Kultur- und Kongresszentrum Luzern

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
KKL Luzern
KKL Luzern
Blick auf das KKL Luzern von einem Schiff
Basisdaten
Ort: Luzern
Bauzeit: 1995–2000
Eröffnung: 18. August 1998 (Konzertsaal)
März 2000 (Gesamtgebäude)
Architekt: Jean Nouvel
Koordinaten: 666358 / 211396Koordinaten: 47° 3′ 1″ N, 8° 18′ 43″ O; CH1903: 666358 / 211396
Kultur- und Kongresszentrum Luzern (Kanton Luzern)
Kultur- und Kongresszentrum Luzern (Kanton Luzern)
Nutzung/Rechtliches
Nutzung: Konzertanlässe, Kongressanlässe, Kunstmuseum
Arbeitsplätze: 380
Eigentümer: Trägerstiftung am See
Hausverwaltung: KKL Luzern Management AG
Technische Daten
Höhe: 21 m
Baukosten: 226.6 Millionen Schweizer Franken
Anschrift
Anschrift: Europaplatz 1
Postleitzahl: 6005 Luzern
Stadt: Luzern
Land: Schweiz

Das Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) wurde 1998 eröffnet. Das KKL, erbaut nach den Plänen des Architekten Jean Nouvel, ist ein multifunktionaler Bau in der Stadt Luzern. Der Konzertsaal, der für seine Akustik geschätzt wird, ist das Herzstück des Zentrums. Weiter befinden sich das Kunstmuseum Luzern, der multifunktionale «Luzerner Saal», diverse Gastronomiebetriebe sowie verschiedene Kongress- und Meetingräume im KKL. Das KKL wurde 1998 mit einem Konzert der Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Claudio Abbado eröffnet.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eingangsbereich des Konzertsaal-Trakts

Ursprünglich plante Jean Nouvel, den neuen Konzertsaal in Schiffsform direkt in den Vierwaldstättersee zu bauen. Aus städtebaulichen und ökologischen Gründen konnte diese Idee nicht realisiert werden. Nouvel überarbeitete das Projekt und kam zu folgender Lösung: Wenn ich nicht zum Wasser gehen kann, soll das Wasser zu mir kommen. Mit dem Begriff Inclusion beschreibt Nouvel seine Idee, das Äussere nach innen und das Innere nach aussen zu tragen. Mit Wasserkanälen, die direkt ins Gebäude hinein führen, und einem Dach, das bis über den See hinaus reicht, gab er seiner Idee der Inclusion eine konkrete Form.[1] Durch die zwei Wasserkanäle entstanden drei eigenständige Gebäudeteile: Konzertsaal-Trakt, Luzerner Saaltrakt sowie Kongress- und Museumstrakt. Die drei Gebäude reihen sich wie Schiffe in der Werft aneinander und unterscheiden sich durch ihre eigenständige Identität. In der Architektur des KKL drückt sich zugleich auch die Philosophie des Hauses aus: Unter dem einen grossen Dach finden verschiedenste Anlässe statt, und zwar nicht nur einzeln für sich, sondern – bei durchlässigen Grenzen – auch miteinander. Diese Events umfassen die Bereiche Kultur, Kongresse und Gastronomie.[2]

Kosten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Baukosten für das KKL beliefen sich auf 226,5 Millionen Franken (inklusive Tiefgarage). Finanziert wurden diese gemeinsam durch die öffentliche Hand und private Investoren.

Konzertsaal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konzertsaal mit Orgel und Klang­kammern

Der vom Akustiker Russell Johnson in Zusammenarbeit mit Jean Nouvel geschaffene Konzertsaal gilt als einer der besten Säle für klassische Konzerte. Der Klangkörper in Form eines Schiffsrumpfs verfügt unter anderem über elektrisch verstellbare Klang-/Echokammern und besonders gestaltete Gipsreliefs. Diese variable Gestaltung ermöglicht eine Abstimmung auf die unterschiedlichen Anforderungen der gespielten Musik. Die Isolation des Klangkörpers ist besonders aufwändig gestaltet, beispielsweise wurden die Eingänge als Schleusen konzipiert.

