Kriya Yoga

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Kriya Yoga, (Sanskrit, m., क्रिया योग,kriyā yoga, von kri, handeln und ya, die göttliche Seele im Menschen - Handlungen im göttlichen Bewusstsein - sowie Yoga - Vereinigung, Einheit, Disziplin), auch „Yoga der Tat“ oder „aktiver Yoga“ genannt, ist eine Form des Raja Yoga und geht auf die Katha-Upanishad zurück. Auch in den Yoga-Sutras des Patanjali wird auf Kriya Yoga verwiesen. Einer breiten Öffentlichkeit der westlichen Welt wurde dieser Weg ab 1920 durch Paramahansa Yogananda[1] bekannt. Behauptet wird, Körper, Geist und Seele gleichermaßen zu entwickeln. Die Technik basiert auf Pranayama (Atemkontrolle). Durch regelmäßige Übung erfahren Adepten tiefe Ruhe und gelangen auch im Diesseits zu einem ausgeglichenen Leben. Yogananda nannte diesen Weg „Schnellstraße zu Gott“. Ziel ist ‚Gottvereinigung‘ durch ‚Selbstverwirklichung‘.[2] Schwerpunkte liegen auf…

  • Tapas (Übungen, die helfen, das tägliche Leben mit dem Bewusstsein des Höheren Selbst zu bewältigen),
  • Svadhyaya (Selbststudium und Studium der ‚heiligen Schriften‘) und
  • Ishvara Pranidhana (Gottvertrauen: 'Hinwendung zu Gott').

Kriya Yoga bei Patanjali[Bearbeiten]

Im zweiten Kapitel der Yoga-Sutras, Vers 1, des Patanjali heißt es: tapah svadhyayesvara-pranidhananikriya-yogah, was übersetzt wird mit „Enthaltsamkeit, Selbststudium und Hingabe an Iṥvara bilden den vorbereitenden Yoga"

Diese drei Disziplinen sind Teil der fünf Niyamas (Verhaltensregeln) im Raja Yoga. Hieraus wird ersichtlich, warum Kriya Yoga auch als vorbereitendes Yoga zum Raja Yoga verstanden wird.

Beschreibung[Bearbeiten]

Kriya Yoga wird als „Set von Übungen“ beschrieben, die zwar ohne „übertriebenen“ [soll heißen, schmerzhaften] körperlichen Einsatz, jedoch durch stetes Üben, zum höchsten und seltenen yogischen Zustand des Nirvikalpa Samadhi führen. Die Reinigung der Chakren durch die Übungen, welche die göttliche Kraft des Atems zum Kronenchakra und letztlich darüber hinaus führen, verwirkliche Gott auch im praktischen Leben: Beispielsweise hatten die Linienhalter Lahiri Mahasaya und Shri Yukteshwar Ehen geführt, Nachkommen gezeugt und waren in profanen Berufen tätig.

Yogananda bezeichnete den Kriya Yoga als „Schnellstraße zu Gott“. Der Weg wird in seinem Bestseller Autobiografie eines Yogi als „einfache, psychophysiologische Methode“ beschrieben. Auf körperlicher Ebene werde durch diesen Lebensstil das Blut dekarbonisiert und besser mit Sauerstoff versorgt, was nebenbei zu einer Verjüngung und Erneuerung des Körpers führe. Diese Form wird zwar von Yogananda, der in der Tradition des Patanjali steht, bevorzugt, aber nicht klar von Raja Yoga abgegrenzt. Yogananda lehrte auch andere „vorbereitende“ Meditationstechniken. Yama und Niyama sind jedoch grundlegende Regeln um deren Einhaltung sich jeder Schüler zu bemühen hat.

Weitergegeben wird die Technik ausschließlich im Rahmen einer „Einweihung“ durch autorisierte Personen. Einzuweihende verpflichten sich vorweg dazu, auf eigenmächtige Weitergabe der Technik zu verzichten.

Geschichte[Bearbeiten]

Zurückgeführt wird die Verbreitung der Technik auf Lahiri Mahasaya, der 1861 von Mahavatar Babaji [3] initiiert worden sein soll, und dessen bekanntesten Schüler Yukteswar Giri; unbestrittene Linienhalter waren danach dessen Schüler Satyananada und Yogananda.

Kriya Yoga heute

Neben den von Yogananda selbst gegründeten Gruppen YSS (Indien) und SRF (USA)[4] bestehen jedoch weitere Zweige die sich entweder auf die direkte Nachfolge Yoganandas berufen (Ananda des Kriyananda) oder auf dessen Lehrer Yukteswar (Hariharananda, und, nach ihm, Paramahamsa Prajnanananda), oder auf die Nachfolgerlinie des 1903 von Yukteswar gegründeten Karar Ashrams (Swami Yogaswarananda Giri).

Zitate[Bearbeiten]

Mit Hilfe einer gleichmäßigen Atmung kann man Gott in der Hypophyse und der Fontanelle wahrnehmen. Wenn man sich exakt auf diese Stelle konzentriert, empfindet man dort ein Gefühl der Schwere, die Berührung Gottes in der Fontanelle. Jeder Atemzug vermittelt umgehend dieses Gefühl der Schwere oben auf dem Kopf. Außerdem wird durch die vermehrte Aufnahme von Sauerstoff bei der tiefen Einatmung die körperliche, geistige und spirituelle Entwicklung gefördert.
„Kriya Yoga“ von Paramahamsa Hariharananda

Literatur[Bearbeiten]

  • Paramahansa Yogananda: Autobiographie eines Yogi, div. Ausgaben. Die gemeinfreie Erstfassung, USA 1946, ist aus wikisource abrufbar (Autobiography of a Yogi). Yogananda selbst erweiterte das Buch später mehrfach durch Anmerkungen und Nachbesserungen. Nach Yoganandas Ableben, 1952, wurden auch Kommentare durch den Rechteinhaber der späteren Versionen, SRF, hinzugefügt.
  • Paramahamsa Yogananda: Gott spricht mit Arjuna: Die Bhagavad-Gita. Verlag Self-Realization Fellowship, 2005, ISBN 0-87612-032-X.
  • Roy Eugene Davis: Kriya Yoga – Pfad des Lichts. Books on Demand, 2000, ISBN 3-8311-1154-5.
  • Paramahamsa Hariharananda: Kriya Yoga. Diederichs, 2004, ISBN 3-7205-2556-2.
  • Janakananda: Yoga oder Liebe deinen Nächsten als dein Selbst. Herbert Utz Verlag, München 2012, ISBN 978-3-8316-4142-0

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Zur Schreibweise siehe den Artikel Paramahamsa. Ältere Formen waren Paramahansa und Paramhansa, wie Yogananda noch 1946 die Erstausgabe seiner Autobiografie signierte. Mit-Grund unterschiedlicher Transkriptionen ist, dass die 50 „Samen-Silben“ des Sanskrit bloß ungenau in andere Schriften übertragbar sind.
  2. „Selbst“ bedeutet in diesem Zusammenhang nicht das „Ego“ sondern die Göttlichkeit jedes Wesens. Selbstverwirklichung erfordert die Auflösung von Avidya (Unwissen) und karma und bewirkt Liebe zu allen Mitgeschöpfen.
  3. Baba, Vater, ist die auf Hindi immer noch gebräuchliche Anrede an Mönche. Die Nachsilbe -ji drückt besondere Verehrung aus. Das Wort entspricht etwa der deutschen Anrede Hochwürden.
  4. Siehe Self-Realization Fellowship.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kriya Yoga – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien