Kurier-Express-Paket-Dienst

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DHL-Fahrzeug

KEP-Dienste (Kurier-, Express- und Paketdienste) sind Logistik- und Postunternehmen. Die Abgrenzungskriterien zu anderen Märkten sind unter anderem das Gewicht und Volumen der Sendungen, die Geschwindigkeit des Güterversandes und die angebotenen Dienstleistungen. Zu den führenden KEP-Dienstleistern in Deutschland gehören DHL International GmbH, DPD Deutschland GmbH, FedEx Corporation, General Logistics Systems Germany, Hermes Germany GmbH, TNT Express B.V. sowie United Parcel Service Deutschland S.à.r.l. & Co. OHG.

Die Bedeutung der KEP-Branche nimmt sowohl für die Wirtschaft als auch für die Gesellschaft stetig zu – Endverbraucher bestellen zunehmend online, nahezu alle Wirtschaftszweige und Unternehmensbereiche nutzen die KEP-Dienstleistungen für ihre Belieferung und den Versand von Waren. Neben den reinen Transportleistungen können die Unternehmen durch die KEP-Angebote kosteneffizient ihre Märkte erweitern und ihre Wettbewerbsfähigkeit und Absätze steigern. Die KEP-Dienste wandeln sich daher zunehmend vom externen Anbieter hin zum Logistikpartner. Mit der damit verbundenen Einbettung in die wirtschaftliche und gesellschaftliche Versorgung übernimmt die KEP-Branche systemrelevante Aufgaben der Grundversorgung.

Unterteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurierdienste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurierdienste stellen Sendungen in der Regel unter ständiger persönlicher oder technischer Begleitung und auf direktem Weg zu, beispielsweise durch Fahrradkuriere in Städten oder Sicherheitskuriere für Geld- und Werttransporte. Die Zustellung erfolgt i. d. R. am selben Tag („Same Day“) oder zu einem individuell vereinbarten Zeitpunkt. Für Kuriersendung gibt es keine Gewichtsobergrenzen.

Paketdienste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paketdienste sind Systemdienstleister, die mit einer hohen Standardisierung, automatisierten und vereinheitlichten Prozessen arbeiten. Die Laufzeit der Sendungen ist durch die festgelegte Arbeitsweise meist etwas höher als bei Expressdiensten und die Zustellzeit nicht garantiert. Außerdem gibt es Beschränkungen der zum Transport übernommenen Sendungen in Größe und Gewicht (so beschränken die meisten Paketdienste das Höchstgewicht einer Sendung auf 31,5 kg bis max. 70 kg).

Expressdienste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu (Direkt-)Kurieren werden Expresssendungen nicht direkt, sondern über ein Umschlagzentrum zum Empfänger befördert (i. d. R. „Overnight/Time Definite“). Wesentliche Merkmale der Expresstransporte sind die garantierte Laufzeit, verbindliche Zustellzeiten und keine Gewichtsobergrenzen. Die großen Expressdienste sind genauso stark automatisiert wie Paketdienste, setzen aber besonders in den USA auf Frachtflugzeuge. In Europa vermischen sich die Begriffe Paket- und Expressdienst, da es keine rechtlich verbindliche Definition gibt.

Nachtexpress[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spezialbereich der Expressdienste. Anders als bei Overnight-Dienstleistern werden die Sendungen im Nachtexpress vor 8:00 Uhr, optional vor 7:00 Uhr oder 6:00 Uhr zugestellt und stehen den Empfängern damit vor Arbeitsbeginn zur Verfügung. Die Übergabe erfolgt quittungslos an zuvor definierten Übergabeplätzen. Dazu verwalten die Nachtexpressdienstleister die Schlüssel oder Zugangscodes zu Unternehmensgebäuden, Safes oder die Kofferräume von Service-Fahrzeugen.

Dienstangebot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die KEP-Dienste grenzen sich durch ein breites Serviceangebot von den speditionellen Angeboten ab. Diese zusätzlichen Dienstleistungen werden durch ein höheres Beförderungsentgelt vergütet und können meist je nach Bedarf vom Kunden zusätzlich bestellt werden.

