Kultur- und Kongresszentrum Luzern

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Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL)
Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL)
Saal für Konzerte (KKL)
Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL)
KKL Blueballs Festival 2010 Konzert (KKL)

Das Kultur- und Kongresszentrum Luzern (kurz KKL) wurde 1998 mit der Einweihung des Konzertsaals eröffnet. Das KKL Luzern ist ein multifunktionaler Bau in Luzern mit einem Konzertsaal, der für seine hochkarätige Akustik geschätzt wird, gebaut nach den Plänen des Architekten Jean Nouvel. Das KKL wurde 1998 mit einem Konzert der Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Claudio Abbado eröffnet.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich plante Jean Nouvel, den neuen Konzertsaal in Schiffsform direkt in den Vierwaldstättersee zu bauen. Aus städtebaulichen und ökologischen Gründen konnte diese Idee nicht realisiert werden. Nouvel überarbeitete das Projekt und kam zu folgender Lösung: Wenn ich nicht zum Wasser gehen kann, soll das Wasser zu mir kommen. Mit dem Begriff Inclusion beschreibt Nouvel seine Idee, das Äussere nach innen und das Innere nach aussen zu tragen. Mit Wasserkanälen, die direkt ins Gebäude hinein führen, und einem Dach, das bis über den See hinaus reicht, gibt Nouvel seiner Idee der Inclusion eine konkrete Form.[1]

Die Frontsicht besteht aus drei Gebäudeteilen, die die Funktion visuell nach Aussen tragen; dazwischen befindet sich sowohl im Innern wie auch auf dem Vorplatz Wasser. Die drei Gebäudeteile beherbergen den Konzertsaal, den multifunktionalen Luzerner Saal, das Kunstmuseum Luzern und weitere Konferenz- und Tagungsräumlichkeiten. Hinzu kommen diverse gastronomische Einrichtungen (Restaurant RED, World Café, Seebar, die Sommerbar Dock 14, die Winterbar Pirouette und das Café im Kunstmuseum Luzern). In der Architektur des KKL drückt sich zugleich auch die Philosophie des Hauses aus: Unter dem einen grossen Dach finden verschiedenste Anlässe statt, und zwar nicht nur einzeln für sich, sondern – bei durchlässigen Grenzen – auch miteinander. Diese Events umfassen die Bereiche Kultur, Kongresse und Gastronomie.[1]

Eine optimale Akustik wird durch das Verhältnis von Raumhöhe, Breite und Länge im Verhältnis von 1:1:2 (22:22:46 Meter) erreicht, das sogenannte Prinzip der shoebox. Das Saalvolumen von 19'000m³ gibt dem Klang genug Raum und erzeugt dadurch einen runden, weichen Nachhall. Ein zusätzliches akustisches Element sind die rund 24'000 quadratischen Gips-Reliefs mit einer Kantenlänge von 20 Zentimeter, welche die Schallreflexion aufbrechen, multiplizieren und verteilen.[2]

Kosten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Baukosten für das KKL beliefen sich auf 226,5 Millionen Franken (inklusive Tiefgarage). Finanziert wurde das Haus am Vierwaldstättersee mittels einer Public Private Partnership: Öffentliche Hand und private Investoren ermöglichten gemeinsam den Bau des neuen Kultur- und Kongresszentrums Luzern.

Konzertsaal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Konzertsaal gilt als einer der besten Säle für klassische Konzerte. Sowohl der visuelle als auch der technische Innenausbau suchen seinesgleichen und waren Beispiel für das Konzerthaus Dortmund, das im Jahre 2002 eröffnet wurde. Der Akustiker Russel Johnson hat in Zusammenarbeit mit Jean Nouvel einen erstklassigen Konzertsaal geschaffen. Der Klangkörper in Form eines Schiffsrumpfs verfügt unter anderem über elektrisch verstellbare Klang-/Echokammern und besonders gestaltete Gipsreliefs. Diese variable Gestaltung ermöglicht eine Abstimmung auf die unterschiedlichen Anforderungen der gespielten Musik. Die Isolation des Klangkörpers ist besonders aufwändig gestaltet, beispielsweise wurden die Eingänge als Schleusen konzipiert. Im Innern ist die Stille fast schon physisch erlebbar.

