Kulturwissenschaftliches Institut Essen

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Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI)
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Gründung 1989
Trägerschaft Universitätsallianz Ruhr (UA Ruhr)
Ort Essen
Bundesland Nordrhein-Westfalen
Land Deutschland
Leitung seit 1. August 2017 kommissarische Leitung Ute Schneider
Website www.kulturwissenschaften.de

Das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) ist das Forschungskolleg der Universitätsallianz Ruhr (UA Ruhr), zu der sich die Universität Duisburg-Essen, die Ruhr-Universität Bochum und die Technische Universität Dortmund zusammengeschlossen haben. Seine Aufgabe ist die Förderung interdisziplinärer Forschung in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Derzeit stehen die Themenfelder Kulturen des Europäischen (Europa), kulturelle Vielfalt der Weltgesellschaft (InterKultur), kulturelle Aspekte des Klimawandels (KlimaKultur), Bürgerbeteiligung (PartizipationsKultur) und kommunikative Praktiken (KommunikationsKultur) im Mittelpunkt der Forschung.

Über das KWI[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das KWI ist ein interdisziplinäres Forschungskolleg für Geistes- und Kulturwissenschaften in der Tradition internationaler Advanced Study-Institute, es wirkt interuniversitär als Kooperations- und Netzwerkplattform und wirbt für neue Projekte zusätzliche Drittmittel ein. Das Institut fördert die praxisorientierte kulturwissenschaftliche Forschung, den internationalen Austausch und den interkulturellen Dialog. Dabei arbeitet es mit den Wissenschaftlern seiner Trägerhochschulen sowie mit weiteren Partnern im In- und Ausland zusammen, es bezieht den wissenschaftlichen Nachwuchs betont ein. Kommissarischer Geschäftsführer des Instituts ist Dr. Armin Flender. Nach zehnjähriger Amtszeit des Politologen Claus Leggewie übernahm die Neuzeithistorikerin Ute Schneider zum 1. August 2017 die kommissarische Leitung des Instituts.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das KWI wurde auf Initiative des damaligen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Johannes Rau 1989 gegründet. Die Landesregierung wollte einen Verbund wissenschaftlicher Einrichtungen schaffen, der die neuen Herausforderungen moderner Gesellschaften aufspüren und Orientierungen im Spannungsfeld von Wissenschaft, Gesellschaft und Politik geben sollte. Im „Wissenschaftszentrum Nordrhein-Westfalen “, dem auch das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie und das Institut Arbeit und Technik in Gelsenkirchen angehörten, übernahm das KWI den geistes- und kulturwissenschaftlichen Part.

Themen der ersten Stunde, die sich bis heute fortentwickelt haben, waren: „Kulturgeschichte der Natur“, „Topographien der Geschlechter“, „Gedächtnis“ und „Revierkultur – Zeitgeschichte und Zukunft“. 1990 richtete das KWI in Leipzig eine Außenstelle ein, die sich den verdrängten Themen der DDR-Erfahrung widmete. 2007 hat die nordrhein-westfälische Landesregierung das KWI in eine gemeinsame Trägerschaft der Ruhrgebiets-Universitäten überführt.

Auf den Gründungspräsidenten Lutz Niethammer folgten 1992 die Historiker Wilfried Loth von der Gesamthochschule Essen und 1997 Jörn Rüsen von der Universität Bielefeld. Von 2007 bis 2017 war Claus Leggewie Direktor des KWI. Seit seinem Weggang zum August 2017 leitet die Neuzeithistorikerin Ute Schneider kommissarisch das Institut.

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Forschungstätigkeit der Wissenschaftler am KWI gliedert sich zurzeit in die übergreifenden Forschungsschwerpunkte Europa, InterKultur, KlimaKultur, Kulturen der Kommunikation und PartizipationsKultur, die ihrerseits in einzelne Forschungsprojekte aufgeteilt sind. Außerhalb der Profilschwerpunkte wird in weiteren geistes-, sozial- und kulturwissenschaftlichen Projekten geforscht. Durch den Wechsel seiner Themen und Fellows verändert das KWI stetig sein Profil.

KlimaKultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der im Jahr 2008 eingerichtete Forschungsschwerpunkt ist das erste größere kulturwissenschaftliche Forschungsprojekt zum Thema des Klimawandels und beschreitet neue Wege der Analyse tiefgreifender sozialer Veränderungsprozesse. KlimaKultur schließt an bestehende Schwerpunkte des Forschungskollegs an, die auch für die Wahrnehmung und Bewältigung von Klimafolgen wichtige Aspekte untersuchen. Dazu gehören Fragen der sozialen Verantwortung, des kulturellen Gedächtnisses und der interkulturellen Differenzen.

Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zentral für den im Jahr 2012 eingerichteten Forschungsbereich „Europa“ ist sein Verständnis der europäischen Geschichte als integrierter Geschichte des westlichen und östlichen Europa. Dies hilft einen vielfach noch vorhandenen Ost-West-Gegensatz zu überwinden und den Blick stärker auf Gemeinsamkeiten und spezifische Entwicklungsvariationen zu richten. Diese reichen prägend in die Gegenwart hinein, wie sich nicht zuletzt auf der Ebene der europäischen Integration ablesen lässt. Zu den aktuellen Themenfeldern des Forschungsbereichs gehören u. a. die Erfahrungsgeschichte von Besatzung im Zweiten Weltkrieg sowie Fragen der Ausbildung von Staatlichkeit.

InterKultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Projekte des Forschungsschwerpunktes InterKultur befassen sich mit den Bedingungen und Chancen eines weltweiten Humanismus, dem alltäglichen Kontakt in ethnisch gemischten Wohnvierteln und Schulklassen, den Verstehenspotentialen und -grenzen von Kunst, Formen europäischer Identitätsbildung sowie mit dem Einfluss von Religion auf die internationale Politik und den Möglichkeiten der Mediation interreligiöser Konflikte.

KommunikationsKultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 2015 eingerichtete Forschungsbereich ‚Kulturen der Kommunikation’ untersucht interdisziplinär die kommunikativen Praktiken, die Angehörige unterschiedlicher ‚Kommunikationskulturen’ nutzen, um ihre Handlungen aufeinander abzustimmen. Untersucht werden z. B. Kommunikationskulturen, die an Sprachen oder Nationalitäten oder an religiöse oder weltanschauliche Orientierungen oder an unterschiedlich entwickelte Vermögen von Menschen, ihr Handeln kommunikativ aufeinander abzustimmen (dementierende oder autistische Menschen) oder an verschiedene Modi der Kommunikation (emotional, sprachlich, interaktiv) gebunden sind.

Kommunikatives Handeln zieht nicht ‚automatisch’ Verstehen und Befolgen nach sich. Beides ist von spezifischen sozialen und situativen Bedingungen abhängig. Hier spielt die im früheren kommunikativen Miteinander erworbene Kommunikationsmacht eine besondere Rolle. Auch wenn das gesprochene Wort unterschiedslos jeden erreicht, der in der Nähe ist, und damit scheinbar egalitär und somit auf Gleichheit angelegt ist, so bemisst sich die Macht des kommunikativen Handelns empirisch nach der sozialen Macht und der Kommunikationsmacht der Sprecher. Kommunikatives Handeln kann aber nichts erzwingen, sondern nur nahelegen und mit Konsequenzen versehen. Kommunikationsmacht beruht also immer auf Anerkennung.

PartizipationsKultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 2013 eingerichtete transdisziplinäre Forschungsschwerpunkt PartizipationsKultur ist das erste wissenschaftliche Kompetenzzentrum zum Thema Bürgerbeteiligung mit dem Fokus technologische Innovationen in Deutschland. Proteste gegenüber neuen Technologien, vor allem bei großen Infrastrukturprojekten oder öffentlichen Planungen, sind heute nicht mehr durch den bloßen Hinweis auf demokratisch zustande gekommene Beschlüsse oder Informationskampagnen zu befrieden. Mehr denn je wollen sich Bürger über Wahlen und Abstimmungen hinaus politisch engagieren und mitreden, wenn es um die Endlagerung hochradioaktiven Abfalls, den Bau von Stromtrassen oder die breite Anwendung von Gentechnik geht. Der Forschungsschwerpunkt PartizipationsKultur analysiert, evaluiert und erprobt Bürgerbeteiligung.

