Kunstmarkt

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Als Kunstmarkt wird heute die Gesamtheit aller Galerien, Kunstmessen, Sammlerbörsen oder Auktionen bezeichnet, bei denen Kunstwerke der Bildenden Kunst gehandelt werden. Man unterscheidet zwischen Malerei, Bildhauerei und Grafik, oder epochal z. B. in klassische Moderne und zeitgenössisch (Kunst ab 1945).

Soziale Aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Erwerb von Kunst hat vielerlei Ursachen und reicht von der Unterstützung und Förderung von Künstlern, über das Bekenntnis zu einem Kunststil, bis hin zum Statussymbol, durch dessen Besitz man überlegenen Geschmack demonstriert (wie beim berühmten Bild über dem Schreibtisch des Vorgesetzten). Die Kräfte des Marktes übernehmen dabei die Aufgabe, den Wert eines Kunstwerks festzulegen.

Auf dem hochpreisigen Kunstmarkt der sogenannten „Blue Chips“ wird Kunst jedoch meist als reines Investitionsgut gesehen und weniger von 'reinen Endkäufern' erworben, sondern bis zur erhofften Wertsteigerung durch Kunstinvestoren verwaltet.

Infolge einer wachsenden Tendenz zur Privatisierung geraten zunehmend Orte und Institutionen, an denen Kunst ausgestellt, gesammelt, diskutiert oder produziert wird, von öffentlichen in private Hände. Der Wandel vom Kunst- zum Spekulations- und Investitionsobjekt verteuern Kunstwerke für öffentlich subventionierte Museen, private Sammler bestimmen als Leihgeber oder Stifter von ganzen Sammlungen zunehmend, welche Kunst in den Museen zu sehen ist.

Bedingungen und Folgen des Kunstmarktes werden in Kunstkritik oder Kunsttheorie diskutiert und sind auch Teil künstlerischer Gegenstrategien, beispielsweise durch Arbeiten, die flüchtig sind und an Vergänglichkeit erinnern; die sich auflösen, verschimmeln oder verrotten wie bei Joseph Beuys oder Dieter Roth - zwei Künstlern, die allerdings heute selbst hoch gehandelt werden.

Die mediale Berichterstattung beschränkt sich in der Regel auf einzelne Phänomene, insbesondere Auktionsergebnisse und weniger auf den Kunstmarkt im Allgemeinen, so wird kaum über Markttrends berichtet.

Investition, Spekulation, Wert und Preisbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der internationale Kunstmarkt hat ein Volumen von rund 43 Milliarden Euro (2010).[1]

Angebot und Nachfrage bestimmen den Markt und so die Preise von Kunst, wobei der Wert eines Künstlers sich aber auch nach dem Renommee seiner Ausstellungsorte oder Ehrungen richtet. Zuweilen bilden sich Preise auch aufgrund eines Trends, einer "in Mode" gekommenen Kunstrichtung, die ebenso schnell wie sie gekommen ist, wieder absinken oder völlig verschwinden kann. Im Kunsterwerb vor allem zeitgenössischer Künstler liegen demnach gewaltige Möglichkeiten und Risiken. Fast die Hälfte der 400 Berliner Galerien etwa machen Verluste.[2] Es kann in Kunst investiert werden wie in Aktien, Edelmetalle/-steine, Antiquitäten oder Grundstücke und manche Blitzkarriere junger Künstler gleicht einer Aktienemission der New Economy. Im Allgemeinen gibt es jedoch eine extreme Konzentration der Nachfrage auf die bekanntesten Künstler (blue chips)[3] zu Lasten der weniger bekannten und die Preise entwickeln sich weit auseinander.[4] Lieblinge des Kunstmarktes 2013 waren etwa der Brite Francis Bacon (1909–1992), der US-Künstler Jean-Michel Basquiat (1960–1988) und der Deutsche Gerhard Richter (* 1932).[5] Spekulativ kaufende Sammler haben ein großes Interesse daran, dass verstärkt über die Künstler berichtet wird, die hohe Preise erzielen. In den letzten Jahren treiben besonders Sammler aus China, der arabischen Welt und Russland die Preise in die Höhe. Steuerflucht und Geldwäsche sind häufig.[6] Ein Trend ist die steuerbefreite Einlagerung von Kunst in speziell temperierten und gesicherten Lagerhäusern in der Schweiz[7] und in Luxemburg.[8] Bedeutendste Kunstmärkte sind die USA, die Volksrepublik China, Großbritannien, Frankreich und Deutschland.[9]

Akteure auf dem Kunstmarkt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kunstmarkt ist hauptsächlich bestimmt von folgenden Protagonisten oder Institutionen, in denen oder für die er tätig ist:

