Kuhschellen

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Kuhschellen
Gewöhnliche Kuhschellen (Pulsatilla vulgaris)

Gewöhnliche Kuhschellen (Pulsatilla vulgaris)

Systematik
Eudikotyledonen
Ordnung: Hahnenfußartige (Ranunculales)
Familie: Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)
Unterfamilie: Ranunculoideae
Tribus: Anemoneae
Gattung: Kuhschellen
Wissenschaftlicher Name
Pulsatilla
Mill.

Die Kuhschellen oder Küchenschellen [eigentlich: Kühchenschellen] (Pulsatilla) bilden eine Pflanzengattung in der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Genetische Untersuchungen haben gezeigt, dass die Arten dieser Gattung eigentlich den Windröschen (Anemone), bei denen sie ursprünglich durch Carl von Linné beschrieben wurden, zugerechnet werden könnten.[1] Ihre Arten blühen alle im Frühjahr und sie sind in Eurasien und Nordamerika beheimatet. Der botanische Gattungsname leitet sich aus dem lateinischen pulsare für "läuten, schlagen" ab und bezieht sich auf die glockenförmigen Blüten vieler Arten.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration aus Curtis's Botanical Magazine, Tafel 7858 von Pulsatilla cernua
Gewöhnliche Kuhschelle, kurz vor der Reife der federschweifigen Früchtchen

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kuhschellen sind ausdauernde krautige Pflanzen. Sie bilden aufrechte Rhizome als Überdauerungsorgane. Blätter und Stängel sind meist lang, weich, silbergrau behaart. Die in grundständigen Rosetten zusammenstehenden Laubblätter sind lang gestielt und ein- bis mehrfach gefiedert oder gefingert, mit fiederspaltigen bis fiederschnittigen Fiederblättchen.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Blütenstandsschaft befindet sich ein Quirl aus drei in unterschiedlichem Ausmaß reduzierten und am Grund meist miteinander verwachsenen Blättern, die eine glockenförmige Hülle bilden.

Die zwittrigen, radiärsymmetrischen Blüten stehen einzeln am Ende des Stängels. Die weiße, rosa, violette oder rote Blütenhülle besteht aus zwei untereinander nicht sehr verschiedenen Kreisen aus jeweils drei Blütenhüllblättern, die außen meist dicht zottig behaart sind. Die Form der Blüte ähnelt oft einem Glöckchen oder auch einer Kuhschelle. Die Verkleinerungsform Kühchen hat zur Bezeichnung Küchen-Schelle geführt. Der botanische Name stammt ebenfalls von der glockigen Blütenform (lat. pulsare „schlagen“, „läuten“). Es sind viele gelb oder purpur gefärbte, freie Staubblätter vorhanden und außer bei Pulsatilla kostyczewii eine Reihe Staminodien (staminodialen Nektarien). Die zahlreichen, nicht miteinander verwachsenen Fruchtblätter besitzen jeweils nur eine Samenanlage. Die langen Griffel sind federförmig und vergrößern sich bis zur Fruchtreife.

In einem kugeligen Fruchtstand stehen viele, kleine, spindelförmige Nüsschen („Achänen“) zusammen, die sich jeweils aus einem freien Fruchtblatt entwickeln, an denen der Griffel, stark verlängert und zottig behaart, einen Federschweif bildet. Die Früchte der Kuhschellen sind Federschweifflieger und bohren sich mit scharfen Spitzen durch hygroskopische Bewegungen tief in den Boden ein.

Kaukasische Kuhschelle (Pulsatilla albana)
Alpen-Kuhschelle (Pulsatilla alpina subsp. alpina)
Gelbe Alpen-Kuhschelle (Pulsatilla alpina subsp. apiifolia)
Die Brockenanemone (Pulsatilla alpina subsp. austriaca) in den Vogesen
Berg-Kuhschelle (Pulsatilla montana)

Inhaltsstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kuhschellen enthalten wie alle Hahnenfußgewächse das sehr giftige Protoanemonin (Anemonol), das beim Trocknen in das weniger giftige Anemonin umgewandelt wird.

