Krystian Zimerman

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Krystian Zimerman 2004

Krystian Zimerman (* 5. Dezember 1956 in Zabrze, Polen) ist ein polnischer Pianist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krystian Zimerman studierte an der Musikakademie Katowice und gewann 1975 den Warschauer Chopin-Wettbewerb. Außerdem wurde er mit dem Sonderpreis der Chopin-Gesellschaft ausgezeichnet.

Er arbeitete seitdem mit den Dirigenten Herbert von Karajan, Leonard Bernstein, Seiji Ozawa und Sir Simon Rattle zusammen und schloss Bekanntschaft mit dem Pianisten Arthur Rubinstein. Den größten Einfluss auf ihn aber hatten nach eigenem Bekunden die Dirigenten Kirill Kondraschin und Carlo Zecchi sowie der polnische Theaterregisseur Tadeusz Kantor, der ihm Mittel der Kommunikation mit einem vielsprachigen Ensemble aufzeigte, welche Zimerman bei seiner Zusammenarbeit mit Orchestern nützlich waren.

Zimerman zog frühe Plattenveröffentlichungen zurück, weil sie den eigenen hohen Standards nicht mehr genügten.[1] Die Folge war, dass seine wenigen erhältlichen Einspielungen oft zu den Referenzen auf dem Markt zählen, so z. B. seine Interpretationen von Debussys Préludes, der Klavierkonzerte, des Totentanzes und der h-Moll-Sonate von Liszt sowie die Konzerte Nr. 1 und Nr. 2 von Rachmaninow.

Zimerman gibt nicht mehr als 50 Konzerte pro Jahr, was nach seinen eigenen Angaben nicht kostendeckend ist. Er reist immer mit seinem eigenen Instrument und führt auf Tourneen mehrere Klaviaturen mit.[2]

Zimerman tritt in unregelmäßigen Abständen auch als Dirigent in Erscheinung. Nach dem Tode Leonard Bernsteins, mit dem er eine Gesamtaufnahme der Klavierkonzerte Beethovens in Angriff genommen hatte, vollendete er die Einspielungen der noch fehlenden ersten beiden Konzerte und übernahm dabei auch die Aufgaben des Dirigenten.

Dieses „Experiment“ wiederholte er im Jahre 1999: durch die Gründung des Polish Festival Orchestra zu Chopins 150. Todestag. Zusammen mit den jungen, ausschließlich polnischen Musikern ging Zimerman auf Tournee – nur mit den beiden Konzerten in e-Moll op. 11 und f-Moll op. 21, die er anschließend auf CD einspielte.

Krystian Zimerman leitet eine Meisterklasse an der Musikhochschule Basel, Schweiz, wo er seit 1996 mit seiner Familie lebt.[3]

Im April 2009 sorgte er für einen Eklat während eines Konzerts in den Vereinigten Staaten, als er von der Bühne in Bezug auf den amerikanischen Raketenschild in Polen forderte: Get your hands off my country („Lassen Sie Ihre Hände von meinem Land“).[4] Diese Äußerung war möglicherweise auch persönlich motiviert, da Zimermans Steinway-Flügel acht Jahre zuvor, kurz nach den Terroranschlägen des 11. September bei der Einreise in die USA wegen Terrorverdachts vom Zoll konfisziert und vernichtet wurde.[5]

Am 4. Juni 2013 brach er ein Konzert in der Philharmonie Essen ab, weil es ein Zuhörer filmte. Nachdem er die Bühne wieder betreten hatte, erklärte Zimerman seinen Ärger über illegale Videos.[6]

2015 stiftete Zimerman erstmals den Krystian Zimerman Prize für die beste Aufführung einer Chopin-Sonate im Rahmen des Internationalen Chopin-Wettbewerbs.[7] Im Oktober 2015 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Fryderyk-Chopin-Musikuniversität in Warschau verliehen.[8]

Aufnahmen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1994: Gramophone Award in der Kategorie Record of the Year für Claude Debussy: Préludes[9]
  • 1994: Choc de l'Année der französischen Zeitschrift Classica für Claude Debussy: Préludes[9]
  • 1994: Ritmo Award der spanischen Zeitschrift für klassische Musik Ritmo für Claude Debussy: Préludes[9]
  • 1995: ECHO Klassik in der Kategorie Kammermusik-Einspielung des Jahres für Claude Debussy: Préludes
  • 1995: Edison in der Kategorie Klassik für Claude Debussy: Préludes[9]
  • 1995: Cannes Classical Award für Claude Debussy: Préludes[9]
  • 1995: Grand Prix de la Nouvelle Académie für Claude Debussy: Préludes[9]
  • 1995: Diapason d'or de l'année für Claude Debussy: Préludes[9]
  • 1995: Grand Prix du Discophile Répertoire für Claude Debussy: Préludes[9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfram Goertz: »Ich will den Flügel nicht mehr wahrnehmen«. Die Zeit, 16. März 2006, abgerufen am 4. September 2016.
  2. Johannes Saltzwedel: Pianist Krystian Zimerman. Samurai der Klänge. Spiegel Online, 24. Februar 2006, abgerufen am 24. Oktober 2016.
  3. Margot Weber: Der Seelensucher. Krystian Zimerman. In: Magazin der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. November 2006, abgerufen am 31. August 2015.
  4. Polish pianist stops show with anti-US tirade. In: The Guardian. 28. April 2009 (engl.), abgerufen am 19. Mai 2012.
  5. Krystian Zimerman will nicht mehr in den USA konzertieren. In: klassik.com. 29. April 2009, abgerufen am 25. November 2009.
  6. Krystian Zimerman: Pianist unterbricht Konzert wegen Handyfilmer. In: Spiegel Online. 4. Juni 2013, abgerufen am 2. Dezember 2014.
  7. Poland's Chopin Competition draws to a close. Radio Poland, 20. Oktober 2015, abgerufen am 24. Oktober 2016 (englisch).
  8. Pianist Zimerman honoured by Warsaw’s Music University. Radio Poland, 9. Oktober 2015, abgerufen am 4. September 2016 (englisch).
  9. a b c d e f g h Krystian Zimerman. In: KlassikAkzente. Universal Music GmbH, 23. Oktober 2015, abgerufen am 18. Januar 2017.