Kultfabrik

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Kultfabrik ist ein am 11. April 2003 eröffnetes Kultur- und Veranstaltungszentrum in München und Nachfolger des Kunstparks Ost. Das Zentrum wurde 2016 geschlossen und im Rahmen eines Stadtentwicklungsprojekts bis Sommer 2017 weitgehend abgerissen, nur einige wenige Discotheken sind noch auf dem Gelände.

Kunstpark Ost (KPO)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kunstpark Ost war ein 90.000 m² großes Freizeitareal und Veranstaltungszentrum auf einem ehemaligen Fabrikgelände im Münchner Stadtteil Berg am Laim direkt am Ostbahnhof, das vom September 1996 bis zum 31. Januar 2003 bestand.

1996 verlagerte der seit 1993 zur Unilever-Gruppe zählende Lebensmittelhersteller Pfanni die Produktion aus seinem Münchner Stammwerk nach Mecklenburg-Vorpommern. Das leerstehende Fabrikgelände wurde an den Münchner Unternehmer Wolfgang Nöth verpachtet, der dort ein „Vergnügungsgebiet“ einrichtete. Nöth hatte bereits Erfahrungen mit einem ähnlichen Projekt auf dem Gelände des 1992 aufgegebenen Flughafens München-Riem gesammelt, welches jedoch der neuen Messestadt Riem weichen musste.

Auf dem Gelände der früheren Pfanni-Fabrik nahmen im September 1996 rund 30 Diskotheken (beispielsweise das Babylon, Ultraschall, KW – Das Heizkraftwerk, Natraj Temple und K 41), Clubs (beispielsweise die Cohibar), Bars, Restaurants, Spielhallen, rund 60 Künstlerateliers und 30 Kleinunternehmen den Betrieb auf. In regelmäßigen Abständen wurden ferner Konzerte sowie Kunst- und Antiquitätenflohmärkte abgehalten. Nicht zuletzt aufgrund der verkehrsgünstigen Lage am Bahnhof München Ost konnte das Areal vor allem an den Wochenenden zahlreiche Besucher anziehen. 250.000 Personen pro Monat, davon rund die Hälfte aus dem weiteren Münchner Umland, waren über Jahre der Normalfall.

Dem Namen zum Trotz war der Kunstpark Ost stets als Wirtschaftsunternehmen konzipiert. Kritik am Kunstpark Ost bezog sich entsprechend oftmals auf die profitorientierte im Gegensatz zur implizierten „subkulturellen“ Ausrichtung.

Zum 31. Januar 2003 wurde der Kunstpark Ost aufgelöst. Einige Clubs wanderten ab und suchten sich neue Hallen wie z. B. das Babylon, das in die Elserhallen in der Nachbarschaft zog, andere blieben an Ort und Stelle, und das Areal des alten KPOs trägt nun die Bezeichnungen Kultfabrik. Die Optimolwerke entstanden in unmittelbarer Nachbarschaft.

Nachfolger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultfabrik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultfabrik Eingang

Die Kultfabrik befindet sich an der Grafinger Straße auf dem Gelände der ehemaligen Pfanni-Werke. Sie umfasst über 25 Clubs, Diskotheken, Bars, Konzerthallen und diverse Veranstaltungslocations und ist daher Anlaufpunkt für alle Musikrichtungen. Das Areal der heutigen Kultfabrik ist insgesamt 90.000 Quadratmeter groß und beheimatet neben den Clubs und Diskotheken über 100 gewerbliche Mieter, die Kunsthalle whiteBOX, mehrere Theaterhallen, die Konzert- und Eventhalle TonHalle, Europas höchste Indoor-Kletterhalle Heavens Gate, einen 2.000 Quadratmeter großen Stadtstrand, verschiedene gewerbliche Einrichtungen, bildende Künstler, Band- und Proberäume, das Kinder-ErlebnisKraftwerk Kulti-Kids, das vom Verein Kulti-Kids e.V. geführt wird, sowie Imbissbuden, Kleinunternehmen und Geschäfte. Insgesamt arbeiten auf dem Gelände rund 1.700 Personen.

Die Clubs der Kultfabrik sind: Tonhalle (bekannt durch Livekonzerte und Events), Kantine, New York Tabledance, 11er, Americanos, Die Bar, Eddy's Rockclub, Herzglut, Kölsch Bar, La Dolce Vita, Latino's Bar & Club, Living4, Mondscheinbar, Mr. Wong, Nachtfee, Nox Club Munich, Pub Crawl Munich, Rafael, Roses, Schlagergarten, The Temple Bar, Titty Twister, Willenlos. Einige davon gab es schon im Kunstpark Ost.

Im Herzen der Kultfabrik befindet sich die Kantine, die sich je nach Tageszeit und Anlass in ein großräumiges Café, Restaurant oder Nightlife-Bar verwandelt. Als eines der wenigen Restaurants in München hat die Kantine auch nachts geöffnet: essen und trinken können Nachtschwärmer hier sogar bis um 5 Uhr in der Früh. Auf der Speisekarte stehen neben Burgern mit Pommes auch eine Vielzahl mediterraner Speisen, Pasta, Holzofenpizza, aber auch Hausmannskost. Bereits zu Kunstpark Ost-Zeiten war die Kantine – unter ihrem damaligen Namen nachtkantine – ein bekannter und beliebter Anlaufpunkt, der neben Speisen und Cocktails auch wechselnde DJ-Abende auf dem Programm hatte. Und die Kantine kann sogar noch auf mehr zurückblicken. So kommt etwa der Name Kantine nicht von ungefähr: von 1969 bis 1996 diente das heutige Szenelokal Kantine der Firma Pfanni als Werkskantine. Damals verköstigte die Werkskantine täglich über 400 Mitarbeiter.

