Krokodil (Lokomotive)

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SBB Historic Krokodil Lokomotive Ce 6/8III in grüner Farbgebung in Oberbuchsiten, 2011

Als Krokodil-Lokomotive[1][2][3] wird eine längere symmetrische Elektrolokomotive bezeichnet, bei der das Fahrwerk auf zwei Rahmen aufgeteilt ist, die jeweils mit längeren, niedrigen und schmalen Vorbauten sowie einer offenen Plattform versehen sind. Von den beiden Rahmen mit je einer Laufachse und den über Schrägstangen angetriebenen Antriebsachsen und Elektromotoren wird gelenkig ein kürzerer Lokomotivkasten als Mittelteil getragen, in dem die beiden Führerstände untergebracht sind und auf dessen Dach sich zwei Scherenstromabnehmer befinden.

Die ersten Nachweise für den Spitznamen Krokodil-Lokomotive beziehen sich auf die grünen Märklin-Modelle in Spur 0, Artikel CCS 66/12920, sowie Spur 1, Artikel CCS 66/12921 die sich bei Fahrten durch Weichenstraßen und Gegenbögen wie ein Reptil durch die Kurven schlängeln und erstmals im Märklin-Katalog von 1933/1934 so bezeichnet werden. Sie sind eine Nachbildung der Ce 6/8II- und Ce 6/8III-Güterzuglokomotiven der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) die ab 1919 in Betrieb gesetzt wurden.

Begriff Krokodil-Lokomotive[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es wird davon ausgegangen, dass die 1933 von Märklin eingeführte Bezeichnung Krokodil-Lokomotive schon bald nicht mehr nur von Modelleisenbahnern verwendet, sondern auch auf die Vorbildlokomotiven übertragen wurde.[4] Der Begriff stammt somit ursprünglich nicht aus dem Umfeld der Eisenbahn. Es gibt keine Nachweise, dass der Begriff bis in die 1970er Jahre für andere Lokomotiven verwendet wurde, als für die SBB Ce 6/8II und Ce 6/8III, die SBB De 6/6, die RhB Ge 6/6I und die DB-Baureihen E 93 und E 94 (KLE 2). Selbst Märklin verwendet in seinem Katalog von 1967 den Begriff Krokodil-Lokomotive für die E 94 nicht, sondern den Begriff schwere elektrische Güterzuglokomotive.[5]

In den Standardwerken des Eisenbahners und Modelleisenbahners Peter Willen, Lokomotiven der Schweiz 1, Normalspur Triebfahrzeuge und Lokomotiven der Schweiz 2, Schmalspur Triebfahrzeuge aus dem Jahre 1972 (beide 2. Auflage), aus dem Orell Füssli Verlag, findet sich der Begriff Krokodil-Lokomotive nicht. Weder bei den verschiedenen SBB Ce 6/8 und Be 6/8 noch bei der De 6/6 und auch nicht bei den RhB Ge 6/6 I.

Aber im Standardwerk von Claude Jeanmaire-dit-Quartier: Die elektrischen und Diesel-Triebfahrzeuge schweizerischer Eisenbahnen. Fünfter Teil: Die Lokomotiven der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB). Archiv Nr. 36, aus dem Jahre 1979, aus dem Verlag Eisenbahn, ISBN 3-85649-036-1, findet sich der Begriff Krokodil-Lokomotive bei den verschiedenen SBB Ce 6/8 und Be 6/8 Lokomotiven. Dies jedoch mit der Einschränkung inoffiziell. Die SBB De 6/6 werden als kleine Krokodil-Lokomotiven bezeichnet.

Erst mit der Verwässerung des Begriffes Krokodil Lokomotive ab den 1980er Jahren wurde der Begriff auch anderen Lokomotiven zugeordnet. Selbst dann, wenn wesentliche Merkmale eines echten Krokodils seitens des Erscheinungsbild, der Proportionen, oder der Gangweise nicht wiedergeben wurden. Beispielsweise die grüne Farbgebung oder die längeren, niedrigen, schmalen und schräg ansteigenden Vorbauten und des kürzeren Lokomotivkastens für einen wohlproportionierten Kopf, Körper und Schwanz, den Stangenantrieb und eine gelenkige Bauweise für den typischen Gang.

