Kuchl

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Dieser Artikel erläutert die Gemeinde, den Marktort ebenda siehe Kuchl (Gemeinde Kuchl).
Kuchl
Wappen Österreichkarte
Wappen von Kuchl
Kuchl (Österreich)
Kuchl
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Salzburg
Politischer Bezirk: Hallein
Kfz-Kennzeichen: HA
Hauptort: Kuchl
Fläche: 47,12 km²
Koordinaten: 47° 38′ N, 13° 9′ OKoordinaten: 47° 37′ 32″ N, 13° 8′ 39″ O
Höhe: 468 m ü. A.
Einwohner: 7.188 (1. Jän. 2017)
Postleitzahlen: 5431, 5424, 5440
Vorwahl: 06244
Gemeindekennziffer: 5 02 07
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Markt 25
5431 Kuchl
Website: www.kuchl.net
Politik
Bürgermeister: Andreas Wimmer (ÖVP)
Gemeinderat: (2014)
(25 Mitglieder)

13 ÖVP, 6 Grüne, 4 SPÖ, 2 FPÖ

Lage der Marktgemeinde Kuchl im Bezirk Hallein
Abtenau Adnet Annaberg-Lungötz Bad Vigaun Golling an der Salzach Hallein Krispl Kuchl Oberalm Puch bei Hallein Rußbach am Paß Gschütt Sankt Koloman Scheffau am TennengebirgeLage der Gemeinde Kuchl im Bezirk Hallein (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Marktplatz Kuchl
Marktplatz Kuchl
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Kuchl ist eine Gemeinde mit 7188 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2017) im Salzburger Land im Bezirk Hallein (Tennengau) in Österreich.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick von Voregg auf das Salzachtal bei Kuchl; hinten das Roßfeld (Hahnenkamm), links Göllstock, rechts der Untersberg

Die Gemeinde liegt im Golling-Halleiner Becken im Salzburger Land am Fuße des Hohen Gölls und des Roßfelds (Berchtesgadener Alpen). Das Gemeindegebiet wird von der Salzach durchflossen. Die östlichen Gebiete zwischen Salzach und dem Langenberg gehören zur Osterhorngruppe (Salzburger Voralpen beziehungsweise Salzkammergutberge).

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde besteht aus fünf Katastralgemeinden

Georgenberg, Jadorf, Kellau, Kuchl und Weissenbach.

Das Gemeindegebiet umfasst folgende neun Ortschaften (Einwohner Stand 1. Jänner 2016[1])

Zählsprengel

Bis Ende Mai 1923 gehörte die Gemeinde zum Gerichtsbezirk Golling, seit dem 1. Juni 1923 ist sie Teil des Gerichtsbezirks Hallein.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hallein Bad Vigaun
Eck (gemfr. Geb., BY, DE) Nachbargemeinden Sankt Koloman
Schönau am Königssee (Lkr. BGL, BY, DE) Golling
an der Salzach
Scheffau am Tennengebirge
Staatsforst, dahinter Berchtesgaden, Landkreis Berchtesgadener Land (BGL)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort hat römische Wurzeln: Cucullae, Cucullis, eine Poststation der Römerstraße Virunum – Iuvavum, die in der Tabula Peutingeriana, einer römischen Straßenkarte, verzeichnet ist. Der Name steht vielleicht zu lateinisch cucullusSpitzmütze, Gugel‘, auch ‚spitzer Berg‘.[2] Bekannt ist Kuchl auch durch die Vita Sancti Severini mit dem dort beschriebenen Kerzenwunder des Heiligen Severin (5. Jh.).

Die enge Mischung der romanischen (Kuchl), slawischen (Golling) und germanischen Ortsnamen zeigt die wohl weitgehend friedliche Siedlungskontinuität vom Abzug der Römer im 5. Jahrhundert über Ansiedlung der Alpenslawen bis zur Missionierung durch den irischen Mönch und Bischof Rupert und die baiuwarische Landnahme ab 700.

997 führte ein Tauschvertrag des Kuchler Dienstmannes Gezo mit dem Erzbischof von Salzburg zur Errichtung einer Mutterpfarre in Kuchl und schließlich zur Einrichtung einer Grafschaft samt Landgericht, das bis Mitte des 15. Jahrhunderts existierte. Gegen 1380 erfolgte die Erhebung Kuchls zum Bannmarkt. 1850 wurde aus den Steuergemeinden Kuchl, Georgenberg, Kellau, Unterlangenberg und Weißenbach die politische Marktgemeinde Kuchl gebildet.[3]

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sitzverteilung seit der Gemeinderatswahl 2014:

Bürgermeister

  • 1938–1940 Max Huber
  • 1945–1959 Johann Siller
  • 1959–1969 Peter Hofer
  • 1969–1987 Josef Eichriedler
  • 1987–2004 Pius Züger
  • seit 2004 Andreas Wimmer (ÖVP)

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen at kuchl.png

Blasonierung:

„In Blau auf grünem Boden ein nach rechts springender naturfarbener Hirsch.“

Das Wappen geht auf das Geschlecht der Kuchler zurück. Die Verleihung erfolgte am 26. Juli 1930.[4]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unternehmen

Kuchl ist durch den hohen Anteil an Sägewerks-, Zimmerei- und Tischlereibetrieben, wie auch das Holztechnikum als „Holzgemeinde“ bekannt. Folgende Unternehmen sind von Bedeutung:

  • Delino GmbH (Reinigungsunternehmen)
  • Döllerer Vinothek
  • elastica, Hersteller von Matratzen
  • Emco-Test Prüfmaschinen GmbH, Erzeuger von Härteprüfgeräten
  • graph-ix, Agentur für Fotografie und Grafikdesign
  • Holz Stefl
  • Kaspar Kaindl GmbH, Sägewerk
  • Kässbohrer Hersteller von Pistengeräten
  • Kuchler Blockhaus
  • Moldan Baustoffe
  • MSH Maschinenbau
  • Neureiter Maschinen
  • UNTHA Shredding Technology, Zerkleinerungsmaschinen
  • Wimmer Holz

Neben dem Gipsbergbau Moldan (seit dem 17. Jh.) ist in jüngsten Jahren das Gewerbegebiet Brennhoflehen in Kellau bedeutender Standort geworden.[3]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Volksschule Kuchl (die Kellau gehört großteils zum Schulsprengel Golling)[5]
  • Neue Mittelschule Kuchl
  • Holztechnikum Kuchl/Campus Kuchl: Das Holztechnikum Kuchl/Campus Kuchl umfasst:
  • Private Schule für Einrichtungsberater
  • Fachhochschule Salzburg[6] FH mit mehreren Studiengängen

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche, davor die Totenkapelle
Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Kuchl

Bauten

Kleindenkmale

  • Marktkreuz Kuchl: Barockes Kruzifix an der Hauptstraße[7]
  • Wegkapelle in Unterlangenberg[7]
  • Barocker Bildstock mit Zeltdach mit Figur kniender Schmerzensmann am Georgenberg[8]
  • Relief Predigt des Hl. Severin an der Salzachbrücke von Josef Zenzmaier aus 1960[7]
  • Figur Hirte an der Straße nach St. Koloman von Max Rieder aus 1973[7]
  • Marktbrunnen vor dem alten Gemeindeamt von Josef Zenzmaier aus 1979[7]
  • Marktbrunnen vor dem neuen Gemeindeamt von Josef Zenzmaier aus 2013[10]
  • Grabsteine der Kuchler beim Doserbauer (Georgenberg 58)
  • Grenzstein am Ecker Sattel (beim Purtschellerhaus, 1413 m) aus 1818 mit den Inschriften „KBG“ (Königlich Bayerische Grenze) und „KKOEG“ (Kaiserlich Königlich Österreichische Grenze)[7]

Museen

  • Museum Kuchl: Dauerschau insbesondere mit römischen Grabungsfunden, Bruderschaftswesen und historischen Gebrauchsgegenständen der Gegend.[11]
Tauglbrücke und -schlucht

Wichtige Funde

Bedeutende archäologische Fundorte, die jedoch nicht zu besichtigen sind:

