Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Das einzige erhaltene originale Exemplar eines Corputius-Plans von 1566 befindet sich in der Sammlung des Museums

Das Kultur- und Stadthistorische Museum ist ein städtisches Institut in der Altstadt Duisburgs. Bis 1990 trug es den Namen Niederrheinisches Museum.

Es befasst sich mit der Stadtgeschichte Duisburgs und der Volkskunde am Niederrhein. Eine bedeutende Sammlung zum Lebenswerk des Mathematikers und Kartografen Gerhard Mercator sowie Präsentationen von Münzen und Antiken aus der Sammlung Köhler-Osbahr gehören zu den Dauerausstellungen. Das Haus stellt das letzte erhaltene Faksimile eines Corputius-Plans von 1566 aus, der Duisburg, exakt vermessen, aus der Vogelperspektive zeigt. Das Faksimile gehört dem Stadtarchiv Duisburg, welches im Nachbargebäude untergebracht ist.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Anfänge des Aufbaus einer Sammlung von archäologischen Fundstücken gab es im Duisburger Gymnasium spätestens etwa seit der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Über Funde in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde schon 1820 berichtet. Einzelne Objekte wurden im Gymnasium ab etwa 1840 gesammelt und Grabungen wurden von Lehrern und Schülern schon in den 1850er und 1860er Jahren durchgeführt.

In den 1890er Jahren kam es darüber hinaus zu einer privaten Schenkung eines Duisburger Bürgers an die Stadt mit der Bedingung, die übereignete Privatsammlung vorgeschichtlicher Fundstücke in geeigneten Räumen den Bürgern öffentlich zugänglich zu machen.

Hierauf wurde auf Initiative von Heinrich Averdunk – unterstützt durch zahlreiche Bürger und die damalige kommunale Vertretungskörperschaft (Stadtverordnetenversammlung) – 1896 eine Altertümerkommission gegründet.

Mit der Einrichtung eines ersten Museums in Dachgeschossräumen des neuen Rathauses im Jahre 1902 sah die Kommission ihre Arbeit in einem gewissen Grade als abgeschlossen an und wandelte sich noch im gleichen Jahre in einen (Altertümer- und) Museumsverein um.

Seit 1907 erweiterte der Museumsverein seine Sammeltätigkeit auf Werke der zeitgenössischen Kunst.

Der Museumsverein schenkte sein Sammlungsgut 1913 der Stadt Duisburg, die in diesem Jahr auch 100.000 Goldmark für die Errichtung eines eigenen Museumsgebäudes bewilligte. Zur Ausführung dieses Museumsneubauprojekts kam es jedoch kriegsbedingt nicht mehr.

Museumsleiter ist bis 1919 Averdunk, danach leitet zunächst ein engerer Museumsausschuss die Einrichtung unter Federführung des Oberbürgermeisters, von 1926 bis 1930 Eduard Wildschrey, gefolgt von dem Hamborner Museumsleiter Rudolf Stampfuß.

Der Museumsverein stellte 1924 August Hoff als Geschäftsführer ein, der zum Gründungsdirektor eines eigenständigen Kunstmuseums wurde, das bis heute als Lehmbruck-Museum Bestand hat.

Dieses entwickelte sich in wenigen Jahren aus dem 1924 abgezweigten und in der Tonhallenstraße 11 a ausgestellten Teil der Sammlung. Dort wurden Kunst- und kunstgewerbliche Ausstellungen und die inzwischen vergrößerte Lehmbruck-Sammlung gezeigt.

1927 erfolgte eine Umbenennung des im neuen Rathaus verbliebenen Teils des Museums in Averdunk-Museum.

Nach dem Zusammenschluss der Städte Duisburg und Hamborn wurden die vorgeschichtlichen Bestände des Averdunkmuseums im Jahre 1931 in dem 1925 gegründeten Städtischen Museum Hamborn zusammengeführt, welches zunächst die Bezeichnung Städtisches Heimatmuseum führt.

Es folgten weitere Umbenennungen: im Jahre 1935 Niederrheinisches Heimatmuseum und Niederrheinisches Museum im Jahre 1942.

1935 zieht das Museum in eine Villa im Duisburger Kant-Park. Ein Bombenangriff zerstört das Gebäude im Jahre 1945.

Die Museumsbestände werden 1942 ausgelagert und erleiden gleichwohl im Zweiten Weltkrieg einige Kriegsverluste, wobei die vorgeschichtlichen Bestände den Krieg noch relativ gut überstehen.

Rosiny-Mühle von der anderen Hafenseite aus

Nach dem Krieg wird das Museum 1952 im obersten Stockwerk des wieder aufgebauten Duisburger Stadttheaters neu eröffnet, wird aber bereits fünf Jahre später in eine alte Villa der Fabrikantenfamilie Böninger verlegt.

Weitere Umzüge erfolgen 1961 in das Haus Königsberg und 1969 in den Bau der ehemaligen Duisburger Stadtbücherei im Kant-Park, wo es erstmals nach Kriegsende mit seinen gesamten Beständen wieder kompakt in einem Gebäude konzentriert arbeiten, sich einigermaßen gut entfalten und seine Bestände umfassender darbieten kann. Leiter ist zu diesem Zeitpunkt der Stampfuß-Nachfolger Fritz Tischler.

1991 ändert das Museum seinen Namen in Kultur- und Stadthistorisches Museum und erhält sein neues Domizil in einer umgebauten ehemaligen Rosiny-Getreidemühle am Innenhafen, in der auch das Museum Stadt Königsberg untergebracht ist.

Das vom Niederrheinischen Museum verlassene Gebäude aus der Wiederaufbauphase nach dem Zweiten Weltkrieg im Kant-Park wird vorübergehend noch "zur Aufbereitung der Duisburger Ausgrabungen genutzt" und soll schließlich im Zuge der Erweiterung des Lehmbruck-Museums abgerissen werden. Es kann dann aber von der cubus kunsthalle, die ein für die Stadt Duisburg kostenneutrales Arbeiten zusichert, übernommen und bis heute erhalten werden. Die cubus kunsthalle wurde von Claudia Schaefer ab 1986 aufgebaut und bezieht das Gebäude 1995.

Im Jahr 2002 feierte das Kultur- und Stadthistorische Museum sein 100-jähriges Jubiläum. Im Juni 2007 wurde die völlig neu konzipierte ständige Ausstellung zur Stadtgeschichte eröffnet.

Die grundlegende Neuausrichtung des Museums unter Aufgabe des tradierten vor- und frühgeschichtlichen Schwerpunkts etwa seit Anfang der 1990er Jahre ist allerdings umstritten.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museum liegt zentral in unmittelbarer Nähe des historischen Stadtkerns am Innenhafen. Unweit davon befinden sich Teile der historischen Stadtmauer und die archäologische Zone auf dem Alten Markt. Ein Modell auf der Dachterrasse des Museums erlaubt einen guten Bezug zum historischen Stadtkern mit Rathaus, Salvatorkirche und Burgplatz im ehemaligen Pfalzbezirk.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Susanne Sommer, Peter Dunas (Hrsg.): 100 Jahre Kultur- und Stadthistorisches Museum. Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg 1902–2002. Festschrift zum 100jährigen Bestehen. Mercator-Verlag, Duisburg 2002, ISBN 3-87463-335-7, (Duisburger Forschungen 48).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 51° 26′ 14″ N, 6° 45′ 41″ O