Eine optimale Akustik wird durch das Verhältnis von Raumhöhe, Breite und Länge im Verhältnis von 1:1:2 (22:22:46 Meter) erreicht, das sogenannte Schuhschachtel-Prinzip. Das Saalvolumen von 19'000 m3 gibt dem Klang genug Raum und erzeugt dadurch einen runden, weichen Nachhall. Ein zusätzliches akustisches Element sind die rund 24'000 quadratischen Gips-Reliefs mit einer Kantenlänge von 20 Zentimetern, welche die Schallreflexion aufbrechen, multiplizieren und verteilen.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufführung des Requiems von Hector Berlioz mit über 250 Mitwirkenden (2018)

Während mehrerer Wochen im Spätsommer ist das Haus für die klassischen Konzerte des Lucerne Festival reserviert, das ein Musikprogramm mit den besten Philharmonikern der Welt bietet. Neben den klassischen Konzerten wird traditionelle Volksmusik über Blasmusik bis hin zu Jazz und Blues geboten. Als weitere wichtige Festivals mit internationalem Charakter fand von 1999 bis 2019 das Blue Balls Festival (seit 2023 Luzern Live) im Sommer und das World Band Festival Luzern im Herbst statt. Daneben gehören das Luzerner Sinfonieorchester und die Konzertagentur Obrasso Concerts zu den grössten Kulturveranstaltern im KKL.

Das KKL Luzern beherbergt auch diverse gastronomische Einrichtungen. In den Meeting- und Kongressräume finden regelmässig Veranstaltungen, Tagungen, Seminare, Vorträge, Kongresse und Lesungen unterschiedlichster Grösse statt.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründung der Stiftung Konzerthaus unter Präsident Walter von Moos erfolgte 1988. Alice Bucher, Verlegerin und Mäzenin, schenkte der Stadt Luzern 960'000 Franken für die Durchführung eines Architekturwettbewerbs.

1989 gewannen die Architekten Jean Nouvel und Emmanuel Cattani aus Paris den Wettbewerb für ein neues Konzerthaus in Luzern. Das alte Kultur- und Kongresszentrum wurde 1991 nicht unter Denkmalschutz gestellt. Jean Nouvel legte 1992 das architektonische Konzept vor. Im November 1993 bewilligten die Regierungen von Stadt und Kanton Luzern 94 Millionen Franken für den Bau des neuen Kultur- und Kongresszentrums. Im folgenden Jahr bewilligten die Stimmberechtigten der Stadt Luzern 94 Millionen Franken für den Bau. Der erste Spatenstich erfolgte im Januar 1995. Die Gründung der KKL Luzern Management AG zum Betrieb des Hauses erfolgte 1996 durch fünf Luzerner Persönlichkeiten. Die Einweihung und Eröffnung des gesamten Hauses und des Kunstmuseums Luzern erfolgte im Jahr 2000. Das KKL Luzern kostete 2001 gemäss definitiver Bauabrechnung 226.5 Millionen Franken, 32.5 Millionen Franken mehr als geplant.

Hans-Peter Aebi wurde 2002 Verwaltungsratspräsident des KKL Luzern und Präsident der Trägerstiftung. Elisabeth Dalucas übernahm 2003 als CEO die operative Verantwortung für das KKL Luzern und wurde Geschäftsführerin der Trägerstiftung. Zeitgleich wurde die «Seebar» im KKL Luzern als Lounge wieder eröffnet. Mit 55,8 % der Stimmen hiessen die Stimmberechtigten der Stadt Luzern die strukturelle Entlastung und betriebliche Stabilisierung des KKL mit 18 Millionen Franken gut. 2004 wurden im Trakt A das World Café und das Restaurant RED eröffnet.

Pius Zängerle wurde 2010 Verwaltungsratspräsident des KKl Luzern und Präsident der Trägerstiftung. Hans E. Koch übernahm 2011 als CEO die operative Verantwortung für das KKL Luzern und wurde Geschäftsführer der Trägerstiftung. Das KKL Luzern erhielt den «Swiss MICE Award 2015» in der Kategorie «Kongresszentrum». Über 17 Jahre nach seiner Eröffnung übertraf das KKL Luzern 2016 erstmals die Milliarden-Marke hinsichtlich Wertschöpfung. Pro Jahr generierte das KKL Luzern rund 75 Millionen Schweizer Franken Wertschöpfung für die Stadt und die Region Luzern, wie die HSG in der Wertschöpfungsstudie von 2011 berechnete.

