Krosno Odrzańskie

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Krosno Odrzańskie
Wappen von Krosno Odrzańskie
Krosno Odrzańskie (Polen)
Krosno Odrzańskie
Krosno Odrzańskie
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Lebus
Powiat: Krośnieński
Fläche: 8,11 km²
Geographische Lage: 52° 3′ N, 15° 6′ OKoordinaten: 52° 3′ 19″ N, 15° 5′ 42″ O
Höhe: 38 m n.p.m.
Einwohner: 11.606
(31. Dez. 2016)[1]
Postleitzahl: 66-600 bis 66-603
Telefonvorwahl: (+48) 68
Kfz-Kennzeichen: FKR
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Zielona GóraBerlin
Schienenweg: Guben–Zbąszynek
Nächster int. Flughafen: Posen-Ławica
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 19 Schulzenämter
Fläche: 211,52 km²
Einwohner: 18.105
(31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 86 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0802063
Verwaltung (Stand: 2011)
Bürgermeister: Marek Cebula
Adresse: ul. Parkowa 1
66-600 Krosno Odrzańskie
Webpräsenz: www.krosnoodrzanskie.pl



Krosno Odrzańskie [ˈkrɔsnɔ ɔˈʤaɲskʲɛ] (deutsch Crossen an der Oder, niedersorbisch Krosyn), ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Lebus.

Krosno Odrzańskie, Luftaufnahme (2017)

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt ca. 50 km südöstlich der Stadt Frankfurt (Oder), rund 30 km westlich der Stadt Zielona Góra sowie ca. 30 km von Guben an der Mündung des Bober in die Oder.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Crossen (Krossen) an der Mündung des Bober in die Oder auf einer Landkarte von 1905
Crossen um 1900
Marienkirche.
Kriegsgefangenenlager Crossen, 1914
Siehe auch: Herzogtum Crossen

Erste Erwähnungen 1005 und 1015[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wurde für das Jahr 1005 erstmals in der Chronik des Thietmar von Merseburg als castrum Crosno erwähnt, als der polnische Herzog Bolesław I. von Kaiser Heinrich II. belagert wurde.[2] Boleslaws Sohn Mieszko II. besiegte im Jahr 1015 in der Schlacht von Crossen die böhmischen Verbündeten des Kaisers.

Schlesische Herrschaft im 12. und 13. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Wiedereinsetzung der Söhne des Herzogs Władyslaw II. des Vertriebenen 1159 in ihre Rechte in Schlesien kam Crossen zum Herzogtum Breslau. Herzog Heinrich I. der Bärtige ließ das Schloss erweitern, die Marienkirche bauen und eine Wehrbefestigung errichten.[3] In dieser Zeit entstanden wahrscheinlich auch das Dominikanerkloster und erhielt der Ort das Stadtrecht. 1238 starb Heinrich der Bärtige in Crossen. Seine Leiche wurde nach Trebnitz überführt und in der dortigen Klosterkirche beigesetzt. 1241 flüchteten die Trebnitzer Nonnen, unter ihnen die heilige Hedwig und Herzogin Anna, Gemahlin Heinrichs II., vor der mongolischen Invasion aus Trebnitz und Liegnitz nach Crossen. Nach Heinrichs II. Tod folgte ihm in der Regierung der älteste Sohn Boleslaw, der 1251 das Glogauer Gebiet an seinen jüngeren Bruder Konrad abtreten musste.

Brandenburger Pfandbesitz 1277 bis 1314[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Crossen wurde 1277 an die Brandenburger Askanier verpfändet und Johann II. führte den Titel Herr von Krossen. 1314 gaben die Askanier Crossen an die Herzöge von Glogau im Austausch gegen Gebiete um Züllichau zurück.

1477 bis 1482[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe Glogauer Erbfolgestreit.

Brandenburgische Herrschaft seit 1482[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Frieden zu Kamenz vom 16. September 1482 kam das Herzogtum Crossen zunächst als Pfandbesitz an Brandenburg.[4] Man einigte sich zum Verzicht Barbaras auf Glogau und Crossen, während Kurfürst Albrecht das Herzogtum Crossen mit den Städten Crossen, Züllichau, Bobersberg und Sommerfeld als Pfand übernahm, wofür er der Tochter 50.000 Taler jährlich zahlen sollte.

1537 kamen Stadt und Herzogtum endgültig zum Kurfürstentum Brandenburg, allerdings weiterhin unter böhmischer Lehnshoheit. Die Kurfürsten nannten sich seitdem auch Herzöge von Schlesien und Crossen und nahmen den schlesischen Adler in ihr Wappen auf.

