Krunoslav Draganović

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Krunoslav Stjepan Draganović (* 30. Oktober 1903 in Brčko; † 5. Juli 1983 in Sarajevo, Jugoslawien) war ein römisch-katholischer Priester des Franziskanerordens, Kirchenhistoriker und Ustascha-Funktionär sowie nach dem Zweiten Weltkrieg Fluchthelfer von Kriegsverbrechern.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Draganović war während des Zweiten Weltkrieges als „Umsiedlungs“-Beamter des sogenannten Unabhängigen Staates Kroatien (NDH) für die Deportationen von Juden und Serben verantwortlich und ging 1943 nach Rom. Hier agierte er als Sekretär der kroatischen Nationalkirche im Kloster Istituto San Girolamo degli Illirici in der Via Tomacelli nahe der Vatikanstadt. San Girolamo wurde vom Vatikan als kroatische Sektion der Päpstlichen Hilfskommission (PCA) anerkannt und von Draganović für seine Zwecke genutzt.

So konnte Draganović am Ende und nach dem Zweiten Weltkrieg zusammen mit dem österreichischen Bischof Alois Hudal ein durchorganisiertes Fluchthilfeunternehmen („Rattenlinie“ bzw. „Klosterroute“) aufbauen, das von vielen gesuchten Faschisten und Nationalsozialisten, aber auch vom US-amerikanischen Militärgeheimdienst CIC genutzt wurde. Fast die gesamte Führungsriege des Ustascha-Staates wurde von hier nach Argentinien geschleust (u. a. Ante Pavelić). Klaus Barbie, dem „Schlächter von Lyon“, verschaffte er ein Visum nach Bolivien. Vermutlich wusste der Vatikan um diese Vorgänge, duldete sie jedoch aus seiner Verbundenheit mit dem katholischen kroatischen Regime heraus. Auch der amerikanische CIC arbeitete eng mit Draganović zusammen.

Im Jahr 1967 kehrte Draganović nach Jugoslawien zurück, distanzierte sich von der Ustascha, lobte das Tito-System und lebte als eine Art Internierter bis zu seinem Tod 1983 in einem Kloster in der Nähe von Sarajevo.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Draganovićs Schrift Poviest crkve u Hrvatskoj (Die Geschichte der Kirche in Kroatien) aus dem Jahr 1944.
  • Katolička crkva u Bosni i Hercegovini nekad i danas [Die katholische Kirche in Bosnien und Herzegowina früher und heute]. Zagreb 1934.
  • Massenübertritte von Katholiken zur „Orthodoxie“ im kroatischen Sprachgebiet zur Zeit der Türkenherrschaft. Pontificium institutum orientalium studiorum, Rom 1937.
  • Hrvati i Herceg-Bosna : Povodom polemike o nacionalnoj pripadnosti Herceg-Bosne. „Nova tiskara“, 1940.
  • Povijest hrvatskih zemalja Bosne i Hercegovine [Die Geschichte der kroatischen Länder Bosnien und Herzegowina]. Hrvatsko kulturno družtvo „Napredak“, Sarajevo 1942 (Neuauflage 1998).
  • Katarina Kosača bosanska kraljica (Katarina Kosača, bosnische Königin). 1980.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zdravko Dizdar: DRAGANOVIĆ, Krunoslav. In: Darko Stuparić (Hrsg.): Tko je tko u NDH : Hrvatska 1941.–1945 [Wer ist wer im NDH : Kroatien 1941–1945]. Minerva, Zagreb 1997, S. 96–98 (kroatisch).
  • Miroslav Akmadža: Krunoslav Draganović : Iskazi komunističkim istražiteljima. Hrsg.: Hrvatski institut za povijest (= Bibliotheca Croatica: Slavonica, Sirmiensia et Baranyensia. Band 8). Zagreb 2010, ISBN 978-953-6659-53-1.
  • Background Report on Krunoslav Draganovic, CIA, February 12, 1947 (Memento vom 9. Februar 2007 im Internet Archive)
  • Mark Aarons and John Loftus, Unholy Trinity: The Vatican, The Nazis, and the Swiss Bankers, St Martins Press 1991 (revised 1998)
  • Uki Goñi: Odessa: Die wahre Geschichte. Fluchthilfe für NS-Kriegsverbrecher. Aus dem Englischen von Theo Bruns und Stefanie Graefe. 2. Aufl. 2007. ISBN 978-3-935936-40-8
  • Gerald Steinacher, Nazis auf der Flucht. Wie Kriegsverbrecher über Italien nach Übersee entkamen, Innsbruck-Wien 2008, ISBN 978-3-7065-4026-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lukas Mihr: Die Rattenlinie (PDF)
  • Theo Bruns: Massenexodus von NS-Kriegsverbechern nach Argentinien. Die größte Fluchthilfeoperation der Kriminalgeschichte. In: ila 299 [1]
  • Theo Bruns: Der Vatikan und die Rattenlinie. Wie die katholische Kirche Nazis und Kriegsverbrecher nach Südamerika schleuste [2]