Kuchisake-onna

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Eine Kuchisake-onna offenbart sich ihrem Opfer

Kuchisake-onna oder Kuchisake Onna (japanisch 口裂け女; zu deutsch wörtl. „Frau mit zerrissenem Mund“, im Volksmund „Breitmaul-Frau“ genannt) ist ein fiktives Wesen der japanischen Mythologie und wird der Gruppe der Yōkai zugeordnet.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kuchisake-onna wird als wunderschöne Frau mit langem, schwarzen Haar beschrieben, die ihr schrecklich entstelltes Gesicht in älteren Originalfassungen hinter einer Theatermaske oder einem Seidenschleier verbirgt.[1] In moderneren, vorgeblichen Augenzeugenberichten versteckt sie ihren Mund hinter einer Mundschutz-Maske, wie sie in Japan üblich für Erkältete ist. Damit soll sie ihren Opfern nicht immer sofort suspekt erscheinen.[2]

Die Kuchisake-onna streift vor allem nachts umher und stellt jedem, den sie trifft (bevorzugt lauert sie Kindern auf), stets dieselbe Frage: „Findest Du mich schön?“ (わたし、きれい?; Watashi kirei?) Antwortet der Befragte mit „Ja“ (はい; Hai), zeigt sie ihr wahres, fürchterlich entstelltes Gesicht und fragt: „Auch jetzt noch?“ (これでも?; Kore demo?). Behält der Befragte die Nerven und antwortet erneut mit „Ja“, entstellt sie das Gesicht ihres Opfers, damit es genau so „schön“ ist wie sie. Antwortet der Befragte jedoch mit „Nein“ (なし; Nashi), wird er von ihr getötet. Versucht man aber zu fliehen, wird sie ihr Opfer verfolgen und das Ganze nachholen. In anderen Varianten wird das Opfer, falls es eine Frau ist, selbst in eine Kuchisake-onna verwandelt. Wenn es ein Kind ist, schneidet es die Kuchisake-onna in zwei Hälften oder verschleppt es in ihr Versteck, um es dort zu Tode zu quälen.

Ursprung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Legende der Kuchisake-onna geht vermutlich auf eine Geschichte aus dem 8. Jahrhundert (Heian-Zeit) zurück.[3] Ein wohlhabender Samurai war mit einer unbeschreiblich schönen Frau liiert. Doch der Samurai war ein krankhaft eifersüchtiger Mensch und in einem Streit, bei dem er seine Frau der Untreue bezichtigte, zerschnitt er ihr das Gesicht und fragte sie: „Wer wird Dich jetzt noch schön finden?“.[1] Von diesem Tage an soll der maskierte Geist der Frau ruhelos umherstreifen und auf der Suche nach Opfern sein.

Eine modernere Fassung zur vermutlichen Ursprungslegende erzählt von einer unsäglich eitlen Frau, die sich einer plastischen Gesichtschirurgie unterzog, um schöner zu sein als alle anderen Frauen. Doch bei der Operation kam es zu einem Unfall, durch den ihr Gesicht entstellt wurde.

Die Figur der Kuchisake-onna in der modernen Subkultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch wenn die Hintergrundlegende zur Kuchisake-onna schon länger bekannt ist, gehört sie, wie „Hanako, der Klogeist“, zu den modernen Mythen, die sich in Japan vor allem an Schulen und Universitäten großer Beliebtheit erfreuen. Zudem inspirierte die Figur der Kuchisake-onna zahlreiche Horrorfilm-Produzenten und fand Eingang in Filme wie Sweet Home und Kuchisake-onna (engl. Carved).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Colette Balmain: Introduction to Japanese Horror Film. Edinburgh University Press, Edinburgh (UK) 2008, ISBN 0-7486-2475-9. Seite 113 & 133.
  • Theresa Bane: Encyclopedia of Beasts and Monsters in Myth, Legend and Folklore. McFarland, Jefferson 2016, ISBN 147662268X.
  • John Hawkins: Hauntings. The Rosen Publishing Group, New York 2012, ISBN 1-4488-6428-3, Seite 4 & 5.
  • Lisette Gebhardt: Japans neue Spiritualität. Otto Harrassowitz, Wiesbaden 2001, ISBN 3-447-04398-9, Seite 13.
  • Adriana Boscaro, Franco Gatti, Massimo Raveri: Rethinking Japan: Literature, visual arts & linguistics (= Rethinking Japan: Papers of the International Symposium, Rethinking Japan, Held in Venice, October 1987. Institute of Japanese Studies; Band 2). Routledge, London/New York 1990, ISBN 0-904404-79-X, Seite 244 & 245.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Theresa Bane: Encyclopedia of Beasts and Monsters in Myth, Legend and Folklore. Seite 196.
  2. Robert B. Durham: Modern Folklore. Seite 197.
  3. Stuart Webb: Ghosts. The Rosen Publishing Group, New York 2013, ISBN 1448871816, Seite 7.