergstraße. In: Badische Zeitung. 27. Dezember 2016, abgerufen am 17. Januar 2017.
  11. Ralf Deckert: Freiburg: 17-jähriger Flüchtling unter Mordverdacht. In: schwarzwaelder-bote.de. 3. Dezember 2016, abgerufen am 5. Dezember 2016.
  12. Eberhard Wein: Ein blondiertes Haar überführt den Täter. In: stuttgarter-zeitung.de. 4. Dezember 2016, abgerufen am 8. Dezember 2016.
  13. So spürte die Polizei den Verdächtigen von Freiburg auf. In: welt.de. 4. Dezember 2016, abgerufen am 5. Dezember 2016.
  14. a b Joachim Röderer: Freiburg: Justiz: Fall Maria L.: Soko Dreisam löst sich auf. In: Badische Zeitung. 1. Februar 2017, abgerufen am 1. Februar 2017.
  15. Eckart Lohse: Freiburger Mordfall: Hussein K.s Daten standen in Eurodac. In: faz.net. 16. Dezember 2016, abgerufen am 17. Dezember 2016.
  16. a b c d Josef Kelnberger: Mord in Freiburg – Die Spur der Gewalt des Hussein K. In: sueddeutsche.de. 15. Dezember 2016, abgerufen am 17. Dezember 2016.
  17. Griechenland übermittelt Passdaten: Freiburger Verdächtiger soll 20 Jahre alt sein. In: n-tv.de. 14. Dezember 2016, abgerufen am 17. Dezember 2016.
  18. a b Mutmaßlicher Mörder von Freiburg: Was wir über Hussein K. wissen. In: Spiegel Online. 15. Dezember 2016, abgerufen am 17. Dezember 2016.
  19. Joachim Röderer: Freiburg: Dreisam-Mord: Was man über den 17-jährigen Tatverdächtigen im Mordfall Maria L. weiß. In: Badische Zeitung. 6. Dezember 2016, abgerufen am 17. Januar 2017.
  20. a b c Getötete Studentin in Freiburg: Tatverdächtiger profitierte womöglich von Amnestie in Griechenland. In: Spiegel online. Abgerufen am 17. Dezember 2016.
  21. dpa: „Ich kann nicht glauben, dass sie ihn freigelassen haben“. In: FAZ.net. 18. Dezember 2016, abgerufen am 18. Dezember 2016.
  22. Tote Freiburger Studentin: „Ja, das ist der Mann, den ich 2013 verteidigt habe“. In: DIE WELT. Abgerufen am 17. Dezember 2016.
  23. Frank Zimmermann, Felix Lieschke, dpa: Freiburg: Fall Maria L.: Hussein K. wohl im Oktober 2015 aus der Haft entlassen. In: Badische Zeitung. 14. Dezember 2016, abgerufen am 17. Januar 2017.
  24. Felix Lieschke, Daniela Weingärtner, Frank Zimmermann, Bernhard Walker, Wassilios Aswestopoulos, Dietmar Ostermann, Oliver Huber: Freiburg: Tatverdächtiger im Fall Maria L.: BKA: Fingerabdrücke belegen kriminelle Vorgeschichte von Hussein K. In: Badische Zeitung. 15. Dezember 2016, abgerufen am 17. Dezember 2016.
  25. Mutmaßlicher Mörder von Freiburg seit 2015 auf Fahndungsliste in Griechenland. In: euronews.com. Abgerufen am 17. Dezember 2016.
  26. Kirsten Ripper: DNA identisch: In Freiburg Verhafteter war in Griechenland im Gefängnis. In: euronews. 14. Dezember 2016, abgerufen am 17. Dezember 2016.
  27. Uli Homann, Gabriele Renz: Freiburg: Erst Korfu, dann Freiburg: Was im Fall Hussein K. alles schieflief. In: suedkurier.de. 15. Dezember 2016, abgerufen am 18. Dezember 2016.
  28. Eberhard Weiny: Verdächtiger im Freiburger Mordfall: Hinweise auf Vorstrafe in Griechenland. In: Stuttgarter Nachrichten. 13. Dezember 2016, abgerufen am 18. Dezember 2016.
  29. a b c d Kriminalität: Tragische Verkettungen: Der Weg von Hussein K. durch Europa. In: zeit.de. 15. Dezember 2016, abgerufen am 1. April 2017.
