Kronleuchter

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Kronleuchter aus Murano-Glas in der Ca’ Rezzonico, Venedig

Ein Kronleuchter (auch Lüster, in Österreich Luster) ist ein Beleuchtungselement, das zumeist von der Decke hängt und durch die Verwendung von mehreren Lichtquellen und – häufig – Elementen zur Lichtbrechung (meist aus Metall, Edelstein, Glas oder Kunststoff) ein Lichterspiel produziert. Kronleuchter werden oft in hervorgehobenen Sälen, aber auch in Privathaushalten zu Repräsentationszwecken verwendet.

Geschichte und Formen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reifenkrone[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einer der ersten bekannten Kronleuchter ist eine 16-flammige Öllampe aus Bronze aus dem 5. Jahrhundert vor Christus, die in Camucia bei Cortona gefunden wurde. Diese „Hängeampel“ erinnert jedoch eher an ein verziertes Becken, das mit einem Schaft an die Decke montiert wird. Um den Beckenrand sind Öllampen kreisrund angeordnet. Diese Beckenform dürfte im Laufe der Zeit ihre Füllung in der Mitte verloren haben, sodass sie zu einem Reifen an Ketten wurde. Koptische Ampelkronen aus dem 5. Jh. nach Christus zeigen schon die eigentliche „Kronenform“ durch einen breiten Reifen, der von drei Ketten gehalten wird und von dem Kerzenarme wie die Zacken einer Krone abstehen.

Die Verbreitung des Christentums in Europa und nicht zuletzt die Bestrebungen Karls des Großen, das antike Erbe wiederzubeleben, führten letztlich dazu, dass die koptische Ampelkronenform als Radleuchter auch Einzug in europäische Kirchen und Repräsentationsräume fand. Einige der großen Ringkronen aus dem 12. Jahrhundert sind noch immer erhalten.

Schaftleuchter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reifenkronen waren Kirchen und großen repräsentativen Hallen vorbehalten, für den privaten Bereich verwendete man eher einfache Kerzen oder Öl-Ampeln bzw. einfache Kreuzarmen aus Holz, die durch Ketten oder einen einfachen gerade geschmiedeten Schaft gehalten wurden. Diese Schaftform wurde dann in der Gotik weiterentwickelt und es entstanden aufwändige Messingleuchter, die bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts weiter entwickelt wurden. Oft verzierte man diese hochpolierten, goldglänzenden Leuchter mit Reflektoren und behängte sie mit Kristall- oder Glaselementen.

Die meisten Kronleuchter in lutherischen Kirchen der frühen Neuzeit sind Stiftungen, entweder von Privatpersonen oder von Korporationen. In der Regel wurden bei solchen Stiftungen auch die Finanzierung der Kerzen geregelt. Privatpersonen stifteten ein Kapital, von dessen Zinsen die Kerzen „zu ewigen Zeiten“ bezahlt werden sollten; Korporationen verpflichteten sich, die Kerzen aus ihren laufenden Einnahmen zu finanzieren. Die von Privatpersonen gestifteten Leuchter hingen meistens ursprünglich über den Gräbern der Stifter.[1]

Kristallleuchter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entwicklung in der Glasherstellung im 18. Jahrhundert ermöglichte die billigere Produktion des Bleikristalls, was dazu führte, dass die Lichtbrechung des Kristalls schnell ein beliebter Zusatz zu den Kronleuchtern wurde.

Berühmte Leuchter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einer der größten Kronleuchter der Welt befindet sich im Wiener Rathaus. Der Prunkleuchter im Sitzungssaal des Gemeinderates hat ein Gewicht von 3,2 Tonnen und einen Durchmesser von mehr als fünf Metern. Er wurde ursprünglich für die Weltausstellung 1878 in Paris gebaut und danach im Wiener Rathaus aufgehängt. Um die einzelnen Glühlampen leichter wechseln zu können, wurde nachträglich im Inneren des Kronleuchters ein Wartungsgang aus Panzerglasplatten eingebaut. Der Kronleuchter wurde von Friedrich von Schmidt entworfen und vom k.u.k. Hoflieferanten der Bronze- und Silbermanufaktur Dziedzinski & Hanusch hergestellt.

