Krumme 13

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Die Krumme 13 (seit April 2003 K13-Online), kurz K13, ist ein 1993 von Dieter Gieseking gegründeter Verein für Pädophile. Der Verein tritt für die Legalisierung der Herstellung, des Besitzes und der Verbreitung von Kinderpornografie und Sexualkontakten Erwachsener mit Kindern ein.

Anliegen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein vertritt die sexualwissenschaftlich mit wenigen Ausnahmen abgelehnte Ansicht, dass Erwachsene einvernehmliche sexuelle Kontakte mit Kindern herstellen könnten, die deshalb erlaubt sein sollten. Sexuelle Handlungen mit Kindern unter 14 Jahren sind in Deutschland als sexueller Missbrauch von Kindern gemäß § 176 Strafgesetzbuch (StGB) unter Strafe gestellt. Einvernehmliche Sexualkontakte mit Jugendlichen unter 16 Jahren sind außerhalb von Abhängigkeitsverhältnissen grundsätzlich erlaubt, aber nach § 182 StGB dann als sexueller Missbrauch von Jugendlichen strafbar, wenn eine im Einzelfall festzustellende „fehlende Fähigkeit des Opfers zur sexuellen Selbstbestimmung“ von einem mindestens 21 Jahre alten Täter ausgenutzt wird; sexuelle Handlungen an Jugendlichen gegen Entgelt oder unter Ausnutzung einer Notlage sind grundsätzlich strafbar (siehe auch Schutzalter in Deutschland).

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gruppe fordert die Streichung oder Lockerung der Paragrafen 176 und 182 StGB und die Aufhebung des Paragrafen im Sexualstrafrecht, der die Verbreitung von Kinderpornografie unter Strafe stellt (§ 184 StGB). Ihre Mitglieder streben die Entkriminalisierung dieser Tatbestände an, da deren Bestrafung aus ihrer Sicht sowohl ihre sexuelle Selbstbestimmung als auch diejenige der Kinder einschränken würden.

Gefordert wird eine Senkung des Schutzalters im Sexualstrafrecht von derzeit 14 auf 12 Jahre.[1] In den Paragrafen 176 ff. StGB soll eine Strafausschließungsklausel eingefügt werden, wobei sexuelle Handlungen in dieser Altersspanne nur noch auf Antrag verfolgt werden können. Bei den Paragrafen 184b und c StGB sowie beim Paragraf 201a StGB fordert K13-Online die Rückgängigmachung der letzten Strafverschärfung, die am 27. Januar 2015 in Kraft getreten ist. Als Begründung wird angeführt, dass diese Paragrafen gegen das Bestimmtheitsgebot gemäß Artikel 103 des Grundgesetzes verstießen und damit verfassungswidrig seien.

Gegenpositionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Sexualforschung, Sexualpädagogik und Psychiatrie sind zwischen Erwachsenen und Kindern keine einvernehmlichen Sexualkontakte möglich, weil das Macht- und Kompetenzgefälle zwischen ihnen diese nicht zulasse. Daher sei die von Pädophilen oft behauptete „partnerschaftliche Beziehung“ zu einem Kind eine Illusion. Wissenschaftler heben hervor, dass sexuelle Handlungen Erwachsener an oder mit Kindern deren Persönlichkeit schwere und dauerhafte Schäden zufügen können, auch wenn sie ohne Einwirkung körperlicher Gewalt vorgenommen würden. Das deutsche Strafrecht schützt seit der vierten Strafrechtsreform am 23. November 1973 die „von vorzeitigen sexuellen Erlebnissen ungestörte Gesamtentwicklung des Kindes als besondere Ausprägung des Rechts auf sexuelle Selbstbestimmung“.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Pädophile Dieter Gieseking gründete die K13 1993 in Düsseldorf. Zeitweise deklarierte sich der Verein als „Selbsthilfegruppe“.[2] Die Mitglieder der K13 unterstützten Pädophile dabei, sich öffentlich zu ihrer Neigung zu bekennen. Nachdem die Gruppe dadurch in mehrere Strafverfahren verwickelt wurde, begann sie auch Rechtsberatung und Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Die von Gieseking mit herausgegebene interne Zeitschrift für die Emanzipation der Pädophilie wurde jedoch 1996 nach fünf Ausgaben eingestellt, nachdem Gieseking wegen des Besitzes und Verkaufs von Kinderpornografie für ein Jahr inhaftiert worden war.[3] Der Antrag aus dem Jahr 2001, K13 als gemeinnützigen Verein anerkennen zu lassen, wurde vom Amtsgericht Trier abgelehnt, weil Straftatbestände verharmlost und praktizierende Pädophile in ihrem gesetzwidrigen Tun bestärkt würden.[4]

