Kunstgewerbemuseum Berlin

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Der Eingang zum Kunstgewerbemuseum auf der Piazzetta des Kulturforums

Das Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin gilt als eine der bedeutendsten Sammlungen europäischen Kunsthandwerks vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Die Werke werden an zwei Standorten gezeigt, am Kulturforum und im Schloss Köpenick.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick in das Kunstgewerbemuseum

Das Berliner Kunstgewerbemuseum wurde 1867 als „Deutsches Gewerbe-Museum zu Berlin“ mit Exponaten der Pariser Weltausstellung von 1867 eröffnet. Auftrag des Museums waren der Unterricht und die Geschmacksbildung von Kunsthandwerkern, Industriezeichnern sowie der Öffentlichkeit. Die zugehörige Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin entstand 1868 auf Initiative des „Vereins Deutsches Gewerbemuseum zu Berlin“ als Ausbildungsanstalt. Bis 1921 blieben Museum und Schule an verschiedenen Standorten miteinander verbunden. Mit dem Ankauf des Lüneburger Ratssilbers 1874 und der Übernahme von ca. 7000 Exponaten aus der brandenburg-preußischen Kunstkammer 1875 gehörte das Museum zu den wichtigsten seiner Art in Europa. 1879 wurde es in „Kunstgewerbemuseum“ umbenannt.

Im Jahr 1881 erfolgte der Umzug in den neuen Martin-Gropius-Bau mit Spezialsammlungen zur Goldschmiedekunst und Keramik, Glas und Textilien sowie einen chronologischen Überblick über die Geschichte der Einrichtungskunst vom späten Mittelalter bis zur Gegenwart. Auch der Schatz des Priamos von Heinrich Schliemann fand hier vorübergehend eine Heimat. Das Kunstgewerbemuseum bezog 1921 einen Teil des Berliner Stadtschlosses und bildete zusammen mit Objekten aus dem Besitz der Hohenzollern das „Schlossmuseum Berlin“. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Museumsräume und Teile des Bestandes zerstört. Die ausgelagerten Exponate befanden sich nach der Teilung Berlins in Ost- und West-Berlin.

Die Ost-Berliner Sammlungsteile wurden 1963 im Schloss Köpenick untergebracht. Die West-Berliner Teile kamen in das Schloss Charlottenburg. Seit 1985 sind sie im 1967 von Rolf Gutbrod entworfenen und 1985 eröffneten Museumsneubau am Kulturforum zu sehen. Schloss Köpenick fungiert seit der politischen Wende als Dependance und zweites Ausstellungshaus.

Direktoren

Ausstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Köpenick, die Dependance des Kunstgewerbemuseums

Das Kunstgewerbemuseum sammelt europäisches Kunsthandwerk aller nachantiken Stilepochen der Kunstgeschichte, darunter Gold- und Silberschmiedearbeiten, Glas-, Email- und Porzellangefäße, Möbel und Raumgetäfel sowie Tapisserien, Kostüme und Seidenstoffe. Im Museumsgebäude am Kulturforum führt ein Rundgang auf einer Fläche von 7000 Quadratmetern durch die historische Entwicklung des Kunsthandwerks vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Gezeigt werden unter anderem Stücke mittelalterlicher Schatzkunst aus bedeutenden Kirchen dieser Zeit, so beispielsweise ein karolingisches Bursenreliquiar[1][2] (sogenannter Engerer Burse) sowie ein prunkvoll als Gemmenkreuz gearbeitetes Vortrage- und Reliquienkreuz, eine Arbeit des ausgehenden 11. Jahrhunderts, aus dem Dionysius-Schatz der Stiftskirche St. Dionysius in Enger, darüber hinaus über 40 Werke aus dem Welfenschatz. Für die Epoche der Renaissance steht das Repräsentationssilber der Ratsherren der Stadt Lüneburg mit dem Bürgereidkristall des Hans von Laffert.

Exponate der Höfe italienischer Fürstentümer zur Renaissancezeit sind Bronzen, Bildteppiche, Möbel, Venezianer Gläser und Majoliken im Erdgeschoss. Im Obergeschoss sind Schätze aus barocken Kunstkammern, Delfter Fayencen und barocke Gläser zu sehen. Weiterhin ist europäisches Porzellan, vor allem aus Meißen und der Königlich-Preußischen Porzellan-Manufaktur, Zier- und Tischgerät vom Rokoko und Klassizismus über den Historismus bis zum Jugendstil ausgestellt.

Überregional bedeutend ist die Mode- und Kostümsammlung. Bereichert wurde sie vor allem 2003 durch den Ankauf der Sammlung Kamer/Ruf und 2005 durch die Übernahme der Sammlung des Berliner Modeschöpfers Uli Richter. Die Hauptwerke dieser Sammlung werden seit 2014 im neu etablierten Ausstellungsschwerpunkt „Mode-Kunst-Werke“ im Erdgeschoss gezeigt. Im Untergeschoss wird in der „Neuen Sammlung“ Kunsthandwerk des 20. Jahrhunderts durch Industrieprodukte ergänzt.

Der zweite Museumsstandort in Schloss Köpenick zeigt in einer Dauerausstellung mit dem Titel Raumkunst aus Renaissance, Barock und Rokoko einen Querschnitt der Ausstattungskunst des 16. bis 18. Jahrhunderts.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Deutsches Gewerbe-Museum zu Berlin. Berlin 1867 (Digitalisat).
  • Georg Büttner: Der Erweiterungsbau des Königlichen Kunstgewerbemuseums in Berlin. In: Zeitschrift für Bauwesen Jg. 58 (1908), Sp. 509–528 Tafel 58–61 (Digitalisat).
  • Christiane Keisch (Red.): Europäisches Kunsthandwerk aus zehn Jahrhunderten: Schloss Köpenick. Kunstgewerbemuseum, Berlin 1976.
  • Monika Bierschenk (Red.): Kunstgewerbemuseum Berlin. Kunsthandwerk vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Berlin 1985, 2. Aufl. 1989.
  • Kunstgewerbemuseum – Staatliche Museen zu Berlin, Sabine Thümmler (Hrsg.): Immer modern – Designklassiker von 1825 bis 1985 aus den Beständen des Kunstgewerbemuseums Berlin. Sandstein Verlag, Dresden 2017, ISBN 978-3-95498-360-5 (Auszug Online).
  • Barbara Mundt: Museumsalltag vom Kaiserreich bis zur Demokratie. Chronik des Berliner Kunstgewerbemuseums. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2018, ISBN 978-3-412-50746-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kunstgewerbemuseum Berlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Schloss Köpenick – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Reliquiar in Bursenform aus dem Schatz des Stiftes St. Dionysius zu Enger/Herford in der Online-Datenbank der Staatlichen Museen zu Berlin.
  2. Victor Heinrich Elbern: Ein fränkisches Reliquienfragment in Oviedo, die Engerer Burse in Berlin und ihr Umkreis. In: Madrider Mitteilungen. Bd. 3 (1962), S. 183–204.

Koordinaten: 52° 30′ 35″ N, 13° 22′ 3″ O