Krzysztof Tuczyński de Wedel

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Krzysztof Tuczyński de Wedel, auch Krzysztof Wedel-Tuczyński (deutsch Christoph von Wedel-Tütz; * 1565 in Tütz; † 1649 ebenda) war ein polnischer Senator.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wedel-Tuczyński war ein Sohn des polnischen Großgrundbesitzers Stanisław Wedel-Tuczyński (1516–1587) und der Katarzyna Opalińska, einer Tochter von Maciej Opaliński, Kastellan von Ląd (Großpolen). Er wuchs nach dem Tode seiner Mutter in einem katholischen Teil der Familie Opaliński in Posen auf. Anders als seine Eltern, die sich zum Protestantismus bekannt hatten, wurde er zu einem entschiedenen Verfechter des Katholizismus. Er besuchte das Posener Jesuitenkollegium[1] und von Jesuiten geführte Universitäten: 1583 war er in Dillingen immatrikuliert und 1585 in Ingolstadt.[2] Anschließend unternahm er, während seine hauptsächlich im Norden der Woiwodschaft Großpolen liegenden Besitzungen von seinem Onkel, dem Großmarschall Andrzej Opaliński, verwaltet wurden, zwischen 1587 und 1590 Reisen in Italien.[3]

Ab 1593 bemühte er sich darum, die seit etwa 1546 protestantischen Bewohner seiner Besitzungen zum Katholizismus zurückzuführen. Der Prozess verlief gewaltsam. Wedel-Tuczyński stieß auf den Widerstand zunächst der Bürgerschaft. Nachdem der erste neu in Tütz eingesetzte katholische Priester 1596 Verletzungen erlegen war, die er sich im Rahmen bewaffneter Auseinandersetzungen zugezogen hatte, ließ Wedel-Tuczyński zwei Führer des Tützer Protestantismus, den Bürgermeister und ein Ratsmitglied, öffentlich enthaupten.[4] Ein erheblicher Teil der Bewohner flüchtete in der Folge über die nahe Grenze in die evangelische Neumark.[5] Wedel-Tuczyński musste sich außerdem mit der bewaffneten Opposition seiner ebenfalls im Norden der Woiwodschaft Großpolen ansässigen, aber protestantischen Verwandten Wedel-Friedland (Wedelski) auseinandersetzen.[6] Deren Hauptsitz war seit Beginn des 14. Jahrhunderts Friedland, aber sie waren auch in Tütz begütert, wie umgekehrt die Wedel-Tütz in Friedland und in der brandenburgischen Neumark Besitz hatten.[7] Die Begüterung in Tütz wurde schließlich Gegenstand zweier konfessionell-vermögensrechtlicher Teilungsverträge. 1599 wurde der Ort in eine katholische und eine evangelische Hälfte geteilt, und 1616 gevierteilt in drei katholische Teile (116 Häuser) und einen evangelischen (41 Häuser).[8]

Wedel-Tuczyński stützte seine Rekatholisierungsbemühungen ab 1602 in großem Umfang auf Jesuiten. 1610 errichtete er ihnen neben der Tützer Kirche ein später zur Kapelle umgewidmetes Gebäude,[9] von wo aus sie in der Umgebung eine lebhafte Missionstätigkeit betrieben.[10] Auch die erste Mission der Posener Jesuiten nach Krone unterstützte er mit jährlich 300 Gulden.[11] Nachdem ein in Krone/Wałcz von den Jesuiten 1619 errichtetes Gebäude abgebrannt war, finanzierte er gemeinsam mit dem Woiwoden von Kalisch, Jan Gostomski, die Errichtung und den Betrieb des dortigen Jesuitenkollegiums.[12] Als er im Jahr 1639 vom Blitz getroffen wurde, schrieb er dieses Unglück Hexen zu, – „ein Irrtum, von dem ihn“, wie Ludwik Bąk schreibt, „die Jesuiten nicht befreiten“. Im folgenden Jahr wurden in Tütz zehn Frauen als Hexen verbrannt, von denen sich vier vor ihrem Tode zum Katholizismus bekannten.[13]