Kriege im 17. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt 1631 von den Schweden in Brand gesetzt und einschließlich Schloss und Marienkirche vernichtet. Die wiederaufgebaute Stadt wurde zwischen 1634 und 1642 in den Gefechten zwischen den Schweden und den Brandenburgern mehrmals geplündert und zerstört

Im Siebenjährigen Krieg besetzten die Russen nach der Schlacht bei Kay in den Jahren 1759 und 1760 Crossen.

Industrieller Aufschwung im 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1815 wurde Crossen infolge der preußischen Verwaltungsreform zu einer Kreisstadt im Regierungsbezirk Frankfurt. Zwischen 1830 und 1880 erfolgte ein zögernder und langsamer Aufbau der Industrie, insbesondere der Holz- und Fleischverarbeitungsindustrie. Erst 1870 erhielt Crossen mit der Bahnstrecke Guben–Bentschen der Märkisch-Posener Eisenbahn-Gesellschaft Anschluss an das preußische Eisenbahnnetz. Später folgte noch eine Nebenbahn nach Sommerfeld. 1886 wütete ein Wirbelsturm über der Stadt.

Entwicklung bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich in Crossen die Metallindustrie, während der bis ins 19. Jahrhundert betriebene Weinbau zur Liebhaberei Einzelner wurde. 1939 hatte Crossen 10.800 Einwohner.

Bis 1945 war Crossen Kreisstadt des Landkreises Crossen im Regierungsbezirk Frankfurt.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs kam es im Frühjahr 1945 in und um Crossen zu heftigen Kämpfen der deutschen Wehrmacht mit der Roten Armee. 499 Häuser und damit 65 Prozent der Bausubstanz der Stadt wurden zerstört.

In Polen seit 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Kriegsende und Besetzung der Region durch die Rote Armee wurden die deutschen Gebiete rechts der Oder-Neiße-Grenze im selben Jahr unter polnische Verwaltung gestellt. In der Folgezeit wurden die Einwohner von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben. Ein Jahr später hatten etwa 2000 Polen den in Krosno Odrzańskie umbenannten Ort besiedelt. Ab 1955 erfolgte ein langsamer Aufbau der Stadt.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1719: 2200[2]
  • 1750: 2915[2]
  • 1800: 3279[2]
  • 1840: 6300[2]
  • 1859: 6546, darunter 199 Katholiken und 116 Juden[2]
  • 1875: 6786[5]
  • 1880: 6746[5]
  • 1890: 6657, darunter 327 Katholiken und 148 Juden[5]
  • 1895: 7910, darunter 518 Katholiken und 135 Israeliten[4]
  • 1933: 7525[5]
  • 1939: 8633, davon 7863 Evangelische, 532 Katholiken, 72 sonstige Christen und 21 Juden[5]

Jüdische Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Crossen gab es eine jüdische Bevölkerungsgruppe. 1851 wurde eine Synagoge errichtet, die 1938 zerstört wurde.

Slawische Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bevölkerung war ursprünglich slawisch bzw. polnisch. Seit dem 13. Jahrhundert wurde diese von deutschen Zuwanderern verdrängt und assimilierte sich. Aus den Jahren 1525 und 1605 ist bekannt, dass in der Stadt ein slawischer Kaplan tätig war.[6]

Noch bis ins frühe 18. Jahrhundert wurde insbesondere in den Dörfern um Crossen von einigen Bewohnern ein ostniedersorbischer Dialekt gesprochen.

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde (gmina miejsko-wiejska) Krosno Odrzańskie gehören die Ortschaften (deutsche Namen amtlich bis 1945) mit Schulzenamt (sołectwo):

  • Bielów (Bielow)
  • Brzózka (Braschen)
  • Chojna (Friedrichswalde)
  • Chyże (Hundsbelle)
  • Czarnowo (Neuendorf)
  • Czetowice (Zettitz)
  • Gostchorze (Goskar)
  • Kamień (Kähmen)
  • Łochowice (Lochwitz)
  • Marcinowice (Merzdorf)
  • Nowy Raduszec (Neu Rehfeld)
  • Osiecznica (Güntersberg)
  • Radnica (Rädnitz)
  • Retno (Sorge)
  • Sarbia (Münchsdorf)
  • Strumienno (Pfeifferhahn)
  • Szklarka Radnicka (Rädnitzer Hütten Werke)
  • Stary Raduszec (Alt Rehfeld)
  • Wężyska (Merzwiese)

Weiterhin gibt es folgende Ortschaften ohne Schulzenamt: Morsko (Murzig) und Sarnie Łęgi (Rehlang).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundriss des zerstörten Schlosses Crossen
  • Die Stadtpfarrkirche zur Jungfrau Maria aus der Zeit 1450 wurde 1705–1707 barock umgebaut. Sie diente bis 1945 als evangelisches Gotteshaus.
  • Ruine des von Heinrich dem Bärtigen errichteten und 1945 zerstörten Piastenschlosses.
  • Die St.-Andreas-Kirche wurde im 19. Jahrhundert nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel im Stil der Neugotik errichtet.