Schweizer Krokodil Ce 6/8 II und Ce 6/8 III[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SBB Ce 6/8III 14301–14318

Der Spitzname Krokodil-Lokomotive fand schon im Märklin-Katalog von 1933/1934 Verwendung und bezieht sich ursprünglich auf die Märklin-Modelle der Ce 6/8II, später teilweise Be 6/8II und Ce 6/8III, später teilweise Be 6/8III der SBB, die von der Maschinenfabrik Oerlikon (MFO) und der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) in Winterthur für den schweren Güterzugdienst auf der Gotthard-Bergstrecke entwickelt wurden. Um die langen Lokomotiven in den engen Kurven fahrbar zu machen, wurde das Fahrwerk auf zwei Rahmen aufgeteilt, die mit einer Kurzkupplung verbunden und mit längeren, niedrigen und schmalen Aufbauten versehen sind. Von den beiden Fahrwerken wird ein kurzer Lokomotivkasten getragen der keine Zugkräfte aufnehmen muss und in dem die beiden Führerstände und der Transformator untergebracht ist. Die Dreiteilung in „Schnauze“, „Körper“ und „Schwanz“, die an den Gang eines Krokodils erinnernden rotierenden Bewegungen der Kuppelstangen sowie die grüne Farbe dürften hauptsächlich zur Entstehung des Spitznamens beigetragen haben.

Die Krokodil-Lokomotiven Ce 6/8II unterscheiden sich von den Ce 6/8III optisch im Wesentlichen dadurch, dass die Ce 6/8II einen Antrieb über Vorgelegewelle, Dreiecksstangen, Blindwelle und Kuppelstangen hat, die Ce 6/8III hingegen einen Winterthurer Schrägstangenantrieb. Im Lauf der Zeit stellte sich heraus, dass die Ce 6/8III mit dem Winterthurer Schrägstangenantrieb bei höherer Geschwindigkeit einen unruhigeren Lauf als die Ce 6/8II haben. In der Westschweiz besitzen diese Maschinen darum auch den Spitznamen Berceuse, deutschsprachig Schaukelstuhl.

Heute werden die SBB Ce 6/8II und Ce 6/8III verschiedentlich auch als Schweizer Krokodil, SBB-Krokodil oder grosses SBB-Krokodil bezeichnet.

Mehrere Lokomotiven sind erhalten geblieben, darunter die Be 6/8II Nr. 13254 im Verkehrshaus in Luzern in SBB-Grüner Farbgebung. Ein Grossteil davon ist betriebsfähig erhalten geblieben, darunter die Ce 6/8II 14253 von SBB Historic in SBB brauner[6] Farbgebung.

Rhätisches Krokodil Ge 6/6 I[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

RhB Ge 6/6 I Krokodil der Rhätischen Bahn

Die Ge 6/6 I ist eine braune meterspurige und elektrische Universallokomotive der Rhätischen Bahn (RhB), die ab 1921 in Betrieb gesetzt wurde. Sie ähnelt in vielen Punkten den Krokodil-Lokomotiven Ce 6/8 II und Ce 6/8 III der SBB. Sie kann als kleiner Bruder dieser beiden Lokomotiv-Serien bezeichnet werden, besitzt jedoch keine Vorlaufachsen und keine offene Plattform an den Lokomotivenden. Von den Eisenbahnfreunden wird sie deswegen als Rhätisches Krokodil bezeichnet, obschon beim Personal der RhB schon lange die Bezeichnung C C, entsprechend der Achsfolge C'C' als Spitzname geläufig ist.

