Krokodil (Lokomotive)

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Schweizer Krokodil Ce 6/8II als Denkmal in Erstfeld

Als Krokodile werden Elektrolokomotiven bezeichnet, die aus zwei längeren Vorbauten mit den Antriebsachsen und Motoren sowie einem gelenkig verbundenen Mittelteil bestehen, der meist Führerstände und Transformator aufnimmt.

SBB-Krokodil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ursprüngliche Bezeichnung Krokodil geht auf die Baureihen SBB Ce 6/8II und SBB Ce 6/8III der SBB zurück, die von der Maschinenfabrik Oerlikon (MFO) und der Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) für den schweren Güterzugeinsatz auf der steilen Gotthardbahn entwickelt wurden. Um die langen Lokomotiven in den engen Kurven fahrbar zu machen, wurden das Fahrwerk auf zwei Rahmen aufgeteilt, die mit einer Kurzkupplung miteinander verbunden waren und mit niedrigen Aufbauten versehen waren. Von den beiden Fahrwerken wurde ein kurzer Lokkasten getragen, in dem der Transformator und die Führerstände untergebracht waren, der aber keine Zugkräfte aufnehmen mussten. Die Dreiteilung in „Schnauze“, „Körper“ und „Schwanz“, die an den Gang eines Krokodils erinnernden rotierenden Bewegungen der Kuppelstangen sowie die grüne Farbe dürften hauptsächlich zur Entstehung des Spitznamens beigetragen haben. Eine andere Quelle[1] führt den Namen jedoch auf John Cockerill zurück, dessen Lokomotivfabrik Cockerill 1851 eine ähnlich aussehende dreiteilige Dampflokomotive herstellte, die SStB – Seraing.

Heute werden diese Baureihen auch als Schweizer Krokodil oder SBB-Krokodil bezeichnet. Eine solche Lokomotive, die Ce 6/8 II Nr. 14270, war bis 2013 an der Gotthard-Nordrampe beim Bahnhof Erstfeld als Denkmal ausgestellt.[2] Ein weiteres SBB-Krokodil steht im Verkehrshaus in Luzern.

Der Spitzname für das Original entstand und verbreitete sich erst richtig nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Buch «Unsere Lokomotiven» von Markus Hauri, das 1945 erschienen ist, kommt er noch nicht vor. Auch in Paul Winters Buch «Dampfrossromantik am Gotthard» von 1947 kommt der Spitzname zwar vor, aber nicht für diese Elektrolokomotive, sondern für eine russische Dampflokomotive. Die ersten Nachweise für die Bezeichnung "Krokodil" beziehen sich allesamt auf das Märklin-Modell von 1936 und spätere Modelle dieser SBB-Güterzuglokomotive. Es muss also davon ausgegangen werden, dass der Spitzname nicht direkt vergeben, sondern von außen herangetragen wurde.[3]

Weitere Krokodile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Krokodil ging in der Folgezeit als Bezeichnung für ähnlich konstruierte Lokomotiven in den Sprachgebrauch ein.

Rangier-Krokodil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Baureihe SBB Ee 6/6 der SBB wird Rangier-Krokodil genannt.

Seetal-Krokodil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seetal-Krokodil heisst die leichtere De 6/6 der SBB.

Rhätisches Krokodil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Baureihe Ge 6/6I der Rhätischen Bahn wird Rhätisches Krokodil oder RhB-Krokodil genannt.

Bernina-Krokodil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Bernina-Krokodil wurde bei der Berninabahn die Lokomotive Ge 4/4 Nr. 182 in Anlehnung an die Maschinen der benachbarten Rhätischen Bahn bezeichnet.

BVZ-Krokodil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der zur Matterhorn-Gotthard-Bahn fusionierten ehemaligen Brig-Visp-Zermatt-Bahn wird die Baureihe HGe 4/4I aufgrund ihres Aussehens als BVZ-Krokodil bezeichnet. Es handelt sich dabei aber um „unechte Krokodile“, da die Lokomotiven über einen einteiligen, nicht gelenkigen Aufbau und zwei Drehgestelle verfügen.

Umgekehrt wird die Gm 4/4, die technisch gesehen ein Krokodil ist, als Elch bezeichnet.

Österreichisches Krokodil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Österreich war die Baureihe BBÖ 1100 (später ÖBB 1089 und ÖBB 1189) dem Schweizer Krokodil nachempfunden.

Deutsches Krokodil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Deutsches Krokodil oder Eisenschwein (bei der DR) bezeichnet man die Baureihen E 93 (DB: 193) und E 94 (DB: 194; DR: 254), die auch bei der ÖBB als Baureihe 1020 eingesetzt wurde.

Auch die Lokomotiven der DR-Baureihe E 71.1 (ehemalige preußische EG 511 bis EG 537) wurden wegen ihrer Bauform als Krokodil bezeichnet.

Französisches Krokodil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gelegentlich findet man die Bezeichnung Französisches Krokodil für die französische BB 12000 bzw. BB 13000[4], die jedoch meist Bügeleisen genannt wird und als Einrahmenlokomotive ein „unechtes Krokodil“ ist. Eine Lokomotive dieser Baureihe war bei der Ausstellung von Krokodilen aus ganz Europa im Verkehrshaus Luzern 1979 ausgestellt.

Spanische Krokodile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die RENFE-Baureihen 7100, 7200, 7300 und 7500 wurden ebenfalls als Krokodile bezeichnet. Sie entstanden bei spanischen Maschinenbau-Firmen zusammen mit den schweizerischen Elektrounternehmen Brown, Boveri & Cie. (BBC) und Maschinenfabrik Oerlikon (MFO).

Bei der spanischen Schmalspurbahn im Baskenland wurden bis in die 1980er Jahre die von BBC gebauten Lokomotiven der Baureihe 4000 eingesetzt, die wegen ihres einteiligen Rahmens zwar „unechte Krokodile“ waren, aber im Spanischen trotzdem als Cocodrilo bezeichnet wurden.

Indien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Abwandlung der auf der Gotthardbahn eingesetzten Krokodile stellten die ab 1928 zwischen Bombay und Pune in Indien eingesetzten Lokomotiven der Reihe WCG-1 dar. Während der mechanische Teil der ersten zehn Lokomotiven noch von der Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) in Winterthur gebaut waren, wurden die anderen 31 Stück die britische Vulcan Foundry gebaut.[5] Der elektrische Teil aller Fahrzeuge stammte von Brown, Boveri & Cie. (BBC) und wurde von Metropolitan-Vickers in Lizenz gebaut.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Modellbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Märklin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Märklin-H0-Krokodil von 1959

Wegen ihres charakteristischen Aussehens sind die Krokodile auch als Modellbahn-Lokomotiven beliebt. Die Firma Märklin stellte ihr erstes Krokodil im Katalog 1933/34 in Spur 0 und Spur 1 vor und legt seitdem immer wieder neue Serien in allen Spurweiten auf. Ein Original Spur 1-Krokodil aus jenem Jahr – das ursprünglich 290 RM kostete (damals ein durchschnittlicher Monatslohn eines Arbeiters) – wurde 1997 bei Christie’s für 100.000 DM versteigert.[6]

Zum Jahrtausendwechsel stellte Märklin ein außergewöhnliches und für Modelleisenbahner einmaliges Modell des Krokodils vor: Die Millenniumslok in Spur H0. Das Gehäuse ist ein aus ca. 475 Gramm Platin gefertigtes Unikat, versehen mit jeweils einem eingesetzten Rubin als Rangierlichter an den beiden Vorbauten, Führerstandsfenstern aus Echtverglasung, Rädern aus Edelstahl, Gestänge aus Titan, Isolatoren aus Keramik, vergoldeten Kontakten und Leiterbahnen sowie mit Ruthenium veredelten Fahrgestellblöcken. Die Fertigung der Platinbauteile wurde mittels sogenannter verlohrenen Formen, wie beim Glockenbau, durchgeführt. Somit ist jedes dieser Einzelbauteile ein Unikat mit der in jedes Teil miteingegossenen Fertigungsnummer. Mit jedem Modell wurde eine Präsentationsvitrine mit einem Granitsockel mitgeliefert, die Auslieferung erfolgte zudem in einer abschliessbaren Holzschatulle mit einem auf den Käufer ausgestellten Echtheitszertifikat. Jedes Gehäuseteil aus Platin erhielt wie bereits beschrieben, die individuelle Kennzeichnungen der Fertigungsnummer, um ebenfalls die Echtheit eines Modells zu garantieren. Die Sonderauflage wurde nur im Jahr 2000 gefertigt und konnte nur namentlich über einen Fachhändler bestellt werden. Insgesamt wurden mindestens 119 Exemplare gefertigt, wovon auch mindestens eines bei Märklin (im Museum) verblieben ist. Des Weiteren musste die Bestellung mit einer Anzahlung von 18.000 DM auf ein Treuhandkonto bestätigt werden. Der Endpreis richtete sich nach dem Tagespreis von Platin, Märklin hatte bei der Ankündigung pro Modell einen Endpreis von 63.500 DM veranschlagt, welcher dann auf Grund der zum Aulieferzeitpunkt rasant steigenden Platinpreises auf über 90 Tds DM, abhängig vom Auslieferdatum ansteigen konnte. Die Auslieferung erfolgte in der Reihenfolge des Bestelleingangs. Wer bei der Abholung nicht selbst in Erscheinung treten wollte, konnte "seinen" Händler in Vertretung entsenden.[7][8][9][10][11][12]

Andere Hersteller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Roco und Piko werden die schweizerischen, österreichischen und deutschen Krokodile über die Jahre hinweg immer wieder in unterschiedlichen Varianten als H0-Modelle aufgelegt. LGB fertigt das Rhätische Krokodil in Spur G / 2 m, Bemo in Spur H0m.

Die Firma Lego stellte 1991 mit der Nummer 4551 ein rotes Krokodil (Typ ÖBB 1020) für das damals neue 9V System vor, welche heute ebenfalls als Rarität gilt. Später folgten dann mit der Nummer 7898 eine weitere grüne Variante und unter 10183 eine große Version. Von der 4551 werden von Fans regelmäßig auch grüne und blaue Varianten gebaut. Weiterhin gibt es von Fans diverse Bauanleitungen für verschiedene Versionen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian Zellweger: Faszination Krokodil: Bilder einer Eisenbahnlegende. AS Verlag, Zürich 2013. ISBN 978-3-906055-15-2
  • Beat Moser, Peter Pfeiffer: Krokodile: Legendäre Elektroloks. Eisenbahn Journal Special 1/2012. VGB Verlagsgruppe Bahn. ISBN 978-3896103574
  • Christian Zellweger: Krokodil: Königin der Elektrolokomotiven. Hg. SBB Historic. AS Verlag, Zürich 2005. ISBN 3-909111-19-X
  • Helmut Griebl: Österreichs Krokodil - Die Baureihe 1100/E 89/1089 Eisenbahn-Bildarchiv, EK-Verlag, Freiburg 2005, ISBN 978-3-88255-350-5
  • R. Heym: Krokodile. Impressionen von Klaus Meyer. In: LOK MAGAZIN. Nr. 238/Jahrgang 40/2001. GeraNova Zeitschriftenverlag GmbH München, ISSN 0458-1822, S. 22–25.
  • Ulf Degener: 1995: Adieu Krokodil. Abschied von der ÖBB-Reihe 1020. In: LOK MAGAZIN. Nr. 280/Jahrgang 44/2005. GeraNova Zeitschriftenverlag GmbH München, ISSN 0458-1822, S. 66–68.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.gotthardbahn.ch/2_geschichte/geschichte/kap10/kap10-1.htm
  2. Stefan Hotz. Ein Krokodil kehrt zurück. Neue Zürcher Zeitung, 16. September 2013
  3. Schweizer Eisenbahn-Amateur 1/80 Seite 11
  4. Siehe zum Beispiel bei www.bahn.hfkern.de, abgerufen am 8. März 2014
  5. [1] WCG-1 (EF/1) ‘Crocodile / Krokodil’ auf irfca.org
  6. Das Krokodil als Märklin-Modell auf www.maerklin.de, abgerufen am 11. August 2014
  7. Das Märklin-Millenniums-Krokodil | Der Werkstoff für das Jahrtausendprojekt: Platin auf: www.maerklin.de, abgerufen am 11. August 2014
  8. Das Märklin-Millenniums-Krokodil | Spritzgegossene Hochleistungswerkstoffe auf: www.maerklin.de, abgerufen am 11. August 2014
  9. Das Märklin-Millenniums-Krokodil | Über die angemessene Präsentation eines Millenniumsmodells auf: www.maerklin.de, abgerufen am 11. August 2014
  10. Bestellung | Die Abwicklung auf: www.maerklin.de, abgerufen am 11. August 2014
  11. Lokomotive Millennium in Produktdatenbank auf: www.maerklin.de, abgerufen am 11. August 2014
  12. Märklin Firmengeschichte auf: Modellbahntechnik aktuell, abgerufen am 11. August 2014