Kripp

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Dieser Artikel behandelt einen Ortsteil der Gemeinde Remagen. Siehe auch: Bernhard Joseph Kripp, Große Kripp, bzw. Cribb.

Koordinaten: 50° 33′ 41″ N, 7° 15′ 57″ O

Kripp
Stadt Remagen
Höhe: 65 m ü. NN
Einwohner: 3321 (31. Dez. 2016)[1]
Postleitzahl: 53424
Vorwahl: 02642
Kripp (Rheinland-Pfalz)
Kripp

Lage von Kripp in Rheinland-Pfalz

Kripp – Ansicht von der anderen Rheinseite
Rheinpromenade in Kripp
Die Ahrbrücke in Kripp
Johannes Brus: 2 Pferde und ein Boot, 2008

Kripp ist einer von sechs Ortsbezirken und zugleich einer von acht Ortsteilen[2] der verbandsfreien Stadt Remagen im Landkreis Ahrweiler im Norden von Rheinland-Pfalz. Am 31. Dezember 2016 besaß der Ortsbezirk 3321 Einwohner.[1]

Luftaufnahme von Kripp aus südlicher Richtung

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urkundlich wurde Kripp erstmals 1474 erwähnt, als im burgundischen Krieg kaiserliche Truppen die gegenüberliegende Stadt Linz beobachteten, wurde der Ort Kripp erst Anfang des 18. Jahrhunderts stärker besiedelt. Das erste Haus wurde 1706 vom Linzer Bürger Johann Breuer errichtet, dieses Jahr gilt als Gründungsdatum des Ortes Kripp.[3]

Der Name der Ortschaft ist auf die Zeit der Treidelschiffahrt zurückzuführen, da an der Stelle eine Futterstelle (Krippe) für die Treidelpferde eingerichtet war. Kripp war eine bedeutende Zwischenstation der Treidelschifffahrt zwischen Köln und Koblenz. Treideln bedeutet, dass man Schiffe mit Pferden flussaufwärts zieht. Die Pferde trugen an ihrem linken Auge Klappen, um sie vor im Rhein reflektiertem Gegenlicht und Erblindung zu schützen.[4]

Die Caledonia war das erste Dampfschiff, das Kripp am 13. November 1817 passierte, denn die Defiance hatte es nur bis nach Köln geschafft.[5][6] Als noch mehr Dampfschiffe verfügbar waren und den Rhein befuhren, insbesondere durch den Ausbau der Flotte durch Haniel und Stinnes, ließen es die Treidler an Einsicht für die notwendigen strukturellen Veränderungen mangeln und beschossen 1848 die Dampfschiffe. Es ist sogar eine Kanone zum Einsatz gekommen. Versenkt wurde jedoch keines der Schiffe. Die Kanone ist noch heute als Denkmal eines unbeugsamen Willens, oder einer „halsstarrigen Fortschrittsfeindlichkeit“ am Rhein auf einem Sockel nahe der Fähranlegestelle zu sehen. Der Aufstand griff auch auf andere Treidelstationen von Wesseling bis Weißenthurm über. Es ist ebenfalls überliefert, dass die alten Kripper „wilde Gesellen“ gewesen sein müssen – an die Obrigkeit in Remagen wurden entsprechende Beschwerden herangetragen.

Zur Blüte gelangte Kripp mit dem Brennen von Ziegelsteinen aus Lehm, der nun dort gefunden und abgebaut wurde. Ein Unternehmer aus Italien nahm sich des Geschäftes an und brannte die Ziegel für eine Lederfabrik. Die Arbeiter entlohnte er ebenfalls mit Ziegeln; freilich nur mit den schlechten. Aus den guten Ziegeln wurde die Lederfabrik, die noch heute steht, aus den schlechten die Kripper Häuser. Aus Kripper Ziegeln wurde von 1900 bis 1903 auch die römisch-katholische Kirche St. Johannes Nepomuk errichtet.

Als man schließlich keine Ziegel mehr brannte, wurden die Arbeiter mit Schnaps bezahlt und auch mit selbst gemachtem Geld. In der Lederfabrik, erbaut 1905, fanden bis zu 170 Menschen Arbeit.[7]

Als der gesamte Lehm für die Ziegel abgetragen war, trat nun das darunter liegende Kiesbett zu Tage. Geschäftstüchtig verarbeiteten die Kripper auch dieses und machten daraus Beton. Die Beton-Union steht heute noch dort.