  • Der Künstler: zunächst freischaffend ohne Verkaufsaussicht, er entdeckt dann Marktlücken und nutzt Strategien der Selbstvermarktung. Manchmal zufällige Begegnung mit Sammlern, Galeristen usw.
  • Der Kunstagent: in den 1960er-Jahren entwickelte sich der Beruf des professionellen Kunstagenten. Dieser vermittelt für die Künstler zwischen Galerien, Sammlern, Museen und Messen. Auch Öffentlichkeitsarbeit und Forderungsmanagement wird für den Künstler häufig betrieben. Kunstagenten sind meist am Umsatz des Künstlers beteiligt oder arbeiten auf Etat.
  • Der Kunstkritiker: in den 1940er-, 1950er- und 1960er-Jahren konnte seine in öffentlichen Medien geäußerte Kritik zu Werken oder Ausstellungen eines Künstlers diesen auf dem Markt durchsetzen oder aus dem Markt werfen; Ende des 20. Jahrhunderts und Anfang des 21. Jahrhunderts ist die Macht des Kunstkritikers geschwunden. Die heutigen Kritiken helfen allerdings immer noch Sammlern, ihr Geld sinnvoll einzusetzen, bei Schwindel und Nachahmungen vorsichtig zu sein und oberflächliche, effekthascherische Strömungen und kurzlebige Moden von substanzhaltigen Werken zu unterscheiden.
  • Der Galerist: er lebt vom Kunsthandel und entwickelt ein bestimmtes Konzept und Galerie-Programm und präsentiert und vermarktet die Künstler. Er betreut gleichermaßen Sammler beim Aufbau ihrer Sammlung. Die Primärmarkt-Galerie betreut meist neue, junge Künstler und verkauft hauptsächlich "atelierfrische" Arbeiten. Die Sekundärmarkt-Galerie lebt im Gegensatz dazu ausschließlich vom Wiederverkauf der Kunstwerke. Häufig übernehmen ebenso Primärmarkt-Galerien den Rück- und Wiederverkauf von Arbeiten der von ihnen vertretenen Künstler.
  • Der Kunstberater: er ist eher neutraler Mittler zwischen Sammler und Galerie oder Sammlern untereinander. Da er selbst nicht unbedingt galeriegebunden ist, verschafft er dem Sammler beim Einstieg einen Überblick über den Markt, berät ihn vor und bei Kaufentscheidungsprozessen sowie bei der Zusammenstellung seiner Sammlung.
  • Der private Kunstsammler: er spezialisiert sich oder fördert gezielt durch Ankäufe bestimmte Tendenzen. Es ist ihm oft ein Anliegen, sich die Expertise selbst zu erarbeiten, wofür einen großen Zeitaufwand treibt; häufig sind es wohlhabende Menschen, die sich mit Leidenschaft in die Kunst verliebt haben. Die meisten großen Privatsammlungen sind so entstanden, eine finanzielle Absicht ist selten die treibende Kraft. Neue Käuferschichten aus China, Indien und Russland haben das Potential, den Markt stark zu verändern.[10]
  • Der Auktionsexperte von Auktions­häusern: er beobachtet intensiv den Markt, taxiert die ihm von Sammlern oder - in seltenen Fällen - von Museen angebotenen Kunstwerke und stellt sie zu den wenigen im Jahr stattfindenden Auktionen (2. Markt) seines Hauses zusammen. Im Gegensatz zum Galeristen ist es nicht Aufgabe von Auktionshäusern, junge, unbekannte Künstler zu fördern, es wird nach rein kommerziellen Absichten vorgegangen. Hier tauchen oft die spektakulären älteren Werke auf, die Rekorde bei Preis und öffentlicher Aufmerksamkeit erzielen.
  • Der Direktor und der Kurator von Museen, Stiftungen, institutionellen Sammlungen oder Ausstellungen: diese Museumsfachleute entscheiden über Schwerpunkte einer (öffentlichen) Sammlung, über Ausstellungskonzepte, Ankäufe von Kunstwerken und ihre Eingliederung in Museums- und Werkbestände. Diese Kunstwerke erhalten dadurch öffentliche Akzeptanz; die Arbeiten des entsprechenden Künstlers steigen meist dadurch im Wert.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literaturhinweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Angaben der European Fine Art Foundation, abgerufen am 23. Januar 2012
  2. Claudia von Duehren: Berliner Kunstmarkt ist heiß umkämpft. bz-berlin.de, 30. August 2014, abgerufen am 31. August 2014
  3. Philipp von Rosen: Artikel Kunsthändler und Kunstmarkt. in: Metzler Lexikon Kunstwissenschaft, hg. von Ulrich Pfisterer, 2. Auflage, Metzler, Stuttgart/Weimar 2011, ISBN 978-3-476-02251-6, S. 258 ff., hier S. 258
  4. Christoph Rottwilm: Kunstpreise stoßen nicht an Grenzen. (Interview mit Hans Neuendorf), manager-magazin.de vom 28. Februar 2012, abgerufen am 28. Mai 2012
  5. Matthias Thibaut: Die Monopolisten., handelsblatt.com vom 16. Februar 2013, abgerufen am 16. Februar 2013
  6. Sarah Thornton: Acht Gründe warum ich nicht mehr über den Kunstmarkt schreibe. Süddeutsche Zeitung vom 3./4. November 2012, S. 19
  7. J. Emil Sennewald, Tobias Timm: Im Bunker der Schönheit. zeit.de, 24. April 2013, abgerufen am 20. August 2013
  8. Annegret Erhard: Die geheimen Museen im Niemannsland. welt.de, 31. August 2014, abgerufen am 31. August 2014
  9. Dennis Kremer: Die Kunst schlägt den Dax. faz.net, 26. Januar 2015, abgerufen am 26. Januar 2015
  10. Christoph Rottwilm: Kunstpreise stoßen nicht an Grenzen. (Interview mit Hans Neuendorf), manager-magazin.de vom 28. Februar 2012, abgerufen am 28. Mai 2012