Kurhessenbahn

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Kurhessenbahn
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Basisinformationen
Webpräsenz www.kurhessenbahn.de
Bezugsjahr 2016
Eigentümer DB RegioNetz
Verkehrsverbund * Nordhessischer Verkehrsverbund (NVV)
Mitarbeiter 175[1]
Linien
Spurweite 1.435 mm

Eisenbahn

Anzahl Fahrzeuge
Lokomotiven 1 × 218
Triebwagen 9 × VT 646, 16 × VT 628
Statistik
Fahrgäste täglich ca. 6.500
Fahrleistung 2,5 Mio. Zugkilometer
Haltestellen 60
Länge Liniennetz
Eisenbahnlinien 275 kmdep1
Bahnhof Wolfhagen der Kurhessenbahn

Die in Kassel ansässige Kurhessenbahn ist das erste von fünf RegioNetzen, die im Rahmen ihrer Mittelstandsoffensive von der Deutschen Bahn AG geschaffen worden sind. Sie bildet eine Einheit, die formal in die Gesellschaften DB RegioNetz Verkehrs GmbH und DB RegioNetz Infrastruktur GmbH aufgespalten ist, um der gesetzlichen Vorgabe nach Trennung von Netz und Betrieb gerecht zu werden.

Ziel ist es, durch eine Änderung der Organisationsstruktur und ortsnahe Aktivitäten schwach ausgelastete Strecken auf Dauer zu erhalten.

Geschäftszahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kurhessenbahn fährt bei einem 275 Kilometer langen Streckennetz auf fünf Linien insgesamt 65 Stationen an (davon 50 eigene). Mit 25 Dieseltriebwagen werden jährlich 2,5 Millionen Zugkilometer (140 Züge täglich) zurückgelegt und 6.500 Fahrgäste täglich befördert. Diese Leistung wird von 208 Mitarbeitern erbracht.[1] Darüber hinaus hält die Kurhessenbahn für Güter- und Sonderverkehre eine Diesellokomotive der Baureihe 218 vor.[2] Diese wird vor allem im Holzverkehr eingesetzt, der von der 2007 eingerichteten Verladestelle Breidenstein an der Scheldetalbahn ausgeht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen wurde zum 7. Dezember 2000 als erstes Regionalnetz auf den Weg gebracht[3] und Anfang September 2002 als DB RegioNetz Verkehrs GmbH / Infrastruktur GmbH Kurhessenbahn gegründet.[4] Die Kurhessenbahn hat ab 1. Januar 2002 für die Dauer von zwanzig Jahren mehrere Nebenstrecken in Hessen und Nordrhein-Westfalen von der DB Netz AG gepachtet.[5] Gleichzeitig wurde ein langjähriger Verkehrsvertrag mit den verantwortlichen Aufgabenträgern geschlossen. Diesser beinhaltete den Betrieb der Nahverkehrslinien Brilon Wald – Korbach, Kassel – Korbach, Marburg – Frankenberg und Marburg – Erndtebrück. Eine Besonderheit dabei war die Linie Wabern – Bad Wildungen die zwischen 1998 und 2008 von der Hessischen Landesbahn betrieben wurde und somit den Synergieeffekten zwischen Netz und Betrieb nicht erfüllen konnte, der von den Verantwortlichen hervorgehoben wurde.

Ende 2003 konnte der Streckenabschnitt Willingen – Korbach wieder in Betrieb genommen werden, der über vier Jahre, wegen baufälliger Viadukte gesperrt war. Gleichzeitig wurde die Strecke umfassend saniert und die Streckenhöchstgeschwindigkeit erhöht, womit die Fahrzeit zwischen Korbach und Brilon Wald um 13 Minuten reduziert werden konnte.[6] 2006 wurde die Strecke Kassel – Korbach über mehrere Monate gesperrt und für den Betrieb der RegioTram saniert und ausgebaut. Ab Dezember 2006 wurde die Regionalbahn im Abschnitt KasselWolfhagen durch die RegioTram-Linie RT4 mit Dieselhybridfahrzeugen abgelöst, womit ein zweites fremdes Verkehrsunternhemen Nahverkehrsleistungen auf dem Netz der Kurhessenbahn betreibt. Die Kurhessenbahn betriebt seitdem nur noch den Regional-Express zwischen Kassel und Korbach.