Die bis etwa 1933 alljährlich wiederkehrenden Schwärme des heringsartigen Fisches Finte haben bis heute ihre unmittelbare Wirkung auf Namensgebung und Brauchtum in Kripp.[8] Über die Kripper gibt es ein Schmähwort aus den umliegenden Orten: „Kripper Fente, rüch ens, wat se stinke“ (auf Hochdeutsch etwa: „Kripper Finte, riech mal, wie die stinken“). So wurde 1951 die Karnevalsgesellschaft „Kripper Fente“ gegründet. Am 29. Dezember 1953 wurde das Fährschiff „Finte“ in Dienst gestellt – heute außer Dienst. 1955 war Friedel Valentin der erste Kripper Karnevalsprinz mit einem Fintenfisch auf der Prinzenuniform. 1998 wurde die Karnevalsgesellschaft „Kripper Fente KG“ als Nachfolger der „Kripper Fente“ gegründet.

Die eigentliche Erfolgsgeschichte von Kripp begann mit der Entdeckung der Maria-Luisen-Quelle, die bei einem Hochwasser durch das Auftreten kleiner Luftbläschen gefunden wurde. Kripp wurde daraufhin zu „Bad Kripp“. Es bildete sich ein Kurhaus. Die Bundesstraße 266 wurde ausgebaut, bis in den 1950er Jahren die Quelle zerfiel. Das Wasser wurde unrein und nicht mehr genießbar, blieb jedoch Grundlage für die Limonadenherstellung durch die Quellen-Lehnig AG.

Die Abfüllanlagen zweier Quellen aufgegeben. Wegen akuter Einsturzgefahr der Ruine in der Quellenstraße ist mittlerweile der Gehweg gesperrt. Die Industriebauten werden von der Natur zurückerobert und Jahr für Jahr von dichteren Teppichen aus Brombeerranken und wildem Wein überwuchert. Jeden Frühling zur Zeit des Hochwassers bahnt sich die Ahr ihren Weg durch die verwilderten Grundstücke.

Ort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kripper Wasserturm

Kripp teilt sich in das Ober- und Unterdorf, unterschieden nach der Höhenlage am Rheinufer. Sein Wahrzeichen ist der Kripper Wasserturm (erbaut 1904), der sich weithin sichtbar über die Gärten erhebt und unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Wichtig für die Bevölkerung sind die zwei Bäckereien und der Edeka-Laden zur Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs.

Die B266 führt durch den Ort und endet erstmal am Rheinufer. Dort verkehrt die Fähre, die Reisende nach Linz trägt. In anderer Richtung führt die B 266 ins Ahrtal, wo an den steilen, kargen Schieferhängen Weine in winzerischer Handarbeit angebaut werden. Während der Wartezeit können Reisende sich im Weinkontor direkt neben der Fähranlegestelle einen Vorrat davon zulegen.

Campingfreunden ist Kripp ein Begriff ob des Campingplatzes Goldene Meile, der auch im Winter gut besucht ist. Vom Rhein aus erkennt man auch den früheren Charakter von Kripp als Standort von Obstplantagen.

Um der Freiwilligen Feuerwehr im Hochwasserfall das Bauen und Versetzen von Stegen zu ersparen, wurde ein Kanal, namens „Ingo-Wolf-Kanal“, angelegt. Versorgungs- und Transportboote können so, sogenannte Jahrhunderthochwasser einmal ausgenommen, Bewohner des Hochwassergebietes und Versorgungsgüter „trockenen Fußes“ an Land bringen.

Neben einer Grundschule sind zwei Kindergärten in Kripp beheimatet.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • CDU-Ortsverband Kripp
  • SPD-Ortsverein Kripp
  • FBL Freie Bürgerliste Kripp
  • Bündnis 90/Die Grünen

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Katholische Pfarrgemeinde St. Johannes Nepomuk Kripp
  • Evangelische Kirchengemeinde Martin-Luther-Kirche Kripp

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strohbär aus Naturstroh in Kripp
  • Zu den alljährlichen Höhepunkten zählt das Strohbärentreiben im Rahmen des jährlichen Karnevalszuges am Karnevalssamstag.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tischtennisclub Kripp

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b ohne Nebenwohnsitze; Quelle: Einwohnerstatistik der Stadt Remagen
  2. Hauptsatzung der Stadt Remagen vom 15. Dezember 2009 (PDF-Dokument)
  3. Josef Siebertz: Aus der Geschichte der Rheinfähre Linz-Kripp. In: 1100 Jahre Linz am Rhein – Festbuch zur 1100-Jahr-Feier. S. 275
  4. http://www.geschichte-kripp.de/36.html
  5. http://www.kripper.de/43.html
  6. http://www.geschichte-kripp.de/18.html
  7. http://www.geschichte-kripp.de/35.html
  8. http://www.geschichte-kripp.de/66.html.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kripp – Sammlung von Bildern