Im Jahr 2015 startete die Beteiligung am Virtuellen Institut „Transformation – Energiewende NRW“.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Claus Leggewie, Patrizia Nanz (Hrsg.): Die Konsultative. Mehr Demokratie durch Bürgerbeteiligung. Wagenbach Verlag, 2016, ISBN 978-3-8031-2749-5.
  • Marten Düring, Ulrich Eumann, Martin Stark, Linda von Keyserlingk (Hrsg.): Handbuch Historische Netzwerkforschung. LIT Verlag, 2016, ISBN 978-3-643-11705-2.
  • Friedrich Jäger, Wolfgang Knöbl, Ute Schneider (Hrsg.): Handbuch Moderne Forschung. Brill Verlag, 2015, ISBN 978-3-476-02442-8.
  • Bernd Sommer (Hrsg.): Cultural Dynamics of Climate Change and the Environment in Northern America. Brill Verlag, 2015, ISBN 978-90-04-29883-5.
  • Angelika Poferl, Jo Reichertz (Hrsg.): Wege ins Feld. Methodologische Aspekte des Feldzugangs. Oldib Verlag, 2015, ISBN 978-3-939556-47-3.
  • Claus Leggewie: Politische Zeiten. Beobachtungen von der Seitenlinie. C. Bertelsmann, 2015, ISBN 978-3-570-10200-8.
  • Kulturwissenschaftliches Institut Essen (Hrsg.): Building Europe’s (Energy) Future. A manifesto for an European Community for Energy Transition. 2015.
  • Lea Schmitt: Klima, Raum und Zeit im Wandel. Eine ethnographische Untersuchung von Adaptationen und Konflikten auf der westfriesischen Insel Ameland. oekom, 2015, ISBN 978-3-86581-724-2.
  • KWI Bericht 2012/13. hrsg. von Claus Leggewie für das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI). Druckhaus Köthen, Köthen 2014, ISBN 978-3-8376-1327-8.
  • Frank Adloff, Claus Leggewie (Hrsg.): Das Konvivalistische Manifest. Für eine Neue Kunst des Zusammenlebens. transcript Verlag, 2014, ISBN 978-3-8376-2898-2.
  • Kulturwissenschaftliches Institut Essen (Hrsg.): Potenziale Energieeffizientes Modernisieren in Essen. Ergebnisse einer Bevölkerungsumfrage 2014.
  • Wilfried Loth: Europas Einigung. Ein unvollendete Geschichte. Campus Verlag, 2014, ISBN 978-3-593-50077-5.
  • Hans-Georg Soeffner, Thea D. Boldt (Hrsg.): Fragiler Pluralismus. Springer VS, Reihe Wissen, Kommunikation und Gesellschaft, 2014, ISBN 978-3-658-03762-8.
  • Andreas Ernst, Harald Welzer, Ramón Briegel, Martin David, Angelika Gellrich, Sophia Schönborn, Jens Kroh (Hrsg.): Scenarios of Perception of Reaction to Adaptation. Abschlussbericht zum Verbundprojekt SPREAD. kassel university press, CESR Paper 8 2014, ISBN 978-3-86219-892-4.
  • Wilfried Loth, Marc Hanisch (Hrsg.): Erster Weltkrieg und Dschihad. Die Deutschen und die Revolutionierung. De Gruyter / Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2013, ISBN 978-3-486-85854-9.
  • Volker Heins: Der Skandal der Vielfalt. Geschichte und Konzepte des Multikulturalismus. Campus, 2013, ISBN 978-3-593-39969-0.
  • Claus Leggewie, Marcel Siepmann (Hrsg.): Provokation über Kreuz - Positionen zur Blasphemiedebatte. (= Global Dialogues des Käte Hamburger Kollegs). Centre for Global Cooperation Research, 2013. ISSN 2198-0403.
  • Darja Reuschke, Monika Salzbrunn, Korinna Schönhärl (Hrsg.): The Economies of Urban Diversity. Ruhr Area and Istanbul. Palgrave Macmillan, 2013, ISBN 978-1-137-34650-6.
  • Claus Leggewie: Sichtbar im Süden. edition Körber- Stiftung, 2012, ISBN 978-3-89684-093-6.
  • Johanna Hoppen, Anne Lang, Claus Leggewie, Marcel Siepmann, Darius Zifonun (Hrsg.): Schlüsselwerke der Kulturwissenschaften. transcript, 2012, ISBN 978-3-8376-1327-8.
  • Sonja Schnitzler: Soziologie im Nationalsozialismus zwischen Wissenschaft und Politik. Springer VS, 2012, ISBN 978-3-531-18611-5.
  • Stefan Reichmuth, Jörn Rüsen, Aladdin Sarhan (Hrsg.): Humanism and Muslim Culture. V&R unipress, 2012, ISBN 978-3-89971-937-6.
  • Franz Mauelshagen: Wunderkammer auf Papier. Die „Wickiana“ zwischen Reformation und Volksglaube. bibliotheca academica, 2011, ISBN 978-3-928471-73-2.
  • Marie Mualem Sultan: Migration, Vielfalt und Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk. Königshausen & Neumann, Würzburg 2011, ISBN 978-3-8260-4523-3.
  • Harald Welzer, Sönke Neitzel: Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben. Fischer, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-10-089434-2.
  • Eleonora Rohland: Sharing the Risk. Fire, Climate and Disaster. Swiss Re 1864–1906. Carnegie Publishing, Lancaster 2011.
  • Claus Leggewie, Anne Lang: Der Kampf um die europäische Erinnerung. Ein Schlachtfeld wird besichtigt. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-60584-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]