Kuhlmühle

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Kuhlmühle
Koordinaten: 53° 13′ 38″ N, 12° 39′ 23″ O
Höhe: 67 m ü. NHN
Eingemeindung: 26. Oktober 2003
Postleitzahl: 16909
Vorwahl: 033966
Ehemaliges Hotel des Pionierlagers
Ehemaliges Hotel des Pionierlagers

Kuhlmühle ist ein Wohnplatz der Stadt Wittstock/Dosse im Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg.[1]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt 3 Kilometer nordnordöstlich von Dranse und 13 Kilometer nordöstlich von Wittstock/Dosse. Nachbarorte sind Sewekow im Norden, Ichlim im Nordosten, Buschhof im Osten, Zempow im Südosten, Walkmühle im Süden, Dranse im Südwesten sowie Berlinchen im Westen.[2] Südlich der Wohnbebauung ist der Große Baalsee.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Namen de Kulemolne findet sich im Jahr 1430 die erste Erwähnung und 1431 eine weitere in der Schreibweise de Kulemollen,[3] einer am Abfluss des Großen Baalsees gelegenen Wassermühle. Im 19. Jahrhundert befand sich im Ort eine Getreide- und Ölmühle.[4] Nach Ende des Ersten Weltkrieges nutzte die Kommunistische Partei Deutschlands die Ortslage zur Einrichtung eines Schulungsheimes.[5]

Im Jahre 1933 beschlagnahmten die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei das Heim und machte daraus eine Führerschule der Hitler-Jugend. Nach Fertigstellung eines neu angelegten Thingplatzes und einer neuen Teerstraße nach Dranse diente der Ort 1935 der Hitlerjugend (HJ) als Veranstaltungsort für ein internationales Zeltlager. Das so genannte Deutschlandlager fand parallel zum Hochlandlager der HJ statt.[6]

Abzeichen für die Teilnehmer am Pionierlager Kuhlmühle

In der DDR wurde das Areal als Jugenderholungsheim und später zu einem Teil vom Ministerium des Innern als Zentrales Pionierlager Hồ Chí Minh genutzt.[7] Der VEB Spezialhochbau Berlin konnte ebenfalls auf das Gelände zurückgreifen. Hotels und Bungalows wurden vom Wachregiment Feliks Dzierżyński betrieben.[8]

Steingarten mit Stele für Artur Becker

Bis zur endgültigen Auflösung des nahe gelegenen Truppenübungsplatzes Wittstock im Jahre 2011 war die dafür zuständige Kommandantur einschließlich einer Bundeswehr-Feuerwehr an der Kuhlmühler Straße 1 stationiert. Das 27 Hektar große Gelände wurde noch im selben Jahr veräußert.[9] Der Verein Coolmühle will das Gelände nachhaltig und ökologisch entwickeln.[10] 2017 wurde das ehemalige Bettenhaus entkernt und soll für Feriengäste und Workshopteilnehmer hergerichtet werden.[11] Am ehemaligen Mühlenteich entstand ein Steingarten mit einem Denkmal für Artur Becker. Auf dem Gelände des Vereins befindet sich weiterhin das Zentrum für ökologische und soziale Nachhaltigkeit, Permakultur und Naturverbundenheit. Es betreibt unter anderem ein Handmühlenmuseum.

In Kuhlmühle trafen sich große Teile der verschiedenen Sektionen der Hedonistischen Internationale zu ihrem dritten Weltkongress im Jahr 2012.

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Handmühlenmuseum

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kuhlmühle kann nur über Nebenstraßen erreicht werden. Eine Verbindung führt vom nördlichen Ortsausgang Dranse über die Berlinchener Straße und die Kuhlmühler Straße in die Siedlung am Nordufer des Großen Baalsees.

Kuhlmühle liegt an der Bahnstrecke Wittenberge–Strasburg. Die Gleisanlagen befinden sich südöstlich des Ortes auf der anderen Seeseite. Die Anlagen, einschließlich der seit 1995 geschlossenen Station Kuhlmühle, gehören zum Streckenabschnitt Wittstock/Dosse–Mirow, auf dem bereits im Jahre 1998 der Schienenpersonennahverkehr abbestellt und welcher im Jahre 2000 stillgelegt worden ist.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Historisches Ortslexikon für Brandenburg – Teil 1 – Prignitz – A–M. Bearbeitet von Lieselott Enders. In: Klaus Neitmann (Hrsg.): Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs (Staatsarchiv Potsdam) – Band 3. Begründet von Friedrich Beck. Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2012, ISBN 978-3-88372-032-6, S. 451.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kuhlmühle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadt Wittstock/Dosse – Ortsteile nach § 45 Kommunalverfassung – Bewohnte Gemeindeteile – Wohnplätze. In: service.brandenburg.de. Ministerium des Innern und für Kommunales des Landes Brandenburg, abgerufen am 3. Januar 2018.
  2. BrandenburgViewer der Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg (LGB)
  3. Klaus Neitmann (Hrsg.): Historisches Ortslexikon für Brandenburg – Teil 1 – Prignitz – A–M. 2012, S. 451.
  4. Christian Bark: Den Geheimnissen von Kuhlmühle auf der Spur. In: Märkische Allgemeine, 17. Januar 2017, abgerufen am 7. Januar 2019.
  5. Stadtchronist Hubert Boger über Ausflugsziele in der Region. In: Märkische Allgemeine. 30. Juli 2003.
  6. Geoff Walden: Third Reich in Ruins. Thingplatz / Thingstätte Sites. Abgerufen am 14. April 2013.
  7. Kuhlmühle. In: Berlinchen-TV. Abgerufen am 14. April 2013 (Postkarte aus dem Ferienlager).
  8. Gerhard Richter: Alternatives Wohnen: Das gute Landleben in Brandenburg. In: Deutschlandfunk Kultur, 20. Oktober 2016, abgerufen am 7. Januar 2019.
  9. Claus-Dieter Steyer: Letztes Kommando am Bombodrom. In: Der Tagesspiegel Berlin. 30. September 2011, abgerufen am 14. April 2013.
  10. Coolmühle e. V., abgerufen am 31. Dezember 2018.
  11. Björn Wagener: Ein Verein baut sich seine Welt. In: Märkische Allgemeine, 25. August 2017, abgerufen am 7. Januar 2019.
  12. Wir über uns, Webseite des Handmühlenmuseums, abgerufen am 31. Dezember 2018.