  30. Panne bei Datenaustausch. Mordfall Freiburg: Daten von Hussein K. waren in Eurodac. Stern online, 16. Dezember 2016, abgerufen am 18. Dezember 2016.
  31. a b VERORDNUNG (EG) Nr. 2725/2000 DES RATES vom 11. Dezember 2000 über die Einrichtung von „Eurodac“ (PDF-Datei; 143 kB)
  32. a b Freiburger Mordfall: Warum Hussein K.s Daten wertlos waren. In: welt.de. 16. Dezember 2016, abgerufen am 11. Juli 2017.
  33. Arnold Rieger: Innere Sicherheit: Land lässt minderjährige Asylbewerber erfassen. In: stuttgarter-nachrichten.de. 9. Februar 2017, abgerufen am 1. April 2017.
  34. Reiner Burger, Rüdiger Soldt: Registrierung von Flüchtlingen: Behörden im Handbetrieb. In: faz.net. 10. Oktober 2015, abgerufen am 2. April 2017.
  35. Larissa Krüger: Mordfall Maria L. – Deutsche und Griechen streiten über Behördenversagen. In: bild.de. 16. Dezember 2016, abgerufen am 1. April 2017.
  36. BKA: Fingerabdrücke belegen kriminelle Vorgeschichte von Hussein K. In: Badische Zeitung, 15. Dezember 2015.
  37. Manuel Bewarder: Europas fatale Systemlücke im Fall Hussein K. In: Welt N24. 16. Dezember 2016, abgerufen am 20. Dezember 2016.
  38. Eckart Lohse, Rüdiger Soldt: Identität von Flüchtlingen: Durch alle Raster gefallen. In: FAZ. 14. Dezember 2016, abgerufen am 20. Dezember 2016.
  39. a b Strafregister. In: e-justice.europa.eu. 4. August 2016, abgerufen am 26. Januar 2017.
  40. EU will im Anti-Terror-Kampf Lücke bei Datenaustausch schließen. In: derStandard.at. 19. Januar 2016, abgerufen am 22. Dezember 2016.
  41. Verdächtiger in Freiburg kein Jugendlicher. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 22. Februar 2017.
  42. Getötete Studentin in Freiburg: Anklage wegen Mordes gegen Hussein K.. In: Süddeutsche.de. 30. März 2017.
  43. Getötete Studentin in Freiburg: Anklage wegen Mordes erhoben. In: SZ-online. 30. März 2017.
  44. rö, bz: Südwest: Verfahren: U-Haft für Hussein K. verlängert. In: Badische Zeitung. 19. Juni 2017, abgerufen am 20. Juni 2017.
  45. Joachim Röderer: Mordprozess gegen Hussein K. beginnt am 5. September. In: Badische Zeitung. 17. Juli 2017, abgerufen am 22. Juli 2017.
  46. Joachim Röderer: Gericht ordnet strenge Sicherheitsauflagen für Dreisammord-Prozess an. In: Badische Zeitung. 11. August 2017, abgerufen am 12. August 2017.
  47. Joachim Röderer: Hussein K. sagt aus – aber macht noch kein Geständnis am ersten Prozesstag. In: Badische Zeitung. 5. September 2017, abgerufen am 5. September 2017.
  48. Joachim Röderer: Fall Maria L.: Hussein K. legt umfassendes Geständnis ab. In: Badische Zeitung. 11. September 2017, abgerufen am 11. September 2017.
  49. „Darüber bin ich aus tiefstem Herzen traurig“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 11. September 2017.
  50. Philip Kuhn: Hussein K. entschuldigt seine Tat mit Haschisch- und Alkoholkonsum. In: WeltN24. 11. September 2017.
  51. sueddeutsche.de / Josef Kelnberger: "Da ist mir durch den Kopf gegangen: Komm, mach mal Sex mit ihr"
  52. Getötete Studentin in Freiburg: Tatverdächtiger ist erst 17. In: spiegel.de. 3. Dezember 2016, abgerufen am 5. Dezember 2016.
  53. Karen Van Eyken: Duitse stad Freiburg in shock: Maria (19) verkracht en vermoord door 17-jarige vluchteling uit Afghanistan. In: hln.be. 4. Dezember 2016, abgerufen am 5. Dezember 2016.