Ab 1611 fungierte Wedel-Tuczyński als Richter in Wałcz.[14] Ab 1615 war er Kastellan von Santok und nahm währenddessen als Senator teil an den Sitzungen des Sejm von 1618, 1619 und 1623.[15] Im Verlauf der Beratungen des Jahres 1623 avancierte er zum Kastellan von Posen, einem Amt, das er bis zu seinem Tode ausübte. Ebenfalls 1623 war er Gesandter des polnischen Königs zum Regensburger Fürstentag Kaiser Ferdinands II.[16] Anschließend nahm er nur noch am Sejm des Jahres 1629 teil.[17] Er galt als einer der rührigsten Senatoren seiner Generation.[18] Zwischen 1608 und 1631 erweiterte er das Schloss in Tütz um einen Süd- und einen Westflügel und ließ einen dritten Eckturm errichten. 1635 unternahm er eine Pilgerfahrt nach Loreto.[19]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ludwik Bąk: Ziemia wałecka w dobie reformacji i kontrrefomacji w XVI–XVIII w. Piła 1999, S. 216
  2. P. Czaplewski: Polacy na studyach w Ingolsztacie. Z rękopisów Uniwersytetu Monachijskiego. Poznań 1914, S. 104
  3. Ludwik Bąk: Ziemia wałecka. Piła 1999, S. 216
  4. Ludwik Bąk: Ziemia wałecka. Piła 1999, S. 226 f.
  5. Ludwik Bąk: Ziemia wałecka. Piła 1999, S. 227
  6. Ludwik Bąk: Ziemia wałecka. Piła 1999, S. 63, 86, 231 ff.; Grzegorz Jacek Brzustowicz: Wedelscy vel Frylandzcy. Średniowieczni Wedlowie na Mirosławcu. In: Krzyżacy, szpitalnicy, kondotierzy. Studia z dziejów średniowiecza. Nr. 12, Malbork 2006, S. 19–41
  7. Grzegorz Jacek Brzustowicz: Czasy Wedlów. Historia Drawna i Tuczna w czasach Rodu von Wedel (do połowy XIX wieku). Choszczno 2003
  8. Ludwig Bąk: Ziemia wałecka. Piła 1999, S. 226.
  9. Ludwik Bąk: Ziemia wałecka. Piła 1999, S. 295
  10. Henryk Janocha und Franciszek J. Lachowicz: Tuczno. Z dziejów zamku i miasta. Poznań 1981, S. 23
  11. Ludwik Grzebień SJ und Jacek Wiesiołowski (Hrsg.): Kronika Jezuitów poznańskich (młodsza). Band I: 1570–1653. Poznań 2004, S. 430
  12. Max Rohwerder (Hrsg.): Historia Residentiae Walcensis Societatis Jesu ab Anno Domini 1618 avo. Köln 1967, S. 11 ff., 17 ff., 22, 28, 50, 58
  13. Ludwik Bąk: Ziemia wałecka. Piła 1999, S. 224
  14. Grzegorz Jacek Brzustowicz: Genealogia Tuczyńskich de Wedel: częsc 1 (XVI – pocz. XVII w.). In: Nadwarciański Rocznik Historyczno-Archiwalny. Nr. 12, 2005, S. 22–54
  15. Leszek Andrzej Wierzbicki: Senatorowie koronni na Sejmach Rzeczypospolitej w XVII wieku. Warszawa 2017, S. 161; Antoni Gąsiorowski (Hrsg.): Urzednicy Wielkopolscy XII–XV wieku. Warszawa 1985, S. 234
  16. Marcin Hlebionek: Obce rycerstwo i szlachta w ziemi wałeckiej od XIV do XVIII wieku. Przewodnik genealogiczno-heraldyczny. Inowrocław 2002, S. 81
  17. Leszek Andrzej Wierzbicki: Senatorowie koronni na Sejmach Rzeczypospolitej w XVII wieku. Warszawa 2017, S. 161
  18. Marcin Broniarczyk: Wyksztalcenie świeckich senatorów w koronie za Wladyslawa IV. In: Kwartalnik Historyczny, Jahrgang CXIX. Band 2, S. 251–303
  19. P. Czaplewski: Polacy na studyach w Ingolsztacie. Z rękopisów Uniwersytetu Monachijskiego. Poznań 1914, S. 104