Kronleuchter im Dolmabahçe-Serail, Istanbul

Der Kronleuchter im Muayede Salonu des Dolmabahçe-Serails in Istanbul gehört mit seinen 4,5 Tonnen Gewicht und 750 Lampen ebenfalls zu den größten Kronleuchtern der Welt und wurde für den Erbauer des Serails, Sultan Abdülmecid I., von der Firma Hancock, Rixon & Dunt in London hergestellt. Durch das Auffinden eines Kaufbelegs ist die angebliche Schenkung des Kronleuchters durch Queen Victoria widerlegt.[2]

Der wohl größte Kronleuchter der Welt hängt in der Gewölbedecke der Scheich-Zayid-Moschee. Er hat einen Durchmesser von 10 Meter, eine Höhe von mehr als 15 Meter und ein Gewicht von 12 Tonnen. Bestückt ist er mit 15.500 dimmbaren LEDs, die die verschiedenfarbigen Swarovski-Kristalle funkeln lassen. Er wurde von der Firma Faustig aus Stockdorf bei München gebaut.

Hersteller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den bekanntesten Herstellern in Österreich-Ungarn zählen E. Bakalowits’ Söhne, J. & L. Lobmeyr, Jos. Zahn & Co. (heute Teil von Lobmeyr), Carl Oswald & Co., Zeisser, Habiger & Comp. und Dziedzinski & Hanusch. Diese Unternehmen statteten die kaiserlichen Schlösser und Residenzen sowie viele öffentliche und private Gebäude aus. Bakalowits, Lobmeyr und Oswald wurden zu k.u.k. Hoflieferanten ernannt. Ein Unternehmen, das sich nach dem Zweiten Weltkrieg verstärkt im Lustergeschäft betätigten, ist D. Swarovski.

In Böhmen entwickelte sich im 19. Jahrhundert eine Kristallglas-Industrie, die weit über die Grenzen der damaligen k.u.k. Monarchie bekannt war. Die böhmischen Hersteller lieferten das Glas für die Lusterhersteller. Zu den bekanntesten Herstellern von Lusterglas zählten Moser und die Hütte von Gottlob Kralik.

Prominenter französischer Hersteller ist Baccarat.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Claus Bernet: Jerusalems-Leuchter, Jerusalems-Kerzen und Adventskränze, Norderstedt 2015, ISBN 978-3-7347-6605-3.
  • Jürgen Beyer: Stiftung, Platzierung und Funktion von Wand- und Kronleuchtern in lutherischen Kirchen. In: Zeitschrift für Lübeckische Geschichte. In: Band. 92, 2012, S. 101–150.
  • Hella Heintschel, Maria Dawid: Lampen, Leuchter, Laternen seit der Antike. Pinguin Verlag, Innsbruck 1975
  • Käthe Klappenbach: Kronleuchter – Kunstwerk oder Gebrauchsgegenstand? In: Jahrbuch Stiftung Preußische Schösser und Gärten Berlin-Brandenburg. In: Band. 8, 2006, S. 23–32, (pdf), abgerufen am 1. August 2013

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kronleuchter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jürgen Beyer: Stiftung, Platzierung und Funktion von Wand- und Kronleuchtern in lutherischen Kirchen, in: Zeitschrift für Lübeckische Geschichte 92 (2012), S. 101–150.
  2. Güller Karahüseyin (Hrsg.): Shedding Light on an Era. The Collection of Lighting Appliances in 19th Century Ottoman Palaces. National Palaces Department of the Grand National Assembly of Turkey, Istanbul 2009, S.105