  54. Detienen en Alemania a un afgano en busca de asilo por matar presuntamente a una joven. In: elespanol.com. 4. Dezember 2016, abgerufen am 5. Dezember 2016.
  55. Associated Press: Afghan Teenager Detained in Rape, Slaying of German Student. In: The New York Times. 3. Dezember 2016, abgerufen am 5. Dezember 2016 (englisch).
  56. Associated Press: Afghan teenager detained in rape, slaying of German student. In: The Washington Post. 3. Dezember 2016, abgerufen am 5. Dezember 2016 (englisch).
  57. Alexander Krei: Mord in Freiburg: Tagesschau verteidigt News-Verzicht. In: dwdl.de. 4. Dezember 2016, abgerufen am 5. Dezember 2016.
  58. Axel Kanneberg: "Tagesschau"-Chefredakteur erläutert online das Vorgehen im Fall Freiburg. In: heise-Online. 5. Dezember 2016, abgerufen am 7. Dezember 2016.
  59. a b Christoph Dörner: Freiburg – Stadt, Land, Hass. In: sueddeutsche.de. 5. Dezember 2016, abgerufen am 7. Dezember 2016.
  60. 20-Uhr-Nachrichten: Darum ließ die „Tagesschau“ die Freiburg-Meldung weg. In: welt.de. 4. Dezember 2016, abgerufen am 5. Dezember 2016.
  61. Joachim Käppner: Weglassen der Freiburg-Meldung: „Tagesschau“ spielt den Falschen in die Hände. In: sueddeutsche.de. 5. Dezember 2016, abgerufen am 6. Dezember 2016.
  62. Stefan Niggemeier: Warum die Lügenpresse-Vorwürfe gegen die „Tagesschau“ falsch sind, 5. Dezember 2016; Abgerufen am 7. Dezember 2016.
  63. Michael Hanfeld: „Tagesschau“ und Freiburg-Mord: Jetzt berichten sie doch. In: faz.net. 5. Dezember 2016, abgerufen am 5. Dezember 2016.
  64. Dagmar Rosenfeld: Dem Publikum trauen. In: welt.de. 6. Dezember 2016, abgerufen am 6. Dezember 2016.
  65. a b ARD knickt ein! „Tagesthemen“ berichten jetzt doch über den Fall Maria L., Focus online, 5. Dezember 2016.
  66. Frank Zimmermann: Freiburg: Reaktionen auf Festnahme: Flüchtlingsinitiative, in der sich die getötete Studentin engagierte, bekommt rassistische Hassmails. In: Badische Zeitung. 7. Dezember 2016, abgerufen am 1. März 2017.
  67. Computer & Medien: Nutzer-Kommentare: Fall Maria L.: Ein Blick in die Abgründe von Facebook. In: Badische Zeitung. 5. Dezember 2016, abgerufen am 1. März 2017.
  68. Freiburger Mordfall: AfD-Fraktionsvize beschimpft Vater von getöteter Studentin. In: nordkurier.de. 6. Dezember 2016, abgerufen am 1. März 2017.
  69. Joachim Röderer: Freiburgs OB Salomon warnt vor Pauschalurteilen. In: Badische Zeitung. 3. Dezember 2016, abgerufen am 3. Dezember 2016.
  70. „Und die Vertreter der Willkommenskultur schweigen“. In: welt.de. 5. Dezember 2016, abgerufen am 6. Dezember 2016.
  71. Margarete Stokowski: Eine Epidemie der Gewalt. In: Spiegel Online. 6. Dezember 2016, abgerufen am 8. Dezember 2016.
  72. Tote Studentin in Freiburg: „Rainer Wendt verhöhnt das Opfer“. In: DIE WELT. Abgerufen am 7. Dezember 2016.
  73. Karin Truscheit: DNA-Analysen sollen ausgeweitet werden FAZ.net, 14. Dezember 2016.
  74. Polizeichef fordert mehr Möglichkeiten bei DNA-Auswertung, FAZ.net, 6. Dezember 2016
  75. Sexualdelikte in Bochum: 31-Jähriger festgenommen. In: welt.de. 6. Dezember 2016, abgerufen am 6. Dezember 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kriminalfall Maria L. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien