Krokusse

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Krokusse
Krokus-Arten:Links: Crocus sativus, Rechts: Crocus vernusIllustration aus Thomé: Flora von Deutschland,Oesterreich und der Schweiz (1885)

Krokus-Arten:
Links: Crocus sativus, Rechts: Crocus vernus
Illustration aus Thomé:
Flora von Deutschland,Oesterreich und der Schweiz (1885)

Systematik
Unterabteilung: Samenpflanzen (Spermatophytina)
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Monokotyledonen
Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Schwertliliengewächse (Iridaceae)
Gattung: Krokusse
Wissenschaftlicher Name
Crocus
L.

Die Krokusse (Crocus; in der Schweiz „das Krokus“; Mehrzahl Krokusse) sind eine Gattung der Schwertliliengewächse (Iridaceae). Die etwa 100 Krokusarten sind vor allem im Orient, aber auch in Europa, Nordafrika und bis nach Westchina verbreitet. Sie sind seit Jahrhunderten beliebte Zierpflanzen. Als Frühblüher sind sie in den Parks und Gärten der gemäßigten Breiten auf der ganzen Welt anzutreffen. Einige Arten blühen bereits im Herbst und bilden die Früchte im darauffolgenden Frühjahr. Eine wirtschaftlich bedeutsame Krokusart ist der Safran (Crocus sativus), von dessen griechischem Namen krókos (κρόκος) das lateinisch-deutsche Wort Krokus stammt.[1] Bei der biblischen Rose von Scharon könnte es sich um einen Krokus handeln. Durch gezielte Kreuzungen verschiedene Arten ist eine große Zahl von Sorten und Krokus-Hybriden entstanden die in der Farbe, der Blütezeit und Blühdauer stark variieren. Gelegentlich können Krokusse mit Arten der Gattungen der Zeitlosengewächse Colchicum oder Scheinkrokussen verwechselt werden, die sich im Habitus ähneln und deren Verbreitungsgebiet sich im Mittelmeerraum überschneidet.

Beschreibung und Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krokusse sind ausdauernde krautige Pflanzen. Diese halbwinterharten bis winterharten Geophyten bilden die Knollen als Überdauerungsorgane aus. Die wenigen (meist etwa sechs) grundständigen Laubblätter sind einfach und parallelnervig; sie weisen fast immer einen weißlichen Mittelnerv auf. Der Blattrand ist glatt.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blüten stehen einzeln oder zu vielen in einem stängellosen Blütenstand mit Hochblättern. Die im Frühjahr oder im Herbst erscheinenden Blüten variieren stark in der Farbe, aber Lila, Hellviolett, Gelb und Weiß sind vorherrschend. Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und dreizählig. Die röhrig verwachsenen Blütenhüllblätter stehen in zwei Kreisen; entweder sind alle gleichgestaltig oder die des inneren Kreises sind kleiner. Es ist nur ein Kreis mit drei Staubblättern vorhanden. Die kurzen Staubfäden sind mit der Blütenröhre verwachsen. Die Staubbeutel sind gelb, weiß oder fast schwarz. Drei Fruchtblätter bilden einen im Erdboden befindlichen Fruchtknoten. Der Griffel besteht aus drei oder mehr Griffelästen. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten.

Erst nach der Befruchtung schiebt sich die Frucht aus dem Boden. Es werden dreifächerige Kapselfrüchte gebildet, die viele Samen enthalten.

Herbstblühende Krokusarten, deren Kapselfrüchte erst im folgenden Frühjahr erscheinen, können mit Herbstzeitlosen und anderen Arten aus der Gattung Colchicum verwechselt werden, die allerdings nicht drei, sondern sechs Staubblätter aufweisen. Die Gattung der Scheinkrokusse ähnelt den Krokussen und kommt unter anderem auch im Mittelmeerraum vor. Einige Arten sind als Herbstkrokusse bekannt. Ihre Blütezeit liegt im Spätsommer bis zum Herbst. Häufig erscheinen die Blüten lange vor den Blättern. Einige herbstblühende Arten sind:

  • Crocus banaticus (Syn.: Crocus iridiflorus)
  • Crocus hadriaticus
  • Crocus kotschyanus (Syn.: Crocus zonatus)
  • Crocus ochroleucus
  • Crocus sativus (Safran)

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Verbreitungsgebiet der Crocus-Arten erstreckt sich von Südwest-, Mittel- und Südeuropa, Nordafrika, Südosteuropa, Kleinasien und weiter über Mittelasien bis nach Westchina. Die Verbreitungsgrenzen sind etwa 10° W – 80° O geographische Länge und 30° N – 50°N geographische Breite. Die Mehrzahl der Arten kommt auf dem Balkan und in Kleinasien vor. Das Gebiet ist gekennzeichnet von kalten feuchten Wintern und warmen niederschlagsarmen Sommern. Die Vegetationsperiode der Krokusse liegt vom Herbst bis zum späten Frühjahr. In den trockenen Sommern überdauert die Knolle in der Erde. Mit dem Einsetzen von feuchterem Wetter im Herbst beginnen einige Arten bereits mit dem Blüten- bzw. Blattaustrieb. Die Blütezeit der Mehrzahl der Krokusse beginnt mit dem Ende des Winters. Einige Arten bilden gleichzeitig Blätter und Blüten bei anderen erfolgt die Blattbildung bis zu mehrere Monate nach der Blüte.

Crocus distribution map europe and asia.jpg
Crocus distribution map balkan and minor asia.jpg


Verbreitungskarte von 16 Arten der Gattung Crocus in Europa und Asien. (Versuch auf Grundlage der in den Wikipediaartikeln angegebenen natürlichen Verbreitung (en, de, fr, ru, es).)

Systematik und Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Systematik nach Mathew[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elfen-Krokus (Crocus tommasinianus)
Frühlings-Krokus (Crocus vernus albiflorus)
Crocus sieberi tricolor
Kleiner Krokus (Crocus chrysanthus)

Die Unterteilung der Gattung in mittlerweile fast 100 Arten erfolgte anhand morphologischer Merkmale. Mathew(1982) teilte die Gattung Crocus in zwei Untergattungen ein. Der Subgenus Crocus besitzt nach außen gerichtete Staubblätter (extrorse anthera) der Subgenus Crociris hingegen nach innen gerichtete Staubblätter (introrse anthera). Der Subgenus Crociris wurde geschaffen, um die Art C. banaticus in die Systematik mit einzubeziehen. Der Subgenus Crocus unterteilt sich in zwei Sektionen, die Sektion Crocus und Sektion Nudiscapus. Diese wiederum spalten in sechs bzw. neun Serien auf. [2] Die morphologischen Kriterien sind:

  • Vorhandensein oder Fehlen eines Vorblattes (prophyll), s. a. Blütendiagramm oder Tragblatt
  • Struktur der Knolle insbesondere der äußeren Knollenhülle
  • Blattstruktur
  • Vorhandensein oder Fehlen eines [Deckblatt|Deckblattes] (Braktee)
  • Teilung des Griffels
  • Farbe der Staubblätter
  • Blütezeit

Die folgende Aufstellung enthält die damals bekannten 80 Arten sowie die 11 seitdem neubeschriebenen Arten (mit * gekennzeichnet):[3]

Morphologische Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Phylogenetische Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine 2008 veröffentlichte phylogenetische Analyse der Gattung ergab das unten stehende Kladogramm. Die Zugehörigkeit der einzelnen Arten zu den Serien von Mathew die anhand morphologischer Kriterien definiert wurden, ist mit verzeichnet. Bis auf einige Ausnahmen stimmen die phylogenetisch und morphologisch bestimmten Verwandtschaftsverhältnisse überein. Die Art C. banaticus verliert in diesem System ihre Sonderstellung als eigenständige Untergattung.

Kladogramm:[3]

Untersucht wurden 5 Regionen der Plastiden-DNA: Die drei Proteine codierenden Gene ndhF, accD und rpoC1 und die beiden nichtcodierenden Abschnitte trnH-psbA und rpl36-rps8. In die Analyse einbezogen wurden 86 der 88 Crocus-Arten sowie 50 Unterarten, zusätzlich noch Babiana stricta, Tigrida pavonia, Syringodea bifucata, Romulea tempskyana und Romulea ramiflora als Außengruppe.[3]

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krokusse zählen zu den ersten Blumen im Frühjahr. Ihre Blütezeit beginnt bereits im Spätwinter (Crocus tommasinianus), wo sie in langen Wintern auch im letzten Schnee erscheinen. Einige Wochen später blühen die großblütigen Züchtungen. Etwa 30 Krokusarten sind in Kultur. Die bekannteste ist wohl der Safrankrokus (Crocus sativus) für die Safrangewinnung. Als Zierpflanzen werden hauptsächlich fünf Arten kultiviert: Crocus vernus, Crocus chrysanthus, Crocus flavus, Crocus sieberi und Crocus tommasinianus.

Die meisten Krokusarten sollten an sonnigen oder halbschattigen Stellen in sandigem durchlässigem Boden gepflanzt werden. Einige Arten bevorzugen aber auch schattige und feuchte Plätze. Teilweise eignen sie sich zum Verwildern auf Wiesen (Crocus tommasinianus). Unter Umständen können sie in Steingärten zu „Unkraut“ werden.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • S. I. Ali, Brian Mathew: Crocus. In: Flora of Pakistan, Volume 202 (online)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hjalmar Frisk: Griechisches etymologisches Wörterbuch. 3 Bände, Heidelberg 1960–1972, Band I, S. 23
  2. Brian Mathew: Crocus: A Revision of the Genus Crocus., Timber Press, 1983, ISBN 0-917304-23-3.
  3. a b c Gitte Petersen, Ole Seberg, Sarah Thorsøe, Tina Jørgensen, Brian Mathew: A phylogeny of the genus Crocus (Iridaceae) based on sequence data from five plastid regions. In: Taxon Volume 57, Issue 2, Mai 2008, Seiten 487–499.
  4. Lorenzo Peruzzi, Angelino Carta, Crocus ilvensis sp. nov. (sect. Crocus, Iridaceae), endemic to Elba Island (Tuscan Archipelago, Italy). In: Nordic Journal of Botany, Volume 29, 2011, S. 6-13.
  5. Osman Erol, Levent Can, Levent Şık: Crocus demirizianus sp. nov. from northwestern Turkey. In: Nordic Journal of Botany, Volume 30, Issue 6, Dezember 2012, Seiten 665–667 doi:10.1111/j.1756-1051.2012.01684.x

Weiterführende Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • J. Ruksans: Crocuses. A complete guide to the genus: 1-216. Timber Press, Portland, London, 2010.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Krokus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Krokus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien