Kunrau

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Kunrau
Stadt Klötze
Wappen von Kunrau
Koordinaten: 52° 33′ 58″ N, 11° 1′ 6″ O
Höhe: 58 m ü. NHN
Fläche: 22,98 km²
Einwohner: 835 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 36 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 38486
Vorwahl: 039008
Kunrau (Sachsen-Anhalt)
Kunrau
Kunrau
Lage von Kunrau in Sachsen-Anhalt

Kunrau ist eine Ortschaft und ein Ortsteil der Stadt Klötze im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf Kunrau liegt 12 Kilometer südwestlich von Klötze im Westen der Altmark und in der Nähe des Feuchtgebietes Drömling. Die Ortschaft liegt geologisch auf der Calvörder Scholle und die Ohre fließt unweit westlich von ihr.

Ortschaftsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Ortsteil Kunrau mit den Wohnplätzen Belfort, Hahnenberg, Kolonie I und Kolonie II gibt es im Norden der Ortschaft den Ortsteil Rappin.[2][3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick vom Schlossturm auf Kunrau

Kunrau ist eine wendische Gründung. Der Name kommt vom altslawischen konĭ und bedeutet so viel wie „Pferdeort“.[4]

Die erste urkundliche Nennung des Dorfes Kunrau war 1472 als dat wüste dorp Gimrou in eine Lehnbriefe vom Kurfürsten Albrecht Achilles für Werner und Gebhard von Alvensleben.[5] Weitere Nennungen sind 1502 Cunrou, 1506 Kunnerou, 1646 und 1655 Cunraw, 1687 Kunrow, 1775 Cunrau oder Currau.[6]

Um 1850 hatte Kunrau rund 350 Einwohner, 48 Wohnhäuser, ein Schulhaus mit einem Lehrer, fünf Ackerhöfe, 32 Grundsitzer, 30 Einlieger sowie einen Krug, Windmühle, Schäferei, Brennerei, Brauerei und Ziegelei.[7]

1889 wurde Kunrau über die Bahnstrecke Salzwedel–Oebisfelde an das Bahnnetz angeschlossen. 2002 wurde diese Strecke stillgelegt und für den Personenverkehr eine entsprechende Buslinie eingerichtet.

Die Schreibweise schwankte zwischen „Cunrau“ und „Kunrau“, bis am 2. Oktober 1937 die Festlegung der Schreibweise der Gemeinde Kunrau mit „K“ erfolgte.[8]

Kunrau verfügt über ein reges Vereinsleben (Senioren, Sport, Reitsport, Chor). Viele Gebäude wurden modernisiert, eine Siedlung mit Eigenheimen wurde gebaut, Bäume gepflanzt und Rabatten mit Begrünung angelegt.

Landwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haupterwerbszweig Kunraus ist und war die Landwirtschaft. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war der Boden vor Ort aufgrund des schwer bestellbaren Moorbodens ertraglos. Theodor Hermann Rimpau kaufte 1847 das Gut Kunrau. Nach langen Versuchen seit 1861 und aufgrund seiner Erfahrungen aus den Niederlanden entwickelte er die nach ihm so benannte Rimpau’sche Moordammkultur, die zu einer bedeutenden Ertragssteigerung führte. Kunrau wurde zu einem Mustergut.[9] Die landwirtschaftlichen Bruttoerträge waren hoch, aber auch die Tagelöhne waren hoch.[10]

Bei der Bodenreform wurden 1946 wurden 1567,4 Hektar enteignet. 1548 Hektar gingen an 322 Siedler. 1948 wurde von 205 Erwerbern aus der Bodenreform berichtet, davon waren 52 Neusiedler, die Land vom ehemaligen Rittergut erhalten hatten. Im Jahre 1952 entstand die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft vom Typ III, die LPG „Ernst Thälmann“.[6]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Kunrau mit der Landgemeinde Cunrau vereinigt.[11] Am 1. Juli 1950 wurde die Gemeinde Kunrau aus dem Landkreis Salzwedel in den Landkreis Gardelegen umgegliedert. Am 25. Juli 1952 kam Kunrau zum Kreis Klötze. Mit dessen Auflösung kam die Gemeinde am 1. Juli 1994 zum Altmarkkreis Salzwedel.[12]

