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Kunstverein Familie Montez

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Heutiger Standort des Kunstvereins: in den beiden weißen Brückenbögen der Honsellbrücke (links)
Die Namensgeberin Lola Montez. Porträt von Joseph Karl Stieler in der Schönheitengalerie im Schloss Nymphenburg.

Der Kunstverein Familie Montez e. V. ist ein Kunstverein in Frankfurt am Main, der sich der Vermittlung zeitgenössischer Kunst widmet. Darüber hinaus organisiert der Verein Vortragsreihen, Filmprogramme, Performances, Musikveranstaltungen, Sommerakademien und Partys.

Der Kunstverein Familie Montez ist nach Lola Montez benannt, der irischen Tänzerin, die als Mätresse des bayerischen Königs Ludwig I. bekannt wurde. Der Verein wie auch das Ausstellungszentrum werden inoffiziell „Montez“ oder „Lola Montez“ genannt.

Der Verein wurde im Jahr 2007 von den Künstlern Mirek Macke und Anja Czioska in den Räumen des Städelshofs gegründet.

Mirek Macke (* 1959) ist der Direktor des Kunstvereins. Er studierte von 1989 bis 1994 Interdisziplinäre Kunst an der Frankfurter Städelschule bei Hermann Nitsch.

Anja Czioska (* 1965)[1] studierte von 1987 bis 1995 an verschiedenen Kunsthochschulen. Von 1987 bis 1993 gehörte sie der Klasse für Experimentalfilm von Peter Kubelka an der Städelschule an. Im Jahr 1991 studierte sie an der Kunstakademie Rotterdam, 1994 im Bereich Film am San Francisco Art Institute (SFAI) und von 1994 bis 1995 in der Bildhauereiklasse bei Georg Herold an der Städelschule.

Erster Standort

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Erster Standort bis Mai 2012: Breite Gasse 24

Der Kunstverein Familie Montez hatte seinen Sitz zunächst in der Innenstadt Frankfurts im Städelshof, Breite Gasse 24, gelegen zwischen Konstablerwache und dem Zoo Frankfurt am Main. Der Verein konnte in dem Haus 1300 m² als Ausstellungsfläche nutzen.

Der Name Städelshof (auch Städel’scher Hof) für das Grundstück ist seit dem 18. Jahrhundert überliefert. Der Frankfurter Privatbankier und Händler Johann Friedrich Städel, Stifter des nach ihm benannten Kunstinstituts Städel und der Städelschule, hatte im Städelshof bis zu seinem Tode im Jahr 1817 ein Handelsunternehmen für Kaffee, Tee, Gewürze, Farbwaren und Edelmetalle betrieben. Später wurde die Markthalle auf dem Grundstück für den Handel mit Obst- und Gemüse genutzt. Ab dem Jahr 2000 hatten in dem Gebäude Kunstausstellungen stattgefunden, die von Städelschule und der Hochschule für Gestaltung Offenbach veranstaltet wurden.[2]

Schließung 2010

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Anlässlich einer Vernissage der Ausstellung Ab 18 im November 2010 wurde die Bauaufsicht der Stadt Frankfurt auf den Kunstverein aufmerksam und erteilte eine Nutzungsuntersagung wegen Sicherheitsmängeln. Um den Veranstaltungsort für Ausstellungen und Versammlungen nutzen zu können und die Brandschutzauflagen zu erfüllen, wurden Umbaumaßnahmen nötig.[3]

Direktor Mirek Macke organisierte für den Dezember 2010 eine Auktion zur Rettung des Lola Montez. Robert Bock stellte seine Ausstellungsfläche für eine Kunstauktion zur Verfügung. Etwa 100 Gemälde, Fotografien und Objekte brachten einen Erlös von rund 25.000 Euro und damit den finanziellen Grundstein für den Umbau.[3] An der Auktion beteiligten sich unter anderem Tobias Rehberger, Heiner Blum und Christa Näher.