Seetal-Krokodil De 6/6[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SBB De 6/6 Seetalbahn-Krokodil

Die De 6/6 ist eine elektrische ursprünglich SBB-grüne[7], später rotbraune[8], dann braunrote[9] Güterzuglokomotive der SBB, die 1926 spezifisch für die Bahnstrecken der ehemaligen Seetalbahn beschafft und in Betrieb gesetzt wurde. Sie ist vom äusseren Ansehen, wie auch von den Proportionen her, auffallend ähnlich wie| das meterspurige Rhätische Krokodil Ge 6/6 I, das ebenfalls einen Winterthurer Schrägstangenantrieb und keine Laufachsen hat. Sie besitzt im Gegensatz zum Rhätischen Krokodil offene Plattformen an den Lokomotivenden wie die Krokodil-Lokomotiven Ce 6/8II und Ce 6/8III der SBB, aber nur einen in der Mitte des Lokomotivkastens angeordneten Scherenstromabnehmer. Von den Eisenbahnfreunden wird sie schon lange als Seetal-Krokodil bezeichnet.

Österreichisches Krokodil Reihe 1100 und 1100.1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Österreichische 1189.05 (1985)

Die BBÖ 1100 und 1100, später ÖBB 1089 und 1189 sind elektrische Schnellzuglokomotiven in ursprünglich grüner Farbgebung, die ab 1923 am Arlberg in Betrieb gesetzt wurden. Sie entsprechen in sämtlichen relevanten Punkten den Krokodil-Lokomotiven Ce 6/8 II und Ce 6/8 III der SBB. Von den Eisenbahnfreunden werden sie deswegen als Krokodil-Lokomotive oder Arlberg-Krokodil bezeichnet, obschon beim Personal die Bezeichnung Neinundochzger für 89, entsprechend einem Teil der Baureihenbezeichnung, als Spitzname geläufig ist.[10]

Deutsches Krokodil Baureihen E 93 und E 94 (KLE 2)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Baureihe E 93 und E 94, letztere auch als Kriegselektrolokomotive 2 (KLE 2) bezeichnet, ist eine grüne elektrische Güterzuglokomotive die ursprünglich an die Deutsche Reichsbahn geliefert wurden. Beide Lokomotivbaureihen werden schon lange als Deutsche Krokodil-Lokomotiven[11] bezeichnet, Obschon sie doch in einige Punkten vom den Krokodil-Lokomotiven Ce 6/8 I und Ce 6/8 II abweicht, so haben sie einen Tatzlagerantrieb und keinen Stangenantrieb, keine offene Plattform und kürzere, niedrige und breite statt keine längere, niedrige und schmale Vorbauten. Die Baureihe 1020 der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) entspricht der Baureihe E 94. Von der Baureihe E 94 waren mehrere Lokomotiven Ende der 1980er Jahre auch in der Schweiz bei den SBB im Einsatz.

Französische Krokodile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Französische SNCF CC 1101 Mille Pattes in Villeneuve-St-Georges
Grüne SNCF BB 12125 in der Cité du Train in Mülhausen

Die Serie E 1000 mit dem Spitznamen Mille Pattes, deutschsprachig Tausendfüßer, der Chemin de Fer de Paris à Orléans (P.O.), die bei der SNCF als CC 1100 lief, hatte einen Stangenantrieb, aber einen starren einteiligen Lokkasten.[12]

Verschiedentlich findet sich ausserhalb Frankreichs die Bezeichnung „französisches Krokodil“[13] auch für die Baureihen BB 12000, BB 13000, CC 14000 und CC 14100 der SNCF. In Frankreich werden sie jedoch meist als Fer à repasser, deutschsprachig Bügeleisen, bezeichnet. Die ursprünglich grünen Loks ähneln von den Proportionen her den Ce 6/8I und Ce 6/8II der SBB, haben aber keine Gelenke, sondern einen Rahmen. Sie weisen weder Laufachsen noch einen Stangenantrieb auf, sondern einen Einzelachsantrieb wie die deutschen Baureihen E 93 und E 94. Eine Lokomotive dieser Baureihe war bei der Ausstellung von Krokodilen aus ganz Europa 1979 im Verkehrshaus Luzern ausgestellt. Mit Stand 2020 ist nicht bekannt, dass die an die Luxemburgische Staatsbahn gelieferte Serie 3600, die der französischen Serie BB 12 000 entspricht, als Krokodil[14] bezeichnet wird; diese Maschinen waren aber auch nie grün lackiert.