Durch einen Gebietsänderungsvertrag beschloss der Gemeinderat der Gemeinde Kunrau am 9. Januar 2009, dass die Gemeinde Kunrau in die Stadt Klötze eingemeindet wird. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.[13][14]

Nach Eingemeindung der bisher selbstständigen Gemeinde Kunrau werden Kunrau und Rappin Ortsteile der Stadt Klötze. Für die eingemeindete Gemeinde wurde die Ortschaftsverfassung nach den §§ 86 ff. der Gemeindeordnung Sachsen-Anhalt eingeführt. Die eingemeindete Gemeinde Kunrau und künftigen Ortsteile Kunrau und Rappin wurden zur Ortschaft der aufnehmenden Stadt Klötze. In der eingemeindeten Gemeinde und nunmehrigen Ortschaft Kunrau wurde ein Ortschaftsrat mit neun Mitgliedern einschließlich Ortsbürgermeister gebildet.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1734 46
1774 76
1789 149
Jahr Einwohner
1798 65
1801 161
1818 160
Jahr Einwohner
1840 348
1864 337
1871 412
Jahr Einwohner
1885 432
1895 571
1905 660
Jahr Einwohner
1925 1091
1939 938
1946 1294
Jahr Einwohner
1964 1126
1971 1122
1981 1022
Jahr Einwohner
1993 956
2006 920
2017 797
Jahr Einwohner
2018 835

Gutsbezirk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1798 92
1864 187
Jahr Einwohner
1871 164
1885 153
Jahr Einwohner
1895 232
1905 300

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelischen Christen der Kirchengemeinde Kunrau gehörten früher zur Pfarrei Steimke.[15] Heute werden sie betreut vom Pfarrbereich Steimke-Kusey[16] im Kirchenkreis Salzwedel im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Die ältesten überlieferten Kirchenbücher für Steimke stammen aus dem Jahre 1706. Sie sind in der Pfarre zu Brome zu finden, zu der Kunrau mit Steimke bis 1854 gehörte.[17]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Letzter Bürgermeister war Horst Wienecke. Seit 2010 ist Uwe Bock Ortsbürgermeister.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 15. Juli 1999 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt.

Blasonierung: „In Gold ein aufsteigendes schwarzes Pferd; rechts eine grüne Flanke, pfahlweise belegt mit einem golden bebutzten silbernen Gänseblümchen zwischen zwei aufsteigenden silbernen Weidenblättern.“

Das Hauptmotiv – Roß in der Levade – bezieht sich auf den slawischen Ursprung des Ortsnamens (Kon=Pferd). Die grüne Flanke mit den silbernen Weidenblättern symbolisiert das Wald- und Weideland (Drömling) um Kunrau. Dazu wurde das silberne Gänseblümchen aus dem alten Siegel des Rittergutes übernommen.

Die Farben von Kunrau – abgeleitet vom Wappen – sind Schwarz – Gold (Gelb).

Das Wappen wurde vom Heraldiker Ernst Albrecht Fiedler gestaltet.

Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flagge ist Schwarz – Gelb (1:1) gestreift (Hissflagge: Streifen von oben nach unten; Querflagge: Streifen von links nach rechts verlaufend) mit dem aufgelegten Wappen der ehemaligen Gemeinde. Die Flagge kann die Form der Hissflagge, der Querflagge, der Hängefahne, des Banners und des Wimpels haben.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Kunrau

Das zentral gelegene Schloss Kunrau wurde im Stil der italienischen Renaissance im 19. Jahrhundert errichtet. Im Schloss ist die Geschäftsstelle des Fremdenverkehrsvereins Jeetze-Ohre-Drömling e.V. sowie die Bibliothek untergebracht. Ebenfalls im Schloss beheimatet sind eine „Ökoschule“ und ein Naturerfahrungszentrum. In der Ökoschule werden Schulklassen über den Naturpark Drömling mit seiner vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt informiert und können durch Projekte und Experimente die Geheimnisse der Natur selbst kennenlernen und erfahren. Der Schlosspark ist teilweise als Baumpark angelegt. Viele alte Exemplare verschiedener Baumarten sind hier zu sehen.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche in Kunrau