Im Frühjahr 2004 wurde im westlichen Teil des Geländes der Ausstellungsort whiteBOX (ehemaliges Werk 3 der Pfanni-Fabrik) mit 1000 Quadratmetern Fläche eröffnet. Den Auftakt machte die Ausstellung „All about pillows“ („Alles über Kissen“). Die Kissenkunstschau wurde zuvor in Mailand, und nach der Münchner Ausstellung in Paris gezeigt. Unter den 180 Arbeiten internationaler Künstler fanden sich auch welche von Yoko Ono, Ugo Dossi und Andrea Contin. Seit Dezember 2005 wird die sich über zwei Stockwerke erstreckende whiteBOX von dem gleichnamigen, gemeinnützigen Kunstverein betrieben. Die Kunsthalle ist dank seiner vielen nationalen und internationalen Ausstellungen und Performances in München zu einer viel beachteten Kunstlocation avanciert. Im Augenblick ist die whiteBOX aufgrund von sanierungsarbeiten bis Anfang 2015 geschlossen.

Das ErlebnisKraftwerk Kulti-Kids, das von dem gemeinnützigen Verein Kulti-Kids betrieben wird, ist im ehemaligen Heizkraftwerk der Pfanni-Fabrik untergebracht. Die Halle, die mit einem Rutschen-Parcours und diversen Spielattraktionen ausgestattet ist, bietet Kindern und Jugendlichen auf drei Ebenen viel Platz zum Spielen und Toben und ist am Wochenende zum offenen Spielbetrieb geöffnet. Während der Woche lädt ein vielseitiges Freizeitangebot (Kinderzirkus „TRAU DICH“, aktive Krabbelgruppe, musikalische Früherziehung, etc.) Kinder und ihre Eltern zu Sport, Basteln und anderen Aktivitäten ein. Auch private Kindergeburtstage können dort gefeiert werden.

Seit Anfang 2007 befindet sich die Halle7 mit ihren festen Spielorten darkBOX und duschBOX auf dem Gelände. Das Konzept der Halle7: Schauspieler und Bühnenkünstler aus dem Bereich darstellende Kunst sollen hier die Möglichkeit bekommen, auch während einer Phase der nicht regulären Beschäftigung weiter in ihrem Beruf zu arbeiten. Die Inszenierungen der Halle7, darunter viele Uraufführungen junger Autoren aus dem deutschsprachigen Raum, rufen stets reges Medieninteresse, regional und überregional hervor.

Ebenfalls auf dem Kultfabrik-Gelände angesiedelt ist das Kartoffelmuseum. Die von der Stiftung Otto Eckart gegründete Einrichtung wurde 1996 eröffnet. Das Kartoffelmuseum zeigt eine facettenreiche Sammlung von Exponaten rund um das Thema Kartoffel und ist weltweit das einzige Museum, das sich der Kartoffel ausschließlich in kunst- und kunsthistorischer Hinsicht widmet und über eine große Fachbibliothek verfügt. 2006 wurde das Kartoffelmuseum um das Pfanni-Museum erweitert. 2011 bietet das Kartoffelmuseum einen außergewöhnlichen Beitrag zum Blauen Jahr, indem es der blauen Kartoffel eine ganzjährige Ausstellung widmet.

Optimolwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Optimolwerke Eingang

Die ehemalige Führung des Kunstparks Ost hat inzwischen unter dem Namen Optimolwerke auf dem gleichnamigen ehemaligen Firmengelände ein weiteres, kleineres Gelände speziell für Diskotheken und Clubs eröffnet, dessen Eingang sich ziemlich am Ende der Friedenstraße befindet.

Die Optimolwerke beherbergen unter anderem Kuhstall, Club Movida, Club Duo (Fusion durch Club 4 und Choice Club), Die Burg, die Theaterfabrik sowie die Techno-Clubs Bullitt und Grinsekatze. Zuerst waren die beiden Areale durch einen Weg verbunden. Diese Verbindung wurde jedoch abgeriegelt, um den Gästen des jeweiligen Geländes das Wechseln zu erschweren. Zwei prominente Clubs der Optimolwerke – das Harry Klein und die Milchbar – verließen das Gelände im Juni 2010 bzw. April 2013 und zogen in die Münchner Innenstadt (Sonnenstraße).[1][2][3]

Zukunft des Areals[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den kommenden Jahren ist der Abriss eines Teils des ehemaligen Pfanni- und Kunstpark-Geländes zugunsten von Büro- und Wohngebäuden geplant. Der Nutzungsvertrag der Optimolwerke für das Gelände am Ostbahnhof lief bis 2015.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kultfabrik (München) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bumm-Bumm an der Sonnenstraße www.sueddeutsche.de, 21. November 2007
  2. Wie die Milchbar zu ihrem Namen kam www.sueddeutsche.de, 13. April 2013
  3. Tanz um die Party-Zonen www.sueddeutsche.de, 11. Mai 2010

Koordinaten: 48° 7′ 26″ N, 11° 36′ 29″ O