Kryolipolyse

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Kryolipolyse (von altgriechisch κρύος kryos = „Frost, Eis“, λίπα lipa = „fett“ und λύσις lysis = „Lösung, Auflösung“) ist eine kosmetische Kälteanwendung, die Fettgewebe vermindern soll. Es handelt sich um eine nicht-invasive Technik, bei der eine Fettstelle etwa eine Stunde lang unterkühlt wird. Es gibt verschiedenen Methoden: Die Haut wird eingesaugt oder durch Platten punktuell gekühlt. Dabei kommt es zu einer kälteinduzierten Gewebeentzündung, nach der die Dicke der oberflächlichen Fettgewebeschicht um 10–25 % verringert sein kann.[1][2] Die Methode ist in den USA zur Behandlung von Fettpolstern zugelassen.[3][4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kryolipolyse geht auf die Bostoner Dermatologen Dieter Manstein und R. Rox Anderson zurück. Fettzellen wurden im Tierversuch stärker von Kälte angegriffen werden als die Haut.[5]

Wirkmechanismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kryolipolyse nutzt die stärkere Kälteanfälligkeit von Fettzellen im Vergleich zum umgebenden Gewebe. Ein nicht-invasiver Applikator wird am gewünschten Bereich angebracht, mittels Peltier-Technologie auf eine Temperatur von −8 bis −10 Grad gebracht und kühlt das darunterliegende Fettgewebe, wobei dieses auf etwa +4 bis +5 Grad abgekühlt wird.[6] Ein spezielles Vlies mit Anti-freezing-Gel, das zwischen dem Gewebe und dem Applikator liegt, verhindert hierbei zuverlässig Erfrierungen. Die so gekühlten Fettzellen durchlaufen die sogenannte Apoptose und werden vom Körper in der Folge abgebaut. Dadurch reduziert sich die Dicke der Fettschicht. Während der Behandlung sorgen im Applikator enthaltene Sensoren für eine einheitliche, gleichbleibende Temperatur. Diese Sensoren sind mit der Steuerkonsole verbunden und ermöglichen die kontinuierliche Überwachung und Anpassung der Kühlung während des Kryolipolyse-Verfahrens, zusätzlich wird das Gewebe während der Behandlung immer wieder mittels variablen Sogs an der Haut massiert. Die Fettzellen sterben ab und aktivieren durch Botenstoffe Entzündungszellen, die die betroffenen Fettzellen in den Wochen und Monaten danach stufenweise abbauen. Lipide werden langsam aus den Fettzellen freigesetzt und vom Lymphsystem zur Verarbeitung abtransportiert, ähnlich wie das in der Nahrung enthaltene Fett. Da die Lipide einen schrittweisen Abbauprozess durchlaufen, ist bei den Blutlipiden und der Leberfunktion keine gefährliche Veränderung festzustellen. Um einen optimalen Behandlungserfolg zu erzielen sollten entzündungshemmende Medikamente wie z. B. Voltaren oder Ibuprofen ca. vier Wochen nach der Behandlung nicht eingenommen werden. Sollten anderweitig Schmerzen bestehen (Kopfschmerzen u. a.), ist Paracetamol ein Schmerzmittel mit wenig entzündungshemmender Potenz, welches bedenkenlos (nach ärztlicher Absprache und nur bis zur Tageshöchstdosis von max. 4 Gramm) eingenommen werden darf.[7][8] Die Reduzierung der Fettpolster tritt lt. Herstellerangaben nach 8–16 Wochen ein.

Nebenwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Behandlung können als Nebenwirkungen Blutergüsse, Hautrötungen und Taubheitsgefühle der Haut auftreten.[3] Diese Nebenwirkungen halten in den meisten Fällen nicht länger als eine Woche an. Bei der schriftlichen Einwilligung werden als Nebenwirkungen auch Verbrennungen der Haut (Stufe 2 mit Brandblasen) aufgeführt.

Die paradoxe adipöse Hypertrophie ist eine seltene Komplikation der Kryolipolyse. Bei ca. 1% der Patienten kommt es zu einer voluminösen Zunahme der Fettzellen im Bereich der behandelten Areale. Diese Art von Komplikation tritt meist erst mehrere Monate später auf.[9]

Kosten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Preisangaben des Herstellers in den USA liegen bei $ 800,- pro Behandlung, zur symmetrischen Verminderung von taillennahen Fettpolstern sind vier Behandlungen mit Gesamtkosten von ca. $ 3.200,- erforderlich.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. M. J. Ingargiola, S. Motakef u. a.: Cryolipolysis for fat reduction and body contouring: safety and efficacy of current treatment paradigms. In: Plastic and reconstructive surgery. Band 135, Nummer 6, Juni 2015, S. 1581–1590, doi:10.1097/PRS.0000000000001236, PMID 26017594, PMC 4444424 (freier Volltext) (Review).
  2. C. D. Derrick, S. M. Shridharani, J. M. Broyles: The Safety and Efficacy of Cryolipolysis: A Systematic Review of Available Literature. In: Aesthetic surgery journal. Band 35, Nummer 7, September 2015, S. 830–836, doi:10.1093/asj/sjv039, PMID 26038367 (Review).
  3. a b A. A. Nelson, D. Wasserman, M. M. Avram: Cryolipolysis for reduction of excess adipose tissue. In: Semin Cutan Med Surg. Dezember 2009, Band 28, Nr. 4, S. 244–249. PMID 20123423.
  4. Rosemarie Black: Freeze! Zeltiq and Zerona Nonsurgical Fat Reduction Approved by the FDA. In: Daily News. 15. September 2010, abgerufen am 15. Oktober 2010.
  5. D. Manstein, H. Laubach u. a.: Selective cryolysis: a novel method of non-invasive fat removal. In: Lasers in surgery and medicine. Band 40, Nummer 9, November 2008, S. 595–604, doi:10.1002/lsm.20719, PMID 18951424.
  6. T. S. Mutzbauer: Kryolipolyse - Technologie und Wirkung. kryolipolyse.com, 12. September 2016, abgerufen am 13. Dezember 2016.
  7. B. Zelickson, B. M. Egbert, J. Preciado u. a.: Cryolipolysis for noninvasive fat cell destruction: initial results from a pig model. In: Dermatologic Surgery. Oktober 2009, Band 35, Nr. 10, S. 1462–1470. PMID 19614940.
  8. M. M. Avram, R. S. Harry: Cryolipolysis for subcutaneous fat layer reduction. In: Lasers in Surgery and Medicine. Dezember 2009, Band 41, Nr. 10, S. 703–708. PMID 20014262.
  9. N. Stroumza, N. Gauthier, P. Senet, P. Moguelet, R. Nagel Barthelemy, M. Atlan: Paradoxical Adipose Hypertrophy (PAH) After Cryolipolysis. In: Aesthetic Surgery Journal. 14. November 2017, ISSN 1527-330X, doi:10.1093/asj/sjx159, PMID 29145587.