Systematik und Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es ist eine Gattung der Nordhalbkugel. Das Verbreitungsgebiet reicht von Eurasien bis Nordamerika. Elf Arten kommen in China vor.[2]

Es gibt etwa 33 Arten in der Gattung Kuhschellen (Pulsatilla) (Auswahl):

  • Pulsatilla ajanensis Regel et Til.
  • Kaukasische Kuhschelle oder Gelbliche Kuhschelle (Pulsatilla albana (Stev.) Bercht. & J.Presl), Heimat: Türkei, Kaukasus, Transkaukasus, Iran
  • Alpen-Kuhschelle (Pulsatilla alpina Delarbre): Es gibt mindestens drei Unterarten:
    • Alpen-Kuhschelle (Pulsatilla alpina Delarbre subsp. alpina), Heimat: Gebirge Europas, Kaukasus
    • Kleine Alpen-Kuhschelle oder Brockenanemone (Pulsatilla alpina subsp. austriaca Aichele & Schwegler; Syn.: Pulsatilla alba Rchb., Pulsatilla alpina subsp. alba (Rchb.) Zämelis & Paegle), Gebirge Europas
    • Gelbe Alpen-Kuhschelle (Pulsatilla alpina subsp. apiifolia Nyman; Syn.: Pulsatilla alpina subsp. sulphurea (DC.) Zämelis), Heimat: Gebirge Europas
  • Pulsatilla ambigua (Turcz. ex Hayek) Juz., Heimat: Westsibirien, Zentralasien, Mongolei, China
  • Goldgelbe Kuhschelle (Pulsatilla aurea (N.Busch) Juz.), Heimat: Matten, Schneetälchen und Rhododendron-Gebüsche im Kaukasus
  • Pulsatilla bungeana C.A.Mey., Heimat: Westsibirien, Mongolei
  • Pulsatilla campanella Fisch. ex Krylov, Heimat: Westsibirien, Zentralasien, Nordmongolei
  • Pulsatilla cernua (Thunb.) Berchtold & Presl, Heimat: Mandschurei, Korea, Japan
  • Pulsatilla chinensis (Bunge) Regel: Sie kommt in China, Korea und im fernöstlichen Russland vor.[2]
  • Pulsatilla dahurica (Fisch. ex DC.) Spreng..: Sie kommt in China, Korea und in Russland vor.[2]
  • Pulsatilla georgica Rupr., Heimat: Kaukasus
  • Große Kuhschelle (Pulsatilla grandis Wender.; wird auch als Unterart subsp. grandis (Wender.) Zämelis zu Pulsatilla vulgaris gestellt), Heimat: Trockenrasen im subkontinentales Europa in Höhenlagen von 200 bis 1800 Metern
  • Hallers Kuhschelle (Pulsatilla halleri (All.) Willd.), Heimat: Alpen der Schweiz, Italien und Frankreich
  • Korea-Kuhschelle (Pulsatilla koreana (Y.Yabe ex Nakai) T. Mori), Heimat: Japan, Korea, China, Amurgebiet
  • Pulsatilla kostyczewii (Korsh.) Juz..: Sie kommt in Kirgisistan, Tadschikistan und im westlichen Xinjiang vor.[2]
  • Pulsatilla millefolium (Hemsl. & E.H.Wilson) Ulbr..: Sie kommt in Sichuan und im nordöstlichen Yunnan vor.[2]
  • Berg-Kuhschelle (Pulsatilla montana Rchb.), Heimat: kolline bis subalpine Trockenwiesen der Südalpen, der Balkanhalbinsel und der Krim
  • Schwarze Kuhschelle (Pulsatilla nigricans Störck, Syn.: Pulsatilla pratensis subsp. nigricans (Störck) Zämelis), Heimat: Europa
  • Pulsatilla occidentalis (S. Watson) Freyn, Heimat: Kanada und USA
  • Innsbrucker Küchenschelle[3] (Pulsatilla oenipontana Dalla Torre & Sarnthein; wird auch von manchen Autoren zu Pulsatilla vulgaris gestellt), Heimat: Österreich (Inntal)
  • Finger-Kuhschelle (Pulsatilla patens (L.) Mill.), Heimat: Europa, Asien und Nordamerika, mit folgenden Unterarten:
    • Gelbliche Finger-Kuhschelle (Pulsatilla patens subsp. flavescens (Zucc.) Zämelis, Syn.: Pulsatilla flavescens (Zucc.) Juz.), Heimat: Birken-, Lärchen- und Kiefernwälder, Wiesen und Flusstäler in Osteuropa, Sibirien und der Mongolei
    • Pulsatilla patens subsp. hirsutissima Zämelis
    • Pulsatilla patens subsp. multifida (Pritz.) Zämelis
