Kunert Fashion

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Kunert Fashion GmbH
Kunert-de 17034.jpg
Rechtsform GmbH
Gründung 1924
Sitz Immenstadt im Allgäu
Leitung Erich Sauter, Justina Rokita
Mitarbeiter 750
Branche Textil- und Bekleidungsindustrie
Website http://www.kunert.de/
Blick auf die Kunert-Werke in Immenstadt

Die Kunert Fashion GmbH ist ein deutscher Hersteller von Beinbekleidung mit den Marken Kunert, Kunert Men und Hudson. Der Sitz des Unternehmens befindet sich in Immenstadt im Allgäu.

Firma Kunert bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1924 gründete Julius Kunert sen. in Varnsdorf in der Tschechoslowakei eine Strickerei mit dem Namen Wirkwarenfabrik Julius Kunert & Söhne OHG. Mit einer Tagesproduktion von 100.000 Stück, von denen 85 % in den Export gingen, und einer Mitarbeiterzahl von etwa 5.000 setzte sich die Firma 1938 an die Spitze der europäischen Strumpfhersteller. Die Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei seit Mai 1945 durch die wiedererstandene Tschechoslowakische Republik zwang die Familie Kunert zur Ausreise nach Sachsen und danach zur Übersiedlung nach Bayern. Die der Familie Kunert enteignete Firma in Warnsdorf bestand unter tschechischer Regie weiter und produzierte Strümpfe unter dem Namen "Elite".

Kunert nach 1945 bis hin zur Kunert AG[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Produktionsstätte der Firma war im März 1946 mit 24 Warnsdorfer Mitarbeitern auf geliehenen Maschinen ein gemieteter Saal der Mechanischen Baumwollspinnerei und Weberei Blaichach. Firmensitz blieb vorläufig Augsburg. Zur Erweiterung der Produktion wurde eine Übersiedlung nach Immenstadt ins stillgelegte Werk der Berliner Physikalischen Werkstätten an der (damals) Lindauer Straße erwogen. Der Immenstädter Stadtrat stimmt diesem Vorhaben zu.

Nach der Gründung der Kunert Strumpf- und Trikotagenfabrik GmbH, Immenstadt am 1. Juni 1946 ging das Vermögen der Berliner Physikalischen Werkstätten, darunter die Gebäude und Grundstücke an der Lindauer Straße, durch einen Einbringungsvertrag mit den Erben des Firmengründers Scharf am 21. August 1946 an die Firma Kunert über.

Etwa 120 ehemalige Mitarbeiter aus Warnsdorf arbeiteten im April 1947 mit in der Produktion. Die Produktion wurde ständig ausgeweitet, 1950 beschäftigte der Betrieb dann 600 Arbeitskräfte. Anfangs produzierte Kunert Damen- und Herrenwäsche und Kunstseidestoff als Meterware. Später kamen noch Damen- und Herrensocken (Kunert-Strümpfe) dazu.

Expansion der Firma Kunert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der hohen Nachfrage entstanden Zweigwerke in Immenstadt (Kunert Werk 2), in Fischen (1960–1966), Oberstaufen (1960–1969), Kempten (1963–1976/81) und Mindelheim (1969/70). 1969 baute Kunert ein Werk in Berlin mit 680 Rundstrickautomaten und einer Tagesproduktion von 80.000 Strumpfhosen. Im Werk Berlin wurde die Garnveredelung konzentriert und das von Kunert hochentwickelte Nylon-Garn Chinchillan an die deutschen Kunert-Betriebe versandt.

Ausland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da Unternehmen verlagerte nunmehr die Fertigung immer mehr ins Ausland:

Zukauf weiterer Textilfirmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo Hudson

1978 wurde die – in finanziellen Schwierigkeiten befindliche – Hudson-Gruppe übernommen. Diese hatte vier inländische Werke und je eine Fertigungsstätte in Griechenland und Italien. Mit diesem Zukauf gelangte Kunert wieder an die Spitze der Produzenten von Bein- und Fußbekleidung in Europa.

Zum 1. Juli 1989 übernahm Kunert (jetzt Kunert AG, Immenstadt) die mit Verlust arbeitende Arlington-Gruppe (und mit diesem Kauf die Lizenz für Burlington). Es kamen Produktionsstätten in Österreich, Ungarn und den Niederlanden hinzu.

Kunert verfolgt seit 1986 im Bereich der Beinbekleidung (Kunert, Hudson, Silkona) und der Damen- und Herrenoberbekleidung (Burlington und andere) eine Multi-Marken-Strategie.

Gründung der Kunert AG, Immenstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unternehmerische Gründe veranlassten die Firmenleitung, das Familienunternehmen zum 1. Januar 1988 in eine Aktiengesellschaft, die Kunert AG, umzuwandeln. Das Grundkapital damals betrug 20 Millionen DM und ist 1989 auf 28 Millionen DM erhöht worden.

Die Kunert AG heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konzernabschluss- und Konzernjahresbericht 2008[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kunert-Werk in Immenstadt

Zur Kunert AG (oder Kunert-Group) gehörten Ende 2008 die Marken Burlington, Hudson und Kunert.
Die Marken Kunert (Premiummarke), Julius Kunert (Herrenlinie) und Hudson (Familienmarke) sowie Strumpfmode für andere Eigenmarken des Handels (Private Label) werden von Kunert direkt produziert.
Die Produktionsstandorte lagen in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Österreich, Niederlande, Schweiz, Ungarn, der Tschechischen Republik, Marokko und China.
Als Lizenznehmer war als einzige noch verbliebene Marke Burlington vertreten, von den Marken Mexx, Calvin Klein und bruno banani hatte sich die Kunert AG zum Ende des Jahres 2006 getrennt.
Die Bruttoerlöse lagen Ende 2008 (in Klammern die Zahlen von 2007) bei 74,4 Mio. Euro (87,6 Mio. Euro), einem Rückgang von ca. 15 % zu 2007, die Mitarbeiterzahl betrug 1040 Personen (1221 Personen), davon 321 (346) im Inland.[1]

Eröffnung des Insolvenzverfahrens 2013 und Übernahme durch Grossnigg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Mai 2013 wurde über die Kunert AG das Insolvenzverfahren eröffnet.[2] Zum Insolvenzverwalter wurde Arndt Geiwitz bestimmt.

Im Zuge einer sog. übertragenden Sanierung übernahm im September 2013 die grosso Holding des Österreichers Erhard Grossnigg die Mehrheit der neu gegründeten Kunert Fashion GmbH. Diese führt künftig statt der bisherigen Kunert GmbH & Co. KG, an die der (ungenannte) Kaufpreis fliesst, das operative Geschäft. Die alte Dachgesellschaft Kunert AG besteht weiter, wird aber zur leeren Unternehmenshülle. Der Finanzinvestor Kingsbridge Capital, der über das Investmentvehikel Julius Textile Investment zuletzt Mehrheitsaktionär der Kunert AG war, hält an der neuen Kunert GmbH einen signifikanten Minderheitsanteil (über 25 %), die Führung liegt jedoch bei Grossnigg. Die Produktionsstätten von Kunert in Immenstadt und Marokko bleiben erhalten, ebenso die Marken Kunert, Julius Kunert und Hudson. Von den insgesamt rund 1000 Arbeitsplätzen sollen vorerst 110 abgebaut werden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf Vogel (Hg.), Immenstadt im Allgäu. Landschaft, Geschichte, Gesellschaft, Wirtschaft, kulturelles und religiöses Leben im Lauf der Jahrhunderte, Immenstadt im Allgäu 1996
  • Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder, herausgegeben im Auftrag des Collegium Carolinum (Institut) von Heribert Sturm, Band II, 1984, Julius Kunert, Strumpffabrikant, Seite 346 und 347, ISBN 3 486 52551 4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kunert Fashion – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Konzernabschluss und Konzernlageberichte 2008 (pdf-Datei; 4,26 MB)
  2. Ad-hoc-Mitteilung nach § 15 WpHG, abgerufen am 7. Mai 2013

Koordinaten: 47° 33′ 45″ N, 10° 12′ 6″ O