Die Bezeichnung Crocodile, deutschsprachig Krokodil, hat in Frankreich vor allem ein Zugbeeinflussungssystem.

Weitere Krokodil-Lokomotiven[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Krokodil-Lokomotive wurde in der Folgezeit durch das Internet und die aufkommenden Modelleisenbahn- und Eisenbahn-Internetforen ab Mitte der 2000er Jahre verwässert und ging auch für visuell ähnlich aussehende und / oder technisch ähnlich konstruierte Lokomotiven in den Sprachgebrauch ein, selbst dann, wenn diese Lokomotiven nie grün waren, keinen Stangenantrieb sowie keine längeren, niedrigen und schmalen Aufbauten haben. In diesem Zeitraum entstanden auch Begriffe wie echte Krokodile, unechte Krokodile, kleine Krokodile oder auch Volkskrokodil, nachdem schon zuvor Begriffe wie kleines und grosses Krokodil bestanden haben.

Eine andere Quelle[15] führt den Namen Krokodil-Lokomotive jedoch auf John Cockerill zurück, dessen Lokomotivfabrik Cockerill 1851 eine ähnlich aussehende Dampflokomotive herstellte, die Seraing der k.k. Südlichen Staatsbahn. Hierzu gibt es jedoch keine zeitgenössischen Belege. Vielmehr handelt es sich um eine Verwechslung des Begriffes Cockerill als Familienname und Firmenname mit der englischsprachigen Bezeichnung für Krokodil: Crocodile. Gelenkig konstruierte Dampflokomotiven haben eigenständige Namen für die Bauart. Beispielsweise Fairlie-, Mallet (Lokomotive)-, Garratt (Lokomotive)-Lokomotive.

Verwässerung des Begriffs Krokodil-Lokomotive[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Modelleisenbahn bezieht sich der Name Krokodil-Lokomotive meist auf die SBB Ce 6/8[16] und Ce 6/8[17] und das Seetal-Krokodil, das Rhätische Krokodil und die Österreichischen Krokodile der Reihen 1100 und 1100.1. Die deutschen Krokodile der Baureihen E 93 und E 94 (KLE 2) und die französischen Krokodile der Serien BB 12000, BB 13000, CC 14000 und CC 14100 wurden in jüngerer Zeit nicht mehr in dem Umfang so bezeichnet, haben doch beide Lokomotivtypen wesentliche Merkmale eines Krokodils nicht, beispielsweise den Stangenantrieb.

Bezüglich den ursprünglichen Märklin-Tinplate-Krokodil-Lokomotiven sind folgende Begriffe gängig:

Märklin Spur 0 Tinplate Volkskrokodil RV 66 12960
  • Echte Krokodil-Lokomotive oder original Krokodil-Lokomotive: Eine Krokodil-Lokomotive hergestellt durch die Firma Märklin. Es gibt sowohl grüne, braune wie auch weisse Krokodil-Lokomotiven. Es gilt als erwiesen, dass Märklin für einzelne Kunden auch wenige braune Krokodil-Lokomotiven herstellte. Auch einzelne weisse mit der Aufschrift New York Central Lines[18] gibt es, die Märklin kurz vor dem Zweiten Weltkrieg noch für den amerikanischen Markt produziert hat.
  • Replica Krokodil-Lokomotive: Ein in jünger Zeit durch Dritte nachgebaute Krokodil Lokomotive in grüner, brauner oder weisser Farbgebung. Beispielswiese durch die Firmen Hehr oder Selzer.[19]
  • Gefälschte Krokodil-Lokomotive: Als echtes Märklin Lokomotive ausgegebenes, meist entsprechend nachbearbeitetes Replica einer Krokodil Lokomotive oder Nachbauten aus Osteuropa.
  • Volkskrokodil: Die damals von der Firma Märklin gebaute Nachahmung in der Spur 0 und Spur 1 mit dem Stangenantrieb war nicht gerade billig. Märklin produzierte deswegen auch eine stark vereinfachte und verkürzte Nachahmung die für die damaligen Modelleisenbahner erschwinglich war.