Seit Juni 2013 ist auf dem Internetportal von Dieter Gieseking unter anderem eine Stellungnahme zu dem in wenigstens sechs Fällen wegen Kindesmissbrauchs verurteilten[5][6] Dieter Ullmann zu lesen: „Aus seiner und auch meiner Sicht geht es um einvernehmliche Sexualität zwischen Kindern und Erwachsenen. Dafür hatte sich Ullmann & die BAG SchwuP eingesetzt – und dafür setze auch ich mich heute ein.“[7]

In einem Interview mit der taz im März 2014 bezeichnete Gieseking sexuelle Beziehungen zu Babys, Kleinkindern und Grundschülern als problematisch, schrieb Zwölfjährigen aber die Fähigkeit zu, in Beziehungen zu Pädosexuellen selbst die Initiative zu ergreifen und zu wissen, was Sexualität ist.[8] Das Blog Die Freie Welt führte im März 2014 ein Interview mit Gieseking zur politischen Debatte um den neuen Bildungsplan in Baden-Württemberg und anderen Bundesländern. Er vertritt die Position, dass „auch Pädophile langfristig vom Bildungsplan profitieren werden“.[9]

Gieseking schrieb wiederholt Petitionen zum Thema Pädophilie.[10]

Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Herbst 2001 waren zwei Mitglieder der K13 wegen der Verbreitung von Kinderpornografie im Internet über die damalige Webseite der K13 angeklagt worden. Dabei ging es um einen angeblich autobiografischen Text („Stefan-Text“), der unter anderem sexuelle Handlungen eines Kindes mit einem Erwachsenen schilderte. Nach Hafturteilen mehrerer Instanzen sprach das Oberlandesgericht Koblenz beide im September 2005 mit einer deutlichen Rüge an die Vorinstanzen frei.[11] Der Freispruch stieß u. a. bei der CDU Rheinland-Pfalz auf scharfe Kritik.[12]

Die Öffentlichkeitsarbeit der K13 stieß auf zunehmenden Widerstand, besonders nachdem über Onlinemedien zu Protesten aufgerufen und die Zeitschrift Der Spiegel im Dezember 2001 über die K13 berichtet hatte.[2] Die Kritiker warfen deren Mitgliedern vor, den sexuellen Missbrauch von Kindern zu verharmlosen und damit Straftaten an Kindern, die ohnehin häufig unangezeigt blieben, zu begünstigen. Pädosexualität sei keine „Kinderliebe“, sondern verletze die Menschenwürde des Kindes.

Nach Protestaktionen von Anwohnern und Kinderschutzvereinen setzte die K13 ihre Aktivitäten ab 2002 in Hamburg-Eidelstedt fort. In jenem Jahr unterschrieben etwa 50.000 Menschen eine Petition des Vereins Schotterblume e. V. (Kontakt- und Informationsstelle für Opfer von seelischer, körperlicher und sexueller Gewalt in der Kindheit und Partnerschaft) an den Deutschen Bundestag, um ein Verbot pädophiler Vereinigungen und der „Verbreitung pädophilen Gedankenguts“ zu erreichen.[13]

Die Hamburger Bürgerschaft befasste sich mit der K13; im Landtag von Schleswig-Holstein wurde eine Kleine Anfrage zum Thema gestellt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pädophile werden langfristig vom Bildungsplan profitieren. Die Freie Welt, 20. März 2014
  2. a b Michael Fröhlingsdorf: Unter der Gürtellinie. In: Der Spiegel. Nr. 49, 2001, S. 69 (online). vom 3. Dezember 2001
  3. Pressetexte auf der Website des Vereins Schotterblume
  4. Peter Ahrens: Sex mit Kindern gemeinnützig? die tageszeitung vom 20. Februar 2002
  5. Dieter Fritz Ullmann: Der pädokriminelle Cheflobbyist, faz.net, 3. Oktober 2013
  6. Missbrauchsdebatte bei Grünen: Pädophilen-Aktivist war verurteilter Straftäter, spiegel.de, 26. Mai 2013
  7. Der Spiegel 22/2013: Späte Widmung an den früheren Sprecher der BAG SchwuP bei den GRÜNEN/AL West-Berlin Dieter Ullmann der 1980er & 1990er Jahre
  8. Nina Apin: Neue Heimat im Internet. die tageszeitung, 13. März 2014
  9. http://www.freiewelt.net/interview/paedophile-werden-langfristig-vom-bildungsplan-profitieren-10027597/
  10. Nina Apin: "Mein Freund ist pädophil - na und?" die tageszeitung, 13. März 2014
  11. OLG Koblenz, Beschluss vom 26. September 2005, 2 Ss 256/05
  12. Pädophilenverein „Krumme 13“ / Hauptverhandlung abgelehnt. CDU-Landtagsfraktion Rheinland-Pfalz, 5. Januar 2006
  13. Schotterblume e. V.: Meldung „Schotterblume“ startet Petition gegen Pädophilen-Vereine und Petitionstext