Kunstverlag J.C. Blumenberg
Der Kunstverlag J.C. Blumenberg war ein deutscher Verlag mit Sitz in Lübeck, der sich auf die Produktion und den Vertrieb von hochwertigen Lithografien, Stahlstichen und religiösen Druckerzeugnissen spezialisierte.
Geschichte und Profil
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Unternehmen wurde von Josef Carl Blumenberg (1880–1949) kurz nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg gegründet.[1] Blumenberg heiratete im September 1919 in Berlin Else Nicolas, geb. Schreier (1882–1945).[2] Am 13. Juli 1920 wurde der Sohn Hans Blumenberg geboren. Im Lübecker Adressbuch von 1921 erscheint Blumenberg als Kunsthändler in der Hüxstraße 17.[3] Offizielles Gründungsdatum des eigenen Kunstverlags war der 1. Juli 1924.[4] Ein Schwerpunkt des Verlagsprogramms lag auf der christlichen Kunst. Blumenberg produzierte großformatige Wandbilder für den kirchlichen und privaten Gebrauch sowie illustrierte Prachtbibeln. Neben religiösen Motiven vertrieb das Haus auch Porträts zeitgenössischer Persönlichkeiten und Architekturansichten; es diente als Auslieferungspartner für die Bilddrucke des Münchener Knorr & Hirth-Verlags in Norddeutschland.[5] Seit 1924 war Blumenberg auch Generalvertreter für das Programm des Baseler Kunstverlags Dietrich & Cie.[6]
Ab 1924/25 befanden sich Wohnung und Verlag in der Hansestr. 5[7] nahe dem Hauptbahnhof, ab 1930 auf der anderen Straßenseite in der Hansestr. 6.[8] Hans Blumenberg verarbeitete die visuelle Welt des väterlichen Betriebs, insbesondere die Schutzengel-Motive, in seinem philosophischen Werk.[9]

Während der NS-Zeit geriet der Verlag unter Druck, da Else Blumenberg jüdischer Herkunft war. Ihre Verfolgung und ihr früher Tod im November 1945 sowie die Einstufung des Sohnes als „Halbjude“ belasteten den Fortbestand des Verlags schwer.[1] Dennoch konnte der Verlag noch von 1938 bis 1941 in den Ausstellungskatalogen der Großen Deutschen Kunstausstellung inserieren.[10] Josef Carl Blumenberg war Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste und seit 1937 auch Mitglied im Börsenverein der Deutschen Buchhändler.[11]
Bei den Export-Stücken handelte es sich vor allem um Landschaftsmotive, aber auch Genremalerei, mitunter nahe an der Grenze zum Kitsch (Muttis Herzblättchen). Zu den Künstlern, deren Werke Blumenberg in den 1930er Jahren als hochwertige Lichtdrucke (Collotypie) verlegte und exportierte, zählten:[12][13]
- Willy Hanft: Kastanienallee[14]
- Carl Kenzler: Der Sonne erster Gruß (Morning Glory), Meeresleuchten
- Hede Klinge-Neumann (1895–1980): Frühling und Jugend, Muttis Herzblättchen, Schwesterchen wacht[15]
- Fritz Neumann (1897–1984): Ferien-Erinnerungen (From my window), Dem Endkampf entgegen, Das ewig schöne Meer, Ran an den Wind, Hol an die Schooten (Taking it cleverly), Mercurius, Spritzige Fahrt
- Amelie Ruths: Blühende Hallig
- Albert Friedrich Schröder: Er kommt (He is coming)
- Max Streckenbach: Gefüllter Gartenmohn, Hortensien und Fuchsschwanz, Roter Mohn und gelbe Schwertlilien[16]
- H. Trugert = Kurt Vogler: Herbstmorgen am Rhein (Rhine romantic), Reiche Ernte (Golden harvest), Frühling in den Bergen, Heidepartie am Toten Grund, Hardanger Fjord, Im Loisachtal, Königsee, Am Obersee, Am Titisee, Pilatus und Vierwaldstättersee, Blühende Fluren, Zugspitzmassiv, Goldene Abendsonne (Glorious Sunset), Morgen am Meer
Nach 1945
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als Folge des Luftangriffs auf Lübeck am 29. März 1942 im Zweiten Weltkrieg verlagerte das Unternehmen seinen Sitz nach Bargteheide (Schleswig-Holstein), da die Wohn- und Geschäftsräume in der Hansestraße zerstört waren.