Bei den Kleinserienherstellern und Modellbauern sieht es ein wenig anders aus. Hier gibt es eine Tendenz zur Verwässerung, wohl auch aus Marketinggründen.

Rangier-Krokodil Ee 6/6[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Baureihe SBB Ee 6/6 der SBB wird Rangier-Krokodil genannt.

Bernina-Krokodil Ge 4/4[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

RhB Ge 4/4 182 im Verkehrshaus Luzern

Als Bernina-Krokodil wurde bei der Berninabahn die ursprüngliche Lokomotive Ge 4/4 82 in Anlehnung an die Maschinen der benachbarten Rhätischen Bahn bezeichnet.

BVZ-Krokodil HGe 4/4 11–15[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der zur Matterhorn-Gotthard-Bahn fusionierten ehemaligen Brig-Visp-Zermatt-Bahn, ursprünglich Visp-Zermatt-Bahn, werden die BVZ HGe 4/4 11–15 aufgrund ihres Aussehens als BVZ-Krokodil bezeichnet. Es handelt sich dabei aber um „unechte Krokodile“, da die Lokomotiven über einen einteiligen, nicht gelenkigen Aufbau und zwei Drehgestelle verfügen.

Umgekehrt wird die Gm 4/4, die technisch gesehen ein Krokodil ist, als Elch bezeichnet.

Preußische EG 511 bis EG 537[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch die Lokomotiven der DR-Baureihe E 71.1, ursprünglich preußische EG 511 bis EG 537, werden wegen ihrer Bauform als Krokodil bezeichnet.

Baskisches Krokodil FEVE-Baureihe 4000[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lokomotive 4001 im Jahr 1977 an der Spitze eines Zuges in Bilbao Axturi

1928 baute Brown, Boveri & Cie. (BBC) und die Forges Usines et Fonderies Haine-Saint-Pierre (FUF) im Rahmen der Elektrifizierung von Meterspurstrecken im Baskenland zehn Elektrolokomotiven der späteren FEVE-Baureihe 4000 für die damalige Compañía de Ferrocarriles Vascongados. Im Zusammenhang mit der 1992 erfolgten Übernahme von zwei meterspurigen Mallet-Dampflokomotiven aus Portugal durch La Traction im Schweizerischen Jura wurde auch die der Ferrocarriles de Vía Estrecha (FEVE) gehörende Lokomotive Nummer 4004 aus Spanien in die Schweiz defekt eingeführt und als Ge 4/4 4004 bezeichnet. Deutschschweizer Hobby-Eisenbahner bezeichneten diese Lokomotiven mit dem Spitznamen Krokodil-Lokomotiven, spanischsprachig Cocodrilo, wohl wegen visueller Ähnlichkeiten mit den deutschen Krokodil-Lokomotiven der Baureihen E 93 und E 94 (KLE 2) sowie den von Hobby-Modelleisenbahner und Hobby-Eisenbahner ebenfalls als BVZ-Krokodil bezeichneten BVZ HGe 4/4 11–15 der ehemaligen Brig–Visp–Zermatt-Bahn (BVZ). Genaugenommen bezeichneten die Hobby-Eisenbahner die Lokomotive als unechtes Krokodil weil die Lokomotive wie die BVZ-Krokodil keine gelenkige Bauweise hat. Die Aufarbeitung der Lokomotive scheiterte. Die zerlegte Lokomotive wurde im Jahre 2015 entsorgt. Die Lokomotive und die Bezeichnung gerieten wieder in Vergessenheit. Es gibt keine übereinstimmenden Belege, dass diese Lokomotive, ausser von den damaligen Deutschschweizer Hobby-Eisenbahnern als Krokodil-Lokomotiven bezeichnet wurden. Auch in den angegebenen Referenzen von Theo Stolz findet sich dieser Begriff Krokodil-Lokomotiven nicht.

