Kroppach

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Kroppach (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Kroppach
Kroppach
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Kroppach hervorgehoben
Koordinaten: 50° 42′ N, 7° 44′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Westerwaldkreis
Verbandsgemeinde: Hachenburg
Höhe: 319 m ü. NHN
Fläche: 4,01 km2
Einwohner: 659 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 164 Einwohner je km2
Postleitzahl: 57612
Vorwahl: 02688
Kfz-Kennzeichen: WW
Gemeindeschlüssel: 07 1 43 250
Adresse der Verbandsverwaltung: Gartenstraße 11
57627 Hachenburg
Webpräsenz: www.hachenburg-vg.de
Ortsbürgermeister: Michael Birk
Lage der Ortsgemeinde Kroppach im Westerwaldkreis
Karte
Evangelische Kirche Kroppach
Bahnhof Ingelbach bei Kroppach
Kroppach im Westerwald

Kroppach ist eine Ortsgemeinde im Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz. Die landwirtschaftlich strukturierte Wohngemeinde gehört der Verbandsgemeinde Hachenburg an und ist ein staatlich anerkannter Fremdenverkehrsort.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt 319 m hoch zwischen Hachenburg und Altenkirchen und wird als das Tor zum Natur- und Landschaftsschutzgebiet Kroppacher Schweiz bezeichnet. In Nordosten des Orts liegt Heimborn, im Osten Heuzert, im Südosten Marzhausen, im Südwesten Ingelbach und im Westen Giesenhausen. Zu Kroppach gehört auch der Wohnplatz Haus Mehl.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals wird Kroppach im Jahre 1199 urkundlich erwähnt. Kroppach war lange Zeit der Sitz des Kirchspiels Kroppach sowie eines Zentgerichtes und besaß ein eigenes Gerichtssiegel. Bis Mitte des 17. Jahrhunderts war Kroppach landesherrlich ein Teil der Grafschaft Sayn. Die Einwohner wurden nach der Einführung der Reformation in der Grafschaft Sayn erst lutherisch und später reformiert.[4] Nach der Landesteilung der Grafschaft Sayn im 17. Jahrhundert gehörte Kroppach zur Grafschaft Sayn-Hachenburg. 1661 wurde eine sogenannte Kirchspiel-Winterschule eingerichtet, an der ab 1731 schließlich auch das ganze Jahr über unterrichtet wurde.

1799 ging die Grafschaft auf dem Erbweg an die Fürsten von Nassau-Weilburg. Im Zusammenhang mit der Bildung des Rheinbundes kam die Region und damit auch Kroppach 1806 an das neu errichtete Herzogtum Nassau. Unter der nassauischen Verwaltung war Kroppach dem Amt Hachenburg zugeordnet. Nach der Annexion des Herzogtums Nassau kam der Ort 1866 an das Königreich Preußen und gehörte von 1868 an zur Provinz Hessen-Nassau und zum Oberwesterwaldkreis. Seit 1946 ist Kroppach Teil des Landes Rheinland-Pfalz.

Bevölkerungsentwicklung

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Kroppach, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[2]

Jahr Einwohner
1815 185
1835 183
1871 204
1905 274
1939 362
Jahr Einwohner
1950 477
1961 487
1970 530
1987 567
2005 656

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Kroppach besteht aus zwölf Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.[5]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Schwarz ein goldener Kelch, dessen Fuß mit Edelsteinen besetzt.“

