Kurhaus (Bad Honnef)

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Das Kurhaus (2012)
Kursaal während des Aalkönigsfests (2006)
Kurhaus und Villa Haarhaus (1910)

Das Kurhaus (auch: Kursaal) von Bad Honnef, einer Stadt im nordrhein-westfälischen Rhein-Sieg-Kreis, geht auf das Jahr 1906 zurück. Es liegt an der Hauptstraße (Hausnummer 28) und bildet das Zentrum des historischen Kurviertels der Stadt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem 1897 an der Honnefer Austraße eine 250 m tiefe Mineralquelle – die sogenannte „Drachenquelle“ – erbohrt wurde, begann im folgenden Jahr an gleicher Stelle der stetig wachsende Kurbetrieb. Als Kurhaus diente ab 1901 zunächst die Villa Haarhaus an der Hauptstraße, erbaut 1872–74 für den Barmener Fabrikanten Julius Haarhaus, dessen Sohn Julius R. (1867–1947) ein zu Lebzeiten bekannter Schriftsteller war[1]. Sie wurde von der Stadt Honnef für diesen Zweck am 4. April 1901 angekauft und bei Kosten von 150.000 Mark[1] umgebaut. 1906 entstand nach einem überregionalen Ausschreibungsverfahren rechtwinklig zur Villa Haarhaus ein neues Kurhaus – feierlich eröffnet am 21. April 1907 –, etwa zur gleichen Zeit auch eine Wandelhalle und ein Musikpavillon. Mit dem Entwurf war der Honnefer Stadtbaumeister Wilhelm Schwingen beauftragt worden, der dabei Unterstützung vom Stadtbaumeister von Idar-Oberstein unterhielt.[2]:42 Das neue Kurzentrum der Stadt entwickelte sich zum kulturellen Mittelpunkt und war Stätte von Konzerten, Theateraufführungen und anderen Veranstaltungen mit festlichem Charakter. Die Schriftstellerin Nanny Lambrecht sorgte für die Anwerbung auswärtiger Künstler.

Nach Beginn des Ersten Weltkriegs diente das Kurhaus als Sitz der Geschäftsleitung eines Ausschusses, der die Aufnahme verwundeter und kranker Soldaten in die verschiedenen Lazarette der Stadt koordinierte.[3] Im November 1923 wurde Honnef im Zuge der separatistischen Bewegungen zur Gründung einer Rheinischen Republik besetzt. Bei einer Feier der Separatisten im Kursaal am 12. November wurde dieser verwüstet, das Mobiliar ging in Flammen auf.

1937/1938 entstand bei Abriss der alten eine neue Wandelhalle sowie eine neue Trinkhalle. 1939 wurde der Kurgarten unter Abbruch einer der evangelischen Kirche gegenüberliegenden Villa erweitert.[4][5] Um 1949 wurde das Kurhaus für eine Nutzung durch Mitarbeiter der Alliierten Hohen Kommission beschlagnahmt.[6] Am 14. September 1950 fand hier die Bundespressekonferenz statt.[7] 1950 erfolgte eine Renovierung des Gebäudes. 1967 wurde es um einen Restaurantvorbau in Sichtbeton erweitert, eine Begrenzungsmauer zur Hauptstraße hin gebaut und die auf dem Gelände gelegene Villa Haarhaus abgerissen.[1] 1987 übernahm die Stadt Bad Honnef den Betrieb des Kurhauses. 1989 begann eine weitere Umbauphase: Der Restaurantvorbau wurde zugunsten eines Neubaus mit Foyer im Erdgeschoss und sanitären Anlagen im Keller abgerissen, außerdem von 1991 bis 1993 die Inneneinrichtung des Kursaals mit seinem wertvollen Jugendstildekor restauriert, wobei ein Bühnenhaus zum Abriss kam.[8] Das Kurhaus gehört seit 2000 zum Kongresspark Bad Honnef und ist nach wie vor ein kulturelles Zentrum der Stadt. Seit 2003 findet dort alljährlich das sogenannte Aalkönigsfest statt. Seit 2016 ist eine erneute mehrjährige Sanierung des Kurhauses im Gange, die zukünftig ebenso wie die regelmäßig anfallenden Instandhaltungsmaßnahmen auf Grundlage eines noch zu erstellenden Sanierungskonzepts erfolgen soll (Stand: März 2017).[9]

Der „Kurgarten“, in dem die Kuranlagen liegen, umfasst zum Teil seltene Baumarten. Der Trinkbrunnen in der Trinkhalle wird durch Wasser aus der Edelhoff-Thermalquelle gespeist, die 1967/1968 im heutigen Park Reitersdorf erbohrt wurde[10]. Kurhaus, Badehaus und Trinkhaus stehen als Baudenkmal unter Denkmalschutz. Die Eintragung in die Denkmalliste der Stadt Bad Honnef erfolgte am 11. August 1983.[11]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Günter Werber: Der Kursaal von Bad Honnef – vor 90 Jahren erbaut. In Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises 1997, Siegburg 1996, ISSN 0932-0377, S. 39–47.
  • Landeskonservator Rheinland: Bad Honnef – Stadtentwicklung und Stadtstruktur. Rheinland-Verlag, Köln 1979, ISBN 3-7927-0414-5, S. 108–112.
  • Karl Günter Werber: Honnefer Spaziergänge. Verlag Buchhandlung Werber, Bad Honnef 2002, ISBN 3-8311-2913-4, S. 38–39.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kurhaus (Bad Honnef) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Horst Heidermann: Der Wuppertaler Villen und Wohnungen – Spurensuche am Rhein (PDF; 1,9 MB). In: Geschichte im Wuppertal, Jg. 20, 2011, S. 35/36
  2. Karl Günter Werber: Der Kursaal von Bad Honnef – vor 90 Jahren erbaut. In Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises 1997
  3. Krieg zerstörte den Traum vom „Weltbad“, Die Bad Honnefer Wochenzeitung, 10. Juni 2013
  4. Karl Günter Werber: Zeitsprünge: Bad Honnef. Sutton Verlag, Erfurt 2009, ISBN 978-3-86680-560-6, S. 56.
  5. Karl Günter Werber: Alt Honnefer Bilderbuch. Dritte, stark erweiterte Auflage. Verlag der Buchhandlung Karl Werber, Bad Honnef 1983, S. 93.
  6. Helmut Vogt: Wächter der Bonner Republik: Die Alliierten Hohen Kommissare 1949–1955, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2004, ISBN 3-506-70139-8, S. 190.
  7. KVV-Archiv Bad Honnef – Bundespressekonferenz 14.09.1950 in Honnef
  8. Landeskonservator Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Jahrbuch der Rheinischen Denkmalpflege 39, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2004, ISBN 3-937251-23-5, S. 204.
  9. Gründlicher Gebäude-Check des Kurhauses, Pressemitteilung der Stadt Bad Honnef, 10. März 2017
  10. Geologisches Landesamt Nordrhein-Westfalen (Hrsg.); Gangolf Knapp, Klaus Vieten: Geologische Karte von Nordrhein-Westfalen 1:25.000. Erläuterungen zu Blatt 5309 Königswinter. 3., überarbeitete Auflage, Krefeld 1995, S. 56-57.
  11. Denkmalliste der Stadt Bad Honnef, Nummer A 33

Koordinaten: 50° 38′ 47,8″ N, 7° 13′ 27,1″ O