Durch die hochkarätige Akustik nimmt die klassische Musik eine ganz besondere Stellung ein in der Programmgestaltung. Während mehrerer Wochen im Spätsommer ist das Haus exklusiv für die klassischen Konzerte des Lucerne Festival reserviert, das durchweg ein hochstehendes Musikprogramm mit den besten Philharmonikern der Welt bietet. Neben den klassischen Konzerten wird aber auch ein vielfältiges Programm geboten, von Gospel-Chören bis hin zum Blues.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel im grossen Saal wurde im Jahre 2000 von der Orgelbaufirma Goll AG (Luzern) erbaut. Das Schleifladen-Instrument hat 66 Register auf vier Manualen und Pedal. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen sind mechanisch und elektrisch.[3]

I Hauptwerk C–a3
Principal 16‘
Gedackt 16‘
Principal 8‘
Gedackt 8‘
Hohlflöte 8‘
Gamba 8‘
Octave 4‘
Flöte 4‘
Quinte 22/3
Octave 2‘
Mixtur major 2‘
Mixtur minor 11/3
Cornet V (ab c1) 8‘
Bombarde 16‘
Trompete 8‘
Clairon 4‘
III Schwellwerk C–a3
Gedackt 16‘
Diapason 8‘
Flûte harmonique 8‘
Nachthorn 8‘
Gamba 8‘
Voix céleste 8‘
Octave 4‘
Dolce 4‘
Flûte octaviante 4‘
Nasard 22/3
Octavin 2‘
Terz 13/5
Plein Jeu 2‘
Bombarde 16‘
Trompette harmonique 8‘
Oboe 8‘
Vox humana 8‘
Clairon 4‘
Tremulant
II Schwellpositiv C–a3
Quintatön 16‘
Principal 8‘
Koppelflöte 8‘
Salicional 8‘
Octave 4‘
Rohrflöte 4‘
Nasard 22/3
Quarte de Nasard 2‘
Terz 13/5
Larigot 11/3
Piccolo 1‘
Zimbel 1‘
Fagott 16‘
Trompete 8‘
Cromorne 8‘
Tremulant


IV Solo C–a3
Chamade 16‘
Chamade 8‘
Pedal C–g1
Untersatz 32‘
Principalbass 16‘
Violonbass 16‘
Subbass 16‘
Octavbass 8‘
Violon 8‘
Gedackt 8‘
Octave 4‘
Flöte 4‘
Hintersatz 22/3
Contraposaune 32‘
Posaune 16‘
Fagott 16‘
Trompete 8‘
Clairon 4‘
  • Koppeln: II/I, III/I, IV/I, III/II, I/P, II/P, III/P, IV/P

Architekturkritik/Diskussion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Messer, Klingen, Fallbeile. Revisited: An Jean Nouvels vor fünf Jahren eröffnetem Kultur- und Kongresszentrum in Luzern beeindruckte vor allem das Dach. Von Peter Neitzke, Frankfurter Rundschau, 15. Oktober 2003.
  • Multiplikatoreneffekte in Luzern. Roland Scherer im Gespräch mit Jörg Seifert, in: Raimund Blödt, Frid Bühler, Faruk Murat, Jörg Seifert: Beyond Metropolis. Eine Auseinandersetzung mit der verstädterten Landschaft, Sulgen/Zürich: Niggli Verlag 2006, ISBN 3-7212-0583-9.
  • Architektur als Mutter aller Künste. Gesamteröffnung des Kunst- und Kongresszentrums Luzern. Von Roman Hollenstein, (PDF-Datei), Neue Zürcher Zeitung, 25. März 2000.
  • Türenschlagen für den Musik-Genuß. Diktat der Akustiker, Triumph der Akustiker: Jean Nouvels und Russell Johnsons neuer Konzertsaal der Musikfestspiele Luzern. Von Thomas Delekat, Die Welt, 21. August 1998.
  • Thomas Stadelmann: KKL Luzern, eine Bildlegende. In: werk, bauen + wohnen, Nr. 9/1998, S. 30–32.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Bühlmann: KKL – Kultur- und Kongresszentrum Luzern: die Geschichte seines Werdens, die Zukunft seiner Idee (im Auftrag der Trägerstiftung Kultur- und Kongresszentrum Luzern und der Stiftung Konzerthaus Luzern). Zürcher, Rotkreuz 1998, ISBN 3-909287-17-4.
  • Elisabeth Dalucas, Daniel Buchmüller (Hrsg.), Hans-Peter Aebi, Emanuel Ammon: Dach für Luzern. Schweizer Ikone. Europäisches Haus. 10 Jahre KKL Luzern. Faro / Fona, Lenzburg 2010, ISBN 978-3-03781-003-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kultur- und Kongresszentrum Luzern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Architektur. Kultur- und Kongresszentrum Luzern, abgerufen am 1. Mai 2017.
  2. Akustik. Kultur- und Kongresszentrum Luzern, abgerufen am 1. Mai 2017.
  3. Informationen zur Orgel auf der Website der Erbauerfirma.

Koordinaten: 47° 3′ 1″ N, 8° 18′ 43″ O; CH1903: 666358 / 211396