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • W. Riehl und J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Margrafenthum Nieder-Lausitz. Berlin 1861, S. 527–533.
  • Eduard Ludwig Wedekind: Geschichte der Stadt und des Herzogthums Crossen. Mit einer lithographirten Ansicht und einem Grundriß der Stadt. Crossen 1839 (E-Kopie).
  • Petermann: Beitrag zur Geschichte der Schule in Crossen. In: Jahres-Bericht über die höhere Bürgerschule in Crossen. Crossen 1852, S. 3–16.
  • Karl August Müller: Vaterländische Bilder, oder Geschichte und Beschreibung sämmtlicher Burgen und Ritterschlösser Schlesiens beider Antheile und der Grafschaft Glatz. Zweite Auflage, Glogau 1844, S. 210–214.
  • Siegismund Justus Ehrhardt: Presbyterologie des Evangelischen Schlesiens. Teil II, 1. Hauptabschnitt: Stadt und Fürstenthum Brieg, Liegnitz 1782, S. 618–654.
  • Crossener Tageblatt (Crossener Wochenblatt). Crossen a. O.: 1826 ff.
  • Erich Blunck (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler des Kreises Crossen. Voss, Berlin 1921 (Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg. Bd. 6, Teil 6), (Neue Ausgabe. Andreas Peter, Guben 2011, ISBN 978-3-935881-77-7).
  • Karl Metzdorf: Die Eindeutschung der Ostmark im Mittelalter. Beltz, Langensalza 1925 (Grenzmark-Hefte für Schule und Haus aus allen Gebieten grenzmärkischen Lebens 3, ZDB-ID 2163034-3).
  • Karl von Obstfelder: Chronik der Stadt Crossen. Von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1845 im Auszuge, von 1845 bis 1925 selbständig bearbeitet. 2. Auflage. Zeidler, Crossen a. O. 1925.
  • Karl Metzdorf: Heimatbuch des Kreises Crossen (Oder). Zeidler, Crossen a. O. 1927.
  • 400 Jahre Realgymnasium Crossen an der Oder. Zeidler, Crossen a. O. 1927
  • Jan Muszýnski: Krosno Odrzánskie. Lubuskie Towarzystwo Naukowe. Przeszłość i teraźniejszość. PWN, Warszawa 1972 (Die Stadt Crossen a. d. Oder. Vergangenheit und Gegenwart).
  • Beata Halicka: Krosno Odrzańskie. 1005–2005. Wspólne dziedzictwo kultury. = Crossen an der Oder. Das gemeinsame Kulturerbe. 1005–2005. Wydawnictwo Instytutowe, Skórzyn 2005, ISBN 83-922273-0-1
  • Heimatkarte des Kreises Crossen. Entworfen und gezeichnet von Knorr. Baron, Liegnitz o. J. (3. Auflage), Reprint. Niederlausitzer Verlag, Guben 2005, ISBN 3-935881-23-1 (vor 1945, mehrfarbig, 53 × 63 cm, 1:100 000).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Krosno Odrzańskie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB), abgerufen am 29. September 2017.
  2. a b c d e f W. Riehl und J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Margrafenthum Nieder-Lausitz. Berlin 1861, S. 527–533.
  3. Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 676.
  4. a b Brockhaus' Konversations-Lexikon. 14. Auflage, Band 4, Berlin und Wien 1898, S. 605.
  5. a b c d e http://www.verwaltungsgeschichte.de/crossen.html
  6. Frido Mětšk: Serbsko-pólska rěčna hranica w 16. a 17. lětstotku [Die sorbisch-polnische Sprachgrenze im 16. und 17. Jahrhundert]. In: Lětopis, Reihe B, Band III (1958), Ludowe nakładnistwo Domowina, Budyšin 1958, S. 4–25.
  7. Information im Autorenlexikon Literaturport, Historische Autoren, „G“