Nach dem Tod des Gründers 1949 übernahm Walter Tetzlaff die Leitung des Verlages.[17]
In den 1960er Jahren expandierte der Verlag international und vertrieb Motive deutscher Künstler bis in die USA: Man blieb der „religiösen Gebrauchskunst“ treu, ergänzte dies jedoch durch populäre Künstlergrafiken. Walter Tetzlaff verlegte den Sitz des Verlages nach Heiligenhafen; zuletzt befand er sich in der Alten Schule in Techelwitz.[18]
Signet
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Signet des Verlages zeigte die Initialen JCB in der Toröffnung des stilisierten Holstentors, später die Initialen JCB (JC über B) in einem ansonsten leeren Wappenschild. In beiden Formen wurde es auch als Blindstempel auf Kunstdrucke gesetzt.[17]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Rüdiger Zill: Der absolute Leser. Hans Blumenberg. Eine intellektuelle Biographie. Suhrkamp, Berlin 2020, ISBN 978-3-518-58752-2.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Blumenberg, J. C., Kunstverlag, Lübeck, 21765 Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig (I), Nr. F 00841, Staatsarchiv Leipzig in der Deutschen Digitalen Bibliothek
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b Uwe Wolff: Der Mann, den alle schlagen, diesen schlägst Du nicht. In: Internationale katholische Zeitschrift Communio. Band 43, Nr. 3, 14. Oktober 2022, S. 182–198, doi:10.57975/IKAZ.V43I3.6115 (online [abgerufen am 3. Januar 2026]).
- ↑ Sie stammte aus einer jüdischen Familie und hatte sich kurz zuvor, am 10. August 1919 in der Jakobikirche (Lübeck) evangelisch taufen lassen, wobei ihr Verlobter ihr Pate war (Taufregister, abgerufen über ancestry.com). Später konvertierte sie zur römisch-katholischen Kirche.
- ↑ Adreßbuch der freien und Hansestadt Lübeck … 1921, S. 597.
- ↑ Adressbuch des deutschen Buchhandels. 1940, S. 53.
- ↑ Siehe die Anzeige in Die Kunst für alle 30 (1924), S. X
- ↑ J. C. Blumenberg in Lübeck übernimmt die Generalvertretung und das Auslieferungslager für Deutschland., Deutsche Nationalbibliothek urn:nbn:de:101:1-2023110510202513403094
- ↑ Adreßbuch der freien und Hansestadt Lübeck … 1925, S. 689.
- ↑ Adreßbuch der freien und Hansestadt Lübeck … 1930, S. 721.
- ↑ Uwe Wolff: Blumenbergs Engel, Herder Korrespondenz, 7/2020. Abgerufen am 3. Januar 2026.
- ↑ Kunstverlag J.C. Blumenberg empfiehlt sich den schaffenden Künstlern für die Übernahme der Herausgabe von Künstlerischen Wiedergaben ihrer Arbeiten, die sich auch für den Export eignen. Große Deutsche Kunstausstellung, Katalog 1938, Anzeigenteil S. 16
- ↑ Siehe die Akte (Weblinks)
- ↑ Library of Congress (Hrsg.): Catalogue of Copyright entries Part 4: Works of arts, etc. New series 33, No. 3, 1938, S. 145 [Einträge 7694–7697] (archive.org)
- ↑ Library of Congress (Hrsg.): Catalogue of Copyright entries Part 4: Works of arts, etc. New series 34, 1939, S. 143 [Einträge 8037–8062] (archive.org).
- ↑ Abb. auf ebay.com, abgerufen am 7. Januar 2026.
- ↑ Zu ihr und ihren Werken siehe Hedwig Klinge (mit Abb.), abgerufen am 7. Januar 2026
- ↑ Abb. auf auctionet.com, abgerufen am 7. Januar 2026.
- ↑ a b Mark Strong: Fritz Neumann (AKA Ric). Meibohm Fine Arts, abgerufen am 3. Januar 2026 (englisch, Abschnitt: Kunstverlag J.C. Blumenberg (JCB) Biography:).
- ↑ Belegt noch 1987, Adressbuch für den deutschsprachigen Buchhandel 1987, S. 222.