Kryolipolyse

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Unter Kryolipolyse (von altgriechisch κρύος kryos = „Frost, Eis“, λίπα lipa = „fett“ und λύσις lysis = „Lösung, Auflösung“) versteht man die Verminderung von Fettzellen durch lokale Anwendung von Kälte zu kosmetischen Zwecken. Es handelt sich um eine nicht-invasive Technik, bei der eine Fettstelle etwa eine Stunde unterkühlt wird. Es gibt verschiedenen Methoden: Die Haut wird eingesaugt oder durch Platten punktuell gekühlt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kryolipolyse geht auf die beiden Dermatologen Dieter Manstein und R. Rox Anderson zurück. Diese haben am Wellman Center for Photomedicine des Massachusetts General Hospital in Boston herausgefunden, dass subkutane Fettzellen stärker von Kälte angegriffen werden als das Gewebe rundherum. Im November 2008 wurden schließlich die ersten Ergebnisse in der Zeitschrift Lasers in Surgery and Medicine veröffentlicht. Diese deuteten an, dass eine kontrollierte Kühlung von Fettzellen zu ihrer Reduzierung führen kann.[1]

Wirkmechanismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kryolipolyse nutzt die stärkere Kälteanfälligkeit von Fettzellen im Vergleich zum umgebenden Gewebe. Ein nicht-invasiver Applikator wird am gewünschten Bereich angebracht und kühlt das darunterliegende Fettgewebe, wobei das Gewebe bis −9 Grad abgekühlt wird. Ein spezielles Vlies mit Anti-freezing-Gel, das zwischen dem Gewebe und dem Applikator liegt, verhindert hierbei zuverlässig Erfrierungen. Die so gekühlten Fettzellen durchlaufen die sogenannte Apoptose und werden vom Körper in der Folge abgebaut. Dadurch reduziert sich die Dicke der Fettschicht. Während der Behandlung sorgen im Applikator enthaltene Sensoren für eine einheitliche, gleichbleibende Temperatur. Diese Sensoren sind mit der Steuerkonsole verbunden und ermöglichen die kontinuierliche Überwachung und Anpassung der Kühlung während des Kryolipolyse-Verfahrens, zusätzlich wird das Gewebe während der Behandlung immer wieder mittels variablen Sogs an der Haut massiert. Die Fettzellen sterben ab und aktivieren durch Botenstoffe Entzündungszellen, die die betroffenen Fettzellen in den Wochen und Monaten danach stufenweise abbauen. Lipide werden langsam aus den Fettzellen freigesetzt und vom Lymphsystem zur Verarbeitung abtransportiert, ähnlich wie das in der Nahrung enthaltene Fett. Da die Lipide einen schrittweisen Abbauprozess durchlaufen, ist bei den Blutlipiden und der Leberfunktion keine gefährliche Veränderung festzustellen. Um einen optimalen Behandlungserfolg zu erzielen sollten entzündungshemmende Medikamente wie z.B. Voltaren oder Ibuprofen ca. vier Wochen nach der Behandlung nicht eingenommen werden. Sollten anderweitig Schmerzen bestehen (Kopfschmerzen u.a.), ist Paracetamol ein Schmerzmittel mit wenig entzündungshemmender Potenz, welches bedenkenlos (nach ärztlicher Absprache und nur bis zur Tageshöchstdosis von max. 4 Gramm) eingenommen werden darf.[2][3]

Nebenwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Behandlung können als Nebenwirkungen Blutergüsse, Hautrötungen und Taubheitsgefühle der Haut auftreten.[4] Diese Nebenwirkungen halten in den meisten Fällen nicht länger als eine Woche an. Bei der schriftlichen Einwilligung werden als Nebenwirkungen auch Verbrennungen der Haut (Stufe 2 mit Brandblasen) aufgeführt.

Effektivität und Kosten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Reduzierung der Fettpolster tritt lt. Herstellerangaben nach 8–16 Wochen ein. Die Methode ist in den USA zur Behandlung von Fettpolstern und für andere Anwendungsgebiete wie Hautkühlung zugelassen.[4][5] Sie wirkt am besten bei schlanken Personen mit geringen lokalen Fettpolstern. Die Preisangaben des Herstellers in den USA liegen bei $ 800,- pro Behandlung, zur symmetrischen Verminderung von taillennahen Fettpolstern sind vier Behandlungen mit Gesamtkosten von ca. $ 3.200,- erforderlich.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geschichtlicher Hintergrund Kryolipolyse. myderma.de, 13. Dezember 2014, abgerufen am 14. Februar 2016.
  2. B. Zelickson, B. M. Egbert, J. Preciado u.a.: Cryolipolysis for noninvasive fat cell destruction: initial results from a pig model. In: Dermatologic Surgery. Oktober 2009, Band 35, Nr. 10, S. 1462–1470, PMID 19614940.
  3. M. M. Avram, R. S. Harry: Cryolipolysis for subcutaneous fat layer reduction. In: Lasers in Surgery and Medicine Dezember 2009, Band 41, Nr. 10, S. 703–708, PMID 20014262.
  4. a b A. A. Nelson, D. Wasserman, M. M. Avram: Cryolipolysis for reduction of excess adipose tissue. In: Semin Cutan Med Surg. Dezember 2009, Band 28, Nr. 4, S. 244–249, PMID 20123423.
  5. Black, Rosemarie: Freeze! Zeltiq and Zerona Nonsurgical Fat Reduction Approved by the FDA. Daily News. 15. September 2010. Abgerufen am 15. Oktober 2010.