Das KKL Luzern gewann 2016 den Swiss Location Award als «beste Kongresslocation der Schweiz». In insgesamt neun Kategorien wurden die schönsten Event-Lokale der Schweiz von über 4'000 Besuchern und Veranstaltern sowie einer unabhängigen Fachjury gewählt. Philipp Keller übernahm per 1. April 2017 als CEO die operative Leitung der KKL Luzern Management AG. Das KKL Luzern lancierte 2017 den neuen Markenauftritt mit einem modularen Logo und einer Inspirationswelle als verbindendes Element. Die vier Markenwerte «Erlebnis-Partner», «Perfekte Gastgeber», «Kreative Pioniere» und «Weltklasse-Luzerner» bildeten die Basis der neuen Markenpositionierung.

Das KKL Luzern feierte 2018 das 20-jährige Jubiläum des Konzertsaals. Zum Jubiläum traten das Lucerne Festival Orchestra unter der Leitung des Dirigenten Riccardo Chailly erstmals mit dem Luzerner Sinfonieorchester mit Peter Oundjian gemeinsam am selben Konzertabend zugunsten des Lucerne Music Lab auf.[4]

Markus Moll wurde 2019 vom Stiftungsrat des KKL Luzern zum neuen Präsidenten der Trägerstiftung Kultur- und Kongresszentrum am See gewählt. Er übernahm das Amt von Markus Thumiger. Felix Howald wurde 2019 von der Generalversammlung zum neuen Verwaltungsratspräsident der KKL Luzern Management AG gewählt. Er wurde der Nachfolger von Peter Mendler, welcher seit 2015 im Amt war. Der Stiftungsrat hiess 2019 den Kredit von 3.8 Mio. Schweizer Franken gut für die Erneuerung der Gastronomie.

Im Frühjahr 2020 wurden das Restaurant RED, das World Café und die Crystal Lounge mit neuen Konzepten eröffnet. Die neu gestalteten Restaurants heissen nun Lucide und Le Piaf und die Crystal Lounge wurde umfunktioniert in einen multifunktionalen Eventraum, das Deuxième.[5] Am 16. und 17. September 2023 feierte das KKL sein 25 Jähriges Bestehen. Das Ziel war es, das KKL während zwei Tagen für die Bevölkerung zu öffnen und für alle zugänglich zu machen. Zum Geburtstag des Hauses erschien auch Jean Nouvel, der Architekt des Gebäudes.[6]

Am 7. Dezember 2024 soll im KKL der Europäische Filmpreis verliehen werden.

Luzerner Sinfonieorchester[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Luzerner Sinfonieorchester ist das Residenzorchester des KKL. Es wurde im Jahr 1805 gegründet. Weiter fungiert das Luzerner Sinfonieorchester als Opernorchester des Luzerner Theaters. Seit der Saison 2021 steht das Orchester unter der Leitung von Chefdirigent Michael Sanderling. Das Luzerner Sinfonieorchester war in den letzten Jahren zu Gast in namhaften Konzerthallen wie dem Grossen Festspielhaus in Salzburg, dem Concertgebouw in Amsterdam, der Schostakowitsch-Philharmonie in St. Petersburg oder dem Théâtre des Champs-Élysées in Paris. Seit 2008 führt das Orchester zudem eine Musikvermittlungsstelle, die einen besonderen Fokus auf die direkte Begegnung von Musikern mit ihrem Publikum und die generationenübergreifende Arbeit legt.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel im grossen Saal wurde im Jahre 2000 von der Orgelbaufirma Goll AG (Luzern) erbaut. Das Schleifladen-Instrument hat 66 Register auf vier Manualen und Pedal. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen sind mechanisch und elektrisch.[7]