Brauchtum

  • Schusterjahrtag: Am ersten Montag nach Mariä Geburt (8. September) wird in Kuchl der Schusterjahrtag gefeiert. Es ist ein Feiertag für alle Beschäftigten und ihre Arbeitgeber in den Kuchler Betrieben. Heutzutage feiern alle Lehrlinge mit ihren Lehrherren. An diesen Tag versammeln sich die Beteiligten vor der Zunftherberge (Goldene Stiege) und marschieren in die Kirche und nach einer Messfeier durch den Markt. Der Festzug wird vom Zunftvater angeführt, der das Zunftkreuz trägt. Dahinter folgen die Fahnenträger mit der Zunftfahne. Anschließend findet in der Herberge die Jahreshauptversammlung statt. Dort werden die ausgelernten Lehrlinge freigesprochen: Der Zunftvater überreicht ihnen den Gesellenbrief. Auch neue Meister werden in die Zunft aufgenommen. Benannt ist der Jahrtag nach den Schustern, die bis zum Jahr 1896 in der Herberge freigesprochen wurden.

Natur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gollinger Wasserfall, untere Stufe
  • Gollinger Wasserfall mit Schwarzbachhöhle: Bildet die Gemeindegrenze zwischen Golling und Kuchl. Der Gollinger Wasserfall für Besucher durch Steiganlagen erschlossen (Naturdenkmal).
  • Georgenberg: Inselberg, mit Kirche (Naturdenkmal)
  • Schleierfall im Ortsteil Unterweißenbach bei Stockach
  • Tauglgries: Schwemmland und Schotterbänke der Taugl (Europa- und Naturschutzgebiet)
  • Freimoos hinter dem Georgenberg (geschützter Landschaftsteil)
  • Heiligensteiner Au, Auwaldrest der Salzach in Unterweißenbach nördlich Stockach (geschützter Landschaftsteil)
  • Kaiserlinde
  • Kühschwalb, Hochtal am Nordfuß des Hohen Gölls[14]

Das Göllmassiv gehört zum Europa- und Naturschutzgebiet Kalkhochalpen, am Roßfeld ist das Landschaftsschutzgebiet Roßfeldstraße ausgewiesen, und im Südosten liegt das Landschaftsschutzgebiet Rabenstein–Kellau.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tischtennis: Kuchl ist als Hochburg im Tischtennissport bekannt; viermal wurde die Österreichische Staatsmeisterschaft gewonnen, wobei Gottfried Bär und Heinz Hiegelsberger die herausragenden Spieler des Vereins waren.
  • Wassersport: Beliebt bei Flußsurfern und Kajakfahrern ist der Kuchler Schwall in der Salzach.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde

  • Gottfried Bär (* 1952 Hallein), Tennisspieler, mehrfacher österreichischer Staatsmeister im Tischtennis, Ehrenringträger von Kuchl
  • Josef Bernegger (1907–1994), Lehrer und Schriftsteller
  • Helmut Eichholzer (* 1975), dreifacher österreichischer Staatsmeister im Paragleiten
  • Ferdinand Fischer (1652–1725), Lautenspieler und Komponist
  • Lisa Kaltenegger (* 1977), Astrophysikerin
  • Karin Köllerer (* 1970), Skirennläuferin
  • Georg Lienbacher (1822–1896), Jurist und Politiker
  • Georg Lienbacher (* 1961), Verfassungsrichter und Universitätsprofessor[15]
  • Jakob Matthias Lienbacher (1807–1884), Pastoraltheologe und Domdechant
  • Johann Lienbacher (1818–1893), Priester und Bergwerksbesitzer
  • Nikolaus Lienbacher (1809–1872), Priester
  • Michael Neureiter (Politiker, 1877) (1877–1941), Dechant, Landesrat, Landtagspräsident u. Landeshauptmann-Stellvertreter
  • Eva Walkner (* 1979), Free-Ride-Weltmeisterin 2015 u. 2016[16]
  • Matthias Walkner (* 1986), MX3-Weltmeister 2012[17]
  • Daniela Wimmer (* 1977), Sängerin
  • Josef Zenzmaier (* 1933), Bildhauer

Personen mit Bezug zur Gemeinde

  • Roland Adrowitzer (* 1957 Hallein), ORF-Redakteur, in Kuchl aufgewachsen
  • Georg Coch (1842–1890), deutsch-österreichischer Ökonom und Bankier, Spender der ersten Wasserleitung
  • Theodor Illion (1898–1984), österreichischer Schriftsteller, hier begraben
  • Rudolf Kortokraks (1928–2014), deutscher Maler, viele Werke aus Kuchl und Umgebung, hier begraben
  • Joseph Matthias Kracher (1752–1835), österreichischer Komponist, Stiftsorganist in Seekirchen, langjähriger Lehrer hier[18]
  • Joseph Mohr (1792–1848), Textdichter des Weihnachtsliedes Stille Nacht, heilige Nacht, 1820[19] in Kuchl tätig