Indien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Abwandlung der auf der Gotthardbahn eingesetzten Krokodile stellten die ab 1928 von der Great Indian Peninsula Railway zwischen Bombay und Pune eingesetzten Lokomotiven der EF/1-Klasse dar, die später bei Indian Railways die Bezeichnung WCG-1 trugen. Während der mechanische Teil der ersten zehn Lokomotiven von der Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) in Winterthur gebaut worden war, wurden die folgenden 31 Stück bei der britischen Vulcan Foundry gebaut.[20] Der elektrische Teil aller Fahrzeuge stammte von Brown, Boveri & Cie. (BBC) und wurde von Metropolitan-Vickers in Lizenz gebaut.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Modell[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Märklin-H0-Krokodil von 1959

Die Firma Märklin stellte ihre ersten Krokodil-Lokomotiven im Katalog 1933/34 in Spur 0 und Spur 1 vor und legt seitdem immer wieder neue Serien in allen Spurweiten auf. Ein Original-Spur-1-Krokodil aus jenem Jahr – das ursprünglich 290 RM kostete, damals ein durchschnittlicher Monatslohn eines Arbeiters, wurde 1997 bei Christie’s für 100.000 DM versteigert.[21]

Ein bekannter Hersteller Schweizer Krokodil-Lokomotiven ist Märklin mit den Marken Märklin, Trix, Minitrix und LGB. Märklin stellt diese Lokomotiven mit Stand 2020 für die Spuren 1, H0, N und Z her. Das Rhätische Krokodil wird in der Spur IIm vertrieben. Einen Kunststoffbausatz des Schweizer Krokodils bot die ehemalige Firma RaiMo für die Spur 0 an.

Mehrere Hersteller stellen das deutsche Krokodil mit Stand 2020 für alle gängigen Spurweiten her. Unter den Markennamen Märklin vertrieben wird das deutsche Krokodil für die Spur 1. Von MTH Electric Trains für die Spur 0.[22] Für die Spur H0 wird das deutsche Krokodil unter anderem von Märklin, Trix, Roco und Kleinbahn vertrieben. Für die Spur TT unter dem Markennamen Tillig.

BEMO Modelleisenbahnen stellt das Rhätische Krokodil für die Spuren H0m und H0e her.

Die Firma Lego stellte 1991 unter dem Artikel 4551 ein rote Nachahmung des deutschen Krokodils für das damals neue 9-Volt-System der Spur L vor, welches heute als Rarität gilt. Später folgten dann mit dem Artikel 7898 eine ähnliche grüne Variante und unter dem Artikel 10183 eine rote Nachahmung des Schweizer Krokodils. Seit 2020 gibt es unter der Artikelnummer 10277 ein neues Modell in brauner Farbe.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian Zellweger: Faszination Krokodil: Bilder einer Eisenbahnlegende. AS Verlag, Zürich 2013. ISBN 978-3-906055-15-2
  • Beat Moser, Peter Pfeiffer: Krokodile: Legendäre Elektroloks. Eisenbahn Journal Special 1/2012. VGB Verlagsgruppe Bahn. ISBN 978-3896103574
  • Christian Zellweger: Krokodil: Königin der Elektrolokomotiven. Hrsg. SBB Historic. AS Verlag, Zürich 2005. ISBN 3-909111-19-X
  • Helmut Griebl: Österreichs Krokodil – Die Baureihe 1100/E 89/1089. Eisenbahn-Bildarchiv, EK-Verlag, Freiburg 2005, ISBN 978-3-88255-350-5
  • R. Heym: Krokodile. Impressionen von Klaus Meyer. In: LOK MAGAZIN. Nr. 238/Jahrgang 40/2001. GeraNova Zeitschriftenverlag GmbH München, ISSN 0458-1822, S. 22–25.
  • Ulf Degener: 1995: Adieu Krokodil. Abschied von der ÖBB-Reihe 1020. In: LOK MAGAZIN. Nr. 280/Jahrgang 44/2005. GeraNova Zeitschriftenverlag GmbH München, ISSN 0458-1822, S. 66–68.
  • Peter Willen: Lokomotiven der Schweiz, Band 1: Normalspur-Triebfahrzeuge. Orell Füssli Verlag, Zürich, 1970
  • Peter Willen: Lokomotiven der Schweiz, Band 2: Schmalspur-Triebfahrzeuge. Orell Füssli Verlag, Zürich, 1972