I Hauptwerk C–a3
Principal 16′
Gedackt 16′
Principal 8′
Gedackt 8′
Hohlflöte 8′
Gamba 8′
Octave 4′
Flöte 4′
Quinte 223
Octave 2′
Mixtur major 2′
Mixtur minor 113
Cornet V (ab c1) 8′
Bombarde 16′
Trompete 8′
Clairon 4′
III Schwellwerk C–a3
Gedackt 16′
Diapason 8′
Flûte harmonique 8′
Nachthorn 8′
Gamba 8′
Voix céleste 8′
Octave 4′
Dolce 4′
Flûte octaviante 4′
Nasard 223
Octavin 2′
Terz 135
Plein Jeu 2′
Bombarde 16′
Trompette harmonique 8′
Oboe 8′
Vox humana 8′
Clairon 4′
Tremulant
II Schwellpositiv C–a3
Quintatön 16′
Principal 8′
Koppelflöte 8′
Salicional 8′
Octave 4′
Rohrflöte 4′
Nasard 223
Quarte de Nasard 2′
Terz 135
Larigot 113
Piccolo 1′
Zimbel 1′
Fagott 16′
Trompete 8′
Cromorne 8′
Tremulant

IV Solo C–a3
Chamade 16′
Chamade 8′
Pedal C–g1
Untersatz 32′
Principalbass 16′
Violonbass 16′
Subbass 16′
Octavbass 8′
Violon 8′
Gedackt 8′
Octave 4′
Flöte 4′
Hintersatz 223
Contraposaune 32′
Posaune 16′
Fagott 16′
Trompete 8′
Clairon 4′
  • Koppeln: II/I, III/I, III/II, IV/I, I/P, II/P, III/P, IV/P

Architekturkritik/Diskussion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Messer, Klingen, Fallbeile. Revisited: An Jean Nouvels vor fünf Jahren eröffnetem Kultur- und Kongresszentrum in Luzern beeindruckte vor allem das Dach. Von Peter Neitzke, Frankfurter Rundschau, 15. Oktober 2003.
  • Multiplikatoreneffekte in Luzern. Roland Scherer im Gespräch mit Jörg Seifert. In: Raimund Blödt, Frid Bühler, Faruk Murat, Jörg Seifert: Beyond Metropolis. Eine Auseinandersetzung mit der verstädterten Landschaft, Sulgen/Zürich: Niggli Verlag 2006, ISBN 3-7212-0583-9.
  • Architektur als Mutter aller Künste. Gesamteröffnung des Kunst- und Kongresszentrums Luzern. Von Roman Hollenstein, (PDF-Datei), Neue Zürcher Zeitung, 25. März 2000.
  • Türenschlagen für den Musik-Genuß. Diktat der Akustiker, Triumph der Akustiker: Jean Nouvels und Russell Johnsons neuer Konzertsaal der Musikfestspiele Luzern. Von Thomas Delekat, Die Welt, 21. August 1998.
  • Thomas Stadelmann: KKL Luzern, eine Bildlegende. In: werk, bauen + wohnen. Nr. 9/1998, S. 30–32.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Bühlmann: KKL – Kultur- und Kongresszentrum Luzern: die Geschichte seines Werdens, die Zukunft seiner Idee (im Auftrag der Trägerstiftung Kultur- und Kongresszentrum Luzern und der Stiftung Konzerthaus Luzern). Zürcher, Rotkreuz 1998, ISBN 3-909287-17-4.
  • Elisabeth Dalucas, Daniel Buchmüller (Hrsg.), Hans-Peter Aebi, Emanuel Ammon: Dach für Luzern. Schweizer Ikone. Europäisches Haus. 10 Jahre KKL Luzern. Faro / Fona, Lenzburg 2010, ISBN 978-3-03781-003-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kultur- und Kongresszentrum Luzern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Architektur. Kultur- und Kongresszentrum Luzern, abgerufen am 1. Mai 2017.
  2. Akustik. Kultur- und Kongresszentrum Luzern, abgerufen am 1. Mai 2017.
  3. Veranstaltungsräume In: obrassoconcerts.ch, abgerufen am 26. Mai 2020 (Schweizer Hochdeutsch).
  4. Geschichte. Abgerufen am 30. September 2023.
  5. Hugo Bischof: «Le Piaf» und «Lucide»: So heissen die neuen Gastronomiebetriebe im KKL. 3. Februar 2020, abgerufen am 30. September 2023.
  6. Medienmitteilung zum 25 Jährigen Jubiläum des KKL Luzerns. 2023, abgerufen am 30. September 2023.
  7. Informationen zur Orgel auf der Website der Erbauerfirma.