Kunsthalle Schweinfurt

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Das von dem Schweinfurter Industriellen Ernst Sachs den Bürgern seiner Heimatstadt geschenkte und in den Jahren 1931/33 nach Plänen von Roderich Fick erbaute Hallenbad (Ernst-Sachs-Bad) wird seit Mai 2009 als Kunsthalle der Museen und Galerien der Stadt Schweinfurt genutzt.

Vorhof mit Eingangsportal

Ausstellungsarchitektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenhof
Untergeschoss, mit freigelegter Stadtmauer
Albert Schiestl-Arding Selbstbildnis 1932

Das Konzept für die Kunsthalle sah vor, die historisch geprägte Außenansicht weitestgehend zu erhalten und den Innenbereich einer funktionalen Nutzung zu unterstellen. Die charakteristischen, schon zur Bauzeit vorbestimmten Raumelemente blieben erhalten. Der Haupteingang mit seiner Freitreppe und dem Portal mit Stiftungskartusche geleitet den Besucher auch heute wieder in das etwas erhöht stehende Gebäude. Über einen Vorraum gelangt der Besucher direkt in das Foyer. Der Innenhof ist für den Gast in den Sommermonaten frei zugänglich. Die unterirdischen Ausstellungsbereiche, die von außen auf den ersten Blick nicht wahrgenommen werden können, sind über zwei hohe und schmale Treppenräume mit aufregenden Lichtinstallationen zu erreichen. Kernstück ist jedoch der „White Cube“ der großen Halle im Erdgeschoss mit 500 Quadratmetern Ausstellungsraum und der bemerkenswerten Raumhöhe von rund 11 Metern.

Ständige Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diskurse – Deutsche Kunst nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihre Wurzeln hat die städtische Sammlung im regionalen Kunstschaffen mit Künstlern, die durch ihre Herkunft oder ihren Lebensweg mit Franken verbunden sind. Dazu zählen auch der Kölner Georg Meistermann, der informelle Maler Conrad Westpfahl ebenso wie auch der Bildhauer Fritz Koenig. Bereits seit den 1980er Jahren konzentrieren sich das Sammlungskonzept und die Wechselausstellungen auf deutsche Kunstäußerungen der Nachkriegszeit (z. B. Quadriga, ZEN 49, Junger Westen, SPUR) bis in die Gegenwart und präsentieren diese Positionen im Spannungsfeld von Abstraktion und Figuration, Informel und Expressionismus, klassischer Bildhauerei und Objektkunst. Nach 30-jähriger Sammlungs- und Ausstellungstätigkeit wird nun das Blickfeld auch auf das internationale Kunstschaffen gerichtet.

Sammlung Joseph Hierling[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine prägende Rolle im Konzept des Hauses spielen die Dauerleihgaben der Sammlung Joseph Hierling im Tiefparterre mit ihrem eigenständigen Blick auf die Kunst des expressiven Realismus. Joseph Hierling hat seit Jahrzehnten eine umfangreiche Sammlung zur Kunst der Verschollenen Generation zusammengetragen. Diese vom Expressionismus angeregten Künstler kamen als Jugendliche in die Hölle des Ersten Weltkrieges. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden sie ins Abseits gedrängt und verfemt, manche emigrierten, viele erhielten in Deutschland Ausstellungsverbot. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet die Kunst der inzwischen Fünfzigjährigen bald in den Schatten ungegenständlicher Strömungen und jüngerer Künstler. Erst verspätet entdeckte die Kunstgeschichte diese Maler der „Verschollenen Generation“. Mit der Übernahme der rund 350 Gemälde umfassenden Sammlung Joseph Hierling zunächst als Dauerleihgabe bietet sich die Möglichkeit, ein wichtiges Kapitel der deutschen Malerei zwischen den beiden Weltkriegen anhand hervorragender Beispiele zeigen zu können.[1][2]

Wechselausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insgesamt vier Präsentationen im Jahr finden in der großen Halle im Erdgeschoss und im Untergeschoss unter dem Innenhof statt, z. B. Werkausstellungen zu Herman de Vries, Herbert Mehler und Fred Thieler.

Von Mai bis Oktober 2013 beherbergte die Kunsthalle die Bayerische Landesausstellung 2013 Main und Meer.

Vom November 2013 bis März 2014 zeigte die Kunsthalle die Sammlung Gunter Sachs, u. a. mit Werken von Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Salvador Dali und Max Ernst. Die Ausstellung verstand sich als „eine Hommage der Familie Sachs an ihre Wurzeln“. Im Gegensatz zur Premiere in der Villa Stuck in München stellte Sohn Rolf Sachs gemeinsam mit der Familie für die Ausstellung in der Kunsthalle 70 zusätzliche Exponate zur Verfügung.[3]

Museumspädagogik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Museumsdienst Schweinfurt MuSe widmet sich seit über zehn Jahren der qualifizierten Kunstvermittlung in den Museen und Galerien der Stadt Schweinfurt sowie im Museum Otto Schäfer. Er wendet sich mit zielgruppenorientierten und altersgerechten Angeboten an die Gesamtheit der Besucher. Besondere Aufmerksamkeit gehört den Kindern und Jugendlichen. Die vielfältigen Aufgaben des Museums-Service umfassen in erster Linie die Konzeption, Organisation und Durchführung der didaktischen Angebote in den einzelnen, besonders in der Kunsthalle Schweinfurt. Vor allem freie Mitarbeiter ermöglichen eine breite Palette an Angeboten.

Kunstverein Schweinfurt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 1986 gegründete Kunstverein Schweinfurt e. V. ist der Förderverein der städtischen Museen und Galerien am Ort. Er richtet in seinen eigenen Räumen, dem „Kunstsalong“ im Obergeschoss, thematische Ergänzungen zu Ausstellungen in der Kunsthalle sowie Werkschauen von Künstlermitgliedern aus und unterstützt mäzenatisch bei Ausstellungen, Ankäufen und Katalogproduktionen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kunsthalle Schweinfurt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Expressiver Realismus. Die Sammlung Hierling
  2. Rainer Zimmermann (Kunsthistoriker): Die Sammlung Joseph Hierling. Expressiver Realismus. Faltblatt der Kunsthalle Schweinfurt von ca. 2016.
  3. schweinfurter, Bürgermagazin der Stadt Schweinfurt, 3. Ausgabe, S. 16

Koordinaten: 50° 2′ 37″ N, 10° 13′ 36″ O