Physische Dienstleistung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevorzugte Zustellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten KEP-Dienste bieten eine Zustellung der Sendung zu einer bestimmten Uhrzeit an. Typische Zeiträume sind bis 8 Uhr, bis 10 Uhr oder bis 12 Uhr.

Beförderung kritischer Sendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige KEP-Dienste sind in der Lage, Gefahrgut, Kunstwerke, sensible Geräte, lebende Tiere, Kühlsendungen oder auch medizinische Proben zu transportieren.

Same Day Delivery (SDD)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Same Day Delivery (SDD) ist eine Form eines Kurier-Express-Paket-Dienstes der Pakete schneller, im Idealfall innerhalb eines Kalendertages, oder in einem geplanten Zeitfenster zustellt.

Same Hour Delivery[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Service Same Hour Delivery wird überwiegend in Großstädten und Ballungszentren angeboten. Hierbei wird die bestellte Ware noch in der gleichen Stunde zugestellt, in der die Bestellung aufgegeben wurde.

Informationsdienstleistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paketverfolgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kunde kann im Rahmen einer Sendungsverfolgung noch während der Beförderung über Internet, Apps oder Sprachassistenten nachvollziehen, wann sich sein Paket wo befindet.

Abliefernachweis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele KEP-Dienste bieten gegen Gebühr erweiterte Dokumentation der Auslieferung an:

  • gescannte Unterschrift des Warenempfängers
  • aufbereitete Berichte
  • fotografiertes Paket mit lesbarer Adresse (Schweizer Post)

Software[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu Speditionen, die auf standardisierte Schnittstellen wie EDIFACT/EANCOM und NVE setzten, aber auch auf individuelle Wünsche der Kunden eingehen, geben KEP-Dienstleister die Form der Datenkommunikation in der Regel fest vor. Das Regelwerk dazu ist proprietär und somit auch von KEP-Dienstleister zu KEP-Dienstleister sehr unterschiedlich. Nur das Prinzip ist bei allen gleich. Der KEP-Dienstleister übermittelt an seine Kunden regelmäßig die sogenannten Routings (eine Tabelle, in der zu jeder Postleitzahl eine Kennung – in der Regel für Niederlassung, die ein Paket für diese Postleitzahl an den Empfänger weiterleiten soll – genannt ist, sowie Sortier- und Ausliefer-Verkehrsknotenpunkte, oft Hub genannt), die der Kunde in seinem System benutzen muss, um das Routing auf dem von ihm gedruckten Paketlabel mit auszugeben. Auf diesem Paketlabel muss sich auch eine maschinenlesbarer Strich- bzw. 2D-Codes befinden, der in der Regel alle für den KEP-Dienstleister wichtigen Informationen enthält.

Dies ist inzwischen veraltet und die meisten KEP-Dienste liefern in ihren Schnittstellen die Etiketten im ZPL-Format (für Etikettendrucker) oder als PDF in der Antwort zur Abholnachricht aus. Das Speichern der Routingdaten zur Erzeugung der Etiketten ist nur noch bei EDI-ähnlichen Schnittstellen (uni-direktional) notwendig.

Auf eine Datenübertragung pro Paket o. ä. wird nach Möglichkeit verzichtet. KEP-Dienstleister unterhalten oft Sortieranlagen, die die Pakete automatisch zu dem richtigen Lkw befördern und die abrechnungsrelevanten Daten an die Finanzbuchhaltung weiterleiten. Auf diese Weise soll dem im KEP-Bereich höheren Durchsatzbedarf Rechnung getragen werden. Viele KEP-Dienste bieten ihren Kunden eine entsprechende fertige Softwarelösung an.

Die meisten KEP-Dienste bieten proprietäre Schnittstellen an. ERP-Softwarepakete wie SAP (XSI = eXpress Shipper Interface als Teil von LE = Logistics Execution) sind im Prinzip auf eine elektronische Zusammenarbeit vorbereitet, trotzdem muss Middleware dafür sorgen, dass die Systeme miteinander kommunizieren können.

Im März 2015 hat GS1 Germany einen KEP-Branchenworkshop zum Thema Standardisierung initiiert. Ziel ist herauszufinden, inwiefern sich die offenen GS1 Branchenstandards auf Basis der NVE und der dazugehörigen EDI wie EDIFACT/EANCOM auch auf den KEP-Markt übertragen lassen und eine Anwenderempfehlung dazu zu erarbeiten. Basis sind die bereits 2008 bei GS1 Germany erarbeiteten Empfehlungen zum Informationsfluss und zu Sendungsnummern in der Logistik.[1]

Situation in Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney stieg 2010 in Europa die Zahl der Sendungen um 6 Prozent auf 5 Milliarden Stück. Der Umsatz der Branche stieg 2010 um 4 Prozent auf 42,1 Milliarden Euro.[2] Von der Fraunhofer Arbeitsgruppe für Supply Chain Services wurde die Marktgröße 2014 sogar mit 70 Milliarden Euro angegeben.[3] In einer weiteren Studie hat A.T. Kearney die Entwicklung des internationalen Sendungsverkehrs beleuchtet.[4] Die globale Entwicklung des Paketversands wurde anhand 13 wichtiger Paketmärkte im Pitney Bowes Parcel Shipping Index ausgewertet.[5]

Situation in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sendungsmengen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland wurden im Jahr 2019 3,65 Milliarden KEP-Sendungen (+3,8 % zum Vorjahr) befördert, wie der Bundesverband Paket und Expresslogistik e.V. (BIEK) in seiner jährlichen KEP-Studie veröffentlichte. Dies entspricht mehr als 12 Mio. zugestellten Sendungen täglich. 2019 wurden allein in Deutschland 21,3 Mrd. Euro Umsatz im KEP-Markt generiert (+4,4 % zum Vorjahr).  Größter Wachstumstreiber ist der boomende Online-Handel.

Beschäftigungszahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2019 waren insgesamt rund 244.600 Mitarbeiter direkt bei den Unternehmen des KEP-Marktes beschäftigt. Indirekt resultieren bei den Vorleistungsunternehmen etwa 153.500 Beschäftigte. Zusammen mit den Beschäftigten in den KEP-Unternehmen sind aufgrund primärer Effekte also etwa 398.100 Beschäftigte von der KEP-Branche abhängig.[6]

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland existieren zwei Ausbildungsberufe: die zweijährige Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen sowie der dreijährige Kaufmann für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen.

Interessenverbände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige KEP-Dienste sind im Bundesverband Paket und Expresslogistik e. V. (BIEK) vertreten, darunter DPD Deutschland, General Logistics Systems Germany (GLS), GO! Express & Logistics, Hermes Germany und United Parcel Service (UPS).

Digitalisierung und Onlinehandel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Digitalisierung und der Onlinehandel verändern die KEP Branche. Durch den Aufbau dezentraler Läger von Onlinehändlern in Ballungsräumen werden klassische Standardpaketservices in lokale Kurierservices umgewandelt.[7] Sie werden dann nicht mehr wie bisher nahezu ausschließlich von den Paketdiensten, sondern häufig von regionalen Kurierdiensten erbracht. Diese Serviceangebote bezeichnet man häufig als Same Day Delivery. Ausprägung dieser Serviceart sind:

  • Zustellung zum vom Empfänger vorgegebenen Zeitfenster (Zeitfensterzustellung)
  • Zustellung am Tag der Bestellung (in der Regel Bestellung bis Mittag und Zustellung bis zum Abend)
  • Zustellung sofort nach der Bestellung in Zeitfenstern zwischen 30 und 120 min.

Mit dem digitalen Ausbau erweitern die KEP-Unternehmen die Kundeninformation zum Sendungsverlauf. Indem der Empfänger weitergehende Statusberichte seiner Sendung erhält und Einfluss auf den Zustellprozess nehmen kann, steigern die KEP-Dienste die Erstzustellquote. Durch das Sendungstracking kündigt der KEP-Dienstleister den Zustellzeitpunkt an. Der Empfänger kann daraufhin die persönliche Annahme des Pakets sicherstellen oder die Zustellung mit verschiedenen Optionen abändern:

  • Wunschtermin

Der Empfänger ändert nach seinen Wünschen Datum und Zeitraum der Zustellung.

  • Zustellung an Nachbarn

Der abwesende Empfänger weist den Zusteller an, das Paket an seinen Wunschnachbarn zu liefern.

  • Abstellgenehmigung

Mit der erteilten Ablagegenehmigung deponiert der Zusteller das Paket am Wunschort des Empfängers, z. B. im Garten, in der Garage oder auf

der Terrasse.

  • Umleitung an Paketshop oder Paketstation

Indem der abwesende Empfänger das Paket vorab an einen nahegelegenen Paketshop oder eine Paketstation umleitet, kann er das Paket zu

einem für ihn geeigneten Zeitpunkt dort abholen und muss nicht einen erneuten Zustellversuch abwarten.

Innenstadtlogistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die steigenden Paketmengen, das hohe Verkehrsaufkommen, fehlende Haltemöglichkeiten und strengere Umweltvorschriften stellen die KEP-Branche insbesondere in urbanen Ballungsräumen vor neue Herausforderungen. Die vielerorts fehlenden gewerblichen Halteflächen oder deren Fehlbelegung mit bis zu 81 Prozent durch Falschparker haben den BIEK veranlasst, die Initiative „Liefern lieber in der ersten Reihe!“ zu starten. Zielsetzung der Initiative ist es, die Aufnahme eines einheitlichen Verkehrsschildes „Ladezone“ für gewerbliche Be- und Entladevorgänge in die StVO zu erwirken. Die Einrichtung klar gekennzeichneter Haltezonen in ausreichender Anzahl soll den Verkehrsfluss verbessern, den Straßenverkehr sicherer und den städtischen Lieferverkehr effizienter machen.[8][9]

Um den neuen Umweltauflagen gerecht zu werden, verwenden die KEP-Unternehmen zunehmend Nutzfahrzeuge mit alternativen Antriebstechnologien. Allerdings sind die Einsatzmöglichkeiten derzeit aufgrund der technologiebedingt reduzierten Ladevolumina, den unwirtschaftlichen Anschaffungskosten und einem zu geringen Angebot geeigneter Fahrzeuge beschränkt.  Auf der letzten Meile setzt die KEP-Branche zunehmend auf alternative Zustellvarianten und errichtet z. B. urbane Mikrodepots. Diese werden von KEP-Fahrzeugen gezielt beliefert und die Pakete anschließend mit Lastenfahrrädern und Sackkarren an die Empfänger zugestellt. Die bürokratische Genehmigungsvergabe und der Mangel an verfügbaren Flächen behindern den weiteren Ausbau dieses Konzepts.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.gs1-germany.de/service/presse/meldung/meldung/kurier-express-paketdienstleister-wollen-transportprozesse-vernetzen-384/
  2. http://www.presseportal.de/pm/15196/2157107/paketmarkt-zurueck-auf-wachstumskurs-mit-bild
  3. http://www.scs.fraunhofer.de/content/dam/scs/de/dokumente/studien/Top%20100%20EU%202015%20Executive%20Summary.pdf
  4. A.T. Kearney GmbH: Europäischer Paket-Boom: Jährlich 720 Mio. internationale Sendungen. In: Pressemitteilung, 4. Oktober 2017. A.T. Kearney GmbH, 4. Oktober 2017, abgerufen am 22. Oktober 2020.
  5. Pitney Bowes Parcel Shipping Index. Abgerufen am 22. Oktober 2020.
  6. KE-Consult Kurte & Esser GbR: Verbinden, sichern und versorgen, KEP-Studie 2020 – Analyse des Marktes in Deutschland. Hrsg.: Bundesverband Paket und Expresslogistik e. V. Berlin, Köln 2020, S. 30–31.
  7. https://www.heise.de/newsticker/meldung/Amazon-Same-Day-Amazon-startet-Lieferung-am-selben-Tag-in-Deutschland-2919080.html
  8. Bundesverband Paket und Expresslogistik e. V. (BIEK): DREI PUNKTE FÜR BESSEREN VERKEHRSFLUSS. Bundesverband Paket und Expresslogistik e. V. (BIEK), September 2018, abgerufen am 22. Oktober 2020.
  9. Bundesverband Paket und Expresslogistik e. V. (BIEK): WAS BEWIRKEN GEWERBLICHE LIEFER- UND LADEZONEN? Bundesverband Paket und Expresslogistik e. V. (BIEK), Juni 2020, abgerufen am 22. Oktober 2020.