Neueröffnung 2011

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Am 24. März 2011 fand die Wiedereröffnung des Kunstvereins statt. Mit Draußen vor der Tür, angelehnt an das Nachkriegsdrama von Wolfgang Borchert, zeigte der Kunstverein eine Ausstellung des Malers und Bildhauers Lionel Röhrscheid. Zur Eröffnung sprach Kasper König.[4]

Schließung 2012

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Am 30. Mai 2012 musste der Kunstverein seinen Sitz an der Breiten Gasse 24 endgültig schließen.[5] Der Besitzer des etwa 2000 Quadratmeter großen Areals, Konrad Pohl, verkaufte das Gebäude für 12 Millionen Euro an die Firma Quissenz GmbH.[6]

Neuer Standort Honsellbrücke (seit 2014)

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Die Honsellbrücke während der Grunderneuerung im November 2012, vor dem Einzug des Kunstvereins

2012 plante Mirek Macke einen Neuanfang für seinen Kunstverein in den beiden denkmalgeschützten Rundbögen der Honsellbrücke am Frankfurter Osthafen. „Zusammen mit der Städelschul-Absolventin Valentina Stanojev hat er […] ein Konzept erarbeitet. Die beiden Bögen sollen miteinander verbunden sein“ und nach Plänen des Städelschülers und Architekten Bernd Mey zu je einer Kunsthalle und einem Café ausgebaut werden. Macke soll die Kunsthalle mit wechselnden Ausstellungen bespielen.[7]

Zum ersten Mal am 29. Juli organisierte Macke die in vier Etappen stattfindende Ausstellungsreihe Ein Sonntag im Freien vor den im Rohbau befindlichen Rundbِögen, bei der die eingeladenen Künstler ihre Werke an Bauzäunen aufhängten.[8]

Ausstellungen (Auswahl)

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Ausstellungen im Städelshof

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  • 2007: In seiner ersten Einzelausstellung Pferdestärken zeigte der Kunstverein Malerei von Sven Tadic. Weitere Einzelausstellungen waren Thomas Nolden, Florian Heinke und anderen gewidmet.
  • 2008/2009: Auf der in fünf Etappen organisierten Gruppenausstellung My Generation waren unter anderem Christa Näher, Thomas Zipp, Manfred Peckl, Tobias Rehberger und Thomas Bayrle vertreten.[9][10] Die Abschlussausstellung Gut ist was gefällt präsentierte Arbeiten Frankfurter Künstler, die während des Sommerateliers 2009 entstanden waren.[11]
  • 2010: Gemeinschaftsausstellung Der Meister und seine Muse von Hermann Nitsch und Vroni Schwegler. Präsentiert wurden eine Dokumentation von Hermann Nitschs 122. Aktion aus dem Jahre 2005 im Wiener Burgtheater sowie Aufzeichnungen der 107. Aktion mit Vroni Schwegler. Vroni Schwegler zeigte kleinformatige Kaltnadelradierungen und Tierporträts in Öl auf Holz, Pressspan oder Malpappe.[12]
  • 2010: Während der Luminale zeigte der Kunstverein eine Lampeninstallation des Künstlerduos Kehres & Hungerer mit dem Titel Heavy – Medium – Light. Im Gewölbekeller hing von Leonie Langenstein Die letzte Glühbirne als Denkmal.

Wanderausstellung

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Bis Mai 2014 fand eine Wanderausstellung mit dem Titel Wurzeln weit mehr Aufmerksamkeit widmen statt, die in Kooperation mit anderen Galerien und Ausstellungsräumen in den Städten Weimar, Hamburg, Stuttgart, Karlsruhe, Berlin, Leipzig und Köln präsentiert wurde. Die Wanderausstellung des Montez im Exil fand im Mai und Juni 2014 ihren Abschluss in den neuen Räumen des Kunstvereins in Frankfurt, die Vernissage fand am 10. Mai zur Nacht der Museen 2014 statt.[13]

Mehr als 300 Künstler waren an der Wanderausstellung beteiligt. Sie war „in erster Linie ein Bekenntnis der Künstler zur Solidarität untereinander und zur Kunstszene als fruchtbarer Erde für neue Talente und Ideen“.[14]

Ausstellungen in der Honsellbrücke

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  • Der Kunstverein wurde am 30. März 2014[15] mit der von Mirek Macke kuratierten Luminale, die als einen Standort auch die Honsellbrücke einbezog, eröffnet.[16]
  • 2025: Fotoausstellung Hoch hinaus! Die Europäische Zentralbank verändert ihr Viertel von Peter Menne, zum zehnjährigen Jubiläum der Eröffnung des Neubaus der Europäischen Zentralbank, deren Doppelturm in unmittelbarer Nachbarschaft steht.[19] Der Katalog zur Ausstellung erschien im Alibri Verlag.[20]