Die evangelische Dorfkirche Kunrau ist ein neuromanischer Backsteinsaal mit Rundapsis und quadratischem Turm mit achteckiger Spitze. Sie wurde 1891–93 nach Plänen von Kreisbaumeister Hartmann, Salzwedel errichtet.[18]

Ortsfriedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsfriedhof liegt am südlichen Ortsausgang des Dorfes.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Die Rimpauken“ – Förderverein der Grundschule Kunrau e. V.
  • Turn- und Sportverein Kunrau
  • Feuerwehrkameradschaft Kunrau e. V.
  • Männerchor „Concordia“ Kunrau e. V.
  • Reit- und Fahrverein Kunrau e. V.
  • Turn- und Sportverein Kunrau

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Kunrau gibt es ein Bauunternehmen, eine Agrargenossenschaft und eine Landwirtschaftliche Betriebsgemeinschaft.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kunrau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadt Klötze, Einwohnermeldeamt: Einwohnerbestand am 31.12.2018. 9. Januar 2019.
  2. Hauptsatzung der Stadt Klötze Abgerufen am 14. April 2019.
  3. Ortsteilverzeichnis Land Sachsen-Anhalt (Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile), Gebietsstand Januar 2014, Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Halle (Saale), 2016
  4. Johann Dietrich Bödeker: Das Land Brome und der obere Vorsfelder Werder, Geschichte des Raumes an Ohre, Drömling und Kleiner Aller. Braunschweig 1985, ISBN 3-87884-028-4, S. 328
  5. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Hauptteil 1. Hrsg.: Berlin. Band 6, 1846, S. 142 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10001022_00152~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  6. a b Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil XII). In: Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Berliner Wissenschafts-Verlag, 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 1292–1295.
  7. J. A. F. Hermes, M. J. Weigelt: Historisch-geographisch-statistisch-topographisches Handbuch vom Regierungsbezirke Magdeburg. Topographischer Teil. Hrsg.: Verlag Heinrichshofen. Band 2, 1842, S. 338 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3DHB4_AAAAcAAJ%26pg%3DPA338~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  8. Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1937, ZDB-ID 3766-7, S. 171.
  9. Martin Wiehle: Altmark-Persönlichkeiten. Biografisches Lexikon der Altmark, des Elbe-Havel-Landes und des Jerichower Landes. In: Beiträge zur Kulturgeschichte der Altmark und ihrer Randgebiete. Band 5. dr. ziethen verlag, Oschersleben 1999, ISBN 978-3-932090-61-5, S. 146–147.
  10. Wilhelm Zahn: Der Drömling [Reprint der Ausgabe von 1905]. Ein Beitrag zur Landeskunde und Geschichte der Altmark. 2014, ISBN 978-3-86289-072-9, S. 151–152.
  11. Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1928, ZDB-ID 3766-7, S. 216.
  12. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, S. 359, 363.
  13. Amtsblatt des Landkreises Nr. 2/2009 Seite 36–38 (Memento vom 14. November 2012 im Internet Archive) (PDF; 397 kB)
  14. StBA: Gebietsänderungen vom 1. Januar bis 31. Dezember 2010
  15. Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID 551010-7, S. 52 (wiki-de.genealogy.net [abgerufen am 31. Dezember 2018]).
  16. Pfarrbereich Steimke-Kusey. Abgerufen am 5. März 2019.
  17. Ernst Machholz: Die Kirchenbücher der evangelischen Kirchen in der Provinz Sachsen (= Mitteilungen der Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte. 30. Heft). Leipzig 1925, S. 9 (wiki-de.genealogy.net [abgerufen am 5. März 2019]).
  18. Thomas Hartwig: Alle Altmarkkirchen von A bis Z. Elbe-Havel-Verlag, Havelberg 2012, ISBN 978-3-9814039-5-4, S. 286.