Kurdische Republik Latschin

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Die Kurdische Republik Latschin (nordkurdisch Komâra Laçîn Kurdî) wurde am 20. Mai 1992 im aserbaidschanischen Bezirk Laçın ausgerufen, zwei Tage nachdem das Gebiet der Aserbaidschanischen SSR im Zuge des Bergkarabachkonflikts von armenischen Einheiten erobert wurde;[1] die Bevölkerung wurde dabei durch Auswanderung größtenteils minimiert.

Die Idee, im Prinzip eine Wiedereinrichtung der Entität des Roten Kurdistans der 1920er Jahre zu verwirklichen, wurde von den Armeniern in den Raum gestellt, für welche der Latschin-Korridor eine strategisch wichtige Verbindung zu Bergkarabach bildete. Allerdings zog die kleine kurdische Bevölkerung des Gebiets zusammen den ethnischen Aseris um[2] - die meisten fanden Zuflicht in anderen Regionen Aserbaidschans. Daher wurden die kurdischen Jugendlichen und Intellektuellen (insgesamt etwa 70 Personen), welche die Republik errichteten, in von der Jerewaner Stadtverwaltung bereitgestellten Bussen aus Armenien nach Laçın transportiert. Die Szene wurde von politischen Beobachtern mehr als eine Hochzeitsfeier als die Proklamation eines Staates gesehen.[3]

Nach der Deklaration der Republik durch diese Busladungen von Besuchern entstand keine internationale Anerkennungsinitiative, und anstelle im Gebiet Kurden anzusiedeln, wurde Latschin über die Zeit von Armeniern wiederbevölkert.[3]

Regierung[Bearbeiten]

Der Ministerpräsident der Republik, Wekîl Mustafayev, hatte entsprechend der Pressemitteilungen "während der Tage der Sowjetunion in Zentralasien als Senior-KGB-Offizier gearbeitet. Er wurde in eine Familie hineingeboren, die nach Usbekistan exiliert wurde. Seine Frau diente als Offizierin im Sowjetmilitär." Scheref e Eschir wurde zum Stellvertretenden Ministerpräsidenten ernannt, während andere Kabinettspositionen Karlan e Chachani als designierten Kultusminister und Emerike Serdar als Informationsminister umfassten. Fünf Jahre später wurde Serdar mit folgenden Worten zitiert: "Wir wussten alle zu gut, dass die Armenier uns niemals das Land geben würden, und dass wir nie dazu fähig sein würden, die Kurden zu überzeugen, herzukommen und sich in den wegen des Krieges entvölkeren Ländereien anzusiedeln. Wir gingen allerdings nach Latschin, um einen Meilenstein in der Geschichte zu hinterlassen."[3]

Nach dem Scheitern der Republik zog Wekîl Mustafayev nach Krasnodar und beantragte später Asyl in Italien.[3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thomas De Waal, Black Garden S. 183; gibt auch Daten zum Fall von Latschin
  2. Vicken Cheterian: War and Peace in the Caucasus: Ethnic Conflict and the New Geopolitics. Columbia University Press, 2008, ISBN 9780231700641, S. 134 (Zugriff am 11 February 2013).
  3. a b c d Mehmet Aktas: Lachin Kurdish Republic is declared. Kurdmedia. 30. November 2000. Abgerufen am 9. Februar 2013.