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kroppacher Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kroppach liegt inmitten des 1969 ausgewiesenen Landschaftsschutzgebiets Nistertal, das landläufig als Kroppacher Schweiz bezeichnet wird. Die Kroppacher Schweiz wird von zahlreichen ausgewiesenen Wanderwegen entlang des Laufs der Großen Nister durchzogen. Zu den bekanntesten zählen der Westerwaldsteig, der Marienwanderweg - ein alter Pilgerpfad, der das Zisterzienserkloster Marienstatt mit dem Franziskanerkloster Marienthal verbindet - und der Naturlehrpfad an das Ende der Welt bei Stein-Wingert.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die unter Denkmalschutz stehende evangelische Kirche[6] wird als Entstehungszeitraum das frühe 12. Jahrhundert angenommen, möglicherweise ist sie noch älter. Der Chor und das südliche Seitenschiff sind aus dem 13. Jahrhundert, das nördliche Seitenschiff ist jünger. Der Westturm wurde im Jahr 1835 errichtet, nachdem der alte Turm durch Blitzschlag zerstört worden war.[7] Erst 1950 entdeckte man die im Chor unter dem Verputz verborgenen Fresken aus dem 16. Jahrhundert, die teils figürliche Darstellungen zeigen, teils ornamentalen Charakter haben. Die Kanzel ist ein Werk des 17. Jahrhunderts. Die gusseiserne Grabplatte des Bertram von Holdinckhausen (1576) gilt als bedeutendes Werk der Siegerländer Eisengießerei. Ähnliche Platten, nur mit veränderter Aufschrift, befinden sich im Kloster Marienstatt und in Ferndorf im Siegerland.[8] Erwähnenswert ist auch das steinerne Taufbecken auf eifeler Basaltlava aus romanischer Zeit. Es stand ehemals vor dem Pfarrhaus und befindet sich nun im Landschaftsmuseum Westerwald in Hachenburg.[9]

Weitere Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Naturdenkmal gilt der Eichenbestand an der Jagdhütte in dem Wiesental zwischen Kroppach und Marzhausen. Dort befand sich Altkroppach, eine Wüstung, auf die auch die Flurbezeichnung „Die alte Kroppach“ hinweist. An dieser Stelle war die ältere Siedlungsstelle Kroppachs. Die Aufgabe der Siedlung mag mit der Erbauung der Kapelle und späteren Pfarrkirche Kroppach zusammenhängen.[9]

Der Steinerne Pfeiler, der schon im Wald in der Gemarkung Mudenbach 100 m südlich der Bundesstraße 414 steht, ist wahrscheinlich eine Hoheitssäule, ein Grenzstein oder ein Entfernungsmessstein gewesen. Er trägt die Jahreszahl 1595. Neben der Säule sieht man noch die Fahrspuren der früheren ungepflasterten Köln-Leipziger Straße. Er ist als Kulturdenkmal geschützt.[9]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Josef Born: Evangelische Kirche zu Kroppach, 1. Auflage, Kroppach 1999.
  • Hellmuth Gensicke: Das Kirchspiel Kroppach, in: Nassauische Annalen 83 (1972), S. 209.
  • Siegfried L. Lukowski: Kroppach – unser Dorf. 800 Jahre ...und weiter, Kroppach 1999.
  • Daniel Schneider: Die Entwicklung der Konfessionen in der Grafschaft Sayn im Grundriss, in: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen 58 (2015), S. 74–80.
  • Dieter Trautmann: Das Jahr 1848 und danach im Raume Hachenburg-Kroppach, in: Wäller Heimat 1998, S. 26–34.
  • Dieter Trautmann: Die Flurnamen in der Kroppacher Schweiz, Astert 2013.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kroppach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2015 (Hilfe dazu).
  2. a b Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  3. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile, Seite 47 (PDF; 2,3 MB)
  4. Daniel Schneider: Die Entwicklung der Konfessionen in der Grafschaft Sayn im Grundriss, in: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen 58 (2015), S. 74–80.
  5. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  6. Zur konfessionellen Entwicklung siehe Daniel Schneider: Die Entwicklung der Konfessionen in der Grafschaft Sayn im Grundriss, in: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen 58 (2015), S. 74–80.
  7. Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Westerwaldkreis 18, Seite (PDF; 1,4 MB).
  8. Hermann Josef Roth: Der Westerwald, Köln 1981, S. 77.
  9. a b c Landschaftsmuseum Westerwald Hachenburg: Westerwälder Beiträge 1 - Naturkundliche und kulturhistorische Denkmäler im Westerwald: Kroppacher Schweiz und Hachenburg, Hachenburg 1981, S. 56ff.