Ehrenbürger der Gemeinde

  • Josef Eichriedler, Gendarm, Bürgermeister
  • Matthias Eisl (1846–1935), Pfarrer von 1903 bis 1931
  • Franz Esthofer (1900–1980), Pfarrer in Kuchl von 1950 bis 1967
  • Hans Faistauer, Sprengelarzt von 1922 bis 1951
  • Josef Hainacher (1930–2002), Vizebürgermeister
  • Peter Hofer, Bürgermeister von 1959 bis 1969
  • Johann Hönegger (1922–2008), Pfarrer ab 1967.
  • Max Huber, Bürgermeister 1938–1940
  • Hans Lechner (1913–1994), Agrarwissenschaftler und Politiker (ÖVP)
  • Carl-Eberhard Moldan (1921–1994), Industrieller[20]
  • Wilhelm Nemetz, Volkschuldirektor von 1954 bis 1970[21]
  • Michael Neureiter (1877–1941), Salzburger Landeshauptmann-Stellvertreter (CSP)
  • Arno Reischenböck (1916–1997), Bezirkshauptmann[22]
  • Karl Rettenbacher (1902–1987), Hauptbrandmeister
  • Christian Schaber, Sprengelarzt
  • Georg Schönleitner, Schwalberbauer
  • Josef Seiwald (1893–1981), Gastwirt
  • Johann Siller (1896–1968), Bürgermeister von 1945 bis 1959
  • Dominik Thalhammer (1857–1917), Volksschuldirektor von 1888 bis 1917.
  • Alois Winkler (1838–1925), Landeshauptmann

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kuchl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Einwohner nach Ortschaften (Excel-Datei, 835 KB); abgerufen am 29. August 2016
  2. vgl. Kogel; Angabe Ludwig Steub: Die romanischen Ortsnamen im Lande Salzburg. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde (MGSLK) 21, 1881, S. 99 (ganzer Artikel S. 98–102, eReader, ANNO online).
  3. a b Chronik – Kuchl besitzt eine reiche Vor- und Frühgeschichte, Gemeinde Kuchl, kuchl.net.
  4. Friederike Zaisberger, Nikolaus Pfeiffer: Salzburger Gemeindewappen. Winter Verlag, Salzburg 1985, ISBN 3-85380-048-3.
  5. § 1 (Schulsprengel) 9c Schulsprengelverordnung für bestimmte allgemeinbildende Pflichtschulen im politischen Bezirk Hallein. StF: LGBl. Nr. 52/1992 (i.d.g.F. online, ris.bka).
  6. a b Campus Kuchl, fh-salzburg.ac.at
  7. a b c d e f g h i j Dehio Salzburg, 1986, Kuchl. S. 196–200.
  8. a b Dehio Salzburg, 1986, Georgenberg. S. 110 ff.
  9. ein Foto auf geocaching.com (zu Modermühlen)
  10. kuchl.net
  11. Museum Kuchl
  12. a b Olivier Klose: Römische Gebäudereste in Kemeting bei Maria Plain und in der Kellau bei Golling In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde (MGSLK) Band 65, 1925, B. Die Villa des L. Pomp. Aquilinius Potens. S. 95–112 (ganzer Artikel ab S. 73, eReader, anno.onb.ac.at; Plan S. 112/1).
  13. a b Kuchl, iuvavum.org.
  14. Naturpark Kühschwalb, bergfex.at (ist aber kein Naturpark)
  15. Georg Lienbacher auf den Seiten des VfGH
  16. Eva Walkner
  17. Matthias Walkner
  18. Datei:Petersfriedhof_Grab_Matthias_Kracher.jpg | Grabmal in St. Peter
  19. AES, Taufbuch Kuchl, Tom. IX, S. 17ff.
  20. MGSLK 127, 1987, S. 5 ff.
  21. Schulleiter der Volksschule Kuchl (PDF) Abgerufen am 19. November 2014.
  22. Nekrolog in MGSLK 138, 1998, S. 661