Kuchisake-onna

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Eine Kuchisake-onna offenbart sich ihrem Opfer

Kuchisake-onna oder Kuchisake Onna (japanisch 口裂け女; zu deutsch wörtl. „Frau mit zerrissenem Mund“, im Volksmund „Breitmaul-Frau“ genannt) ist ein fiktives Wesen der japanischen Mythologie und wird der Gruppe der Yōkai zugeordnet.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kuchisake-onna wird als wunderschöne Frau mit langem, schwarzen Haar beschrieben, die ihr schrecklich entstelltes Gesicht hinter einer Mundschutz-Maske, die in Japan üblich für Erkältete sind, verbirgt: Ihr Mund ist von einem Ohr zum anderen durch Messerschnitte grotesk verbreitert.

Die Kuchisake-onna streift als weinende Frau umher, die jeden, den sie trifft (bevorzugt lauert sie Kindern auf), stets dieselbe Frage stellt: „Findest Du mich schön?“ (わたし、きれい?; Watashi kirei?) Antwortet der Befragte mit „Ja“ (はい; Hai), zeigt sie ihr wahres, fürchterlich entstelltes Gesicht und fragt: „Auch jetzt noch?“ (これでも?; Kore demo?). Behält der Befragte die Nerven und antwortet erneut mit „Ja“, entstellt sie das Gesicht ihres Opfers mit einer Schere, damit es dem ihren gleicht. Antwortet der Befragte jedoch mit „Nein“ (なし; Nashi) oder versucht zu fliehen, wird er von ihr getötet. In anderen Varianten wird das Opfer, falls es eine Frau ist, selbst in Kuchisake-onna verwandelt. Wenn es ein Kind ist, schneidet es die Kuchisake-onna in zwei Hälften oder verschleppt es in ihr Versteck, um es dort zu Tode zu quälen.

Ursprung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Legende der Kuchisake-onna geht vermutlich auf eine Geschichte aus dem 17. Jahrhundert (Edo-Zeit) zurück. Ein wohlhabender Samurai war mit einer unbeschreiblich schönen Frau liiert. Doch der Samurai war ein krankhaft eifersüchtiger Mensch und in einem Streit, bei dem er seine Frau der Untreue bezichtigte, zerschnitt er ihr das Gesicht und fragte sie: „Wer wird Dich jetzt noch schön finden?“ Von diesem Tage an soll der maskierte Geist der Frau ruhelos umherstreifen und auf der Suche nach Opfern sein.

Eine modernere Fassung zur vermutlichen Ursprungslegende erzählt von einer unsäglich eitlen Frau, die sich einer plastischen Gesichtschirurgie unterzog, um schöner zu sein, als alle anderen Frauen. Doch bei der Operation kam es zu einem Unfall, durch den ihr Gesicht entstellt wurde.

Die Figur der Kuchisake-onna in der modernen Subkultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch wenn die Hintergrundlegende zur Kuchisake-onna schon länger bekannt ist, gehört sie, wie „Hanako, der Klogeist“, zu den modernen Mythen, die sich in Japan vor allem an Schulen und Universitäten großer Beliebtheit erfreuen. Zudem inspirierte die Figur der Kuchisake-onna zahlreiche Horrorfilm-Produzenten und fand Eingang in Filme wie Sweet Home und Kuchisake-onna (engl. Carved).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Colette Balmain: Introduction to Japanese Horror Film. Edinburgh University Press, Edinburgh (UK) 2008, ISBN 0-7486-2475-9. Seite 113 & 133.
  • John Hawkins: Hauntings. The Rosen Publishing Group, 2012, ISBN 1-4488-6428-3, Seite 4 & 5.
  • Lisette Gebhardt: Japans neue Spiritualität. Otto Harrassowitz, Wiesbaden 2001, ISBN 3-447-04398-9, Seite 13.
  • Adriana Boscaro, Franco Gatti, Massimo Raveri: Rethinking Japan: Literature, visual arts & linguistics (= Rethinking Japan: Papers of the International Symposium, Rethinking Japan, Held in Venice, October 1987. Institute of Japanese Studies; Band 2). Routledge, London/New York 1990, ISBN 0-904404-79-X, Seite 244 & 245.