Parallel dazu begannen ab 2005 im Abschnitt Frankenberg–Herzhausen Freischneidearbeiten zur Reaktivierung des Streckenabschnittes. Unter finanzieller Beteiligung des Landkreises Waldeck-Frankenberg wurde ab 2005 an Sonn- und Feiertagen ein Ausflugsverkehr im Abschnitt Herzhausen-Frankenberg-Battenberg im Zweistundentakt eingeführt. Dieser Verkehr sollte eine Vorstufe zum geplanten Lückenschluss zwischen Korbach und Frankenberg darstellen. Ein Gutachten hatte allerdings im Jahr 2007 ergeben, dass der Lückenschluss in damals geplanter Form volkswirtschaftlich nicht sinnvoll ist. Der NVV nahm daraufhin von seinem Rücktrittsrecht im Realisierungsvertrag Gebrauch und der Landkreis Waldeck-Frankenberg strich seine finanzielle Beteiligung an dem Ausflugsverkehr, worauf dieser eingestellt wurde. Die Planungen sahen zu dieser Zeit Investitionen in Höhe von 43 Millionen Euro für den Lückenschluss und der Beschleunigung der Strecke Cölbe–Korbach vor. Anschließend wurde eine abgespeckte Variante erarbeitet, die statt eines Stunden- nur noch einen Zweistundentakt, sowie keine Beschleunigungsmaßnahmen mehr vorsieht. Für diese Variante konnte ein volkswirtschaftlicher Nutzen ermittelt werden.[7]

In einem Ausschreibungsverfahren des Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV) konnte sich die Kruhessenbahn den Betrieb der Linie (Kassel -)WabernBad Wildungen (17 km) sichern. Die Linie wurde mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2008 von der Hessischen Landesbahn übernommen, die die Linie zuvor zehn Jahre lang betrieben hat.

Im Jahr 2010 begannen die Arbeiten zur Sanierung des Abschnittes Marburg – Frankenberg. Dabei wurden die Halte und die Streckeninfrastruktur modernisiert, sowie die Signalisierung auf ein ESTW umgestellt.

Nach jahrelangen politischen Debatten wurde im September 2012 endgültig beschlossen, die Gesamtstrecke Frankenberg (Eder) – Korbach ab Dezemeber 2014 wieder durch den Personenverkehr bedient wird. Durch Verzögerungen bei der Herrichtung der Infrastruktur verschob sich dieser Termin allerdings auf September 2015. Die Wiedereröffnung wurde Mitte September 2015 durch ein Streckenfest mit historischen und modernen Fahrzeugen offiziell gefeiert.[8] Seitdem wird ein Verkehr im 2-Stunden-Takt angeboten. Darüber hinaus werden wieder durchgehende Verbindungen von Brilon (Stadt) bzw. Bestwig bis Marburg angeboten.

Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2015 wurde ein neues Fahrplankonzept auf der Main-Weser-Bahn im Abschnitt Kassel – Treysa eingeführt, womit die meisten Fahrten der Linie Wabern – Bad Wildungen nach Kassel verlängert wurden und während der Hauptverkehrszeit zusätzliche nach Treysa bei der Kurhessenbahn bestellt wurden.

Im März 2016 konnte die Kurhessenbahn die Ausschreibung des Dieselnetz Nordwesthessen für sich entscheiden und wird somit ihr bisheriges Liniennetz ab Dezember 2017 für weitere 15 Jahre betreiben. Der Betrieb wird dabei vollständig auf gebrauchte Niederflurtriebzüge vom Typ Stadler GTW (Anzahl: 13) und Siemens Desiro (Anzahl: 14) umgestellt. Im Zuge des neuen Verkehrsvertrages wird die Fahrzeuginstandhaltung nach Korbach verlegt, wofür hier eine neue Werkstatt errichtet wird.[9]

Aktueller SPNV-Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kurhessenbahn bedient derzeit im SPNV Folgende Linien:

Linie Verlauf Takt Länge Fahrzeug Anmerkung
R4 Kassel-WilhelmshöheWolfhagenVolkmarsenKorbach 60 min 74 km VT 628, VT 646
R38 Kassel HbfWabernTreysa vereinzelt 62 km VT 628 nur während der Hauptverkehrszeit
R39 Kassel HbfWabernBad Wildungen 120 min 51 km VT 646 bis 2008 Hessischen Landesbahn
seit Dezember 2015 weitere Fahrten nach Kassel Hbf
R42 MarburgBahnhof Frankenberg (Eder)KorbachBrilon Wald (–Brilon Stadt/Bestwig) 120 min 102 km bzw. 110 km VT 628, VT 646 2015 Reaktivierung Frankenberg (Eder)–Korbach
umgebaute Fahrradtriebwagen
RB43 Marburg–BiedenkopfBad Laasphe (–Erndtebrück) bis Bad Laasphe 60 min
sonst 120 min
64 km VT 628 umgebaute Fahrradtriebwagen
Battenberg (Eder)Allendorf (Eder)–Frankenberg (Eder) 13 km VT 628 Sonderverkehr Eder-Bike-Tour

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Streckenabschnitte wurden von der Kurhessenbahn gepachtet:

Verlauf Strecke Linien Länge Anmerkung
Obervellmar – Korbach Volkmarsen–Obervellmar,
Bahnstrecke Warburg–Sarnau
R4, RT 4 74 km
Brilon-Wald – Sarnau Burgwaldbahn,
Uplandbahn
R42 87 km 2010 Modernisierung, Umstellung auf ESTW und Verlegung von Haltepunkten zwischen Marburg und Frankenberg
2015 Reaktivierung der Strecke Frankenberg (Eder)–Korbach
zwei Viadukte und Bahnhöfe saniert;
Geschwindigkeit zwischen Brilon Wald und Korbach auf 100 km/h angehoben
Erndtebrück – Cölbe Obere Lahntalbahn RB 94, R42 60 km 2003, 2009 und 2010 wurden neue Haltepunkte gebaut
2015 Umbau des Bahnhofes Bad Laasphe
Wabern – Bad Wildungen Bahnstrecke Wabern–Brilon Wald R 39 17 km
Frankenberg – Battenberg Bahnstrecke Bad Berleburg–Allendorf, Ruhr-Eder Bahn 14 km nur Güterverkehr und gelegentliche Sonderfahrten
Wallau – Breidenstein Scheldetalbahn 2 km nur Güterverkehr

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikivoyage: Kurhessenbahn – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b "Daten und Zahlen". DB RegioNetz Kurhessenbahn, 2016, abgerufen am 24. Juli 2016.
  2. Fuhrpark. DB RegioNetz Kurhessenbahn, 2010, abgerufen am 26. Januar 2011.
  3. Neue Regionalnetze: Die Strategie der Deutschen Bahn. In: Eisenbahn-Kurier, Nr. 345, Juni 2001, ISSN 0170-5288, S. 8.
  4. Kurhessenbahn feiert 10jähriges Bestehen. Deutsche Bahn AG, 10. August 2012, abgerufen am 12. August 2012.
  5. Vgl. Imagebroschüre „DB RegioNetz – Wir geben der Region eine Zukunft.“, Kurhessenbahn, S. 9. DB Mobility Logistics AG, 2009_08, abgerufen am 12. August 2012 (PDF; 1,5 MB).
  6. Wiedereröffnung der Bahnstrecke Korbach – Willingen. Nordhessischer Verkehrsverbund, 16. Dezember 2003, abgerufen am 24. Juli 2016.
  7. http://korbach.active-city.net/city_info/display/dokument/show.cfm?region_id=81&id=359720&design_id=9120&type_id=0&titletext=1 Große Anfrage der CDU-Fraktion, Reaktivierung Korbach – Frankenberg
  8. http://korbach-frankenberg.de/
  9. Kurhessenbahn (KHB) gewinnt EU-weite Ausschreibung der Verkehrsleistungen im Nordwesthessennetz – Betriebsaufnahme im Dezember 2017 zum Fahrplanwechsel, Kurhessenbahn. Kurhessenbahn, März 2016, abgerufen am 24. Juli 2016.