Lola Montez Band

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Künstler, Mitglieder und Freunde des Kunstvereins sind in der Lola Montez Band engagiert. Am 2. Februar 2013 spielte die Lola Montez Band im Frankfurter Kunstverein mit folgender Besetzung: Anja Czioska (Gesang, Gitarre, Schellenring), Mirek Macke (Gesang, Mundharmonika), Corinna Mayer (Gesang), Lionel Röhrscheid (Gitarre, Violine, Horn), Jamie Sanjuan (Bass) und Jörg Weil (Schlagzeug). Einen Gastauftritt hatte Sascha Boldt (Gesang). Zum festen Ensemble gehört außerdem Matthias Vatter (Gitarre), zu den Gründungsmitgliedern zählen Philipp Deines und Christian Mouson (Synthesizer).[21]

„Mehr als ein Ausstellungsraum, war das Lola Montez von Anfang an ein mythisch aufgeladener Ort unter der Stadt, der als kollektiver Exzess-, Erlebnis- und Erfahrungsspeicher einer ganzen Generation fungierte […] das Kunstwerk war das Lola Montez schon immer selbst, und wir waren seine Künstler.“

Markus Farr, Pressesprecher der Schirn Kunsthalle Frankfurt[22]
  • 2014: Stadtteilpreis, Frankfurt[23]
Commons: Kunstverein Familie Montez – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Anja Czioska bei filmportal.de.
  2. Frank Berger, Christian Setzepfand: 101 Unorte in Frankfurt. Societäts-Verlag, Frankfurt 2011, ISBN 978-3-7973-1248-8, S. 60 f.: Kapitel Unabsehbar. Gemüsehalle – Kunsthalle.
  3. 1 2 Auktion für den Kunstverein fr-online.de, 17. Dezember 2010.
  4. Erhard Metz: Kunstverein Familie Montez und das grosse Blah Blah Blah feuilletonfrankfurt.de, 25. März 2011.
  5. Kunstverein Montez sucht neue Bleibe. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. April 2012, S. 48.
  6. Grete Gِötze: Lola Montez ist ohne Bleibe fr-online.de, 5. April 2012.
  7. Stefan Rِöttele: Kultivierteres Lola Montez welt.de, 25. September 2012.
  8. Angaben zu Veranstaltungen im Jahr 2012 evamoll.net.
  9. Christoph Schütte: Vorspeise zum Klassentreffen, Frankfurter Allgemeine Zeitung, faz.net, 8. Juli 2008.
  10. Christoph Schütte: Neuer Leuchtturm für die Kunst, Frankfurter Allgemeine Zeitung, faz.net, 2. September 2008.
  11. Christoph Schütte: Kunst mit Familienanschluss, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. Juli 2009.
  12. Dorothee Baer-Bogenschütz, Verzückung und Ekel fr-online.de, 26. Januar 2010.
  13. „Wurzeln weit mehr Aufmerksamkeit widmen“ – Ende einer Wanderausstellung kvfm.de.
  14. Geniale Dilletanten Shvantz 1979 – Frankfurts Kunstszene, Goethe-Institut - goethe.de, abgerufen am 15. April 2015
  15. Nils Bremer: Kunstverein Familie Montez zieht unter die Honsellbrücke, Journal Frankfurt, abgerufen am 12. Dezember 2013.
  16. Nils Bremer: Die goldene Osthafenbrücke, Journal Frankfurt, abgerufen am 12. Dezember 2013.
  17. Bei ihr wird Mode zur Kunst, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. Juni 2021.
  18. Tüll vor wolkenreichem Himmel, Die Tageszeitung, 6. Juli 2021.
  19. Fotoausstellung von Peter Menne: Die EZB verändert ihr Viertel Humanistischer Pressedienst, 7. April 2025.
  20. Peter Menne: Hoch hinaus! Die Europäische Zentralbank verändert ihr Viertel. Katalog zur Photoausstellung im Kunstverein Familie Montez, Frankfurt, März–April 2025. Hrsg.: Alibri Verlag. ISBN 978-3-86569-144-6 (alibri.de [abgerufen am 2. Juli 2025]).
  21. Kunstverein Familie Montez # 66, Die Lola Montez Band im Frankfurter Kunstverein 2013 (Video), 2. Februar 2013.
  22. Markus Farr: Mirek und Munch. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. Mai 2012.
  23. Stadtteilpreis für „Familie Montez“. In: Frankfurter Rundschau, 9. Dezember 2014.