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiktionary: Krokodil – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Märklin Doppelpackung Ce 6/8II, SBB, Spur H0, Artikel 37565, Krokodil-Doppelpackung, Produktbeschreibung abgerufen am 28. Dezember 2019
  2. Betriebsgruppe 13302, Technik der Krokodil-Lokomotive Be 6/8III 13302 abgerufen am 28. Dezember 2019
  3. Helmut Stalder: Krokodil - das Reptil aus der Urzeit der Elektrotechnik lebt NZZ, 29. April 2020, abgerufen am 2. Mai 2020
  4. Schweizer Eisenbahn-Amateur, 1/80, Seite 11.
  5. Deutschsprachiger Märklin Katalog aus dem Jahre 1967, abgerufen am 25. Januar 2020
  6. www.sbbhistoric.ch SBB-Braun, Mischung im Verhältnis von 1:1 aus Nussbraun RAL 8011 und NCS S7020 Y70R abgerufen am 15. Januar 2020.
  7. Märklin Artikel 37524, Seetal-Krokodil, SBB grün, Epoche (Modelleisenbahn) III, abgerufen am 12. Januar 2020.
  8. Märklin Artikel 37511, Seetal-Krokodil, rotbraun, Mitte der 1960er Jahre, Epoche (Modelleisenbahn) III, abgerufen am 12. Januar 2020.
  9. Märklin Artikel 37526, Seetal-Krokodil, braunrot, Museumskokomotive Epoche (Modelleisenbahn) VI, abgerufen am 12. Januar 2020.
  10. B. Studer: Die Krokodile in Österreich. In Eisenbahn Amateur (Zeitschrift) 09/1979, Seiten 527 bis 530.
  11. Interessengemeinschaft Deutsches Krokodil, abgerufen am 16. Januar 2020.
  12. Clive Lamming: Les réseaux français et la naissance de la SNCF (1938–1950). 2006, ISBN 2-8302-2147-8, S. 62 f.
  13. www.maerklin.de, Mehrzwecklokomotive Serie BB 12 000 der Französischen Staatsbahn, Zitat: Wegen ihres ungewöhnlichen Aussehens bekamen sie in Frankreich schnell den Spitznamen Bügeleisen. Im Ausland kennt man sie dagegen als französisches Krokodil. abgerufen am 20. Januar 2020.
  14. www.maerklin.de, Serie 3600 Luxemburgischen Staatsbahnen, kein Krokodil, auch kein Bügeleisen, abgerufen am 20. Januar 2020
  15. 10. Die Entwicklung der elektrischen Lokomotiven.
  16. II
  17. III
  18. www. tischbahn.de Die Legende – das Spur 0 Krokodil CCS 66 / 12920, abgerufen am 26. Januar 2020.
  19. www.selzer-toy-auction.com, Selzer Krokodile, abgerufen am 27. Januar 2020.
  20. WCG-1 (EF/1) ‘Crocodile / Krokodil’ auf irfca.org
  21. Das Krokodil als Märklin-Modell (Memento vom 17. März 2015 im Internet Archive) auf www.maerklin.de, abgerufen am 11. August 2014
  22. www.mthtrains.com, M.T.H. Electric Trains, Katalog 2018 Europäische Modelle, abgerufen am 30. Januar 2020.