    • Pulsatilla patens (L.) Mill. subsp. patens
  • Wiesen-Kuhschelle (Pulsatilla pratensis (L.) Mill.), Heimat: gemäßigten subkontinentales Europa, in Sandrasen und Trockenrasen und Kiefernwäldern besonders der Ebene und bis zur Bergstufe, darunter die Unterart:
    • Pulsatilla pratensis subsp. bohemica Skalický
  • Rote Kuhschelle (Pulsatilla rubra (Lam.) Delarbre), sie kommt nur in Frankreich und Spanien vor
  • Slawische Kuhschelle (Pulsatilla slavica G. Reuss; wird aus als Unterart subsp. slavica (G. Reuss) Zämelis zu Pulsatilla haller gestellt), Heimat: Grasfluren und Kiefernwälder der Westkarpaten in Höhenlagen von 250 bis 1750 Metern
  • Steirische Kuhschelle[3] (Pulsatilla styriaca (Pritz.) Simonk.; wird auch als Unterart subsp. styriaca (Pritz.) Zämelis zu Pulsatilla halleri gestellt), Heimat: submontane bis montane Felsrasen und Kiefernwälder der Ostalpen (Steiermark)
  • Pulsatilla sukaczevii Juz..: Sie kommt in China, in der Mongolei und im östlichen Sibirien vor.[2]
  • Pulsatilla tatewakii Kudo
  • Pulsatilla taurica Juz.
  • Pulsatilla tenuiloba (Hayek) Juz.: Sie kommt in China, in der Mongolei und im westlichen Sibirien vor.[2]
  • Pulsatilla turczaninovii Krylov & Serg., Heimat: Sibirien, Amurgebiet, Mandschurei, Ostmongolei
  • Frühlings-Kuhschelle (Pulsatilla vernalis (L.) Mill.), Heimat: Europa, auf Magerrasen und in Kiefernwäldern in Höhenlagen zwischen 200 und 3100 Metern
  • Gewöhnliche Kuhschelle[3] (Pulsatilla vulgaris Mill.): Sie gedeiht in Trockenrasen und Kiefernwälder Europas bis zu Höhenlagen von 1000 Metern.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hoot, S. B., A. A. Reznicek, and J. D. Palmer (1994): Phylogenetic relationships in Anemone (Ranunculaceae) based on morphology and chloroplast DNA. Syst. Bot. 19: 169-200.
  2. a b c d e f g Wang Wencai, Bruce Bartholomew: Pulsatilla, S. 329 textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zhengyi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 6: Caryophyllaceae through Lardizabalaceae. Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 2001, ISBN 1-930723-05-9.
  3. a b c Walter Erhardt, Erich Götz, Nils Bödeker, Siegmund Seybold: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band 2. Arten und Sorten. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2008, ISBN 978-3-8001-5406-7.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wang Wencai, Bruce Bartholomew: Pulsatilla, S. 329 textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zhengyi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 6: Caryophyllaceae through Lardizabalaceae. Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 2001, ISBN 1-930723-05-9.
  • David Aeschimann, Konrad Lauber, Daniel Martin Moser, Jean-Paul Theurillat: Flora alpina. Band 1. Lycopodiaceae-Apiaceae. Haupt Verlag, Bern, Stuttgart, Wien, 2004, ISBN 3-258-06600-0.
  • Eckehart J. Jäger, Friedrich Ebel, Peter Hanelt, Gerd K. Müller: Exkursionsflora von Deutschland. Band 5. Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum Akademischer Verlag. Berlin, Heidelberg 2008. ISBN 978-3-8274-0918-8
  • Dietmar Aichele, Heinz-Werner Schwegler: Die Taxonomie der Gattung Pulsatilla. In: Feddes Repertorium, Band 60, 1957, Seite 1–230.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kuhschellen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Kuhschelle – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen