Kungälv

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Dieser Artikel behandelt den Ort Kungälv; für die schwedische Gemeinde Kungälv siehe Kungälv (Gemeinde).
Kungälv
Wappen fehlt
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Kungälv (Schweden)
Kungälv
Kungälv
Basisdaten
Staat: Schweden
Provinz (län): Västra Götalands län
Historische Provinz (landskap): Bohuslän
Gemeinde (kommun): Kungälv
Koordinaten: 57° 52′ N, 11° 59′ O57.86805555555611.977777777778Koordinaten: 57° 52′ N, 11° 59′ O
Einwohner: 22.768 (31. Dezember 2010)[1]
Fläche: 11,52 km²
Bevölkerungsdichte: 1.976 Einwohner je km²

Kungälv ist eine Stadt im Südwesten Schwedens. Sie gehört zur Provinz Västra Götalands län sowie zur historischen Provinz Bohuslän und liegt etwa 25 km nördlich von Göteborg. Der Ort ist zugleich Hauptort der gleichnamigen Gemeinde.

Geografie[Bearbeiten]

Kungälv liegt am Fluss Göta älv und etwa 15 km von der schwedischen Westküste am Kattegat entfernt.

Geschichte[Bearbeiten]

Grenzverlauf zwischen Schweden und Norwegen im 11. Jahrhundert
Ragnhildsholmen am Nordre älv, 2013
Stadt Kungsälv am Fuß der Festung Bohus im Jahr 1713

Die ältesten Wurzeln der Stadt sind nicht überliefert. Unter Zuhilfenahme der Namensforschung ist es möglich, dass sich eine erste Besiedelung auf der Insel Björkö im Fluss Nordre älv zusammengefunden hat. Der Name Björkøy fällt in die Namensfamilie bjarkøy, welche verschiedene Bedeutungen hat. Zum einen kann es ich auf bjerk, Birke, beziehen und eine Baum- (Birken-) bewachsene Insel heißen. Zum anderen bezieht sich das Wort bjark auf den Handel. Eine weitere Bedeutung lehnt sich an das altfriesische Wort berek und bedeutet Rechtskreis. Die letzten zwei Bedeutungen kommen im Zusammenhang mit dem alten Handels- und Seefahrtsrecht, dem Bjarkøyrett, vor. Der Name kann aber ebenso gut von einem Ortsnamen abgeleitet sein, da viele Inseln entlang der norwegischen Küste den Namen Bjarkøy oder Bjerkøy tragen; so Inseln in Hålogaland, Sør-Trøndelag, Hordaland, vor Tønsberg sowie am Skiensfjord und Oslofjord. Ebenso befand sich der wichtige Wikinger-Handelsplatz Birka auf der Insel Björkö. Viele skandinavische Handelsplätze entstanden zuerst auf Inseln, da diese besser zu verteidigen waren.[2]

Ein geschichtlich überlieferter Vorgänger der Stadt Kungälv war Konghelle, auch unter den schwedischen Namen Kungahella und Konnungahälla bekannt. Die Stadt gehörte zu Norwegen und auch ihre Ursprünge sind unbekannt. Die Stadt soll im Jahr 959 vier Kilometer westlich von Kungälv gegründet worden sein, doch schriftliche Quellen erwähnen sie erst im 12. Jahrhundert.[3] Im Jahre 1101 fand hier ein Dreikönigstreffen statt. Damals schlossen König Erik I. Ejegod von Dänemark, König Magnus III. von Norwegen und König Inge I. von Schweden einen Friedensvertrag. Ein 1940 in Kungälv errichteter hoher "Friedensstein" erinnert an das denkwürdige historische Ereignis vor über 900 Jahren.

Der isländische Historiker und Politiker Snorri Sturluson berichtet das Konghelle erst unter Sigurd I. eine wichtige Rolle als Handelsstadt spielte. Er ließ eine Kirche und ein Kastell errichten.[3]

Konghelle verlor jedoch seine Bedeutung als mittelalterliche skandinavische Hafen- und Handelsstadt am Laurentiustag (10. August) des Jahres 1135, nur fünf Jahre nach Sigurds Tod. Dieses wichtige Zentrum wurde von dem Pommernherzog Ratibor mit einer Flotte von 250 Schiffen als Vergeltungsaktion heimgesucht und gebrandschatzt. Die Pommern erlitten während der Kampfhandlungen erhebliche Verluste an Kriegern und an Schiffen, blieben aber letztlich die Sieger. Mit wertvoller Beute, darunter dem berühmten und heute verschollenen "Cordula-Schrein" und an die 700 gefangene Nordländer mit sich führend, segelte der Rest der herzoglichen Flotte zurück nach Pommern. Sowohl Snorri Sturluson als auch die Knytlingasaga und der dänische Geschichtsschreiber Saxo Grammaticus berichten über den slawischen Angriff und die Vorgänge im Göta älv an der Küste Hallands. Der Cordula-Schrein, auch als Schrein von Cammin bekannt, war eine kostbare nordische Reliquie. Das erbeutete Original, nach anderer Auffassung ein Geschenk des Bischofs Asker an Otto von Bamberg, gehörte zum Schatz des Doms zu Cammin und gilt seit Kriegsende 1945 als verlustig.

Im Jahr 1161 starb der Heerführer Gregorius Dagsson, ein Gefolgsmann von König Inge, bei Konghelle.[4]

Unter Håkon Håkonsson wurde Konghelle Mitte des 13. Jahrhunderts zum südlichsten Außenposten Norwegens. Er ließ die Festung Ragnhildarholm auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses errichten und auch das Franziskanerkloster stammt aus dieser Zeit. Anfang des 14. Jahrhunderts errichtete Håkon V. die Festung Bohus unweit von Konghelle.[4]

1612 wurde Konghelle durch einen schwedischen Angriff zerstört und nicht wieder errichtet. Die Bewohner gründeten nach dem Angriff die Stadt Kungälv in unmittelbarer Nähe zur Festung Bohus. Diese gehört seit dem Frieden von Roskilde, im Jahr 1658, zu Schweden.[3]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Festung Bohus: Blick auf den Fars Hatt

Größte Sehenswürdigkeit von Kungälv ist die Festung Bohus, eine ehemals norwegische Festung zur Sicherung der norwegischen Grenze gegen Schweden. Durch die Nähe zur Festung wurde Kungälv in Kriegen mehrfach komplett zerstört und an unterschiedlichen Orten in Festungsnähe wieder neu aufgebaut.

Durch seine reizvolle Lage zwischen Flüssen, Seen und hügeligen Wäldern ist Kungälv besonders an Wochenende ein beliebtes Ausflugsziel der Göteborger.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Lutz Mohr: Die Rache der Pommern. Über den Feldzug des Herzogs Ratibor I. wider Kungälv im Herzen Skandinaviens anno 1135 nach einer isländischen Quelle. In: Stier und Greif. Blätter zur Kultur- und Landesgeschichte in Mecklenburg-Vorpommern, Jg. 11, Schwerin 2001, S. 94-102

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kungälv – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Kungälv – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tätorternas landareal, folkmängd och invånare beim Statistiska centralbyrån.
  2.  Nils Petter Thuesen: De eldste norske byer – forhistorie, oppkomst og tidlig utvikling. Fabritius Forlag, Oslo 1976, ISBN 82-07-00027-9, S. 9/10.
  3. a b c  Nils Petter Thuesen: De eldste norske byer – forhistorie, oppkomst og tidlig utvikling. Fabritius Forlag, Oslo 1976, ISBN 82-07-00027-9, S. 42.
  4. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatKnut Are Tvedt: Konghelle. In: store norske leksikon. 14. Februar 2009, abgerufen am 31. Dezember 2014 (norwegisch).